Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein BB!

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Nightwatch

Aktives Mitglied
Datum: 10.06.2006
Zeit: ab~21:00 Uhr UTC
Ort: zu Hause (Terrasse)
Bedingungen: Seeing unterhalb von 25°Alt eher schlecht
darüber aber gegen 22:00 UTC recht gut
kaum Bewegung in den Luftschichten
aber Vollmond!

Endlich, ich habe wieder aufgebaut. Schlechtes Wetter und Krankheit machten mir einen Monat lang zu schaffen. Klar – Vollmond – aber egal: nur die harten kommen in den Garten.

Zunächst baue ich in Ruhe auf und norde die Astro4 ein. Das geht mir mittlerweile spielend von der Hand. Dann setzte ich den seit 40 Minuten auskühlenden 114/500 auf die Monti und prüfe an Polaris die während der Schlechtwetterphase gemachte Justierung. Ergebnis: schöne zentrische Ringe intra- und extrafokal. YES!!! Und das bei dem schnellen Öffnungsverhältnis.
Auf geht’s:

Jupiter
Den wollte ich nur mal eben nehmen um den Sucher vernünftig zu eichen, bin dann aber doch ein wenig hängen geblieben. Im 15er Plössl sehe ich die großen Wolkenbänder, alle vier großen Monde sind noch da. Bei 133fach dann erahne ich den GRF. Ist er das? Hmmm! Ich schwenke weiter. War nur ein kurzer Besuch.

M57
Es ist Vollmond. Was sieht man mit einem 114/500er bei diesen Bedingungen an DeepSky?
Lyra steht angenehm hoch und ich schwenke auf den bekannten Ringnebel. Im 32er Plössl sieht man eigentlich nur einen ‚seltsamen Stern’. Dieser unterscheidet sich aber dermaßen
von den anderen, dass es nur M57 sein kann.
Ich setze das 15er Plössl rein. Jepp, ich hatte recht. Ein diffuses Scheibchen offenbart sich mir, sehr schön erkenne ich die rund-ovale Form. Nun schraube ich den UHC-Filter rein und dieser hält, was er verspricht. Es tut sich ein wenig mehr Kontrast auf, M57 hebt sich besser vom Hintergrund ab. Sehr schön.
Der nächste Schritt ist das 10er Plössl. Auch hier ein schönes Bild, aber schon oft gesehen. Erst der wieder eingesetzte UHC-Filter wirkt Wunder und lässt den PN hervorstechen. Ich setze noch einen drauf: das 7,5er Plössl kommt zum Einsatz und es ist ebenfalls erfolgreich.
Dann bei 4mm: hier reicht die Öffnung nicht mehr und das umgebene Streulicht stört doch ein wenig.

Ich wechsele zum Nachbar-Sternbild Cygnus und lande zunächst bei

M29
Ein offener Sternhaufen, versenkt im Sternenmeer der Milchstrasse. Im 32er Plössl fällt mir nur eine etwas hellere Gruppe auf, die sich ein wenig von den Sternen der Milchstrasse ‚absondert’. Das 15er Plössl bestätigt dann den Fund von M29. Ich gehe ein wenig in der näheren Umgebung von Sadr spazieren und ergötze mich der Vielfalt in unserer Galaxie!

NGC7000
Nachdem ich bei den doch eher schlechten Bedingungen (Stadt, Vollmond) schon M57 geknackt habe, kann ich den Noramerikanebel doch gar nicht verfehlen, oder doch? Ich schwenke zu Deneb, von dort aus in die richtige Richtung weiter. Aber wo ist NGC7000 im 32er? UHC-Filter rein und noch mal genauer hingesehen aber immer noch nichts. Das verschlägt mir jetzt die Sprache. Ich sehe 62Cyg, ich sehe AlphaCyg und dazwischen, mehr zum 62 hin, sollte er doch sein?!? Nöö nichts! Woran liegts? Ich vermute mal, dass der Kontrast nicht gereicht hat. Der Vollmond und der Beobachtungsplatz haben mir ein Schnippchen geschlagen. Den Nordamerikanebel knacke ich nicht.

M13
In letzter Zeit sehe ich in den Foren so viele Bilder vom Kugelsternhaufen im Herkules. Kurz angepeilt, ein wenig an den Wellen gedreht und schon zeigte er sich mir im 32er als größerer nebliger Fleck. Im 15er sehe ich die verschiedenen Grautönungen – am Rand ists etwas dunkler. Im 10er löse ich die Randbereiche ein wenig auf, zumindest kommt es mir so vor.

M92
Auch den zweiten KS im Herkules suche ich auf. Dank seines Durchmessers von 8’ ist er nicht ganz so einfach zu beobachten, aber dennoch schön bis runter auf das 10er Plössl.

Den großen Bären wollte ich noch abgrasen und schwenke rüber zu

M101
Die große Galaxie lässt sich einfach mittels Starhopping von zetaUma über die drei Doppelsterne auffinden. Erkennen tue ich aber nur das Kerngebiet. Und dann

bzzzzzz
Nachbar kommt nach draußen macht Licht an. „Oh hallo Stephan, was machst Du denn um diese Zeit draußen? Ach so, dein Teleskop! Oh, hätte ich das Licht auslassen sollen?
Sorry.“

Das waren seine Worte und für mich um 01:45 Uhr das Einläuten des Abbaus. Ich war auch schon recht müde. Die Mandelentzündung hat mich sehr geschlaucht.

Aber ich denke mit der kleinen Ausrüstung bei den eher schlechten DeepSky-Bedingungen
kann ich sehr zufrieden sein. Müde aber glücklich falle ich in mein Bett!
 
Hallo Antares!

Danke für das Lob!

Die genannten Damen und Herren werde ich morgen nacht versuchen. Von meiner Terrasse aus geht es nicht, ich habe nämlich unser Haus im Rücken Richtung Norden. Der Westen wird durch unsern direkten Nachbarn gedeckt.

Ich hoffe, dass ich bei Neumond in zwei Wochen ähnlich gute Bedingungen habe, dann kommt ein laaaanger Bericht!
 
Hallo Stephan,

macht wirklich Spaß, Deinen Bericht zu lesen. Danke!

...und das mit dem Nachbarn kenne ich doch irgendwie.
Meiner hat zwei schöne große Kugellampen, die er jedes Mal beim Rauchen gehen einschaltet. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smirk.gif" alt="" />
 
Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Hallo Stephan,

wie du, war ich letzte Nacht auch im Schwan unterwegs. Nur zielte ich testweise mehr auf den Cirruskomplex ab. Mit bloßem Auge 52 Cygni angesteuert und das 35mm Panoptic rein, aber nichts. Danach habe ich noch ein 15mm Plössl mit UHC kombiniert, war aber auch rein gar nichts zu sehen.

Dafür war das riesige Feld um M57 gewaltig. Der wahre Durchmesser erfasst fast beta und gamma Lyrae gemeinsam. Und dazu war schon deutlich die Ringstruktur von M57 sichtbar. Ein wunderbarer Anblick. Der erste Blick durch's Panoptic unter nächtlichem Himmel.

Gruß - Nico
 
Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Moin zusammen!

Sowohl den Cirrus- als auch den NA-Nebel zu dieser Zeit (Vollmond und 10 Tage vor Mittsommer) beobachten zu wollen, halte ich echt für mehr als mutig. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/augenruppel.gif" alt="" /> Das lohnt erst wieder ab August.
 
Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Hallo Ihr!

Im Nachhinein ist mir klar, dass NGC7000 nichts werden konnte. Ich hatte mir aber die Hoffnung gemacht zumindest den Kontrastreichsten Bereich, der Golf von Mexico, zu sehen. Ich hätte länger drausßen bleiben sollen, denn der Mond war um 02:00 Uhr hinter den Häusern verschwunden - mich direkt hätte er also nicht mehr gestört.

Aber mit dem Billig-Newton bei den Verhältnissen M57 zu knacken und M13 im Randbereich auszulösen, das ist schon was.

Leider kann ich mir im Moment keine größere Öffnung leisten aber einen 150er hätte ich schon gerne. Hat noch jemand einen im Keller liegen?!?
 
Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Hallo Stephan,

einen tollen Beobachtungsbericht hast Du geschrieben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Gestern Abend baute ich auch so gegen 21h30 meine Ausrüstung (Schiefspiegler 110/2720 auf einer Zeiss 1b - eine seeehr grenzwertige Kombination...) vor unserer örtlichen Volkssternwarte auf. Als erstes Objekt kroch irgendwann der Mond langsam über den Horizont. Durch die Refraktion hatte er eine untypisch ovale Form, die mich starkt an die Abplattung von Jupiter erinnerte. Jupiter? Genau, die Optik zum Planeten rübergeschwenkt. Der Himmelshintergrund war noch immer sehr hell, und entsprechend war der Helligkeitsunterschied zum Jupiter auch nicht so groß. Dieser "weiche" Kontrastunterschied gefällt mir bei der Planetenbeobachtung sehr gut, weil mich ein heller Planet vor einem tiefschwarzen Hintergrund oft blendet. Der Planet stand wie "ausgestanzt", ein klasse Seeing! Etwa eine Stunde lang schaute ich mir den Tanz der Monde und die Drehung des Planeten an. Auf der Planetenscheibe waren bei 130facher Vergrößerung zwischen den beiden großen Wolkenbändern noch zahlreiche kleine Strukturen wie weiße Flecken zu erkennen. Das nächst kleiner Okular vergrößerte direkt auf 260fach, und dies war dann leider für die Optik zuviel des Guten... Aufgrund der Helligkeit des Himmels (Vollmond und ein aufgehellter Himmel in Richtung Sonne) beobachtete ich anschließend einige Doppelsterne.

Im Laufe der nacht kam ein Kollege dann auf die in meinen Augen "waghalsige" Idee, mit einem 120/600-Refraktor auf Galaxienjagd im Großen Bären zu gehen. Bei 25facher Vergrößerung war M81 kein Problem, M82 konnte auch noch bei direkter Betrachtung gehalten werden. Eine Herausfoderung stellte dann M51 dar: Die Galaxie konnte nur bei indirekter Beobachtung gehalten werden, bei direkter Beobachtung war überhaupt nix zu sehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Für die Beobachtung des Nordamerikanebels benötigst Du einen dunklen Himmel. In der Eifel habe ich ihn unter guten Bedingungen schon mit einem 8x40-Fernglas (ohne Filter) erahnen können. Vor zwei Wochen war er unter Südtiroler Himmel im 10x50 (auch ohne Filter) überhaupt kein Problem - da habe ich zum ersten Mal den gamma-Cygni-Komplex im Fernglas gesehen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Viele Grüße und clear Skies,
Stefan
 
Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Hallo Stefan,

was heisst hier Eifel? Was gute Plätze angeht, in welcher Gegend bist du denn so unterwegs?

Gruß - Nico
 
Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Hallo Stefan!

Ein schöner Bericht von Dir!

Für die Beobachtung des Nordamerikanebels benötigst Du einen dunklen Himmel. In der Eifel habe ich ihn unter guten Bedingungen schon mit einem 8x40-Fernglas (ohne Filter) erahnen können. Vor zwei Wochen war er unter Südtiroler Himmel im 10x50 (auch ohne Filter) überhaupt kein Problem - da habe ich zum ersten Mal den gamma-Cygni-Komplex im Fernglas gesehen

Dunklen Himmel gibt es hier desöfteren. Zwar nicht bei mir auf der Terasse, dafür aber am Hauptspechtelort. Bis 5.5mag sind locker drin. Wie schön, das es in der Wesermarsch eine Laternen-Nachtabschaltung <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />

Im Fernglas konnte ich NGC7000 schon öfter beobachten, auch von der Terrasse. Jedoch dort nie im Teleskop, sondern nur im 10x50 Fernglas! Das Problem lag einzig beim Mond. In zwei Wochen hole ich mir den ins 32er <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/laugh.gif" alt="" />
 
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Re: Was geht mit kleiner Optik bei Vollmond? Ein B

Hallo miteinander,

Eifel? Kennst Du doch: Liegt zwischen Köln und Belgien, Strom ist ein Fremdwort, und entsprechend duster ist es dort <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" /> Spaß beiseite, vor allem mit dem Strom sieht die Realität ein klein wenig anders aus. Ich bin manchmal in der Gegend von Monschau unterwegs. Die Distanz zu Aachen ist gering, so daß ich schnell vor Ort bin. Einige Kilometer südlich vom Beobachtungsplatz befindet sich ein Militärgebiet. Meistens ist es recht dunkel, nur wenn die ihre Kampffeldbeleuchtung einschalten, können wir einpacken <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/frown.gif" alt="" />

@ Stephan: Bei der Verwendung des 32er-Okulars bekommst Du eine schön große Austrittspupille (~7mm). Jedoch wirst Du im Vergleich zum Fernglas nur ein sehr kleines Gesichtsfeld haben, weshalb Du möglicherweise über den Nordamerikanebel "rüberfährst", ohne ihn zu bemerken. Aber zumindest die Bucht von Mexico müßtest Du schaffen. ich wünsche Dir viel Erfolg, und ich freue mich auf Deinen nächsten Beobachtungsbericht <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Clear Skies,
Stefan
 
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