Hallo Tobey,
Zitat von TobeyMaguire:
Daher denke ich 'geübtes Beobachten' und 'mehr sehen' bezieht sich auf das Wissen eines Spechtlers wo er bei welchem Objekt hinsehen muss um am ehesten was zu sehen. Z.B. bei einem Nebel eine bestimmte Kante und dann schaut er ob er diese bei einem 8"er auch noch sieht wo er sie beim 12"er noch gesehen hat. Ich denke mit Übung ist genau das gemeint. Seht ihr das auch so?
Es ist eigentlich nicht das geübte Auge, sondern vielmehr das trainierte Gehirn

Im Fall von nebeligen Objekten wird das Gehirn auf schwache Kontraste trainiert. Einmal gesehene Details sind später leichter sichtbar. Es ist, so denke ich, ein Lernprozess. Man muss sich fordern, um einen Fortschritt zu erzielen. Das Wissen über das Objekt (z.B. Größe) spielt aber natürlich auch eine gewisse Rolle.
Hier mal 2 Beispiele aus meinen letzten 4 Jahren:
Vor 4 Jahren habe ich mit 8 Zoll unter einem 6mag Himmel nichts von Stephan's Quintett (NGC7320 & Co.) gesehen, obwohl ich es wirklich mehrfach versucht habe. Heute ist es für mich keine Herausforderung mehr. Unter etwas besseren Bedingungen im Tiefland (6.5mag) war sogar eine Sichtung mit 4.5 Zoll der beiden hellsten Mitglieder möglich. Zum damaligen Zeitpunkt undenkbar.
Die schöne Edge-On-Galaxie NGC891 in And war für mich schon damals mit 8 Zoll kein wirklich schwieriges Objekt unter einem 6mag Himmel, aber vom Erkennen von Strukturen war ich weit entfernt. Erst nach vielen Monaten, wo ich vor allem schwache Objekte beobachtet habe, 'sprang' mich unerwartet das zentrale Staubband an. Ich sehe es regelmäßig unter diesen Bedingungen ohne Mühe.
Ich könnte noch weitere Beispiele bringen. Die Beobachtererfahrung wird meiner Meinung nach nicht selten unterschätzt, nimmt aber (zumindest bei mir) einen recht hohen Stellenwert neben Öffnung und Himmelsqualität ein. Ein erfahrener Beobachter kann durchaus mehrere Zoll Öffnung oder einen deutlich schlechteren Himmel kompensieren. Nicht immer, aber häufig.
Viele Grüße,
Robert