Was für eine Vergütung?

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Estrella

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Hallo Leutzt,

Was für eine Vergütung sollte ein Astro-Glas haben? Und
was für eine Vergütung hat eigentlich mein Favorit, das Minolta Activa 10x50?

mfg + CS Estrella
 
Hallo Estrella,

eine ordentliche Mehrschichtvergütung (MC) - nach Möglichkeit auf allen Glas-Luft-Flächen (Fully MC) - kann nur von Vorteil sein. Damit wird die Gesamttransmission verbessert und die Optik ist weniger anfällig für Streulicht und Reflexe (so ein Fernglas hat ja eine Menge Glas-Luft-Flächen, wo durch Reflexion internes Streulicht entstehen kann). Das ganze kommt neben der Transmission natürlich auch dem Kontrast zugute. Wenn die MC Vergütung sauber auf den Gebrauch am Tag abgestimmt ist, dann liefert ein gutes Fernglas auch ein sehr farbneutrales Bild. Ferngläser mit einfacher Vergütung (manchmal steht coatet oder so was in der Art drauf) haben eine geringere Transmission, das Bild ist im Vergleich zu einem guten Fernglas dunkler, kontrastärmer, zeigt eher mal Reflexe oder Geisterbilder von hellen Lichtquellen und hat am Tag auch mal einen Farbstich (meist ins gelbliche tendierend). Für die astronomische Verwendung kann ein solches Glas aber trotzdem mit Gewinn genutzt werden. Hier in den Foren gibt es einige Leute, die ein Zeiss 7x50 oder 10x50 aus den 60-ern mit viel Freude verwenden.

Eine MC Vergütung ist aber nicht das wichtigste Kriterium. Wenn die Schärfe im zentralen Bereich (ca. 30-40 Grad vom scheinbaren Sehfeld) nicht stimmt, dann hilft auch keine MC Vergütung. Manches 30 oder 40 Jahre alte Fernglas von renommierten Herstellern ist auch heute noch sehr gut für die Astronomie zu gebrauchen. Firmen wie Zeiss (früher auch Hensoldt, z.B. mit dem legendären Dialyt), Leica (Leitz), Busch und einige andere hatten schon vor Jahrzehnten optisch hervorragende Gläser, die auch mit einfacher Vergütung wunderschöne Streifzüge durch die Milchstraße erlauben. Ich habe schon moderne und sehr teure Ferngläser erlebt, die bei der Schärfe von einem alten Zeiss in die Ecke gestellt wurden. Daher sollte man ein Fernglas in der Summe seiner Eigenschaften bewerten, die Vergütung allein tut es nicht.

Hätte ich fast vergessen: Dein Favorit hat eine sehr gute MC Vergütung (auch auf den Prismen). Das Activa gibt ein sehr helles, kontrastreiches und am Tag auch sehr farbneutrales Bild. In der Beziehung ist es wirklich nicht übel.

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Völlig unvergütete FG's gibt es heute meines Wissens nach gar nicht mehr.

Bei billigen und preiswerten FG's sind oft NUR die Objektivlinsen und manchmal auch die Okular-Austrittslinsen vergütet. Zu sehen ist das an einem bläulichen, grünlichen, violetten oder bräunlichen Schimmern, wenn man von schräg auf die Glasflächen schaut. Angeblich soll es Gläser geben, wo aus Einspargründen nur die Außenflächen vergütet wurden, also die Flächen, die man bei äußerlicher Betrachtung des FG's sehen kann. Hatte hier mal ein Forumsteilnehmer berichtet, der das Glas mal auseinandergebaut hat und feststellte, dass innen rein gar nichts beschichtet war. Sowas nenne ich dann fast schon Betrug.
Die billigsten Gläser haben häufig eine, meiner Meinung nach, unbrauchbare Rotvergütung. Zuweilen auch noch kombiniert mit Kunststofflinsen ("Plastics").
Dass die Prismeneintrittsflächen ebenfalls vergütet sind, findet sich leider fast ausnahmlos nur bei höherwertigen FG's.

In meinem 7x50, mit Einfachvergütung nur auf den äußeren Linsen, Prismen völlig unvergütet, sehe ich z.B. bei hellen Objekten jede Menge scharf abgegrenzte Reflexe. Im schlimmsten Fall erscheint das Objekt (z.B. eine leuchtende Straßenlaterne) mehrfach im Bild, einmal original in Farbe und dann mehrere weiße Abbilder der Laterne. Mit hellem Mond anvisiert ist es ähnlich aber nicht ganz so schlimm.
Mit meinem 26x70, welches zusätzlich auch vergütete Prismen hat, sind die Reflexe so stark gedämpft, dass man sie allenfalls noch als konturlosen Schatten sehen kann, also ein gewaltiger Unterschied zu dem anderen Glas.

Bei dunklem Sternenhimmel gibt es aber mit keinem mir bekannten FG Probleme mit Reflexem mehr, dazu sind die Sterne nicht hell genug, bzw. die Flächenhelligkeit fehlt. Deswegen sollte dieser Punkt nicht die alles entscheidende Rolle spielen.
Das mit der besseren Transmission wird man mit Sicherheit auch nur im direkten Vergleich feststellen können (zwei FG's abwechselnd). Oder man macht eben im Labor eine Messung.

Wichtiger sind bei einer Kaufentscheidung eher großes Sehfeld, gemütlicher Einblick und gute Bedienbarkeit und Handhabung. Wenn das alles stimmt, dann würde ich auch nach der Vergütung und weiteren Parametern schauen. (Dazu einfach mal mit einer kleinen starken Taschenlampe, z.B. diese neuen LED-Lenser, von der Objektivseite (!) her reinleuchten. Bei großen Gläser kann man dann mitunter auch die Vergütung der Prismen erkennen. Ist jedenfalls bei meinem Groß-FG so, da die Prismenvergütung dort andersfarbig (bläulich) schimmert als die der Objektivlinsen (violett).
 
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