Warten auf den Mond

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Liebe Sternfreunde,

jetzt sitze ich hier zuhause bei einer Tasse Kaffee und warte auf den Mond, der etwa 4:40 meinen lokalen Horizont erreicht.
Da dachte ich, ich stelle mich mal kurz im visuellen Forum vor, wo ich hier schon einiges mitgelesen habe (besonders von Annette), mich aber erst heute Morgen bei a.de angemeldet um selber was zu schreiben.

Also ich bin der Guido (39) und seit Weihnachten erst bei der selber-beobachtenden Astronomie dabei (aber mit Prof. Heinz Haber und Hoimar v. Dithfurt großgeworden), weil ich vorher immer dachte, ein Teleskop könne ich mir sowieso nicht leisten (hatte aber auch nie nachgeschaut, was das so kostet), bis ich einen Tag vor Heiligabend nur eben noch zwei Tomaten und 'ne Paprikaschote besorgen wollte und mit dem Lidlscope nach Hause kam :)
Jetzt bin ich glaube ich infiziert.

Was ich aber eigentlich schreiben wollte:
Habe eben Annettes Bericht aus den Bergen gelesen und ihre Begeisterung und ihre Enttäuschung wegen der zu kleinen Öffnung, die sie nur dabei hatte und das erinnerte mich daran, wie ich neulich die Milchstraße (wieder-)entdeckt habe. Ich sehe die nämlich normalerweise auch nicht. Wohne mitten in Berlin, was ich gerne auch als Astro-Masochismus bezeichne und dann war ich mit Freunden in der Uckermark zwei Nächte zum Zelten. Und das bei gutem Wetter. Und das um Neumond 'rum.

Bevor ich das Teleskop in der ersten Nacht überhaupt aufgebaut hatte, habe ich erstmal eine halbe Stunde wie angewurzelt da gestanden und konnte es überhaupt nicht fassen. Später habe ich versucht, mich zu erinnern, wann ich das letzte mal so 'ne Milchstraße gesehen habe. Ich meine, ich habe schon mal die Milchstraße gesehen, aber so eine? Ich konnte mich nicht erinnern.
Irgendwann stand das Lidlscope dann aufgebaut da und ich musste mich ein bisschen überwinden jetzt mal nicht nur mit Auge und Feldstecher da oben spazierenzugehen und zu gaffen und zu staunen und dabei mein Herz klopfen zu hören sondern auch mal ein bisschen Beobachtungsprogramm zu machen. Wollte ja schließlich auch ein paar Sachen sehen, die ich in Berlin nie sehen kann.

Dann kam der zweite Schock: als erstes Objekt hatte ich mir M31 ausgesucht, einmal weil das die für mein Scope noch kompatibelste Galaxie sein dürfte, dann weil ich gelesen habe, dass das eine ist, wo ein guter Himmel eher wichtig ist als viel Öffnung und natürlich, weil ich die schon immer mal sehen wollte.
Ich denke im Nachhinein, bei dem Anblick, der sich mir bot würden sich Besitzer größerer Teleskope mit Grausen abwenden, aber trotzdem: Es hat mich völlig umgehauen. Da war ja 'ne richtige Scheibe! Stand total plastisch in dem 2° GF meines Übersichtsokus, wobei ich wahrscheinlich die Außenbezirke nicht ganz gesehen habe, die waren dann vielleicht doch zu dunkel. Ich habe da keine Spiralarme gesehen, das darfste mit 70mm nicht erwarten, aber da war so'n richtiges Objekt. Weiß nicht wie ich das sagen soll, aber Ihr kennt das wahrscheinlich sowieso besser als ich. Auch wenn sich wahrscheinlich kein Mensch so richtig was unter 2,25 Millionen Lichtjahre vorstellen kann. Da ist plötzlich ein Gefühl von einer abartigen Entfernung. Das hatte ich im Frühjahr mal ansatzweise beim Saturn-gucken, aber nicht so.
Nachdem ich bestimmt eine Stunde vor Andromeda kleben geblieben bin, inkl. Satteliten und noch ein paar Perseiden-Nachzügler, die mir romantischerweise durchs Okular geflitzt sind, bin ich noch in H & Chi abgetaucht, was auch ein echter Genuss war und habe dann mit Bedauern festgestellt, dass ich langsam müde werde, weswegen sich der Rest des Programms doch arg verkürzt hat. Habe dann noch festgestellt, dass der Mars im Moment einfach noch zu mickerig ist (Da hoffe ich auf die Weihnachtsopposition) und schnell noch M57 angesehen, wo ich finde, den hätten die von der NASA auch etwas größer bauen sollen.
Also Annette: Du hättest erst in die Berge fahren sollen und Dir danach erst den Dobsi kaufen. Wenn man astronomisch so auf Diät ist wie ich, dann kannst Du dort den Blick mit den Augen allein schon nicht mehr aushalten ohne dass Du dabei Gefühle kriegst, die Du so an Dir nicht kennst (obwohl nee: Annette kennt die) und dann ist plötzlich das Teleskop ganz egal und was das kann und was nicht und der ganze Technikkram mit dem man sich sonst so beschäftigt. Mir ging das jedenfalls so.

Jetzt wollte ich eigentlich noch von der zweiten Nacht erzählen, weil die war eigentlich noch extremer, aber ich tippe immer so langsam und jetzt ist es 4:40 und der Mond ist da und das Wetter ist gnädig und ich möchte mein neues 5mm Ortho ausprobieren.

Ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt, sagts mir, sonst gibt es demnächst den zweiten Teil.

Clear Skies
Guido

 
Warten auf den Mond (Teil 2)

So, jetzt haben mich die Wolken mal wieder veräppelt, da kann ich die zweite Nacht, ganz ungebeten, auch noch dranhängen: Da war's nämlich genauso, naja nicht ganz.

Abends in den Himmel geguckt - es ist klar. Ich schnappe mir die Teleskoptasche und einen Gartenstuhl und wandere vom Zeltplatz runter, weil da gibt's Laternen.
In dem Moment wo ich durchs Oku gucke schiebt sich eine fette Wolkendecke ins Bild. Wirklich genau getimed. Irgendwie passiert mir das dauernd. Ich warte fünf Minuten (viel zu kurz), baue frustriert ab und schleppe alles zurück. Vor dem Schlafengehen ein abschließender Blick in den Himmel: Es ist klar. Wieder genau getimed.
Kann es nicht doch sein, das Wolken manchmal bösartig sind?

Jetzt hatte ich aber echt keinen Nerv mehr, die Prozedur zu wiederholen, zumal es sich nach Murphys Gesetz dan wieder zuziehen müsste, und beschließe einfach noch mal mit dem Feldstecher spazieren zu gehen, vergesse dabei auch noch die Planisphere.

Das wurde dann die beeindruckendste Nacht, die ich je erlebt habe.
In der Nacht davor hatte ich mich noch in relativer Nähe zum Zeltplatz aufgebaut, mit Bäumen dazwischen, aber noch kleinen Resten von Blendlicht hinter mir, die irgendwo reflektierten. Dieses mal bin ich ca. 2 Km weit auf den Acker gerannt. Was soll ich sagen? Da war ich allein mit dem Universum. Die Augen irgendwann so gut adaptiert, dass ich einmal gedacht habe, da leuchtet doch noch irgendwas. Aber da leuchtete nix. Das war die Milchstraße. Im Westen ging gerade der Arkturus unter und flackerte heftigst, was mich wunderte, aber das lag daran, dass ich nie eine solche Horizontsicht hatte.
Irgenwo, auch am Westhorizont, gurken in weiter Ferne zwei Sportflieger 'rum. Was machen die da um die Zeit? Irgendwo schnaubt ein Pferd.
Spannende Beobachtungsdetails kann ich von dieser Nacht eigentlich nicht berichten. Ich habe dann Sternbildraten gemacht und was soll ich sagen? Dafür, dass ich vor einem Jahr gerade mal den Großen Wagen und vielleicht noch den Orion erkannt habe, bin ich schon ganz gut.
(Ja, ich weiß, dass der große Wagen kein Sternbild ist)

So gefühlsmäßig war es insgesamt das Größte, was ich je erlebt habe (ich wiederhole mich - ist spät). Ich bin sonst echt kein gefühlduseliger Mensch, aber dieser Himmel war gewaltig.

Und warum schreibe ich so begeistert hier im Forum davon? Weil man das sonst nie erlebt.
Zu lesen, dass es Leute gibt, die meinen, in Deutschland gäbe es keine Milchstraße - also ich kenne solche zwar nicht - ist doch extrem traurig.
Irgendwie wird man doch in den Städten, und das gilt nicht nur für Astronomen, auf eine regelrecht gewalttätige Weise vom Himmel abgeschnitten. In letzter Zeit macht mich hier jede Leuchtreklame und jede unnötige Funzel nur noch wütend. Aber jetzt werde ich wirklich gefühlsduselig. Ich sollte ins Bett.

Also macht's gut
Guido
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Hallo Guido,

:applaus: :respekt2:

zwei sehr schöne Berichte.
Du bist ganz offensichtilich ein Mensch der sich auf das was seine Augen sehen noch einlassen kann und das hat nichts mit Gefühlsduselei zu tun.
Da reicht eben ein dunkler Himmel und das bloße Auge schon und ein kleiner Feldstecher wird zum ultimativen Beobachtungsgerät.
Nichts davon ist "falsch", ebenso wenig wie die Tatsache, dass ein größeres Teleskop noch mehr zeigen kann und wird.
Ein solches Gerät wäre dann schön, ist aber absolut nicht zwingende Voraussetzung für Begeisterung.

CS
*entfernt*

 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Moin Günter,

Zitat von *entfernt*GMS:
Ein solches Gerät wäre dann schön, ist aber absolut nicht zwingende Voraussetzung für Begeisterung.

Danke. Klar, ich laboriere hier ja auch schon an dem Projekt "neues Teleskop" obwohl ich den Lidl eigentlich noch gar nicht zuende geguckt habe.

Ich hoffe ja, die Begeisterung hält sich auch dann, wenn ich es gewöhnt bin, mehr zu sehen, aber so ein Ereignis wie das, zum ersten mal die Milchstraße richtig zu sehen, das wird wohl auf ewig seinen Ehrenplatz im Sterntagebuch behalten.

Clear Skies
Guido
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Hallo Guido,

kann man ein Fernrohr "zuende gucken"? Ich glaube eigentlich nicht, gerade dann nicht,
wenn man dem größer, schneller, weiter nicht so ohne Weiteres erliegt und das schließe ich bei einem Menschen aus, der Probleme hatte, sich vom Anblick des Himmels mit bloßem Auge loszureißen und sich erinnern musste, dass er noch etwas mit dem Teleskop machen wollte. :)

Ich selbst habe vom Fernglas über 114 mm öffnung bis auf 8" gesteigert, träume vom 16-Zöller (na klar) und doch nutze ich weiter intensiv Ferngläser und derzeit einen 102/500er Richfielder.
Natürlich bietet größere Öffung mehr Licht und mehr Detailauflösung, so werden z.B. Kugelsternhaufen erst ab etwa 6" Öffnung wirklich vom "Wattebäuschchen" zur geballten Sternansammlung. Unausweichlich erhöht sich aber auch die Brennweite des Teleskops mit zunehmender Öffnung, also auch die minimal mögliche Vergrößerung und so wird das mögliche maximale Feld unausweichlich kleiner. Schon im 8" F/6 Newton verlieren Sternhaufen wie die Krippe oder die Plejaden stark an Wirkung weil sie das maximal 2° große Feld ausfüllen, auch viele nahe Begegnungen zwischen Mond/Planeten und DS-Objekten gehen einem durch die Lappen und das passiert mit einem Fernglas oder einem kleinen Teleskop eben nicht.
Rückblickend hat mir gerade der 8-Zöller bei aller Begeisterung für die damit möglichen herrlichen Planeten- und DS-Beobachtungen auch den Wert der Ferngläser und kleinen Teleskope (soweit sie große Felder ermöglichen) wieder näher gebracht. :cool:

CS
*entfernt*
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

HAllo Guido-

ich verschlang zuerst Bücher zum Thema,
dann mußte ein Fernglas her-
mit der Identifizierung der Sternbilder bin ich so manches Mal verzweifelt, aber ich habe mich durchgebissen- und tue es noch-
dann hatte mein MAnn Mitleid und schenkte mir ein Teleskop-
er meinte, es müßte gleich ein 10" sein- nun, mein Widerspruch war so heftig nicht.

Jedenfalls. was Du so beschreibst, das kann ich auch gut nachempfinden.
Es macht süchtig, es ist schwer beeindruckend und man kann lange Zeit von diesen Erlebnissen zehren.
In einem meiner Bücher steht ein Vorwort, dass ich nur sinngemäß wiedergebe, aber ich finde, das trifft es:
Die Astronomie ist eine sehr interessante Wissenschaft, die uns aber von keinem praktischen Nutzen ist. Aber sie verändert unser Selbstverständnis.

Bitte lass uns weiterhin an Deinen Beobachtungen teilhaben.

Und dieser Ausspruch" den hätte die NASA ruhig ein wenig größer bauen können", den würde ich gerne zu einem meiner Sprüche machen, wirklich witzig, ich hoffe, Du hast nicht dagegen.

Liebe Grüße

Siri
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Hallo Guido,
das sind wirklich zwei super Berichte. Ich bin auch erst seit Weihnachten Hobby-Astronom. Ich habe diesen Sommer (es gab ja auch mal Wolkenlücken ), auch zum erstenmal die Milchstrasse bewußt wahrgenommen und hätte es nicht besser als du schreiben können.
Oft baue ich mein Teleskop gar nicht auf, sondern lege mich mit dem Fernglas in den Liegestuhl und gehe am Himmel spazieren.

CS
Andreas
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Hallo,

das freut mich, dass es Euch gefallen hat. Erst war ich mir ja nicht so ganz sicher, ob ich mit so wenigen Details zum Beobachteten und mit einer so starken Betonung der Gefühlswelt, die hinter so einer Nacht steckt, auf ein interessiertes Publikum stoßen werde.
Eigentlich arbeite ich selber auch daran, meine eigenen Notizen zu Beobachtungen mehr und mehr zu systematisieren. Und eigentlich bin ich auch gar nicht der Typ, der einfach nur staunt, aber halt auch.
Meine (astronomisch nur mäßig interessierten) Freunde kennen mich eher als den Fachsimpler. Neulich hat mich mal eine Freundin gefragt, ob bei der ganzen wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Astronomie (eigentlich ist es nur populärwissenschaftliche Beschäftigung) für mich nicht der Zauber an der Sache verloren geht und ich konnte entgegnen: Nein, im Gegenteil, denn Astronomie beschäftigt sich mit für Menschen eigentlich unfassbaren Dingen und Dimensionen und je mehr man sich damit beschäftigt, desto unfassbarer werden diese Dinge. Und außerdem sind diese Dinge schön.
Selbst Harald Lesch hat einmal gesagt, dass er sich nicht vorstellen kann, was ein Lichtjahr ist - wer kann das schon.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, poste ich auch gerne mal wieder was, wenn's was Besonderes gibt, muss aber mal sehen, wie die Zeit dafür reicht (ich tipp' immer recht langsam). Das Mitteilungsbedürfnis ist schon da.

Wie das dann stimmungsmäßig wird, hängt vom Thema ab, ich glaube, das kann auch ganz anders werden.

@ siri:
Ich glaube nicht, das Astronomie keinen praktischen Nutzen hat. Bei manchen Dingen kommt es höchstens darauf an, wie man praktischen Nutzen definiert. Z. B. ist Astronomie heutzutage ein Teil der physikalischen Grundlagenforschung und eng mit dieser verknüpft. Vielleicht um die eine oder andere Ecke herum ist Astronomie damit ziemlich daran beteiligt, wie unser Leben so aussieht.
Ich glaube auch nicht, dass mein Leben unbeeinflusst ist von der Tatsache, dass ich weiß, dass die Erde keine Scheibe ist. ;)
Wenn man will, kann man sich als Hobbyastronom auch an verschiedenen Projekten beteiligen, wo Feldforschung betrieben wird, zu der die großen Observatorien einfach nicht genügend Beobachtungszeit haben.
Ich selbst stehe gerade vor der Frage, ob ich das mache bzw. leisten kann. Das reine Genußspechteln möchte ich aber auf keinen Fall missen, und finde es um so spannender, wenn ich an verregneten Tagen auch mal was lese zu den Sachen, die ich da gesehen habe - so ganz Nutzfrei.

@ Günter:
Kann man ein Fernrohr zuende gucken?
Tja wenn man ein größeres hätte, das die Fähigkeiten des Kleineren voll drauf hat und noch mehr kann, eigentlich schon. Aber bei den Gesichtsfeldern fängt es schon an, da gebe ich Dir recht.
Ein Fernglas lässt sich bestimmt nie durch ein Teleskop ersetzen, allein wegen der Beweglichkeit.

Natürlich kauft man sich als nächstgrößeres Teleskop keines, was das alte perfekt ersetzt sondern möglichst auch ergänzt, es sei denn, man ist total spezialisiert, das bin ich nicht.
Das Lidlscope wird daher bestimmt nicht vergammeln, wenn ich mal was größeres habe. Allein schon für Sonnenbeobachtung ist das prima. Und bei all der Arbeit zur Optimierung, die ich da schon reingesteckt habe und vor allem weils mein Erstes ist und mein Herzblut dranhängt, werde ich das nie verkaufen.

Grüße
Guido
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Hallo Guido,
lese erst jetzt Deine Berichte und fühle mich natürlich geehrt, vielen Dank für Deine Fan-Bekundung.

Oh, ja ich verstehe Deine Gefühle sehr gut...diese Dimensionen des HImmels in unverfälschter Natura, das muss man erstmal verkraften, das muss erst wirken und zwar ohne moderne Optik und dergleichen........da müssen wir erstmal lernen wieder das zu sein, was unsere Vorfahren selbstverständlich waren: der Natur ausgeliefert....und bevor wir klar denken können, ertrinken wir vor lauter Überwältigung, ich glaube das ist einfach auch das Beste, was einem Menschen, der der Euphorie noch fähig ist, passieren kann.
Weis man aber, dass da im Kuchen noch Rosinen stecken, ist man schier "anders". Und wenn man dann noch weis, mit welchem Löffeln man die Besten rausfischen kann, dann gibts kein zurück mehr in die Unschuld.....dann ist man von Neugier verseucht und dem ausgeliefert, was man so allgemeinhin menschliches Schicksal nennt. Also, ich kann zwar den einfachen Himmel genießen, die nächtliche Natur, die so anders ist und so viel Aufmerksamkeit erfordert, das alles kann ich...doch nicht mehr so unverdorben....wobei das Wort verdorben mir nicht ganz gefällt, ich will mal sagen, nicht mehr uneingeweiht.....Mit einer guten Optik erhält man sowas wie Weihe......na denn - welcome in the Club Guido und mir haben Deine Berichte sehr viel Spaß bereitet, hab sie leider spät gelesen, weil ich kaum Zeit hatte.....Grüssel von Anette
 
Re: Warten auf den Mond (Teil 2)

Hey Annette,

das freut mich, wenn's Dir gefallen hat.
In einer Hinsicht bin ich vielleicht wirklich ein Fan von Dir: Wenn's Deine Postings hier nicht gäbe, hätte ich mich vielleicht nicht getraut, so was zu schreiben.

Wegen der Unschuld: verdorben würde ich das niemals nennen. Und das Staunen des Urmenschen (also des völlig Unwissenden), das war es bei mir nicht. Das möchte ich auch gar nicht, denn ich glaube, das wäre dann auch gar nicht so schön und romantisch, wie man sich das vielleicht vorstellen mag, sondern macht auch Angst und Aberglaube (Vielleicht die Angst, dass einem der Himmel auf den Kopf fallen könnte, wie bei den Galliern).

Ich habe irgendwo in diesem Thread schon zu erklären versucht: Je mehr ich über den Himmel weiß, desto mehr staune ich auch, wenn ich ihn sehe (und was ich da sehe). In so Nächten, wie ich sie beschrieben habe, steigert sich das dann auch mal zu großer Ehrfurcht. Aber das war eine schöne, erhebende und - in meinem bescheidenen Rahmen - wissende Ehrfurcht.
Wir Menschlein wissen ja sowieso nie Alles über das All, aber wir arbeiten trotzdem dran.
Und der Natur ausgeliefert sind wir (nicht nur unsere Vorfahren) auch immer und werden es auch immer bleiben, nur nicht immer so unmittelbar, dass wir es auch merken.

Mach's gut
Guido

P.S.: Ich besorg' mir bald auch 'n größeren Löffel :)
 
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