Wasserdichtheit bei Ferngläsern

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Trekky4all

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Begrüßung!!
Wieviel Wert ist eurer Meinung nach auf Wasserdichtheit bei Ferngläsern zu geben?
Ich denke mir wenn man in der Nacht beobachtet wäre das nicht so schlecht.
Laufen wasserdichte Ferngläser an??

Danke im Voraus!!
 
Guten Morgen,

Wasserdichtheit ist vor allem wichtig für Segler, Motorbootfahrer und andere Wassersportler, die Ferngläser nutzen, sowie auch für Jäger und Naturbeobachten, die unterwegs mit Regen rechnen müssen, aber auch dann noch beobachten wollen oder müssen. Astro-Beobachtungen bei Regen habe ich noch nie erlebt. Ich halte daher Wasserdichtheit für einen verzichtbaren Vorteil, wenn es Gründe gibt, ansonsten ein anderes Fernglas zu nehmen (etwa wegen des deutlich günstigeren Preises). Allerdings sollte das Fernglas zumindest spritzwassergeschützt sein.

Allerdings hat die Wasserdichtheit nicht nur den Vorteil, daß das Fernglas auch einen Regenguß aushält, in Wasser fallen darf oder nach Verschmutzung unterm Wasserhahn abgespült werden kann. Es kann nämlich auch nicht innenseitig zu Kondenswasserbildung kommen, wenn das Glas zuvor in sehr kalter Umgebung war (draußnen bei Nacht) und dann in einen warmen Raum kommt, insbesondere wenn dieser höhere Luftfeuchtigkeit aufweist. Kondenswasser bzw. Beschlagen im Inneren nimmt nicht nur die Sicht, sondern kann je nach den im Inneren verwendeten Materialien (Achtung bei Billig-Ferngläsern!) Korrosion fördern. Bei einem Zeiss Dialyth braucht man so etwas nicht zu fürchten, aber bei Ferngläsern unter 300 Euro wäre ich mir da nicht immer so sicher.

Beschlagen kann natürlich auch ein wasserdichtes Fernglas von außen. Aber das ist weder schädlich noch sonst ein Problem, denn man kann die oberflächliche Feuchtigkeit ja leicht abwischen (Vorsicht bei den relativ empfindlichen Glasoberflächen!), im Gegensatz zu Kondenswaaser im nicht zugänglichen Inneren nicht wasserdichter Ferngläser.

Noch ein Grund, warum man fehlende Wasserdichtheit beim Astro-Einsatz nicht überbewerten sollte: Weil das Beschlagen bzw. die Kondenswasserbildung ja immer nur dann auftritt, wenn das kalte Fernglas ins Warme kommt, nicht umgekehrt, braucht man bei Astro-Beoabachtung nicht zu fürchten, daß man draußen bei Nacht plötzlich ein innen beschlagenes Glas hat, durch das man nur noch Verschwommenes oder gar nichts sieht. Denn draußen bei Nach ist es immer kälter als dort, wo das Fernglas vorher war (zu Hause in der Wohnung). Wenn man dann vor der Heimkehr das Fernglas in einen kleinen wasserdichten Behälter packt, in dem man es später zu Hause akklimatisieren läßt, und wenn der Behälter nicht geöffnet wird, bevor das Fernglas wieder Raumtemperatur erreicht hat, kann sich kein Kondenswasser im oder am Ferglas bilden. Als ein solcher Behälter eignet sich nicht nur ein relativ teurer abgedichteter Alu- oder Kunststoffkoffer, sonden am einfachsten und billigsten ein dicht verschließbarer Kuststoffbeutel. Es gibt solche Beutel, die einen wiederverschließbaren dichten Verschluß haben, der wie ein Reißverschluß ohne Zähne aussieht (in Haushaltswarengeschäften oder -Kaufhausabteilungen nachfragen!). Noch stabiler wären spezielle, wasserdicht schließbare Beutel, die man in Geschäften für Tauchsport, Segler usw. kaufen kann.

Beim Kauf meiner Ferngläser (Leica 10x32 BA wegen der exzellenten Schärfe, des großen Gesichtsfeldes, der Naheinstellung, der Handlichkeit und nicht zuletzt wegen des geringen Gewichts zum Wandern und für Naturbeobachtungen bei Tag, Swarovski SLC 10x50 WB für Beobachtungen in der Dämmerung und nachts inkl. Astro-Beobachtung, ebenfalls exzellente Schärfe und hervorragende Bildhelligkeit, geringfügig kleineres Gesichtsfeld, Naheinstellung nur bis 5 m, was hier aber nicht stört, aber leider fast doppelt so schwer) habe ich außer auf Brillenträger-Tauglichkeit (ich bin kurzsichtig mit ca. -5 dpt) auch auf Wasserdichtigkeit geachtet. Aber ich würde jemandem, der ein gutes Fernglas nur oder fast nur für Astro-Zwecke einsetzen möchte und nicht soviel Geld ausgeben kann oder will, durchaus zu einem nicht wasserdichten und daher deutlich kostengünstigeren Fernglas raten, etwa zu den derzeit recht günstig über eBay ersteigerbaren Zeiss-Jena-Gläsern. Die kosten nämlich erheblich weniger, als sie angesichts ihrer optischen Leistung wert sind! Non bester optischer Qualität hat der Astro-Beobachter viel mehr als von der Wasserdichtheit eines gleich teuren, ober otisch minderwertigeren wasserdichten Fernglases.

Vielleicht kann Frank Schäfer, der ja ein bekannter Fürsprecher der leistungsfähigen, aber kostengünstigen Zeiss-Porro-Ferngläser und hier im Forum auch aktiv ist, ein paar Modelle nennen, die nach seiner Erfahrung für Astro-Beobachtungen besonders zu empfehlen sind.

MfG Walter E. Schön
 
Danke für diese prompte und sehr hilfreiche Antwort!!

Das Problem mit dem Beschlagen so zu umgehen ist gut zu Wissen.
(Nach dem Fotografieren in der Nacht schlug meine Kamera immer an)

Ich fragte nämlich weil ich mich zwischen Minolta Activa und Nikon Action entscheiden muss. (Beide 10x50)

Dankeschön

-Good Bye, and thank´s for the fish!-
 
Hallo Walter,

ich kann Dir eigentlich nur zustimmen. Wasserdichte Ferngläser haben für die Seefahrt oder für den Förster ihre Berechtigung, sind aber für astronomische Beobachtungen kein "muß". Bei renommierten Herstellern kann man ein nicht-wasserdichtes Fernglas eigentlich mit gutem Gewissen für unsere Zwecke nutzen. Solange man das Glas nicht unter fliessendem Wasser reinigt oder damit baden geht, dürfte auch nix passieren. Mein Zeiss Dialyt und mein altes Zeiss-Jena Dekarem nutze ich nun schon über viele Jahre und hatte noch nie Probleme. Mein persönlicher Hit ist ein 90 Jahre altes Zeiss Telexem 6x24, auch das ist noch dicht. Gleiches gilt für ein Zeiss Sportur 6x24, welches fast 70 Jahre auf dem Buckel hat. Das ist auch einer der Gründe, warum ich die alten Zeiss-Jena Gläser gern empfehle. Neben der Optik stimmt auch die Qualität der Mechanik und der ganzen Verarbeitung. Du hast auch vollkommen recht, daß man die optische Qualität an erster Stelle bewerten sollte. Was nützt mir ein auf 5m Wassertiefe druckdichtes Glas, wenn die Optik nur zweit- oder drittklassig ist? Wenn man ein gutes Fernglas nutzt, sollte man es auch mit Liebe behandeln. Dein Rat, das Fernglas nach einer Beobachtungsnacht im Köcher oder Lederbeutel nach innen zu transportieren und erst nach einigen Stunden herauszunehmen, ist sehr wichtig! Wenn man das beherzigt, wird man auch lange Freude an einem Zeiss-Jena Dekarem, Zeiss Dialyt, Docter-Optik Nobilem oder einem Nikon SE haben. Eine gewisse Vorsicht ist allerdings bei Billiganbietern angebracht. Man kann nicht erwarten, daß solche Gläser mit der gleichen Sorfalt produziert werden, wie die eben genannten.

Frank.
 
> Ich fragte nämlich weil ich mich zwischen Minolta Activa und Nikon Action entscheiden muss. (Beide 10x50)

Etwas Vorsicht ist angeraten. Soweit ich informiert bin, ist das Nikon Action VI weder wasserdicht noch spritzwassergeschützt. Die Objektivfassung macht bei dem Nikon Glas einen etwas billigen Eindruck. Es sieht so aus, als wären die Objektive nur mit einem Plastikring per Presspassung in ihrer Fassung befestigt. Ich stand bei einem 8x40 Glas vor der gleichen Wahl: Minolta Activa oder Nikon Action VI. Wegen der deutlich schärferen Optik habe ich mich trotz Plastikgehäuse für Nikon entschieden. Das wasserdichte Gehäuse des Minolta Activa steht bei mir nicht auf Platz 1 der Wunschliste. Ideal wären eigentlich das Gehäuse von Minolta und die Optik von Nikon ...

Frank.
 
Hallo Walter,

ich habe mich auch mal für ein Zeiss Dialyt Classic interessiert. Bin aber etwas davon abgekommen.
Diese Gläser sind nicht wasserdicht, sondern nur gegen spritzwasser geschützt.
Auch eine Stickstoffbefüllung haben die nicht.
Bei Stöbern im Netz bin ich auf folgendes gestoßen:

www.triebel.de/optik/fernglastest_8x56_I.htm

Und dann für genaueres, weiter unten auf Wild & Hund Online klicken..

Da wurden mehrere Gäser getestet... auch unter extemen Temperaturbedingungen (Wechsel von Kalt nach Warm)
Dabei ist das Dialyt wohl von innen angelaufen..
Die anderen mit Stickstoff aber nicht...
Hast Du ein Zeiss Dialyt ? ist Dir das auch mal passiert ?
Ich denke für diesen Preis sollten die Ferngläser schon eine Stickstofffüllung haben.
Aber ist eben Zeiss... reizen würde mich das Glas vielleicht doch noch ;-))

Grüße
Franco

 
Hallo Franco,

nein, ein Zeiss Dialyth habe ich nicht. Wie schon weiter oben geschrieben, habe ich ein Leica 10x32 BA als leichtes, aber sehr leistungsfähiges Glas zum Wandern (Naturbeobachtungen bei Tag), ein fast doppelt so schweres Swarovski SLC 10x50 BW für Dämmerung und Astro und dann noch ein Miniglas Leica 8x20 BCA, das ich wegen seiner Winzigkeit und des Gewichts von nur 228 g z.B. im Urlaub grundsätzlich immer in einer Gürteltasche mit mir führe. Die beiden großen Gläser sind wasserdicht, weshalb ich die zugehörigen Taschen nicht als Schutz für den Fall mitschleppen muß, daß mich unterwegs ein Regen überrascht. Übrigens habe ich das Miniglas auch dann dabei, wenn ich mit dem 10x32 BA wandere. Meiner Frau ist es nämlich lästig, ein Fernglas zu tragen, aber wenn’s was Interessantes zu sehen gibt, möchte sie auch durchs Fernglas schauen. Also bekommt sie dann das kleine, damit ich gleichzeitig mit den größeren beobachten kann.

Meines Wissens sind die neuen Victory-Gläser von Zeiss den Dialyth-Modellen in mehrfacher Hinsicht überlegen: Sie sind kompakter und leichter, haben ein etwas größeres Gesichtsfeld und sind im Randbereich ein bißchen schärfer (neuere Optikrechnung). Während der „photokina“ vor sechs Wochen habe ich am Zeiss-Fernglas-Messestand durch beide (Dialyth und Victory) geschaut, aber unter den dort herrschenden Verhältnissen konnte ich keine signifikanten Unterschiede in der Bildqualität ausmachen. Ein direkter Vergleich mit Leica und Swarovski war mir dort nicht möglich, weil ich meine Ferngläser natürlich nicht mit hatte und die Messestände von Leica und Swarovski anderswo lagen.

Erst in der Dämmerung oder bei Dunkelheit, wenn die Pupille sich ganz weitet und daher das Fernglasobjektiv nicht „abgeblendet“ wird, kann sich auf diesem Niveau wirklich ein Qualitätsunterschied zeigen. Wie Du sicher weißt, zeigen auch Fotoobjektive bei offener Blende mehr Unschärfe (einen geringeren Kontrast, also ein „weicheres“ Bild) als um ein, zwei oder drei Stufen abgeblendet, solange man nicht in den Bereich der qualitätsmindernden Beugung gerät. Denn die bei großer Öffnung viel stärkeren Abbildungsfehler wie sphärische Aberration, aber auch Koma und Astigmatismus (nicht aber die blendenunabhängige chromatische Aberration, also reine Farbfehler) werden durch die Abblendung merklich reduziert. Die Pupille des Betrachters stellt aber, wenn sie kleiner als die Austrittspupille des Fernglases oder Fenrohrs ist, auch eine solche Blende dar, die den bildrelevanten Strahlenkegel begrenzt und alle Öffnungsfehler deutlich reduziert. Also sollten Ferngläser immer auch in der Dämmerung oder Dunkelheit mit maximal geweiteter Augenpupille getestet werden (dunkeladaptiertes Auge), erst recht bei einem für Astroobeobachtung vorgesehenen Glas. Dazu kommt noch, daß auch Abbildungsfehler des Auges bei geweiteter Pupille deutlicher werden. Deshalb erkennt man oft Kurzsichtige, die keine Brille tragen, daran, daß sie blinzeln, um in kritischen Fällen mit auf diese Weise verkleinerten Pupillen besser zu sehen. Die Summe der Abbildungsfehler der Fernglases und der Abbildungsfehler des Betrachter-Auges kann durchaus auch das Ergebnis solcher Tests beeinflussen, denn es ist sowohl möglich, daß sich beide Fehler zu einem größeren Gesamtfehler addieren, also auch, daß sie sich zumindest teilweise kompensieren! Also nochmals: Mit ausreichend lange dunkeladaptiertem Auge bei Dunkelheit testen!

MfG Walter E. Schön
 
> Meines Wissens sind die neuen Victory-Gläser von Zeiss den Dialyth-Modellen in mehrfacher Hinsicht überlegen: Sie sind kompakter und leichter, haben ein etwas größeres Gesichtsfeld und sind im Randbereich ein bißchen schärfer (neuere Optikrechnung).

Hallo Walter,

für das 7x42 Dialyt hat Zeiss bis heute noch keinen würdigen Nachfolger aufgelegt. Die 150m Sehfeld geben ein wirklich tolles Bild und die mechanische Qualität der alten Dialyt Serie hat echt was für sich. Kann sein, daß das Leica 7x42 vielleicht noch besser ist, aber die 150m Sehfeld hat es auch nicht. Sollte ich wirklich eines Tages im innern meines Dialyt Wasser finden, dann hoffe ich, daß ich von den 30 Jahren Garantie (die ich ja beim Kauf mit bezahlt habe) auch wirklich was habe. Was ich bisher von Zeiss Besitzern gehört habe, ist der Service wirklich hervorragend. Bei Leica wird es ähnlich sein, beide Firmen haben ihren guten Ruf nicht zu unrecht. Da ich mein Dialyt eigentlich mit Sorfalt behandle und weder im Kühlschrank noch in der Klimakammer aufbewahre, gehe ich davon aus, daß ein Beschlagen von innen nicht zum Problem wird. Ich habe das Dialyt jetzt etwa 6 Jahre und habe keinen Grund zur Klage. Mein altes Zeiss-Ost Dekarem hat mir die Sterne schon vor 10 Jahren gezeigt und ich nutze es immer noch recht häufig. Auch im Dekarem habe ich noch kein Wasser gefunden, dabei waren die alten Zeiss Gläser schlechter abgedichtet wie die Dialyt Serie.

Frank.
 
Auch bei Wanderern und Jägern spielt Wasserdichtheit eine Rolle, selbst wenn man nur bei gutem Wetter losgeht: Es kann ja je nach Gelände immer wieder einmal vorkommen, dass man über den einen oder andern Bach muss. Und wenn da ein undichtes Glas reinfällt, dann kommt das gar nicht gut.
Ähnlich verhält es sich mit Schnee, wir haben immer wieder Bergwanderer unter unseren Kunden, die sich zwar bei schlechtem Wetter unterwegs eingraben, aber trotzdem eine wasserdicht Optik brauchen, die ruhig in eine Schneewehe fallen darf.
Als besonderes Detail achten diese Leute übrigens auf eine Dichtigkeit auch bei mehr als 2.000m über Meereshöhe. Im Extremfall hatte ein Kunde das Glas mit bis auf über 5.500m in den bolivianischen Anden.
Was das alles mit Astronomie zu tun hat? Nun, letztgenannter Kunde hat auch versucht, in 5.500m Höhe Deep-Sky-Beobachtung zu machen...
Ansonsten kann ich mich den ausführlichen Erläuterugnen der Vor"schreiber" anschließen.

Clear Skies!

 
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