linuxer
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Wer kennt das nicht. Tagsüber ist das schönste Wetter, man freut sich auf die Nacht und pünktlich wenn es Dunkel wird tauchen die ersten Wolken am Himmel auf. Es ist als wenn Gott uns Hobby- Astrofotografen seinen großen Mittelfinger grinsend in Gesicht streckt.
Wir müssen eigentlich Total bescheuert sein wenn wir uns dieses Hobby antun, aber Hey, es macht halt Spaß und deswegen sind wir so leidensfähig.
Wir haben jetzt ende Oktober und wenn ich zurück blicke und meine gesammelten Daten für dieses Jahr anschaue kommen mir fast die Tränen. Viel sind es nicht geworden. 9 Aufnahmen von Januar bis jetzt ende Oktober. Gut zugegeben, ich hatte schon weniger und ich muss zufrieden sein.
Aber jetzt gingen wieder Wochen ins Land wo es tagsüber sonnig war und ich gefrustet abends in den Himmel schaue und frage ob mich da nicht einer verar……, es ist wieder alles zu.
Also fing ich mal wieder aus lautem Frust an zu Basteln.
Anfang 2022 habe ich mir eine Raspberry Pi HQ-Camera für 65€ und einen Raspberry Pi Zerro W gekauft. Es war mein Plan daraus eine Planetenkamera zu bauen die meine betagte ToUcam 740 irgendwas ersetzen sollte. Die älteren erinnern sich sicher noch an die alte Webcam.
Da ich mir 2012 einen 3DDrucker gebaut hatte war das Gehäuse kein Problem.
Nach nächtelangem Herumfummeln mit den libcamera-tools per ssh auf der Kamera konnte ich die ersten Bilder und Videos aufnehmen. Schnell merkte ich dass das „Programmieren“ mit der Bash nicht so toll ist. Ich hatte zwar schnell ein paar Scripts zusammen gekloppt aber ich konnte die Aufnahmen erst dann kontrollieren wenn die Aufnahme zu ende war, (ja ist logisch ich weis) und ich das Bild herunter geladen hatte. Im Prinzip funktionierte das alles aber Zuviel Fingergymnastik für den Abend oder die Nacht.
Plan B sah eine Webseite auf dem Pi vor. An und für sich kein Thema aber ich hatte schon seit Jahren keine Webseite mehr erstellt und war etwas aus der Übung. Nach Wochenlangem Gefrimel hatte ich endlich das Ding am laufen. Nun konnte ich sofort sehen was ich aufnahm und Parameter ändern. Das ganze zog sich natürlich wieder hin weil, - ihr wisst schon Gottes Finger und so.
Es ist ja allgemein unter uns Astrofotografen bekannt das wenn ein Teil neu angeschafft wird, der bewölkte Himmel proportional zum Preis ist. Je größer und teuer desto länger ist alles dicht.
Nach längerem benutzen merkte ich das die Steuerung per Webseite auch nicht so das tolle war.
Es musste etwas anderes her. Software gab es damals keine also war ich wiedermal gefragt.
Ich hatte im laufe der Jahre schon mit einigen Programmiersprachen herumgespielt. Angefangen habe ich anfangs der 90er mit VB-irgendwas. Ein Arbeitskollege meinte irgendwann nimm Pascal das ist genial. Ich glaube von Pascal spricht heute keiner mehr und soviel dazu. Dann war für satte 800DM Borland C++ angesagt. Irgendwann war ich so bescheuert und habe mir Assembler angetan.
Das tolle an Programmiersprachen ist wenn man es beherrscht ist man ein Gott, zumindest solange wie man damit programmiert. Beschäftigt man sich längere zeit nicht damit, dann verlernt man es wieder, das ist zumindest bei mir der Fall.
Um die 2000 bin ich komplett von Microsoft zu Linux gewechselt und habe Bascom kennengelernt, auch eine Basic-Variante.
Ich dachte mir 2022 zeit mal Python zu testen. Also wurde es ein neues Projekt.
Diesmal sollte es heftig werden und Parallel dazu dachte ich mir, was die Kamera wohl als DSO-Kamera kann ?
Als erstes kam die Software zur Steuerung der Kamera. Als Plan hatte ich mir vorgenommen nicht auf der Kamera selber zu arbeiten sondern die Software sollte der Kamera per Wlan die Befehle senden, (INDI mässig eben) die Kamera die Aufnahmen machen und wenn die Bilder im Kasten sind Bescheid sagen so das die Software das Bild dann abholen kann.
Also musste auf der Kamera ein Server laufen der die Verbindung zur Steuersoftware aufrecht hielt.
Ich bin jetzt nicht der Programmierer. Ich „Arbeite“ nach dem Motto „Versuch und Irrtum“ und nach ein paar Wochen hatte ich dann endlich Version 1.0. zusammen geschraubt. Damit konnte ich der Kamera die Befehle zur Bilder/Videoaufnahme schicken. Die Kamera führte den von mir geschickten Befehl aus und sagte Bescheid wenn es was zu abholen gab. Per scp wurde das Bild dann von der Kamera geholt und auf dem PC angezeigt. Das ganze hat natürlich Latenz, logisch hält sich aber
in Grenzen.
Mittlerweile hatte ich der Kamera ein Peltierelement verpasst was sie herunter kühlen sollte, sollte ich mal im Sommer DSO’s machen. Bis jetzt hatte ich nur ein paarmal Gelegenheit Jupiter und Saturn vor die Kamera zu bekommen.
Mit dem Design der Kamera V2.0 war ich nicht so zufrieden. Das Peltierelement hatte nicht genug Leistung und kam nur auf max. < 15°C zur Umgebungstemperatur. Außerdem war die Steuerung keine Steuerung sondern ich habe einfach am Poti gedreht und die Spannung am Peltier eingestellt. Außerdem schien die Beleuchtung der Temperaturanzeige in die Kamera. Ich musste in der Kamera alles mit Zewa dicht machen.
Ein neuer Gedanke bewegte mich mittlerweile. Wie wäre es wenn ich die Temperatur der Kamera über die Software steuern könnte. Wäre Cool
.
Kannte ich ja neidvoll von EKOS und den richtigen Astrokameras.
Allerdings stellt sich da ein neues Problem. Der „Zerro W“ hatte keinen AD-Wandler an Board und extra einen kaufen wollte ich nicht. Also musste der Arduino Nano diesmal nicht nur die Anzeige meistern, sondern musst auch die Temperatur erfassen und an den Pi melden der diese dann wiederum an den PC meldete.
Der PC musste wiederum die gewünschte Temperatur über den Pi dem Nano verklickern so das der die Temperatur auch einstellte und hielt.
Die Version 3.0 der Kamera überspringen wir jetzt mal. Sie entsprach der 4.0er Version war nur etwas kleiner/enger/schlechter etc. aber zum testen und Programmieren der ganzen Geschichte ideal.
Okay, wer bis hierhin nicht eingeschlafen ist oder das Programm gewechselt hat bekommt jetzt auch ein paar Bilder zu sehen.
Das hier ist die Temperatursteuerung mit dem Arduino Nano, dem BUZ11 Fet für die Ansteuerung der beiden Peltierelemente und das
darunterliegende nicht sichtbare Display.
Das Python Programm zur Steuerung der ganzen Geschichte.
Nachdem ich die Software, mittlerweile auf dem Stand 3.5.3 habe, und die rpicam funktionierte verschwand sie wieder in der Schublade für eine Zeit.
War ja wiedermal schlecht wetter.
Irgendwann nahm mir das Projekt „Startracker“ vor.
Ich hatte vor Jahren meinem Sohn ein Stativ gebaut und ihm mein altes Lidl 70/700 vermacht als er auch „mitmachen“ wollte. Leider war davon nicht viel übrig geblieben und das Stativ verstaubte irgendwo in einer Ecke. Gelegenheit es auszumotten und meiner Menagerie einzuverleiben.
Normalerweise Fotografiere ich von unserem Balkon mit Blickrichtung Süden. Durch die Dachkante bin ich aber was die Höhe betrifft eingeschränkt und kann nicht alles aufnehmen.
Für Widefield taugt der 90/900er und der 10“/F4,7 sowieso nicht und um meine alte EQ6 und den 10“ Newton nach unten zu schleppen bin ich A zu faul und B ist mir das alles zu schwer (60+) wir wohnen im ersten Stock.
Um es kurz zu machen, ich habe mir die letzten Monate einen Startracker mit Steuerung zusammengebaut und mir damit die Laune während schlechtem Wetter erhalten.
Als Kamera verwende ich meine alte EOS350da mit einem Grottenschlechten Canon EF75-300 Objektiv.
Alles was > 100mm mit diesem Objektiv aufgenommen wird, zerfetzt die Sterne.
Meine Schmerzgrenze liegt bei 135mm. Darunter ist es gut, darüber erträglich.
Leider ist die Anzahl der Bilder hier auf 8 Beschränkt deswegen kann ich die hier nicht zeigen.
Vor ein paar Wochen fiel mir beim herumstöbern in meinem Astrozeug ein Objektiv meines alten Newton Suchers in die Finger. Irgendwo musste auch noch der Rest zu finden sein. Irgendwann tauchte auch der aus der Versenkung auf, allerdings fiel mir wieder ein das ich an dem vor Jahrzehnten schon herumgefummelt und ihn gekürzt hatte um ihn an meiner alten Philips Webcam zu verwenden. Ich dachte mir ich könne den als Ersatz für das EF75-300 an meiner EOS verwenden.
Ich bin also Irgendwann Mittags auf den Hof um herauszufinden um wie viel Zentimeter ich den kleinen Tubus wieder verlängern musste.
185mm Brennweite hat das Teil. Also musste ich den Tubus wieder um etwa 4cm verlängern.
Einen Adapter vom EOS-Bajonet auf 1,14Zoll war gleich gezeichnet und gedruckt. Die Kamera mit „Frankenstein“ verheiratet und tagelang auf einen klaren Himmel gewartet. Ihr wisst ja…..
Das Ergebnis war furchtbar. Die Sterne in der Mitte rund und zu den Rändern,- das waren schon keine Kommas mehr sondern Striche. War ja auch zu erwarten.
Allerdings fragte ich mich wie wohl ein kleiner Chip das hinbekommt.
Also die EOS350da vom Sucher geschieden und mit der Rpicam verkuppelt.
Das grob bearbeitete Bild.
Lights 60 x 60 Sekunden.
Flats, Biases und Darks.
Gestackt mit Siril und grob gestretcht.
Den Blausaum mit Darktable entfernt so gut es ging.
Mit GraXpert den Hintergrund bereinigt und Gebügelt.
An dieser Stelle nochmal ein fettes Danke an Frank und seine Mannen.
Auf dem Bild sind immerhin ein paar Galaxien sichtbar > Mag 14
Ich denke wenn ich den Gain noch etwas hochdrehe und länger belichte kommt noch mehr zum Vorschein.
Laut Wetterbericht hatte ich nur 2 Stunden zum aufnehmen deshalb musste es schnell gehen.
Die Kamera hatte ich grob auf meine EQ6 geschnallt und den Fokus an einem Gebäude in der Ferne schon ein paar Tage zuvor justiert.
Mit der Bathinov wäre es etwas genauer gewesen.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme war es leicht diesig und nicht ganz klar.
Sorry Rohbild gibt es keines durch die 8 Bilder Beschränkung.
Erstaunlicherweise hat das Funktioniert. Die Sterne sind so gut wie Rund und nur in den Ecken zeigen sich Kommas was sich aber durch etwas cropping korrigieren lässt. Natürlich verliere ich Fläche aber das juckt mich jetzt erst mal nicht. Mir ist schon klar das die Raspberry Pi Hq-Camera keine Astro-Kamera ist. Planeten tauglich ja und eingeschränkt DSO fähig. Zumindest besser als keine Kamera
So, ich habe mir gedacht das sicher der eine oder andere Bastelfreak wie ich, die Kamera nachbauen möchte. Zu diesem Zweck stelle ich die Daten zur Verfügung mache aber auch gleich klar das jeder sich selber darum kümmern muss. Support kann ich keinen geben. Die Kamera läuft mit der Software für den Arduino, das Python Programm rpi_server für die Kamera und rpi_steuerung für den PC.
Ob die ganze Sache unter Windows läuft kann ich nicht sagen.
Entwickelt habe ich das für meine Linuxrechner.
Wer sich mit Python auskennt bekommt das sicher unter Windows zum laufen.
Ich bin anscheinend zu doof dafür weil ich es nicht mal fertig bekommen habe Python überhaupt unter Windows zu Installieren.
Ich denke an die Sache sollte sich nur jemand trauen der Weis was er tut. Es ist nicht ganz einfach
für einen unbedarften.
Wer kein Interesse hat das Ding nachzubauen kann sich jetzt ausklinken. Nachfolgend gibt es nur noch eine Erklärung zum Bau.
Noch ein paar Takte zu den „Utensilien“. Zwischen Kamera und Peltierelement befindet sich ein
Wärmeleitpad zugeschnitten auf die 40x40mm des Peltierelements (Ebay). Da ich mit einem Peltierelement trotz dem „Schild“ (in der Kamera bei 25°C) nicht < 0°C kam habe ich 2 x 40x40x3mm Peltierelemente Parallel geschaltet.
Das Ding zieht jetzt zwar um die 3A aber damit komme ich locker < 35°C bei Umgebungstemperatur. Der Lüfter müsste ein 50x50x10mm Lüfter aus meiner Bastelkiste sein. Das Kühlblech ist von einer alten CPU passend zugesägt. Zwischen Kamerarückteil und Wärmeleitpad
sitzt als Temperatursensor eine 1N4148 Diode. Ist vielleicht aus den Plänen nicht so ersichtlich.
Ich habe versucht so wenig wie möglich an der Kamera oder am Pi zu ändern um Beschädigung der selben zu vermeiden. Deshalb habe ich auch das Kamerarückteil mit Captonband Elektrisch isoliert.
Anfangs habe ich versucht die Regelung über einen PID zu machen. Nach ein paar Tagen habe ich aufgegeben. Obwohl das eigentlich sehr einfach sein soll habe ich es nicht hinbekommen. Die „Normale“ Regelung die ich jetzt verwende funktioniert auch sehr zuverlässig allerdings braucht die etwas Zeit um sich einzupendeln. Das ganze ist etwas Träge aber mich juckt das nicht.
Ein Problem ist die 5V Spannung der Kamera. Der Pi braucht Saft beim hoch oder runter fahren. Deswegen „wackelt“ bei mir die Spannung etwas was dazu führt das die Referenzspannung für den AD auch etwas wackelt was wiederum dazu führt das die Temperatur während dem hoch oder runter fahren des Pi nicht richtig angezeigt wird. Während der Aufnahme pendelt sie leicht etwas was den Toleranzen geschuldet ist ansonsten wird aber die Temperatur korrekt angezeigt. Ich kann mein Netzteil mit einem Poti feineinstellen obwohl das Ding aus China kommt funktioniert es erstaunlich gut. Die 5 Volt sollten um die 5.1 Volt haben. Falls das Netzteil nicht diese Spannung liefert kann im Arduino Code dort der Wert für die Referenzspannung angepasst werden.
Wenn die Kamera bereit ist dann verbinde dich mit der Kamera per ssh und starte das Python Script
rpi_server_8_2.py
Auf dem PC starte rpi_steuerung_3_5_2.py
Die rpi_steuerung sucht jetzt nach dem rpi_server und verbindet sich damit.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen das die eigenen IP-Adressen und Pfade im Server und der Steuerung eingetragen/angepasst werden müssen sonst läuft das alles ins leere
Okay genug gelabert und ich hoffe ich bekomme keine haue weil ich nicht fertig werde. Ich hoffe ich habe niemanden vergrault und ihr hattet etwas Zeitvertreib beim Lesen und warten auf klaren Himmel.
Ach noch was wichtiges zum Schluß.
ICH ÜBERNEHME KEINE HAFTUNG FALLS BEIM NACHBAU WAS SCHIEF GEHT.
Bei mir funktioniert die Kamera und das System ohne Probleme.
Viel Spass beim Basteln.
Das ganze gibt es hier zum Download
Gruß
Thomas
Wir müssen eigentlich Total bescheuert sein wenn wir uns dieses Hobby antun, aber Hey, es macht halt Spaß und deswegen sind wir so leidensfähig.
Wir haben jetzt ende Oktober und wenn ich zurück blicke und meine gesammelten Daten für dieses Jahr anschaue kommen mir fast die Tränen. Viel sind es nicht geworden. 9 Aufnahmen von Januar bis jetzt ende Oktober. Gut zugegeben, ich hatte schon weniger und ich muss zufrieden sein.
Aber jetzt gingen wieder Wochen ins Land wo es tagsüber sonnig war und ich gefrustet abends in den Himmel schaue und frage ob mich da nicht einer verar……, es ist wieder alles zu.
Also fing ich mal wieder aus lautem Frust an zu Basteln.
Anfang 2022 habe ich mir eine Raspberry Pi HQ-Camera für 65€ und einen Raspberry Pi Zerro W gekauft. Es war mein Plan daraus eine Planetenkamera zu bauen die meine betagte ToUcam 740 irgendwas ersetzen sollte. Die älteren erinnern sich sicher noch an die alte Webcam.
Da ich mir 2012 einen 3DDrucker gebaut hatte war das Gehäuse kein Problem.
Nach nächtelangem Herumfummeln mit den libcamera-tools per ssh auf der Kamera konnte ich die ersten Bilder und Videos aufnehmen. Schnell merkte ich dass das „Programmieren“ mit der Bash nicht so toll ist. Ich hatte zwar schnell ein paar Scripts zusammen gekloppt aber ich konnte die Aufnahmen erst dann kontrollieren wenn die Aufnahme zu ende war, (ja ist logisch ich weis) und ich das Bild herunter geladen hatte. Im Prinzip funktionierte das alles aber Zuviel Fingergymnastik für den Abend oder die Nacht.
Plan B sah eine Webseite auf dem Pi vor. An und für sich kein Thema aber ich hatte schon seit Jahren keine Webseite mehr erstellt und war etwas aus der Übung. Nach Wochenlangem Gefrimel hatte ich endlich das Ding am laufen. Nun konnte ich sofort sehen was ich aufnahm und Parameter ändern. Das ganze zog sich natürlich wieder hin weil, - ihr wisst schon Gottes Finger und so.
Es ist ja allgemein unter uns Astrofotografen bekannt das wenn ein Teil neu angeschafft wird, der bewölkte Himmel proportional zum Preis ist. Je größer und teuer desto länger ist alles dicht.
Nach längerem benutzen merkte ich das die Steuerung per Webseite auch nicht so das tolle war.
Es musste etwas anderes her. Software gab es damals keine also war ich wiedermal gefragt.
Ich hatte im laufe der Jahre schon mit einigen Programmiersprachen herumgespielt. Angefangen habe ich anfangs der 90er mit VB-irgendwas. Ein Arbeitskollege meinte irgendwann nimm Pascal das ist genial. Ich glaube von Pascal spricht heute keiner mehr und soviel dazu. Dann war für satte 800DM Borland C++ angesagt. Irgendwann war ich so bescheuert und habe mir Assembler angetan.
Das tolle an Programmiersprachen ist wenn man es beherrscht ist man ein Gott, zumindest solange wie man damit programmiert. Beschäftigt man sich längere zeit nicht damit, dann verlernt man es wieder, das ist zumindest bei mir der Fall.
Um die 2000 bin ich komplett von Microsoft zu Linux gewechselt und habe Bascom kennengelernt, auch eine Basic-Variante.
Ich dachte mir 2022 zeit mal Python zu testen. Also wurde es ein neues Projekt.
Diesmal sollte es heftig werden und Parallel dazu dachte ich mir, was die Kamera wohl als DSO-Kamera kann ?
Als erstes kam die Software zur Steuerung der Kamera. Als Plan hatte ich mir vorgenommen nicht auf der Kamera selber zu arbeiten sondern die Software sollte der Kamera per Wlan die Befehle senden, (INDI mässig eben) die Kamera die Aufnahmen machen und wenn die Bilder im Kasten sind Bescheid sagen so das die Software das Bild dann abholen kann.
Also musste auf der Kamera ein Server laufen der die Verbindung zur Steuersoftware aufrecht hielt.
Ich bin jetzt nicht der Programmierer. Ich „Arbeite“ nach dem Motto „Versuch und Irrtum“ und nach ein paar Wochen hatte ich dann endlich Version 1.0. zusammen geschraubt. Damit konnte ich der Kamera die Befehle zur Bilder/Videoaufnahme schicken. Die Kamera führte den von mir geschickten Befehl aus und sagte Bescheid wenn es was zu abholen gab. Per scp wurde das Bild dann von der Kamera geholt und auf dem PC angezeigt. Das ganze hat natürlich Latenz, logisch hält sich aber
in Grenzen.
Mittlerweile hatte ich der Kamera ein Peltierelement verpasst was sie herunter kühlen sollte, sollte ich mal im Sommer DSO’s machen. Bis jetzt hatte ich nur ein paarmal Gelegenheit Jupiter und Saturn vor die Kamera zu bekommen.
Mit dem Design der Kamera V2.0 war ich nicht so zufrieden. Das Peltierelement hatte nicht genug Leistung und kam nur auf max. < 15°C zur Umgebungstemperatur. Außerdem war die Steuerung keine Steuerung sondern ich habe einfach am Poti gedreht und die Spannung am Peltier eingestellt. Außerdem schien die Beleuchtung der Temperaturanzeige in die Kamera. Ich musste in der Kamera alles mit Zewa dicht machen.
Ein neuer Gedanke bewegte mich mittlerweile. Wie wäre es wenn ich die Temperatur der Kamera über die Software steuern könnte. Wäre Cool
Kannte ich ja neidvoll von EKOS und den richtigen Astrokameras.
Allerdings stellt sich da ein neues Problem. Der „Zerro W“ hatte keinen AD-Wandler an Board und extra einen kaufen wollte ich nicht. Also musste der Arduino Nano diesmal nicht nur die Anzeige meistern, sondern musst auch die Temperatur erfassen und an den Pi melden der diese dann wiederum an den PC meldete.
Der PC musste wiederum die gewünschte Temperatur über den Pi dem Nano verklickern so das der die Temperatur auch einstellte und hielt.
Die Version 3.0 der Kamera überspringen wir jetzt mal. Sie entsprach der 4.0er Version war nur etwas kleiner/enger/schlechter etc. aber zum testen und Programmieren der ganzen Geschichte ideal.
Okay, wer bis hierhin nicht eingeschlafen ist oder das Programm gewechselt hat bekommt jetzt auch ein paar Bilder zu sehen.
Das hier ist die Temperatursteuerung mit dem Arduino Nano, dem BUZ11 Fet für die Ansteuerung der beiden Peltierelemente und das
darunterliegende nicht sichtbare Display.
Das Python Programm zur Steuerung der ganzen Geschichte.
Nachdem ich die Software, mittlerweile auf dem Stand 3.5.3 habe, und die rpicam funktionierte verschwand sie wieder in der Schublade für eine Zeit.
War ja wiedermal schlecht wetter.
Irgendwann nahm mir das Projekt „Startracker“ vor.
Ich hatte vor Jahren meinem Sohn ein Stativ gebaut und ihm mein altes Lidl 70/700 vermacht als er auch „mitmachen“ wollte. Leider war davon nicht viel übrig geblieben und das Stativ verstaubte irgendwo in einer Ecke. Gelegenheit es auszumotten und meiner Menagerie einzuverleiben.
Normalerweise Fotografiere ich von unserem Balkon mit Blickrichtung Süden. Durch die Dachkante bin ich aber was die Höhe betrifft eingeschränkt und kann nicht alles aufnehmen.
Für Widefield taugt der 90/900er und der 10“/F4,7 sowieso nicht und um meine alte EQ6 und den 10“ Newton nach unten zu schleppen bin ich A zu faul und B ist mir das alles zu schwer (60+) wir wohnen im ersten Stock.
Um es kurz zu machen, ich habe mir die letzten Monate einen Startracker mit Steuerung zusammengebaut und mir damit die Laune während schlechtem Wetter erhalten.
Als Kamera verwende ich meine alte EOS350da mit einem Grottenschlechten Canon EF75-300 Objektiv.
Alles was > 100mm mit diesem Objektiv aufgenommen wird, zerfetzt die Sterne.
Meine Schmerzgrenze liegt bei 135mm. Darunter ist es gut, darüber erträglich.
Leider ist die Anzahl der Bilder hier auf 8 Beschränkt deswegen kann ich die hier nicht zeigen.
Vor ein paar Wochen fiel mir beim herumstöbern in meinem Astrozeug ein Objektiv meines alten Newton Suchers in die Finger. Irgendwo musste auch noch der Rest zu finden sein. Irgendwann tauchte auch der aus der Versenkung auf, allerdings fiel mir wieder ein das ich an dem vor Jahrzehnten schon herumgefummelt und ihn gekürzt hatte um ihn an meiner alten Philips Webcam zu verwenden. Ich dachte mir ich könne den als Ersatz für das EF75-300 an meiner EOS verwenden.
Ich bin also Irgendwann Mittags auf den Hof um herauszufinden um wie viel Zentimeter ich den kleinen Tubus wieder verlängern musste.
185mm Brennweite hat das Teil. Also musste ich den Tubus wieder um etwa 4cm verlängern.
Einen Adapter vom EOS-Bajonet auf 1,14Zoll war gleich gezeichnet und gedruckt. Die Kamera mit „Frankenstein“ verheiratet und tagelang auf einen klaren Himmel gewartet. Ihr wisst ja…..
Das Ergebnis war furchtbar. Die Sterne in der Mitte rund und zu den Rändern,- das waren schon keine Kommas mehr sondern Striche. War ja auch zu erwarten.
Allerdings fragte ich mich wie wohl ein kleiner Chip das hinbekommt.
Also die EOS350da vom Sucher geschieden und mit der Rpicam verkuppelt.
Das grob bearbeitete Bild.
Lights 60 x 60 Sekunden.
Flats, Biases und Darks.
Gestackt mit Siril und grob gestretcht.
Den Blausaum mit Darktable entfernt so gut es ging.
Mit GraXpert den Hintergrund bereinigt und Gebügelt.
An dieser Stelle nochmal ein fettes Danke an Frank und seine Mannen.
Auf dem Bild sind immerhin ein paar Galaxien sichtbar > Mag 14
Ich denke wenn ich den Gain noch etwas hochdrehe und länger belichte kommt noch mehr zum Vorschein.
Laut Wetterbericht hatte ich nur 2 Stunden zum aufnehmen deshalb musste es schnell gehen.
Die Kamera hatte ich grob auf meine EQ6 geschnallt und den Fokus an einem Gebäude in der Ferne schon ein paar Tage zuvor justiert.
Mit der Bathinov wäre es etwas genauer gewesen.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme war es leicht diesig und nicht ganz klar.
Sorry Rohbild gibt es keines durch die 8 Bilder Beschränkung.
Erstaunlicherweise hat das Funktioniert. Die Sterne sind so gut wie Rund und nur in den Ecken zeigen sich Kommas was sich aber durch etwas cropping korrigieren lässt. Natürlich verliere ich Fläche aber das juckt mich jetzt erst mal nicht. Mir ist schon klar das die Raspberry Pi Hq-Camera keine Astro-Kamera ist. Planeten tauglich ja und eingeschränkt DSO fähig. Zumindest besser als keine Kamera
So, ich habe mir gedacht das sicher der eine oder andere Bastelfreak wie ich, die Kamera nachbauen möchte. Zu diesem Zweck stelle ich die Daten zur Verfügung mache aber auch gleich klar das jeder sich selber darum kümmern muss. Support kann ich keinen geben. Die Kamera läuft mit der Software für den Arduino, das Python Programm rpi_server für die Kamera und rpi_steuerung für den PC.
Ob die ganze Sache unter Windows läuft kann ich nicht sagen.
Entwickelt habe ich das für meine Linuxrechner.
Wer sich mit Python auskennt bekommt das sicher unter Windows zum laufen.
Ich bin anscheinend zu doof dafür weil ich es nicht mal fertig bekommen habe Python überhaupt unter Windows zu Installieren.
Ich denke an die Sache sollte sich nur jemand trauen der Weis was er tut. Es ist nicht ganz einfach
für einen unbedarften.
Wer kein Interesse hat das Ding nachzubauen kann sich jetzt ausklinken. Nachfolgend gibt es nur noch eine Erklärung zum Bau.
Noch ein paar Takte zu den „Utensilien“. Zwischen Kamera und Peltierelement befindet sich ein
Wärmeleitpad zugeschnitten auf die 40x40mm des Peltierelements (Ebay). Da ich mit einem Peltierelement trotz dem „Schild“ (in der Kamera bei 25°C) nicht < 0°C kam habe ich 2 x 40x40x3mm Peltierelemente Parallel geschaltet.
Das Ding zieht jetzt zwar um die 3A aber damit komme ich locker < 35°C bei Umgebungstemperatur. Der Lüfter müsste ein 50x50x10mm Lüfter aus meiner Bastelkiste sein. Das Kühlblech ist von einer alten CPU passend zugesägt. Zwischen Kamerarückteil und Wärmeleitpad
sitzt als Temperatursensor eine 1N4148 Diode. Ist vielleicht aus den Plänen nicht so ersichtlich.
Ich habe versucht so wenig wie möglich an der Kamera oder am Pi zu ändern um Beschädigung der selben zu vermeiden. Deshalb habe ich auch das Kamerarückteil mit Captonband Elektrisch isoliert.
Anfangs habe ich versucht die Regelung über einen PID zu machen. Nach ein paar Tagen habe ich aufgegeben. Obwohl das eigentlich sehr einfach sein soll habe ich es nicht hinbekommen. Die „Normale“ Regelung die ich jetzt verwende funktioniert auch sehr zuverlässig allerdings braucht die etwas Zeit um sich einzupendeln. Das ganze ist etwas Träge aber mich juckt das nicht.
Ein Problem ist die 5V Spannung der Kamera. Der Pi braucht Saft beim hoch oder runter fahren. Deswegen „wackelt“ bei mir die Spannung etwas was dazu führt das die Referenzspannung für den AD auch etwas wackelt was wiederum dazu führt das die Temperatur während dem hoch oder runter fahren des Pi nicht richtig angezeigt wird. Während der Aufnahme pendelt sie leicht etwas was den Toleranzen geschuldet ist ansonsten wird aber die Temperatur korrekt angezeigt. Ich kann mein Netzteil mit einem Poti feineinstellen obwohl das Ding aus China kommt funktioniert es erstaunlich gut. Die 5 Volt sollten um die 5.1 Volt haben. Falls das Netzteil nicht diese Spannung liefert kann im Arduino Code dort der Wert für die Referenzspannung angepasst werden.
Wenn die Kamera bereit ist dann verbinde dich mit der Kamera per ssh und starte das Python Script
rpi_server_8_2.py
Auf dem PC starte rpi_steuerung_3_5_2.py
Die rpi_steuerung sucht jetzt nach dem rpi_server und verbindet sich damit.
Vielleicht sollte ich noch erwähnen das die eigenen IP-Adressen und Pfade im Server und der Steuerung eingetragen/angepasst werden müssen sonst läuft das alles ins leere
Okay genug gelabert und ich hoffe ich bekomme keine haue weil ich nicht fertig werde. Ich hoffe ich habe niemanden vergrault und ihr hattet etwas Zeitvertreib beim Lesen und warten auf klaren Himmel.
Ach noch was wichtiges zum Schluß.
ICH ÜBERNEHME KEINE HAFTUNG FALLS BEIM NACHBAU WAS SCHIEF GEHT.
Bei mir funktioniert die Kamera und das System ohne Probleme.
Viel Spass beim Basteln.
Das ganze gibt es hier zum Download
Gruß
Thomas