Was ist ein Protuberanzenansatz?

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Thomas_Stelzmann

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Einen schönen guten Abend zusammen!

Was ist ein Protuberanzenansatz und wie benutze ich den?


Viele Grüße
Thomas
 
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Hallo Thomas,

einen Protuberanzenansatz brauchst Du um die Protuberanzen der Sonne beobachten zu können.
Das Problem ist, das mit einem normalen Sonnenfilter die Protuberanzen durch das helle Licht der Sonne überstrahlt werden, sie bleiben unsichtbar. In einem Protuberanzenansatz ist eine kleine Kegelblende, die den gleichen DUrchmesser wie die vom Fernrohr erzeugt Sonnenscheibe hat. Bei 1m Brennweite als etwa 10mm Durchmesser. Diese Kegelblende befindet sich genau im Fokus und deckt die Sonnenscheibe ab --> Die Protuberanzen werden sichtbar.
Der Druchmesser der Blende hängt natürlich vom verwendeten Fernrohr bzw. dessen Brennweite ab und muss deshalb an dieses angepasst sein. Desweiteren bracuht man mehrere Blenden im Laufe des Jahres, da sich der Abstand Erde-Sonne und damit auch der scheinbare Durchmesser der Sonne verändert.

Grüsse,
Jochen
 
Hallo Jochen!

Danke für die ausführliche Antwort!
Also ist das Ding quasi eine Sonnenfinsternis im Fernrohr... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Viele Grüße
Thomas

 
Aber nicht ohne Filter !!!

Zum Protuberanzenansatz gehört unbedingt ein H-alpha Filter !!! Ohne Filter kann es im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen! Um die sehr lichtschwachen Protuberanzen überhaupt sehen zu können, brauchst Du neben den Kegelblenden noch einen sehr schmalbandigen H-alpha Filter. Damit filterst Du die Protuberanzen quasi heraus. Wegen des geringen Durchlassbereichs der Filter ist so ein Ansatz auch ziemlich teuer.

Frank.
 
Hi,

stimmt es, dass es die Protuberanzensätze nur für Refraktoren gibt?

Wie sieht es mit der Gefahr aus, mit dem Kegel nicht die komplette Sonne auszublenden und somit ungeschützt in die Sonne zu schauen. Oder über einen h-alpha filter in die sonne schauen. Z.b. durch Montierung ohne automatische Nachführung usw.

bis denne
david
 
> stimmt es, dass es die Protuberanzensätze nur für Refraktoren gibt?

Stimmt.

> Wie sieht es mit der Gefahr aus, mit dem Kegel nicht die komplette Sonne auszublenden und somit ungeschützt in die Sonne zu schauen.

Eine parallaktische Montierung mit Motorantrieb in der Stundenachse sollte schon vorhanden sein. Für kurze Zeit kann man der Sonne zwar auch mit manuellem Feintrieb folgen, aber Spaß macht das nicht. Wenn die Sonne wegen ungenauer Nachführung hinter der Kegelblende hervorkommt, ist man sehr schnell geblendet. Trotz H-alpha Filter ist das Bild der Sonnenscheibe immer noch sehr hell. Eine ordentliche Nachführung ist daher dringend anzuraten!

Frank.
 
> stimmt es, dass es die Protuberanzensätze nur für Refraktoren gibt?

Stimmt.

Bist du da sicher????

In der Eichstätter Zeitung war nach dem letzten BTM ein Artikel über das treffen. Dabei ein Foto (jemand mit C11) mit der Bildunterschrift:
"Wilfried Dörle hat sein Spiegelteleskop mit Protuberanzenansatz mitgebracht: tagsüber beobachtet er damit die Sonne."

Hatte der Schreiber keine Ahnung?Hat hm jemand Mist erzählt? Oder gibts doch Protub-Ansätze nicht nur für Refraktoren?
 
Hallo Sebastian, und alle anderen!

Ich kenne weder den Zeitungsartikel, noch war ich letztes Jahr beim BTM.
Beim C11 hat man fokal 2800mm Brw, d.h. die Sonne hätte als Fokalbild etwas < 25mm Durchmesser.
Es gäbe:
a) Vignettierung
b) Bildfehler
c) eine enorme Hitzeentwicklung im Rohr

Fazit: Ich würde es nicht machen (ich).
Wer gerne einen neuen Fangspiegel aufklebt, oder sich womöglich sein Rohr ruinieren möchte, kann das aber gerne machen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Es gibt allerdings schon auch einen Ansatz für Newtons (allerdings auch mit Off-Axis-Blende & ERF - ein ERF ist über 100mm Öffnung mehr als sinnvoll!). Ein solcher Ansatz wurde mal in SuW vorgestellt.

Auf www.sonnenbeobachtung.de ist nochmal eine Beschreibung des Ansatzes (sorry, die Seite ist momentan etwas stiefmütterlich behandelt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />), sowie der Link zu meiner Sonnengalerie mit einigen Protuberanzenaufnahmen, die mit einem P-Ansatz gemacht wurden, wie z.B. dieses:
Link zur Grafik: http://www.andreasmurner.de/prot/protpic/prot010726b.jpg


Viele Grüße
Andreas
 
Hallo Sebastian,

also ein C11 mit Protuberanzenansatz habe ich noch nicht gesehen und kann es mir auch schwer vorstellen. Vielleicht hatte der Besitzer einen Protuberanzenansatz mit einem Refraktor Huckepack auf sein C11 geschnallt? Es gibt mehrere Gründe, warum man solche Ansätze in der Regel nur an Refraktoren einsetzt. Der wichtigste liegt im Streulicht begründet. Beim Spiegelteleskop kann sich immer wieder feiner Staub auf den Spiegeln absetzen und Streulicht produzieren. Streulicht ist aber der ärgste Feind bei der Protuberanzenbeobachtung. Ein Refraktor mit ordentlichen Tubusblenden und einem richtig konstruierten Ansatz ist hier die optimale Lösung. Ein Schmidt-Cassegrain wird auch bei der normalen Sonnenbeobachtung immer mit Sonnenfilter genutzt, da die starke Erwärmung im Tubusinnern zu Beschädigungen führen kann. Ohne spezielle Wärmeschutzfilter vor der Optik dürfte auch ein Protuberanzenansatz nicht ohne weiteres zu adaptieren sein. Bei gängigen Newton Systemen hat man zwei weitere Probleme. Zum einen sind sie meist sehr lichtstark, was durch die starke Erwärmung in Brennpunktnähe zur Deformation des Fangspiegels führen kann. Dem könnte man mit einer Off-Axis Blende begegnen. Zum zweiten führt der Wärmeaustausch zwischen dem offenen Tubus und der Umgebung zu Turbulenzen, was auch nicht gerade erwünscht ist. Das sind alles Gründe, warum ein Refraktor mit mittlerem Öffnungsverhältnis (f/8 ... f/10) die beste Lösung ist. Ich habe aber auch schon gelesen, daß ein solcher Ansatz an einem Newton verwendet wurde. Aber wie gesagt, man hat ein paar mehr Probleme zu bewältigen. Neben dem klassischen Ansatz am Refraktor gab es mal eine sehr interessante Lösung: das sog. Protuberanzenokular. Dabei wurde ein langbrennweitiges Kellner-Okular (ca. 30mm) umgebaut, die Kegelblende sitzt dabei auf der Feldlinse des Okulars und der H-alpha Interferenzfilter wird im innern des Okulars angeordnet. So weit ich weiß, wurde diese Lösung aber nie kommerziell vertrieben.

Frank.
 
Hi,

ich hab grade durch Zufall was interessantes gefunden.
Und zwar das hier .
Hier stehts auch nochmal:
Protuberanzenphoto vom letzten Teleskopmeeting in Bayern durch Wilfrid Dörles Meade 12” LX 200 mit Digitalkamera Sony DSC F 707/ durch Okular: Pentax 40 SMC .
Das ist der Wilfrid Dörle den ich gemeint hab.Nur mit dem Teleskop hab ich mich geirrt.(12"LX 200 statt C11)
Wie ist das Foto nun gemacht? In dem Zeitungsartikel stand ja Protuberanzenansatz, hier steht davon nichts. Vielleicht liegt da der Irrtum. Wie kann man denn so Fotos noch machen außer mit Protub-Ansatz? Eigentlich ist auf dem Foto ja mehr als nur Protuberanzen. Ist das vielleicht einfach ein H(alpha)-Filter oder sowas ähnliches?

 
Hallo Sebastian,

beim Protuberanzenansatz wird die Sonnenoberfläche ja durch den Kegel abgedeckt und erscheint schwarz. Das Foto mit dem Meade SC könnte mit einem Daystar oder Coronado H-alpha Filter entstanden sein. Da auf der Sonnenoberfläche keine Details zu sehen sind, dürfte der Filter relativ breitbandig sein. Bei einem der schmalbandigen Coronado Filter würde man auf dem Foto neben den Protuberanzen sicher auch Strukturen auf der Oberfläche sehen. Ob es die Coronado Filter für SC's gibt, weiß ich auch nicht. Wenn Du näheres dazu wissen willst, schau mal auf der HP von Coronado nach:

Coronado Homepage

Frank.

Ergänzung: Auf der Homepage von Markus Ludes (Produkte -> Coronado) findest Du auch eine deutsche Beschreibung inkl. der recht interessanten Preise. Es gibt wohl auch Adapter, mit welchen man einen SolarMax off-axis vor einem SC befestigen kann.

Und hier noch ein Link zu Deutschlands bekanntestem und wohl auch bestem Sonnenbeobachter. Herr Lille handelt ebenfalls mit Coronado-Filtern, baut aber auch eigene (sehr professionelle) Protuberanzenansätze. Bei Fragen zur Sonnenbeobachtung ist Herr Lille nach meiner Erfahrung die erste und beste Adresse.

Wolfgang Lille's Homepage:

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Frank,

die Coronadofilter kann man "ohne weiteres" an SC's setzen, allerdings ist die Sache dann halt nur Off-Axis zu betreiben (140mm ist momentan das Maximum).
Aber: die Brennweite ist entscheidend, welcher Blockfilter eingesetzt werden muß. Für bis zu 1000mm Brw. der BF10, bis zu 1500mm der BF15, und bis max. 3000mm der BF30.
Darüber hinaus hat man nur einen Ausschnitt der Sonne.
Link zur Grafik: http://www.andreasmurner.de/ha/pix/sun_ha_020914a.jpg
Bei den Daystar-Filtern war/ist das System anders. Die Filterung wurde "hinten", vor dem Okular / der Kamera vorgenommen, während vor der Objektivöffnung ein ERF sitzen mußte (am besten mit IR-Ver(g/h)ütung).


Viele Grüße
Andreas
 
> Bei den Daystar-Filtern war/ist das System anders. Die Filterung wurde "hinten", vor dem Okular / der Kamera vorgenommen, während vor der Objektivöffnung ein ERF sitzen mußte (am besten mit IR-Ver(g/h)ütung).

Hallo Andreas,

ich kenne nur den Daystar T-Scanner, wir nutzen an einer unserer Sternwarten die 0,8 A Version an einem Zeiss 80/1200. Neben dem ERF muß ja auch das Öffnungsverhältnis um f/30 liegen. Eigentlich müßte man doch einen Daystar-Filter auch an einem SC mit off-axis angeordnetem ERF einsetzen können? Bei den kleinen Meade Maksutovs gibt es ja auch eine off-axis Adapterplatte für den kleinen SolarMax.

Frank.
 
Hi,

das geht. Nur eben das F/30...
Oder natürlich mit einem Telezentrischen System, wie es z.B. W.Lille verwendet (Barlow's verbessern die Situation in diesem Fall nicht unbedingt).

Das ist beim Coronado (Ausnahme ASM40 u.ä.) nicht so, da das Ethalon-Element (weklches den paralelen Strahlengang braucht) vor dem Objektiv sitzt.


Viele Grüße
Andreas
 
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