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Wandertag im Cirrus-Nebel
Meine letzte Deep-Sky-Nacht liegt schon ein paar Wochen zurück, aber da ist noch dieser Reisebericht in der Beobachtungskladde, den ich einmal teilen wollte – es geht um den Cirrus-Nebel.
Grundlage für meine Nebelwanderung ist dieser nette Artikel bei Sky & Telescope. Beobachtet wurde mit meinem 12“-GSO-Dobson vom heimischen Garten in Meerbusch-Osterath aus. Mehr als Bortle 4-5 ist da nicht drin, schließlich stehe ich da ca. 17 km westlich der Innenstadt von Düsseldorf. Aber man muss halt nehmen, was man kriegen kann, wenn es die Zeit nicht erlaubt, das Teleskop auch mit auf einen dunklen Acker zu nehmen.
Warum gerade der Zirrus-Nebel? Unter Vorstadthimmel bietet kein anderer Supernova-Rest so viel Details und ist so empfänglich für den Kontrastbooster per OIII – Filter. Definitiv also ein Objekt für den Stadtspechtler. Bei meiner diesmaligen Tour kamen nur Übersichtsokulare zum Einsatz, Nagler 31mm (48x) und Nagler 22 (68x). Bei anderer Gelegenheit habe ich auch schon bis über 200-fach vergrößert, hilfreich, wenn man sich einzelne Filamente unter die Lupe nehmen möchte – heute ging es aber eher um einen Überblick über die sichtbaren „Einzel“-Nebel.
Startpunkt ist der Sturmvogel NGC 6940, das sehr markante Filament am Westrand unmittelbar bei 52 Cygni – der taugt ohnehin als guter Aufsuchstern. Der Bogen nördlich von 52 Cyg zeigt eine sehr markante S-Form, läuft nach Norden hin sehr spitz zu und ist in einige sich windende Filamente aufgeteilt. Die Flächenhelligkeit ist schon ziemlich hoch, das O III – Filter hilft sehr, die Helligkeit von 52 Cyg etwas abzumildern. Südlich von diesem Stern gabelt sich der Nebel dann und läuft dann allmählich aus in den Hintergrund – doch zwischen den Haupt-„Armen“ sieht man noch weitere Filament kreuz und quer. Noch weiter südlich ist auch Teil D aus dem SaT – Artikel zu erahnen, allerdings wird der nur per indirektem Sehen richtig greifbar.
Weiter dann mit Teil E, der sich dann nach ein wenig Konzentration aus dem sternreichen Feld herausschält – aber dann ist er auch direkt sichtbar. Ansatzweise sind Filamente zu erahnen, der Großteil bleibt aber ein diffuser Schleier.
Noch weiter östlich dann Pickerings Dreieck (Simeis 3-188) – da gibt es dann wieder reichlich Filamente zu bestaunen, die auch mit direktem Sehen zu greifen sind. Und das ganze in einem von vielen schwachen Sternen übersätem Sehfeld – traumhaft! Die Dreieckform fällt auf, zum „Funnel“ wird e aber schwierig. Den Part sehe ich mir später noch einmal bei hoher Vergrößerung an.
NGC 6974 + 6979 stehen östlich von Pickerings Dreieck und sind ziemlich schwierig, heute abend filamentlos und nur in direkt zu fassen – auch das wäre noch einmal einen Versuch bei höhere Vergrößerung wert.
Die Knochenhand NGC 6992 + NGC 6995 ist dann der ganz eindeutig hellste Teil des Zirrus-Nebels. Der Kontrast ist hier enorm, auch die relativ geringen Vergrößerungen zeigen fein verästelte Filamente und Umrisse. Alles ist sehr nahe an der Fotografie, gerade Grünauszüge aus Farbaufnahmen geben die O III – Regionen sehr „visuell“ wieder.
IC 1340 schließt sich dann südlich an die Knochenhand an, ist schon etwas schwieriger, aber immer noch in feine Einzelstrukturen aufgelöst.
Teil H schließlich ist fast so eine Art Geheimtipp für den visuellen Beobachter – liegt deutlich vom Rest des Zirrus-Nebels getrennt, ist meistens nur auf Übersichtsaufnahmen zu sehen, kann aber mit einer hohen Flächenhelligkeit aufwarten. Dieser Nebelpart zeigt sich als relativ kräftiger länglicher Balken mit zwei verdrehten „Wurmfortsätzen“ nördlich und südlich – und lohnt auch einen Blick mit hoher Vergrößerung. Eine echte Katalognummer scheint das Teil tatsächlich nicht zu haben, selbst in Fachartikeln wird es einfach nur der „Südöstliche Knoten“ benannt. Keine Ahnung, wie Herschel oder andere Deep-Sky-Sauger das nach ihm übersehen konnten, die haben ganz andere Teile mit einer NGC- oder IC-Nummer bedacht. Von den fotografischen Nebelfüchsen ganz zu schweigen… Wer mehr zu dem Teil wissen will, dem empfehle ich https://articles.adsabs.harvard.edu//full/1995ApJ...444..787G/0000787.000.html.
Für die Beobachtung all diese Eindrücke habe ich mir eine gute Stunde Zeit genommen. Und warum dieser ganze Sermon? Wir visuellen Spechtler tun uns natürlich schwer, unsere Eindrücke mit anderen zu teilen – das hat schon bisschen ein was von Buch-/Film-/Musik-Kritik, man versucht Sinnesempfindungen in einfache oder auch blumige Worte zu fassen. Und viele Beobachter werden vielleicht auf andere Details achten oder diese eben auch anders werten – Geschmackssache. Was aber auf jeden Fall bleiben soll, das ist ganz gewiss die Empfehlung, auch für Einsteiger mit 150 – 250 mm Öffnung einmal auf das Teil loszugehen (aber bitte immer mit Nebelfilter, das bringt´s so oder so!), selbst unter mäßigem Himmel kann man da viel Spaß haben. Erst recht natürlich dann, wenn noch mehr optischer Hubraum am Start ist…
CS,
Stefan
Meine letzte Deep-Sky-Nacht liegt schon ein paar Wochen zurück, aber da ist noch dieser Reisebericht in der Beobachtungskladde, den ich einmal teilen wollte – es geht um den Cirrus-Nebel.
Grundlage für meine Nebelwanderung ist dieser nette Artikel bei Sky & Telescope. Beobachtet wurde mit meinem 12“-GSO-Dobson vom heimischen Garten in Meerbusch-Osterath aus. Mehr als Bortle 4-5 ist da nicht drin, schließlich stehe ich da ca. 17 km westlich der Innenstadt von Düsseldorf. Aber man muss halt nehmen, was man kriegen kann, wenn es die Zeit nicht erlaubt, das Teleskop auch mit auf einen dunklen Acker zu nehmen.
Warum gerade der Zirrus-Nebel? Unter Vorstadthimmel bietet kein anderer Supernova-Rest so viel Details und ist so empfänglich für den Kontrastbooster per OIII – Filter. Definitiv also ein Objekt für den Stadtspechtler. Bei meiner diesmaligen Tour kamen nur Übersichtsokulare zum Einsatz, Nagler 31mm (48x) und Nagler 22 (68x). Bei anderer Gelegenheit habe ich auch schon bis über 200-fach vergrößert, hilfreich, wenn man sich einzelne Filamente unter die Lupe nehmen möchte – heute ging es aber eher um einen Überblick über die sichtbaren „Einzel“-Nebel.
Startpunkt ist der Sturmvogel NGC 6940, das sehr markante Filament am Westrand unmittelbar bei 52 Cygni – der taugt ohnehin als guter Aufsuchstern. Der Bogen nördlich von 52 Cyg zeigt eine sehr markante S-Form, läuft nach Norden hin sehr spitz zu und ist in einige sich windende Filamente aufgeteilt. Die Flächenhelligkeit ist schon ziemlich hoch, das O III – Filter hilft sehr, die Helligkeit von 52 Cyg etwas abzumildern. Südlich von diesem Stern gabelt sich der Nebel dann und läuft dann allmählich aus in den Hintergrund – doch zwischen den Haupt-„Armen“ sieht man noch weitere Filament kreuz und quer. Noch weiter südlich ist auch Teil D aus dem SaT – Artikel zu erahnen, allerdings wird der nur per indirektem Sehen richtig greifbar.
Weiter dann mit Teil E, der sich dann nach ein wenig Konzentration aus dem sternreichen Feld herausschält – aber dann ist er auch direkt sichtbar. Ansatzweise sind Filamente zu erahnen, der Großteil bleibt aber ein diffuser Schleier.
Noch weiter östlich dann Pickerings Dreieck (Simeis 3-188) – da gibt es dann wieder reichlich Filamente zu bestaunen, die auch mit direktem Sehen zu greifen sind. Und das ganze in einem von vielen schwachen Sternen übersätem Sehfeld – traumhaft! Die Dreieckform fällt auf, zum „Funnel“ wird e aber schwierig. Den Part sehe ich mir später noch einmal bei hoher Vergrößerung an.
NGC 6974 + 6979 stehen östlich von Pickerings Dreieck und sind ziemlich schwierig, heute abend filamentlos und nur in direkt zu fassen – auch das wäre noch einmal einen Versuch bei höhere Vergrößerung wert.
Die Knochenhand NGC 6992 + NGC 6995 ist dann der ganz eindeutig hellste Teil des Zirrus-Nebels. Der Kontrast ist hier enorm, auch die relativ geringen Vergrößerungen zeigen fein verästelte Filamente und Umrisse. Alles ist sehr nahe an der Fotografie, gerade Grünauszüge aus Farbaufnahmen geben die O III – Regionen sehr „visuell“ wieder.
IC 1340 schließt sich dann südlich an die Knochenhand an, ist schon etwas schwieriger, aber immer noch in feine Einzelstrukturen aufgelöst.
Teil H schließlich ist fast so eine Art Geheimtipp für den visuellen Beobachter – liegt deutlich vom Rest des Zirrus-Nebels getrennt, ist meistens nur auf Übersichtsaufnahmen zu sehen, kann aber mit einer hohen Flächenhelligkeit aufwarten. Dieser Nebelpart zeigt sich als relativ kräftiger länglicher Balken mit zwei verdrehten „Wurmfortsätzen“ nördlich und südlich – und lohnt auch einen Blick mit hoher Vergrößerung. Eine echte Katalognummer scheint das Teil tatsächlich nicht zu haben, selbst in Fachartikeln wird es einfach nur der „Südöstliche Knoten“ benannt. Keine Ahnung, wie Herschel oder andere Deep-Sky-Sauger das nach ihm übersehen konnten, die haben ganz andere Teile mit einer NGC- oder IC-Nummer bedacht. Von den fotografischen Nebelfüchsen ganz zu schweigen… Wer mehr zu dem Teil wissen will, dem empfehle ich https://articles.adsabs.harvard.edu//full/1995ApJ...444..787G/0000787.000.html.
Für die Beobachtung all diese Eindrücke habe ich mir eine gute Stunde Zeit genommen. Und warum dieser ganze Sermon? Wir visuellen Spechtler tun uns natürlich schwer, unsere Eindrücke mit anderen zu teilen – das hat schon bisschen ein was von Buch-/Film-/Musik-Kritik, man versucht Sinnesempfindungen in einfache oder auch blumige Worte zu fassen. Und viele Beobachter werden vielleicht auf andere Details achten oder diese eben auch anders werten – Geschmackssache. Was aber auf jeden Fall bleiben soll, das ist ganz gewiss die Empfehlung, auch für Einsteiger mit 150 – 250 mm Öffnung einmal auf das Teil loszugehen (aber bitte immer mit Nebelfilter, das bringt´s so oder so!), selbst unter mäßigem Himmel kann man da viel Spaß haben. Erst recht natürlich dann, wenn noch mehr optischer Hubraum am Start ist…
CS,
Stefan