Hallo Kay
"Made in Russia" ist für sich gesehen kein Qualitätskriterium für ein Fernglas. Es kommt auf den Hersteller an und auf die Behandlung, die das Glas erfahren hat.
Ich denke, dass Ferngläser mit Rotvergütung für astronomische Zwecke unbrauchbar sind, auch wenn sie als "russische Armeeferngläser" vermarktet werden. Solche Gläser habe ich nicht.
Ich habe einige russische Ferngläser von Sotem, Baigish, Tento und Helios. Die Mittenschärfe ist bei allen Gläsern gut bis zufrieden stellend. Sie erreichen das, was mein Zeiss Deltrintem und mein Zenith-Glas an Schärfe bieten. Die Randunschärfe und die Kissenverzerrung ist bei allen Gläsern im Rahmen des Üblichen. Ein leicht gelblicher Farbstich findet sich beim Sotem und beim Baigish, das stört des Nachts aber nicht. Helios und Tento sind bei mir farbstichfrei.
Der geringe Pupillenabstand russischer Gläser schränkt ihre Anwendung mit Brille in der Regel ein. Wenn man einen Astigmatismus auf den Augen hat, beeinträchtigt das Beobachten ohne Brille die wahrnehmbare Schärfe. Hat man keinen Astigmatismus, kommt man mit den Gläsern auch ohne Brille gut in den Fokus.
Das Einblickverhalten ist bei den russischen Gläsern nicht so entspannend angenehm wie beim Zeiss Deltrintem, auch das Gesichtsfeld ist im Vergleich zum Zeiss etwas kleiner, aber man bekommt einen scharfes und recht kontrastreiches Bild. Farbfehler sind mir bislang nicht aufgefallen. Weder beim Mond noch bei hellen Sternen.
Die Fokussiermechanik der russischen Gläser zeigt im Vergleich zu anderen Gläsern (Zeiss, Zenith, Nikon) etwas mehr Spiel. Manchmal wünscht man sich, dass das Verstellen des Fokustriebes etwas schwergängiger wäre. Von selbst verstellt sich die eingestellte Schärfe aber nicht.
Wasserdicht sind die Ferngläser leider nicht. Fallen lassen sollte man sie natürlich auch nicht.
In der Regel sind die Ferngläser für den Taggebrauch ausgelegt, so dass die Hersteller nicht das Optimum an Reflexfreiheit realisiert haben. Als Bastler kann man da einiges verbessern. Gute Beispiele hierfür bietet das Forum.
Es gibt sicher bessere Gläser von Fujinon, Zeiss, Minolta Nikon usw. Die kosten aber das Zehnfache, ohne zehnfach besser zu sein.
Vom Preis/Leistungsverhältnis gesehen wird man kaum ein besseres Glas finden als ein Fernglas "Made in Russia" oder "Made in UDSSR", wenn das gut justiert ist.
Man erhält dann ein scharf zeichnendes Gebrauchsglas, das man effektiv und stressfrei einsetzen kann.
Beste Grüße,
günther