StKorth_privat
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Also dann, endlich wieder einmal eine Dobson-Nacht…
Am Start: Mein 12“-GSO-Dob auf Martini-Rockerbox, Brennweite 1.500mm. Dazu dann heute noch Nagler 31mm, Ethos 21mm, Nagler 13mm / 9mm / 7mm / 3.5mm. Im Filterkoffer lagen bereit: Lumicon OIII / Gen.3, Baader OIII / 4nm, Baader H-beta 3.5nm.
Der Dämmerungshimmel war noch diesig, das war auch noch nach Dämmerungsende so. Na gut, zum Warmlaufen wieder die Sternhaufenrunde durch Ophiuchus und Serpens. Die fange ich immer bei der markanten Speerspitze von 66 / 67 / 68 / 70 Oph an, die Gruppe nennt sich auch Melotte 186 – eher etwas für Ferngläser und den Sucher.
Direkt östlich die beiden sehr losen Haufen Ren 37 und LeDrew 7 – die kenne ich erst, seit ich mit dem interstellarum DeepSkyAtlas arbeite. Ziemlich frugale Haufen und auf jeden Fall etwas Katalognerds. Immerhin kann man sie dank 1,4° Sehfeld des 21mm-Ethos so gerade noch als Sternhaufen wahrnehmen. Dann weiter zu NGC 6633, schönes Teil, feine Sternkette. IC 4756 ist dann wieder sehr locker sortiert, dafür gibt es knapp ein Grad südwestlich mit Struve 2342 einen hübschen Doppelstern. Nun geht´s Richtung Westen – oh, ein PN?
NGC 6572 fällt bei 71x schon als türkisfarbener und leicht defokussiert wirkender Stern auf. Man kann dank der Flächenhelligkeit auch mit viel höherer Vergrößerung ran an das Teil, selbst bei 214x ist er noch gefärbt. Nebelfilter braucht man nicht, den Zentralstern kann ich nicht packen, spannend dann der Anblick im Staranalyzer – mind. zwei spektrale Nebelbilder kann ich sehen, aber was da außer OIII meine Netzhaut noch anspricht, weiß ich nicht so recht.
Dann weiter zu IC4665 – hell, locker, über 1 Grad Durchmesser – ein bisschen wie Praesepe in klein. Bevor ich dann die Kugelhaufen M 10 und M 12 ansteuer, nehme ich noch den Doppelstern Struve 2202 = 61 Oph unweit von Gamma Oph mit.
M 10 leidet sehr unter dem Horizontdunst, zeigt aber immer noch ein paar Dutzend Einzelsterne – M 12 ist da etwas geiziger. Vier Grad nördlich kann ich mich an der kleinen Sterngruppe um den Doppelstern Struve 2096 und 19 Oph erfreuen – ja, so etwas sieht auch unter meinem Osterather Dunsthimmel ganz nett aus.
Nach Mitternacht lässt sich dann von meinem Garten aus auch die Sommermilchstaße in Ansätzen erahnen, langsam wird es klarer. Bortle? SQM? Mir egal, ich nehme, was ich kriegen kann und lass mich auf einen Filtertest ein.
Startobjekt: NGC 6888, die wunderbare Nebelsichel im Schwan. Weil das Ethos 21mm das neueste Pferd in meinem Okularstall ist, schraube ich da den Lumicon OIII hinein. Nebel: Sitzt, sofort erkenne ich den hellern Teil des Bogens, die „Blase“ ist allerdings nicht wirklich zu sehen. Jetzt gilt´s, her mit dem aberwitzig schmalbandigen Baader-CMOS-OIII – eigentlich ja für ambitionierte Pixeljäger gemacht. Die Himmelshelligkeit? Fast weg. Der Nebel … uff, aus dem zarten Nebelbogen ist eine kräftige OIII-Gurke geworden. H-beta bringt bei diesem Nebel nichts, der Baader-OIII hat den Dreikampf deutlich gewonnen!
Die Nebel um Gamma Cygni hebe ich mir für später auf, jetzt will ich einen echten OIII-Zweikampf – Cirrus-Nebel!
Der Baader-OIII ist noch im Okular, der Sturmvogel ist auf beiden Seiten von 52 Cygni gut abzufahren – klasse, auch viele Feinstrukturen sieht man! Den Dobson leicht um ein knappes Grad nach Nordosten geschubst: Da steht Pickerings Dreieck! Zuhause ist mir das noch nie so einfach gefallen, das Teil zu erspähen. Wie mag das wohl unter einem besseren Himmel aussehen… Ich kann hin- und herschwenken, zwischen den Feldsternen glimmen immer wieder verwaschene Filamente auf. Weiter dann zur „Knochenhand“ = NGC 6992. Das Ding steht wie auf den Himmel gemeißelt vor mir – Donnerwetter! So deutlich sah ich das nur vor Jahren auf dem Vogelsberg. Und weiter dann, südlich von IC 1340, „mein“ Nebelfetzen = Korth 1 – ganz einfach und gut abgesetzt als Nebelchen zu sehen.
Die gleiche Runde mache ich dann auch mit dem Lumicon OIII – keinesfalls schlecht, nur eben nicht so kontrastreich wie das Baader-OIII-Pendant. Alles in allem hat dieser Teil des Wandertages gute 30 Minuten in Anspruch genommen – jede davon habe ich genossen!
Dann wieder zurück zu Gamma Cygni. Der Nebelpart östlich und südlöstlich (IC1318B???) soll lt. DeepSky-Atlas am besten mit UHC-Filter zu sehen sein. Kann ich nicht bestätigen, H-beta macht hier das Rennen, besser auch als das Baader OIII. Auch NGC 6914 (ca. 1,5 Grad nordwestlich von Gamma Cygni) ist mit H-beta besser, eigentlich nichts Neues für mich.
Weiter dann zu Nordamerika und Pelikan, das Baader OIII-Filter ist noch im Okular. Ja, alles da, aber nicht zu toppen der Anblick durch´s H-beta aus gleichem Stall. Gerade der Golf von Mexico (!!!) und die anschließenden Teile des Nordamerika-Nebel sind gut zu fassen – wobei ich hier jetzt zum 31mm-Nagler gewechselt habe, das hat mit 1,6 Grad Sehfeld noch einmal etwas mehr Umfeld. Kleiner Schwenk noch extra für Thomas Wahl: M 29 darf auch heute nicht fehlen! Immer hübsch anzusehen, wenn auch die HII-Hintergrundnebel viel zu schwach für den visuellen Beobachter sind.
Jetzt werde ich dann doch etwas mutiger und surfe durch die Schwan´schen Sternwolken Richtung NGC 6871 (noch so ein großer Fernglassternhaufen) und dann weiter zum Tulpen-Nebel Sharpless 101. Kein leichtes Objekt, ein hauchfeiner Vorsprung für das Baader OIII-Filter. Aber die Aufhellung um die beiden Sterne 7. und 9. Größe inmitten des Nebels ist unverkennbar.
Mittlerweile geht es auf 1:30 Uhr zu, es deuten sich von Südwesten kommend wieder Zirren an – also schwenke ich noch Richtung Hantel-Nebel, einem Paradeobjekt für OIII-Filter. Im Lumicon OIII-Filter sieht es bei 71x gut und klar abgetrennt aus. Aber auch hier haut mich das Baader OIII um, der Nebel steht wie ein leuchtender Kokon und mit seinen „Henkeln“ vor mir, der Kontrastgewinn ist enorm. Und als ich dann die Brennweite des Dobson per 2,5x – Barlow noch auf 3.750mm verlängere (179x), da wird die Hantel dann auch noch flockig. Klasse, so noch nie gesehen!
Als der Dunst dann immer höher kommt, mache ich noch schnell einen Schwenk zum Ring-Nebel – noch einmal das 13mm-Nagler mit StarAnalyzer. Mehr als genau einen Ring inmitten lauter Sternspektren sehe ich da aber nicht. Nun, das wird noch einmal ein Extrathema.
Fazit des Abends: Das Baader-OIII-Filter hat mir mächtig Spaß bereitet und macht Bock auf echte Objektherausforderungen in klareren Nächten. Und wieder einmal hat sich gezeigt: Stadthimmelspechteln hat auch seine Highlights!
CS,
Stefan Korth
Am Start: Mein 12“-GSO-Dob auf Martini-Rockerbox, Brennweite 1.500mm. Dazu dann heute noch Nagler 31mm, Ethos 21mm, Nagler 13mm / 9mm / 7mm / 3.5mm. Im Filterkoffer lagen bereit: Lumicon OIII / Gen.3, Baader OIII / 4nm, Baader H-beta 3.5nm.
Der Dämmerungshimmel war noch diesig, das war auch noch nach Dämmerungsende so. Na gut, zum Warmlaufen wieder die Sternhaufenrunde durch Ophiuchus und Serpens. Die fange ich immer bei der markanten Speerspitze von 66 / 67 / 68 / 70 Oph an, die Gruppe nennt sich auch Melotte 186 – eher etwas für Ferngläser und den Sucher.
Direkt östlich die beiden sehr losen Haufen Ren 37 und LeDrew 7 – die kenne ich erst, seit ich mit dem interstellarum DeepSkyAtlas arbeite. Ziemlich frugale Haufen und auf jeden Fall etwas Katalognerds. Immerhin kann man sie dank 1,4° Sehfeld des 21mm-Ethos so gerade noch als Sternhaufen wahrnehmen. Dann weiter zu NGC 6633, schönes Teil, feine Sternkette. IC 4756 ist dann wieder sehr locker sortiert, dafür gibt es knapp ein Grad südwestlich mit Struve 2342 einen hübschen Doppelstern. Nun geht´s Richtung Westen – oh, ein PN?
NGC 6572 fällt bei 71x schon als türkisfarbener und leicht defokussiert wirkender Stern auf. Man kann dank der Flächenhelligkeit auch mit viel höherer Vergrößerung ran an das Teil, selbst bei 214x ist er noch gefärbt. Nebelfilter braucht man nicht, den Zentralstern kann ich nicht packen, spannend dann der Anblick im Staranalyzer – mind. zwei spektrale Nebelbilder kann ich sehen, aber was da außer OIII meine Netzhaut noch anspricht, weiß ich nicht so recht.
Dann weiter zu IC4665 – hell, locker, über 1 Grad Durchmesser – ein bisschen wie Praesepe in klein. Bevor ich dann die Kugelhaufen M 10 und M 12 ansteuer, nehme ich noch den Doppelstern Struve 2202 = 61 Oph unweit von Gamma Oph mit.
M 10 leidet sehr unter dem Horizontdunst, zeigt aber immer noch ein paar Dutzend Einzelsterne – M 12 ist da etwas geiziger. Vier Grad nördlich kann ich mich an der kleinen Sterngruppe um den Doppelstern Struve 2096 und 19 Oph erfreuen – ja, so etwas sieht auch unter meinem Osterather Dunsthimmel ganz nett aus.
Nach Mitternacht lässt sich dann von meinem Garten aus auch die Sommermilchstaße in Ansätzen erahnen, langsam wird es klarer. Bortle? SQM? Mir egal, ich nehme, was ich kriegen kann und lass mich auf einen Filtertest ein.
Startobjekt: NGC 6888, die wunderbare Nebelsichel im Schwan. Weil das Ethos 21mm das neueste Pferd in meinem Okularstall ist, schraube ich da den Lumicon OIII hinein. Nebel: Sitzt, sofort erkenne ich den hellern Teil des Bogens, die „Blase“ ist allerdings nicht wirklich zu sehen. Jetzt gilt´s, her mit dem aberwitzig schmalbandigen Baader-CMOS-OIII – eigentlich ja für ambitionierte Pixeljäger gemacht. Die Himmelshelligkeit? Fast weg. Der Nebel … uff, aus dem zarten Nebelbogen ist eine kräftige OIII-Gurke geworden. H-beta bringt bei diesem Nebel nichts, der Baader-OIII hat den Dreikampf deutlich gewonnen!
Die Nebel um Gamma Cygni hebe ich mir für später auf, jetzt will ich einen echten OIII-Zweikampf – Cirrus-Nebel!
Der Baader-OIII ist noch im Okular, der Sturmvogel ist auf beiden Seiten von 52 Cygni gut abzufahren – klasse, auch viele Feinstrukturen sieht man! Den Dobson leicht um ein knappes Grad nach Nordosten geschubst: Da steht Pickerings Dreieck! Zuhause ist mir das noch nie so einfach gefallen, das Teil zu erspähen. Wie mag das wohl unter einem besseren Himmel aussehen… Ich kann hin- und herschwenken, zwischen den Feldsternen glimmen immer wieder verwaschene Filamente auf. Weiter dann zur „Knochenhand“ = NGC 6992. Das Ding steht wie auf den Himmel gemeißelt vor mir – Donnerwetter! So deutlich sah ich das nur vor Jahren auf dem Vogelsberg. Und weiter dann, südlich von IC 1340, „mein“ Nebelfetzen = Korth 1 – ganz einfach und gut abgesetzt als Nebelchen zu sehen.
Die gleiche Runde mache ich dann auch mit dem Lumicon OIII – keinesfalls schlecht, nur eben nicht so kontrastreich wie das Baader-OIII-Pendant. Alles in allem hat dieser Teil des Wandertages gute 30 Minuten in Anspruch genommen – jede davon habe ich genossen!
Dann wieder zurück zu Gamma Cygni. Der Nebelpart östlich und südlöstlich (IC1318B???) soll lt. DeepSky-Atlas am besten mit UHC-Filter zu sehen sein. Kann ich nicht bestätigen, H-beta macht hier das Rennen, besser auch als das Baader OIII. Auch NGC 6914 (ca. 1,5 Grad nordwestlich von Gamma Cygni) ist mit H-beta besser, eigentlich nichts Neues für mich.
Weiter dann zu Nordamerika und Pelikan, das Baader OIII-Filter ist noch im Okular. Ja, alles da, aber nicht zu toppen der Anblick durch´s H-beta aus gleichem Stall. Gerade der Golf von Mexico (!!!) und die anschließenden Teile des Nordamerika-Nebel sind gut zu fassen – wobei ich hier jetzt zum 31mm-Nagler gewechselt habe, das hat mit 1,6 Grad Sehfeld noch einmal etwas mehr Umfeld. Kleiner Schwenk noch extra für Thomas Wahl: M 29 darf auch heute nicht fehlen! Immer hübsch anzusehen, wenn auch die HII-Hintergrundnebel viel zu schwach für den visuellen Beobachter sind.
Jetzt werde ich dann doch etwas mutiger und surfe durch die Schwan´schen Sternwolken Richtung NGC 6871 (noch so ein großer Fernglassternhaufen) und dann weiter zum Tulpen-Nebel Sharpless 101. Kein leichtes Objekt, ein hauchfeiner Vorsprung für das Baader OIII-Filter. Aber die Aufhellung um die beiden Sterne 7. und 9. Größe inmitten des Nebels ist unverkennbar.
Mittlerweile geht es auf 1:30 Uhr zu, es deuten sich von Südwesten kommend wieder Zirren an – also schwenke ich noch Richtung Hantel-Nebel, einem Paradeobjekt für OIII-Filter. Im Lumicon OIII-Filter sieht es bei 71x gut und klar abgetrennt aus. Aber auch hier haut mich das Baader OIII um, der Nebel steht wie ein leuchtender Kokon und mit seinen „Henkeln“ vor mir, der Kontrastgewinn ist enorm. Und als ich dann die Brennweite des Dobson per 2,5x – Barlow noch auf 3.750mm verlängere (179x), da wird die Hantel dann auch noch flockig. Klasse, so noch nie gesehen!
Als der Dunst dann immer höher kommt, mache ich noch schnell einen Schwenk zum Ring-Nebel – noch einmal das 13mm-Nagler mit StarAnalyzer. Mehr als genau einen Ring inmitten lauter Sternspektren sehe ich da aber nicht. Nun, das wird noch einmal ein Extrathema.
Fazit des Abends: Das Baader-OIII-Filter hat mir mächtig Spaß bereitet und macht Bock auf echte Objektherausforderungen in klareren Nächten. Und wieder einmal hat sich gezeigt: Stadthimmelspechteln hat auch seine Highlights!
CS,
Stefan Korth