Guten Morgen,
Wasserdichtheit ist vor allem wichtig für Segler, Motorbootfahrer und andere Wassersportler, die Ferngläser nutzen, sowie auch für Jäger und Naturbeobachten, die unterwegs mit Regen rechnen müssen, aber auch dann noch beobachten wollen oder müssen. Astro-Beobachtungen bei Regen habe ich noch nie erlebt. Ich halte daher Wasserdichtheit für einen verzichtbaren Vorteil, wenn es Gründe gibt, ansonsten ein anderes Fernglas zu nehmen (etwa wegen des deutlich günstigeren Preises). Allerdings sollte das Fernglas zumindest spritzwassergeschützt sein.
Allerdings hat die Wasserdichtheit nicht nur den Vorteil, daß das Fernglas auch einen Regenguß aushält, in Wasser fallen darf oder nach Verschmutzung unterm Wasserhahn abgespült werden kann. Es kann nämlich auch nicht innenseitig zu Kondenswasserbildung kommen, wenn das Glas zuvor in sehr kalter Umgebung war (draußnen bei Nacht) und dann in einen warmen Raum kommt, insbesondere wenn dieser höhere Luftfeuchtigkeit aufweist. Kondenswasser bzw. Beschlagen im Inneren nimmt nicht nur die Sicht, sondern kann je nach den im Inneren verwendeten Materialien (Achtung bei Billig-Ferngläsern!) Korrosion fördern. Bei einem Zeiss Dialyth braucht man so etwas nicht zu fürchten, aber bei Ferngläsern unter 300 Euro wäre ich mir da nicht immer so sicher.
Beschlagen kann natürlich auch ein wasserdichtes Fernglas von außen. Aber das ist weder schädlich noch sonst ein Problem, denn man kann die oberflächliche Feuchtigkeit ja leicht abwischen (Vorsicht bei den relativ empfindlichen Glasoberflächen!), im Gegensatz zu Kondenswaaser im nicht zugänglichen Inneren nicht wasserdichter Ferngläser.
Noch ein Grund, warum man fehlende Wasserdichtheit beim Astro-Einsatz nicht überbewerten sollte: Weil das Beschlagen bzw. die Kondenswasserbildung ja immer nur dann auftritt, wenn das kalte Fernglas ins Warme kommt, nicht umgekehrt, braucht man bei Astro-Beoabachtung nicht zu fürchten, daß man draußen bei Nacht plötzlich ein innen beschlagenes Glas hat, durch das man nur noch Verschwommenes oder gar nichts sieht. Denn draußen bei Nach ist es immer kälter als dort, wo das Fernglas vorher war (zu Hause in der Wohnung). Wenn man dann vor der Heimkehr das Fernglas in einen kleinen wasserdichten Behälter packt, in dem man es später zu Hause akklimatisieren läßt, und wenn der Behälter nicht geöffnet wird, bevor das Fernglas wieder Raumtemperatur erreicht hat, kann sich kein Kondenswasser im oder am Ferglas bilden. Als ein solcher Behälter eignet sich nicht nur ein relativ teurer abgedichteter Alu- oder Kunststoffkoffer, sonden am einfachsten und billigsten ein dicht verschließbarer Kuststoffbeutel. Es gibt solche Beutel, die einen wiederverschließbaren dichten Verschluß haben, der wie ein Reißverschluß ohne Zähne aussieht (in Haushaltswarengeschäften oder -Kaufhausabteilungen nachfragen!). Noch stabiler wären spezielle, wasserdicht schließbare Beutel, die man in Geschäften für Tauchsport, Segler usw. kaufen kann.
Beim Kauf meiner Ferngläser (Leica 10x32 BA wegen der exzellenten Schärfe, des großen Gesichtsfeldes, der Naheinstellung, der Handlichkeit und nicht zuletzt wegen des geringen Gewichts zum Wandern und für Naturbeobachtungen bei Tag, Swarovski SLC 10x50 WB für Beobachtungen in der Dämmerung und nachts inkl. Astro-Beobachtung, ebenfalls exzellente Schärfe und hervorragende Bildhelligkeit, geringfügig kleineres Gesichtsfeld, Naheinstellung nur bis 5 m, was hier aber nicht stört, aber leider fast doppelt so schwer) habe ich außer auf Brillenträger-Tauglichkeit (ich bin kurzsichtig mit ca. -5 dpt) auch auf Wasserdichtigkeit geachtet. Aber ich würde jemandem, der ein gutes Fernglas nur oder fast nur für Astro-Zwecke einsetzen möchte und nicht soviel Geld ausgeben kann oder will, durchaus zu einem nicht wasserdichten und daher deutlich kostengünstigeren Fernglas raten, etwa zu den derzeit recht günstig über eBay ersteigerbaren Zeiss-Jena-Gläsern. Die kosten nämlich erheblich weniger, als sie angesichts ihrer optischen Leistung wert sind! Non bester optischer Qualität hat der Astro-Beobachter viel mehr als von der Wasserdichtheit eines gleich teuren, ober otisch minderwertigeren wasserdichten Fernglases.
Vielleicht kann Frank Schäfer, der ja ein bekannter Fürsprecher der leistungsfähigen, aber kostengünstigen Zeiss-Porro-Ferngläser und hier im Forum auch aktiv ist, ein paar Modelle nennen, die nach seiner Erfahrung für Astro-Beobachtungen besonders zu empfehlen sind.
MfG Walter E. Schön