Was ist besser bei Wind - mehr oder weniger Zuladung für die Nachführung?

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AstroGerdt

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Hallo zusammen,

da ich derzeit dabei bin zwei Astrourlaube in Österreich zu planen, und sich einer der Standorte an einer relativ exponierten Position befindet, überlege ich, wie man bei leichtem Wind (kein Sturm, gerade so, dass er anfängt, zu stören), am besten weiter fotografieren kann.

Dabei war meine erste Überlegung, das Gewicht der Nachführung zu erhöhen. Wenn mich mein physikalisches Verständnis nicht vollkommen im Stich lässt, würde man so mehr Windgeschwindigkeit benötigen, um die gleiche Erschütterung der Nachführung zu bewirken. Da ich bei meiner (zukünftigen) EQ6 R-Pro nur knapp 6kg Zuladung haben werde, könnte ich versuchen, mehr Gegengewichte an der Nachführung anzubringen, und möglichst nahe an den Montierungskopf heranzuschieben. So würde die Balance noch passen, aber ich würde gleichzeitig das Gewicht erhöhen und damit die Schwingungsanfälligkeit verringern.

Andererseits bringe ich die Montierung dadurch natürlich auch näher an das Tragkraftlimit, wenn auch nicht wirklich nahe. Dadurch würde sie unter Umständen weniger genau laufen, wobei ich mir nicht sicher bin, wie groß dieser Effekt bei der EQ6 R-Pro wäre, schließlich bin ich ja noch weit von der maximalen Zuladung entfernt.

Oder sollte ich eher versuchen, das Gewicht bei Wind so niedrig wie möglich zu halten, da die Nachführung dann ruhiger und dadurch weniger Störungsanfällig läuft?

Wie sehen eure Erfahrungen damit aus? Sind die Vorteile der Gewichtserhöhung größer, als die Nachteile, die ich mir dabei einhandele? Oder bin ich komplett auf dem Holzweg?

Ich hoffe, ihr könnt mir, wie so oft, weiterhelfen.

Freundliche Grüße
Gerrit Erdt
 
Hallo Dennis,

klar, eine kleinere Angriffsfläche ist immer die beste Möglichkeit. Da ich aber nur einen APO und einen Sucher mit Guider auf der Nachführung habe, kann ich die Angriffsfläche kaum verringern.
Daher habe ich mich gefragt, wie viel es bringt, die Trägheit der Ausrüstung zu erhöhen.

CS Gerrit
 
Hallo Gerrit,
bei wenig Luftbewegung ist mehr Masse sicher von Vorteil. Aber nur solange die größere Masse eine Bewegung / Störung noch ganz verhindert.
Kommt trotzdem windbedingt Bewegung in den Aufbau, dann wirkt sich die größere Masse eher nachteilig aus, weil mehr Rückstellkraft bzw. Dämpfung zur Beruhigung gebraucht wird. Der Aufbau schwingt dann länger nach.

Also ist Windschutz der bessere Weg. Geschützte Aufstellung ist da zu bevorzugen. Wenn nicht möglich, dann kann ein Sichtschutz / Windschutz aus dem Campingbereich an der Stelle wahre Wunder bewirken. Dazu erhöht ein Windschutz bei kalten Temperaturen in jedem Fall auch den Beobachtungskomfort. Selbst minimale Luftbewegung führt (nicht nur im Winter) zu viel schnellerem Auskühlen, da ist ein Bisschen Windschutz ein echter Segen.

CS

Dietmar
 
Hallo Gerritt,

ich habe die gleiche Montierung und zwischen 5 und 17 Kilo alles schon mal montiert gehabt. Mit nur 6 kg Zuladung würde ich meinen, dass es bzgl. Wind weniger um das Gewicht geht als um Backlash und Balance. Meine eigene ER6-R ist recht schwergängig und bei so wenig Zuladung nur schwer auszutarieren - ist wegen meines Aufstellungsortes auch nicht so wichtig. Backlash dürfte bei gut austarierter Montierung und Wind eher zu Problemen führen. Das Backlash kann man entweder nachjustieren oder versuchen, bei Wind mehr Stabilität durch Übergewicht in DEC und ebenso in RA (immer Ostseite) in das System zu bringen.

Aber auch die Kabel sind ein sensibler Angriffspunkt für Wind, besonders wenn sie an der Kameraseite frei hängen und dort ein langer Hebel wirkt. Der frei hängende Teil der Kabel sollte zusammen geführt werden, so kurz wie möglich sein und an geeigneter Stelle an der Montierung fixiert werden. Der gesamte restliche, abwärts gehende Teil des Kabelstranges kann z. B. im Bereich des Drehpunktes der DEC Achse mit Klettbändern an den Klemmschrauben der Teleskopaufnahme fixiert werden. Von da können sie nach unten durch den Griff hindurch geführt und dort noch einmal befestigt werden.
 
Hallo zusammen,

Danke für die zahlreichen Antworten und entschuldigt meine späte Antwort, der Unterricht hat sich heute etwas hingezogen.

Ein windschutz wäre eine Idee wert, ich muss mal gucken, wie gut ich so einen mobil einsetzen kann und wie groß die sind. Habt ihr Erfahrungen damit, wie stabil die halten und ob man die auch im gefrorenen Boden anständig befestigen kann? Ich stelle es mir doch sehr doof vor, wenn mir plötzlich der windschutz wegfliegt....

Die Verkabelung wollte ich eh optimieren, jetzt hast du mir einen Grund mehr gegeben Peter. Das steht also ziemlich weit oben auf meiner ToDo-Liste. Hast du Erfahrung damit, die die Backlash-Compensation der Eq6 R-Pro sich in der Praxis schlägt? Bisher kenne ich die nur aus dem Manual, und bis das Paket endlich ankommt dauert es leider noch eine Weile...

CS Gerrit
 
Hi Dietmar,

Klar, bei so starkem Wind fotografiere ich nicht mehr. Das war eher symbolisch gemeint.

Gerade bei gefrorene Boden könnte ich mir das aber sogar noch halbwegs vorstellen, wenn der schon lange gefroren ist. Dann kriegt man die Stangen Unter Umständen kaum befestigt. Und bei steinigen Boden sieht es auch eher bescheiden aus.

CS Gerrit
 
Hallo Gerrit,

ein Windschutz muss nicht immer die klassische Strandmauer sein.
Ich habe lange Zeit ein Duschzelt benutzt (Weniger als Windschutz, mehr als Teleskop-Bleibe für 2-3 folgende Nächte). Das Stativ nicht ausgezogen und 430mm Brennweite aufgesattelt, konnte ich das Zelt nach dem Einnorden und alignen drüberstülpen. Der windgeschützte Ausschnitt hat so für ca. 120°-150° Bewegungsfreiheit ausgereicht.
Ein Anstossen ist auch nicht wirklich schlimm da der Ausschnitt nicht verwindungssteif ist.

Ein Rohgestell mit PVC Plane hatte ich in Planung, bevor es eine richtige Hütte wurde. Bei so einem mobilen Observatorium hast du den Vorteil, dass das Dach fehlt und du dich so bewegen kannst wie es ohne Schutz wäre.
 
Hast du Erfahrung damit, die die Backlash-Compensation der Eq6 R-Pro sich in der Praxis schlägt?
Hallo Gerrit,

mit der Kompensation im Synscan kenne ich mich nicht aus, denke aber, für fotografische Zwecke sollte man sich lieber auf die entsprechenden Funktionen in der Guidersoftware verlassen. In meinem Fall ist das der MGEN2 oder PHD2. Bei nur geringem Backlash gibt es da keine Probleme. Falls es aber spürbar ruckelt, wenn du Hand anlegst, sollte nachjustiert werden. Das habe ich mit in der Dec-Achse schon mal (problemlos und sehr erfolgreich) anhand einer Anleitung aus dem Internet machen müssen.

Wenn deine Montierung aber gerade neu angeliefert wird, sollte es doch erstmal keine Probleme mit Backlash geben. Die EQ6-R ist ja auch eigentlich eine robuste Konstruktion, die bei der geringen Zuladung schon von sich aus wenig anfällig ist. Da kommt es bzgl. Wind eher auf die Aufstellbedingungen, die Verkabelung und das Austarieren an.
 
Hallo,

ich denke, wenn eine windgeschützte Aufstellung nicht möglich ist, sollte mehr Gewicht auf's/an's Stativ und nicht auf die Montierung und der Schwerpunkt möglichst tief sein. Und dann natürlich, was Peter auch gesagt hat, die Windangriffsflächen so klein wie möglich machen.
Kurzzeitbelichtung hilft hier auch. Dann kann man die Windstöße und Wackler eher aussortieren.

Gruß

*entfernt*
 
Hallo,

danke für eure Antworten. Dann werde ich mich um eine möglichst gute Verkabelung und einen mobilen Windschutz kümmern.

CS Gerrit
 
Hallo Gerrit,

eigentlich ist ja schon alles geschrieben. Stativ unten lassen, alle flatternden Kabel fixieren und ein Windschutz.
Als Windschutz dient mir das Auto, weis aber nicht ob das bei dir möglich ist.

Gruß und viel Erfolg
Thomas
 
Hallo Gerrit

Noch etwas zum Wind: Ich habe die untenstehende Konstruktion stationär resp. PE Rohre im Boden (ca. 30cm) und dann setzet ich Pfosten und hänge die Plane ein. Auch wenn der Wind nicht allzu fest bläst, entsteht eine enorme Kraft durch die Fläche. Ich rate dir aus dieser Erfahrung eine stabile, mobile Konstruktion zu wählen. Wenn sich etwas löst und am Scope hängen bleibt... Könnte evt. mit Schäden enden.

Grüsse, David

Screenshot_Galerie_20210219-173856_1.png
 
Hallo,

das Auto kommt für mich leider nicht infrage. Gerade in den Alpen, wo ich gelegentlich eine Hütte miete, kann man das Auto ja nicht einfach so mitten am Hang neben dem Teleskop parken und dann ggf. noch Nachts auf eine andere Seite fahren. Wenn ich mich schon um eine Lösung kümmere, dann um eine, die ich möglichst immer verwenden kann.

So hoch wie bei dir David muss mein Windschutz zum Glück nicht gehen, ich plane ohnehin, das Stativ immer nur auf der niedrigsten Stufe zu verwenden. Aber trotzdem hast du die berechtigte Problematik mit der Stabilität und dem eventuellen Schaden der Optik angesprochen. Das ist es auch, was mir dabei hauptsächlich Bauchschmerzen bereitet. Wenn ich ein Produkt gefunden habe, bei dem ich mir unsicher bin, wie stabil es wirklich ist, dann melde ich mich noch einmal hier.

CS Gerrit
 
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