Was Astronomie.de aus einem macht ......

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Bernhard_M

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Hallo Astrofreunde,
ich habe eben ein kleines Projekt in Arbeit - Verdunkelung einer Skywatcher Flextube 8" Autotrack.
Ok, nichts großartiges, aber da diese Teleskope ja nicht selten sind, vielleicht findet sich die eine oder andere Anregung für Kollegen, die auch sowas besitzen. Aber zuerst eine kleine Geschichte, was astronomie.de alles aus einem machen kann.

Vor inzwischen 3 Jahren wollte ich meine sehr passive Begeisterung für Astronomie etwas praktischer gestalten und besuchte 2 Einführungsvorlesungen an der Kuffner Sternwarte in Wien. Zu dieser Zeit hatte ich keinerlei Beobachtungserfahrung und kannte auch nur ein paar Sternbilder am Himmel. Aber nach den Vorlesungen war der Bazillus geweckt :-)
Also begann ich das Internet zu quälen und landete schnell hier. Noch nicht ahnend, wo das hinführen sollte. Anleitungen und Diskussionen, wie man am besten anfängt, gibt es ja reichlich; auch unterschiedliche Ansätze. Und so begann ich zu erkunden, was ich eigentlich damit machen will, mit wem, wo und wann. Schnell war klar, ein 10x50 Porro muß her.

Nach dem Lesen vieler Seiten (großer Dank vor allem an Sven Wienstein sowie das Forum Jülich Bonn) machte ich mich daran, ein entsprechendes CZJ-Glas zu ersteigern.
Einige Monate später war es soweit. Ein 10x50 Dodekarem aus 1989, Zustand praktisch neuwertig aus dem Nachlaß eines Sammlers.
Natürlich gibt es besseres, aber zu diesem Preis? Eher nein. Ist bis heute mein treuer Begleiter nicht nur auf Astrotouren, sondern auch auf Auslandsreisen, wie 2011 nach Australien. Der Orionnebel im Red Desert um 4 Uhr morgens ..... boaaah, geil!

Nun war aber natürlich schnell auch klar, es muß was Größeres her. Viele Stunden der Recherche und der Gewissensfindung :-) später stand fest, es sollte ein Dobson 8" werden. Nur welcher? Auch f 1/6 stand schnell fest. Aber Volltubus oder Gitterrohr? Schubsdobson oder Nachführung? Gleich eine sehr gute Optik, oder zuerst mal etwas sparen, um noch etwas Körndl für Okus, Filter etc. zu haben?
Wenn ja, wie viel sparen? Oder doch nicht sparen? :help:

Was erzähle ich, viele (wenn nicht alle) hier werden das kennen ....
Lange Rede kurzer Sinn: es wurde obige Flextube, die ich nun seit 2 Jahren habe und deren Kauf ich bis heute nicht bereut habe. Ein Kompromiß, aber das ist ja wohl jede Optik. Auch die Kompromißloseste, Oder vor allem die!
Als ich das Teil ausgepackt habe, wurde es meiner Frau Angst und Bange - sie hatte mit so einem Aldi-Hofer-Lidl Fernrohr gerechnet :biggrin:
Als sie aber das erste Mal durchgeschaut hat, es war Jupiter im Fokus, hat auch sie das Fieber gepackt (yep, voller beziehungsmäßiger Erfolg!!)
Und das mit Standardokularen! Na, da würde sie noch Augen machen.


Da es bis zur Verdunkelung noch etwas hin ist möchte ich heute enden.
Fortsetzung folgt ....

lG
Bernhard
 
Weiter gehts ....

Sein erstes Teleskop beginnt man natürlich nicht sofort zu zerlegen, sondern behandelt es wie ein rohes Ei.

Also wurde erstmal ausgiebig gespechtelt, und so nebenbei die nötigen Upgrades angeschafft. Natürlich wieder nicht ohne Stunden um Stunden Rezensionen zu lesen. Die Fragen blieben die gleichen wie beim Teleskop. Nagler wäre natürlich toll. Aber soll ich? Reichts nicht auch eine Klasse drunter? Zumindestens für die erste Zeit?

Nach und nach fielen mir ein schönes 32er SWAN, baugleich zum Williams, ein 16er UWAN von Astro Professional und ein 8er Planetary in den Koffer. Letzterem gönnte ich dann noch eine Zoomhülse.

Ein Astronomik OIII 2" wurde gebraucht erstanden, ein Stromanschluß für den Balkon wurde gebastelt, ein Vizzi besorgt, ein Telrad kam natürlich auch dazu.
Ein Cheshire mußte auch sein (obwohl ich mit dem unerklärliche Schwierigkeiten hatte, aber dazu später).

Lediglich ein besserer Himmel als der über der Großstadt findet sich bis heute nicht im Fundus .....

Etliche schöne Streifzüge am Himmel später begann ich mich etwas genauer mit dem Teleskop selber zu beschäftigen, Zeit hatte ich ja jetzt, nachdem die nötigsten Anschaffungen getan waren, wieder deutlich mehr.
Und die ersten Berührungsängste hatten sich auch gelegt, es wurde mehr und mehr zum Werkzeug.

Nun begann eine Reihe erstaunlicher "Entdeckungen". Einziger Umbau gleich am Anfang war der Tausch der Justierschrauben am HS. Für mich als gelernten Techniker war das im Original schlicht ein Paradebeispiel für "so sicher nicht".
Nicht nur, daß für alle 6 Schrauben Werkzeug nötig war, die Schraubenpaare waren auch noch unterschiedlich! Kreuz und Inbus! Das will ich sehen, wie man im Dunkeln zum Justieren einen schwarzen 5er Inbus trifft! Vielleicht ein Scharfschütze, ich sicher nicht.
Also mußten Rändelschrauben her, in M5 gar nicht so leicht zu bekommen. So gings dann schon wesentlich besser, obwohl mir im Endausbau noch eine Reduktion von 6 auf 3 Schrauben vorschwebt, mit Druckfeder eben. Aber das ist im Moment noch Zukunft.

Als nächstes begann ich die Suche nach einem geeigneten Material für eine Innenschwärzung des Tubus. Zwar kommt der bereits geschwärzt daher, aber als aufmerksamer Leser Eurer Berichte habe ich natürlich bemerkt, daß dieses Schwarz im Streiflicht nicht schwarz ist, sondern erstaunlich hell.
Nach etlichen Abwägungen verschiedener Ansichten zu diesem Thema habe ich mich für DC Fix entschieden, ich bin nicht so der Malermeister. Bei genauerer Inspektion stellte ich aber weiters fest, daß sämtliche Schrauben, die in den Tubus reichen, verchromt!! waren.
Na super, alle Welt verdunkelt und die bauen Chrom ein? Das muß anders werden! Die Inbusschrauben außen in schwarz! dafür innen alles Chrom? Kommentar erspare ich mir.

Also Schrauben gekauft, und die, die ich nicht bekommen habe, habe ich dann eben gekürzt, so, daß die Schraube plan mit der Mutter abschließt, und die Stirnseite mit einem zufällig vorrätigen schwarzen Mattlack gespritzt.
Dann 2 Stunden DC Fix abgerollert, direkt meditativ, und die Bahnen für den Tubus zurechtgeschnitten. Ah ja, bezüglich zurechtgeschnitten: als perfektes Werkzeug hat sich dafür ein Skalpell erwiesen. Teuer? I wo, die gibt's für wenig Geld in jeder Apotheke als "Einmal"skalpell.
So "Einmal" sind die aber gar nicht. Die Schneide hält erstaunlich lange. So ein Skalpell hat mich durch meine gesamte Zivizeit begleitet und hat seine Fähigkeiten an unzähligen Paketbändern demonstriert. Scharf war es auch nach 11 Monaten noch.
Jedenfalls läßt sich damit sehr fein arbeiten, kein Vergleich zu einem Stanleymesser.

So, für heute isses wieder gut.
Fortsetzung folgt (und dann wird wirklich geschwärzt!).

lG
Bernhard
 
Hallo Bernhard,
das kenne ich irgendwie alles :-)))))

Gruss
Claude
 
Weiter geht's, jetzt wird geschwärzt.

Zunächst mußte natürlich das Herz entfernt werden, der HS. OK, die Schrauben waren schnell gefunden, aber wie leicht würde der Spiegelträger mit dem Spiegel dann rausgehen? Vielleicht zu leicht? Also wurde die Frau zum Halten eingespannt. Obwohl? In der Situation hätte ich gerne 4 Hände gehabt. 2 zum Halten, 2 zum Schrauben.

War aber kein Problem, der Spiegelträger plumpst nicht einfach raus, sondern den muß man schon recht deutlich rausziehen.
Dann die erste Bahn DC Fix verlegt. Naja, Geschicklichkeitspreis hätte ich da keinen gewonnen. Wurde etwas schief, und ein paar Blasen habe ich auch fabriziert. Nicht alle waren dann wegzubekommen.
Egal, die Optik beeinträchtigt das nicht. Die 2. Bahn ging dann schon erheblich besser. Anschließend Spiegel wieder rein, war alles unproblematischer als gedacht.

Dann der Hut. Zuerst Fangspiegel samt Spinne ausbauen, OAZ komplett raus, eine Bahn DC Fix rein und sämtliche Schraubendurchläße ausgeschnitten, was mit dem Skalpell äußerst exakt und schnell geht.
Fangspiegel wieder rein und Spinne ausgerichtet; hoppla, was sehe ich? Bei der Kontrolle mit dem Lineal, ob die Arme fluchten komme ich drauf, daß die Arme am FS-Träger leicht versetzt montiert sind! Also ein neues ToDo auf der Liste, mal sehen, ob sich das so ohne weiteres korrigieren läßt.

OK, nun ein Blick auf den OAZ. Innen "geschwärzt". Aber das geht besser. Kontrolle, ob das Velours auch nicht zu dick aufträgt - paßt.
Hier würden Falten aber schon eher stören, also habe ich mich ziemlich gespielt. Wurde aber sehr schön.
Nun die Außenfläche: je nach Fokuslage reicht das OAZ-Rohr ja doch deutlich in den Hut. Und dieses Rohr ist außen silber!! Also das geht gar nicht.
Allerdings laufen außen ja die Räder des OAZ, da kann natürlich kein Velour hin, ebenso auf die Fläche, auf der die Triebwelle liegt.
Außerdem befindet sich im OAZ zwischenden Rädern eine Art Brücke, die sehr nahe an das OAZ-Rohr heranreicht. Aber nach einer Kontrolle mit einem Stückchen Velours ist klar, das get sich aus.

Zuschneiden, aufkleben geht jetzt schon recht flott; vorher wurden aber noch die Stellen, die blank bleiben müssen, mit Mattlack geschwärzt.
Sieht toll aus. Nun alles wieder zusammengesetzt und justiert. Da ich mit der Justage des FS mittels Cheshire unerklärliche Probleme hatte griff ich zur gewohnten Filmdose.
Blick in den OAZ. Sh...! Ich seh nix. Da ist es rabenschwarz drin. Den FS mittig einstellen - Fehlanzeige, ich seh nur einen FS irgendwo im Schwarz. Was jetzt?

Also mal das Cheshire rein. Und jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen! Ich seh plötzlich all das, was in den Anleitungen steht. Das hatte ich vorher offenbar vor lauter Streulicht gar nicht gesehen!
Ein paar Minuten später bin ich dann sicher, daß das Teleskop noch nie exakt justiert war, denn ganz offensichtlich ist der OAZ selber dejustiert! Ich bekomme zwar den FS auf der optischen Achse in die Mitte, aber nicht quer dazu.
Die Spinne sitzt aber mittig, also muß der OAZ eingestellt werden. Zum Glück ist der justierbar. Die Schrauben sind zwar ziemlich schlecht erreichbar und, logisch, da ja außen, schwarz. Und Inbus.
Aber ein paar Minuten später sitzt der FS genau in der Mitte, wo er hingehört. Den HS zu justieren geht dann dank der oben erwähnten Rändelschrauben schon fast nebenbei.

Was fehlt noch? Richtig, der FS-Rand. Aber dazu morgen mehr. Ich sag aber soviel: mein FS hat jetzt einen Mantel aus DC Fix :-)

lG
Bernhard
 
Weiter gehts mit dem Fangspiegel ....

Normalerweise wird dessen Rand ja eher mit Markern geschwärzt, oder lackiert. Da ich aber, wie schon gesagt, eher nicht der geborene Malermeister bin, und diese Lösungen auch immer wieder als nicht optimal beschrieben werden, dachte ich mir, wieso nicht das verwenden, was schon da ist? Den Velours eben.
Falls es nicht paßt kann man es wieder entfernen, und schön schwarz ist es auch.

OK, dann also los. Fangspiegel abmessen (Durchmesser und Dicke), und die Form zeichnen. Nun ist das dann aber kein Rechteck. Der Fangspiegel wird ja aus einem zylindrischen Glasrohling unter einem Winkel von 45° geschnitten. Die dabei entstehende einhüllende Fläche ergibt abgewickelt auf eine ebene Fläche so etwas ähnliches wie eine pulsierende Sinuskurve.
Mir kamen wieder Erinnerungen an anno dazumal, 1. Semester Maschinenbau, darstellende Geometrie. Ob ichs noch zusammenbringe?
Also Papier, Geodreiecke und Kurvenlineale geholt und losgelegt. Auf einem Konstruktionstisch wäre das natürlich leichter gewesen, aber eine Stunde später hatte ich eine Form, die recht plausibel aussah. Bevor ich das nun auf das DC Fix übertrug kam natürlich der Test am Spiegel. Das paßte ja wirklich! Da hatte ich also damals tatsächlich aufgepaßt :-)

Übertragen und ausschneiden war dann rasch erledigt, nun mußte das natürlich sauber aufgeklebt werden. Nur, mit bloßen Händen an einem Spiegel herumfummeln ist nicht so ideal - daher kamen die seinerzeit zum hantieren mit Linsen angeschafften Glaceehandschuhe aus fusselfreier Synthetik zum Einsatz. €2.90 im Berufsbekleidungshandel.
Ich achtete besonders auf den der Spiegelfläche zugewandten Rand, der sollte sauber sein, das "hintere" Ende ist nicht so wichtig, da kommts auf Zehntelmillimeter nicht so an. War in Summe keine Hexerei und schaut recht brauchbar aus.
Spinne wieder eingebaut und justiert, was nach den weiter oben beschriebenen Adjustierungen jetzt recht flott geht.

So, jetzt stand er da, fertig geschwärzt. Und nun? Draußen grau in grau. Als ich so mit ein wenig Stolz auf mich selbst vor dem Teleskop saß kam mir eine Idee. Wieso nicht noch eine Streulichtsocke basteln? Wollte ich ohnehin schon machen, da ich auch mal die Sonne ins Visier nehmen will, und da muß abgedunkelt werden.
Und auf dem städtischen Balkon würde das auch kein Nachteil sein. Also auf die Suche nach dem geeigneten Stoff gemacht. Tips gibts hier ja etliche, aber je mehr Stoffe ich mir ansah, desto deutlicher wurde das Problem: entweder der Stoff ist im Streulicht schön dunkel, was ohnehin schon selten ist, oder er ist lichtdicht, auch eher selten. Aber beide Eigenschaften gemeinsam habe ich bis jetzt nicht gefunden.
Ich ließ mir auch schon Stoffproben von einem Spezialhändler für Bühnen und Kinostoffe schicken.

Auch Drachenstoff ist im Streiflich zu hell da glatt. Eindeutig nicht als Lichtfalle geeignet.
Alles Fehlanzeige. Am Wochenende werde ich noch einen anderen Stoff begutachten, der könnte hinkommen. Wenn alles nicht hilft muß ich 2-lagig arbeiten. Außen ein Lichblocker, innen etwas wie tiefschwarzer Samt oder Velours.
Die Befestigung habe ich schon ausgetüftelt, das Ding bleibt einfach dran, wird wie ein Balg mit dem Hut zusammengeschoben, aber geht natürlich erst, wenn die Stoffwahl getroffen ist.
In der Zwischenzeit habe ich dann noch das obere Tubusende und den unteren Hutrand mit Velours belegt, diese Flächen sind nämlich weiß lackiert. Wenn dann der Streulichtschutz drauf ist, liegen diese Flächen innerhalb der Socke, dort hat weiß nichts verloren.

Ich werde vom aktuellen Zwischenstand einmal ein paar Fotos machen und hier reinhängen, vielleicht kann sich ein Flextube-Kollege die eine oder andere Anregung holen; oder es findet jemand ein dickes Haar in der Suppe.
Bin für Anregungen dankbar.

lG
Bernhard
 
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