Hallo Bettina,
abgesehen davon, dass ich in Bezug auf Gleichgesinntenkontakt und den Besuch von anderen Beobachtern mit den Meinungen hier im Thread uebereinstimme, gibt es doch schon einige Anhaltspunkte fuer einen Teleskopkauf.
- Geldbeutel: Kannst/willst Du gleich mit etwas Besserem einsteigen oder ist Dein Budget sehr klein ? Glaubst Du, Dein Interesse koennte ein Strohfeuer sein, oder bist Du relativ sicher dass Du an einem Teleskop viel Freude haben wirst ?
- Wohnsituation: Wohnst Du an einem Ort, wo Du ein Teleskop schnell in den Garten bringen kannst zum Schauen ? Oder musst Du es weit transportieren ? Wenn ja, hast Du ein Auto zur Verfuegung ?
- Koerperliche Situation: Bist Du gewillt, ein schwereres, sperriges Teleskop zu tragen - oder soll es eher was Kompaktes sein ?
- Interesse: Bist Du eher an Planeten, Mond und Doppelsternen interessiert oder eher an Sternhaufen, Nebeln und Galaxien ? Oder soll es ein Allroundinstrument sein ?
- Technik: Magst Du es vollautomatisch (Stichwort GoTo), moechtest Du auf Dauer fotografieren, oder moechtest Du es so einfach wie moeglich - und Dein Geld in eine moeglichst grosse Optik stecken ... ?
- Persoenlicher Geschmack: Magst Du ein "richtiges Teleskop", wo Du von unten durchschaust, oder kann es auch ein Newton sein mit oberem, seitlichen Einblick ?
Diesem "persoenlichen Profil" stehen verschiedenste Teleskope entgegen:
Refraktoren: Die billigen Geraete, speziell auf azimutalen Gabeln (also einfache Aufhaengung, die "rechts-links-hoch-runter"-Bewegungen zulaesst), sind leider in den letzten Jahren ziemlich heruntergekommen: Viel Plastik, wacklige Stative aus viel zu duennem Alu, unbrauchbares Suchfernrohr ... wenn Du dagegen etwas mehr Geld ausgibst und Dir eine parallaktische Montierung goennst (Aufbau mit Gegengewicht, erlaubt nach Einnorden dem Folgen des Objekts mit einem Handgriff), kannst Du durchaus etwas Gutes bekommen.
Newton-Reflektoren: Die meiste Optik fuers Geld, erwaehnt wurde ja schon der populaere 114mm-Newton mit 900 mm Brennweite. Meist etwas untermontiert (d.h. die Montierung koennte etwas staerker sein), bietet dieses Geraet meines Erachtens fuer parallaktische Systeme die meisten Detailwahrnehmungen fuers Geld. Allerdings: Haende weg von kurzbauenden Systemen, in denen eine Linse die Brennweite erhoeht - z.B. 1 Meter Brennweite mit nur 40 cm Tubuslaenge. Die Erfahrung zeigt, dass diese Instrumente in den allermeisten Faellen den langen Versionen weit unterlegen sind.
Eine besondere Abwandlung des Newtons ist der Dobson. Hierbei steht das Geraet auf einem schrankartigen Unterbau, der eine "links-rechts-hoch-runter"-Verstellung durch einfaches, sanftes Schieben des Fernrohrs ermoeglicht. Da Du beim Newton oben reinschaust, ist die Montierung bodennah (kein Stativ) und die ganze Sache erstaunlich stabil. Und dabei billig, weil die Anforderungen an die Montierungspraezision sehr gering sind. Hier steckst Du das meiste Geld in die Optik, die dadurch groesser ausfallen kann. Nur fotografieren kannst Du so nicht (ausser Mond vielleicht), weil Du nicht nachfuehren kannst. Mit einem Dobson legst Du Dich auf die Beobachtung mit dem Auge am Okular fest - vielleicht gerade das, was Du willst ?
Kompaktreflektoren - sehr beliebte Geraete nach abgewandeltem Cassegrainmuster. Es sind Spiegelteleskope, die durch eine Bohrung im Hauptspiegel einen rueckseitigen Einblick wie beim Refraktor haben. Es gibt bei kleinen Geraeten die sog. Maksutov-Cassegrain-Form, in der eine dicke, stark gewoelbte Eingangslinse den Tubus verschliesst. Bei groesseren Geraeten wird diese Platte oft durch eine spezielle, duennere Scheibe ersetzt - das ist dann ein Schmidt-Cassegrain. Allen diesen Systemen ist gemein, dass die Tuben geschlossen sind. Hierdurch kann kein Staub eindringen, allerdings ist die Frontplatte tauempfindlich, und eine Taukappe (Rohr, das ueber das Objektiv weit hinausragt) wird nicht immer mitgeliefert. Die Geraete kommen parallaktisch montiert, oder auf computergesteuerten Azimutalmontierungen (z.B. Meade ETX oder Celestron Nextar). Diese Geraete sind nicht im ganz billigen Preissegment zu finden, und ob Du das elektronische GOTO zum Aufsuchen wirklich brauchst, kann ich nicht beurteilen.
GOTO spaltet die Amateure in zwei Lager:
Die der "alten Schule" (denen ich angehoere): Gerade Einsteiger lernen den Himmel viel besser kennen, wenn sie mit Sternkarten arbeiten und lernen, die Objekte schnell zu finden - das "zapping" mit GoTo wird schnell langweilig.
Die GOTO-Befuerworter: GOTO ermoeglicht vom Anfang an eine effizientere Beobachtung, und der Frust des Nicht-Findens von Objekten entfaellt.
Entscheide am besten nach Deinem persoenlichen Empfinden - und Geldbeutel.
Es gibt eine ganze Bandbreite verschiedener Teleskope, fuer Einsteiger sind wohl die meisten heutzutage Importgeraete aus China. Allerdings gibt es hier, teils vom selben Hersteller, Billigschrott neben wirklich gescheiten Einsteigerinstrumenten. Deswegen solltest Du Dir vor einer Entscheidung einen Rat von anderen Sternfreunden einholen, z.B. hier auf diesem Forum.
Sollte es dann zu einem Kauf kommen, solltest Du ein Rueckgaberecht ausmachen, falls die Optik nicht die Erwartungen erfuellt. Ist speziell ein Reflektor eine "Gurke", weil er die Sterne nicht total scharf abbildet, kann es jedoch auch eine Dejustage sein - Spiegelfernrohre sind hier empfindlicher als Linsenteleskope. Aber don't panic - auch das laesst sich, unter Anleitung eines anderen Sternguckers vielleicht, rasch erlernen.
Ups, jetzt bin ich doch etwas lang geworden mit meinen Ausschweifungen. Achja, einen Tip habe ich noch: Buecher !
Es gibt sehr viele gute Einsteigerbuecher, die sich mit den Themen der Fernrohrwahl oder der praktischen Beobachtung auseinandersetzen.