Wechselokulare an Großferngläsern

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Adson

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Hallo,

das Thema wird ja hier auch wieder gestreift, daher mal eine eigene Erfahrung aus der Praxis. Bitte nicht als allgemein gültig ansehen, sondern eben nur meine persönliche Erfahrung. Die Erfahrungen anderer Sternfreunde mögen anders sein, vielleicht schreiben auch noch andere ihre Meinung dazu.

Ich gehe hier mal von meinem Miyauchi aus, welches ich selbst seit > 1 Jahr gern und oft verwende. Außerdem aber auch von relativ vielen Geräten, die ich in den letzten Jahren leihweise verwenden durfte.

Kurz zusammengefasst meine These: Bei Ferngläsern wird die Möglichkeit der Verwendung von 1,25" Okularen regelmäßig überbewertet.

Ein gutes Fernglas ist ein in sich geschlossenes, angepasstes und "stimmiges" System. Die Möglichkeit höherer Vergrößerungen ist nur bedingt nutzbar, man kommt schnell an die Grenzen der kurzbrennweitigen Optik. Tuben mit Okularen zur Nachvergrößerung habe ich schon vor über 20 Jahren gebaut und denke, da einige Erfahrungen vorweisen zu können. Die Verwendung von Standardokularen wäre also ohnehin auf einen relativ kleinen Bereich beschränkt, ohne den besonderen ästhetischen Genuss einer Fernglasbeobachtung zu verlieren. Nun komme ich zu meinem Miyauchi ...

Das Miyauchi ist ein 15x60 Fernglas, welches auch in einer 22x60 Version geliefert wurde. Wahlweise gab es auch die entsprechenden Wechselokulare (nicht ganz billig). Ich habe mein Glas komplett mit beiden Okular-Sets gekauft und nun stellt sich die Frage: Wie oft habe ich denn gewechselt? Ehrlich gesagt: Bei der Beobachtung nicht ein einziges Mal! Ich habe testweise die 15x Okulare eingesetzt, als das Glas neu war. Seitdem sind die 22x ständig drin (ich habe übrigens auch den 3x12 Sucher demontiert, den manche für unverzichtbar halten - der "richtige" Handgriff gefällt mir besser). Für mich wäre also eigentlich als Fernglas-Neukäufer der 2. Okularsatz völlig unnütze Geldausgabe gewesen. Hätte ich das Glas nur mit 15x Okularen, wäre es vermutlich ebenfalls mein Lieblings-Glas. Was will ich damit sagen: Die Möglichkeit ist zwar schön, wenn sie vorhanden ist. Aber in der Praxis halte ich es für nicht notwendig.

Gruß
Adson
 
Hallo,

ich denke es hängt vom Glas und vom Himmel ab ob es sich lohnt. Bei meinem alten Fernglas hatte ich bei 80mm Objektivdurchmesser nur 10-fache Vergrößerung. Das war/ist unter einem fast Stadthimmel nicht so toll da viele blasse Objekte im hellen Hintergrund absaufen. Ein 10x50 zeigt das gleiche und ist viel handlicher.Durch zwei simple Adapterhülsen kann ich nun durch andere Okulare bis ca 17x und ca. 23x Vergrößern,was unter hellem Himmel einen enormen Unterschied bedeutet, nämlich den zwischen sehen und nicht sehen.
Trotzdem genieße ich unter dunklerem Himmel immer wieder gerne das "Weltraumfeeling" das sich beim Einsatz der originalen Weitwinkelokus einstellt.
Fazit für mich:17x oder23x bei hellem Himmel, mehr geben die Farbhofer-Objektive nicht her,je nach Bedingungen lohnt es sich.

Grüße + CS Felix
 
Hallo Adson,

Deine Meinung kann ich am 15/22 x 60 Miyauchi gut nachvollziehen. Der Sprung von den 22ern zu den 15ern ist nicht gravierend. Für allgemeingültig halte ich diese Aussage jedoch an größeren Großferngläsern nicht, da hier oftmals der Faktor 2 als Unterschied zwischen den Okularpaarungen zu finden ist.

Ich führe beispielsweise ein 20/37 x 100 Miyauchi iB und darf berichten, dass ich den Einsatz beider Wechselokularpaare an diesem Kaliber als angenehm und sehr hilfreich empfinde. Bei jedem Spechteln habe ich beide Paarungen in der Tasche und es kommen auch beide zum Feldeinsatz. Die betrachteten Objekte unterscheiden sich erheblich in diesen unterschiedlichen Okularpaarungen, sowohl in der Vergrößerung aber auch im Gesichtsfeld. Das heißt nicht, dass ich hier alle paar Sekunden einen Wechsel der Okulare vollziehe. Nein im Gegenteil – es verhält sich eher wie bei einem moderaten Wechsel von zwei bis drei gestuften Okularen an einem Fernrohr.

Die 20er werden zur Übersicht genommen, die 37 dienen der höheren Vergrößerung. Nun gab es zu diesem großen Miyauchi noch eine Zwischenstufung, das 26er Okular. Diese Abstufung lag mir zu nahe am 20er und ich habe diese bis Heute noch nicht vermisst.

Ein weiterer Vorteil für ein zweites Okularpaar besteht im Beschlagen derselben durch Feuchtigkeit. Erst kürzlich, in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai war ich mit den Backnanger Sternguckern auf dem Hesselberg spechteln und sehr froh, ein zweites Okular-Paar dabei zu haben. Spätestens alle zwei Stunden war ein Okularwechsel wegen Beschlagsbildung angesagt.

Grüsse und CS wünscht

Paul
 
Hallo Paul,

danke für diesen interessanten Hinweis. Die Beschlag-Problematik habe ich da gar nicht berücksichtigt ;)

Die erwähnten Okular-Paare sind ja Original Miyauchi und als solche für das Fernglas relativ gut angepasst. Oft liest man aber die Meinung, dass eben beliebige 1,25" Okulare den Anwendungsbereich erheblich vergrößern ("... da kannst Du dann auch die Goldkanten nehmen."). Hat jemand dazu praktische Erfahrungen, dass dies tatsächlich so ist?

Bei dem erwähnten Flak-Glas ist eine AP von 8 mm für astronomische Zwecke in der Tat ein wenig "overkill", da macht eine Bastellösung durchaus Sinn. Aber mit max. 2 Vergrößerungen mit z.B. 5 und 2,5 - 3 mm AP wäre das Thema da auch erledigt (und ohne Basteln wird man bei alter Optik ohnehin nicht auskommen).

Auf weitere Berichte zum Thema freut sich
Adson
 
Hallo Adson,

in zwei Punkten muß ich Dir absolut Recht geben:Irgendwelche Okulare an einem Fernglas mit kurzer Objektivbrennweite zu verwenden bringt nichts.Ich habe diverse Okulare getestet bis ich zwei halbwegs vernünftig abbildende Okulare gefunden hatte.Bei den meisten war die Abbildungsqualität für ein Lehrbuch über Optikfehler geeignet, da von "Randunschärfe" zu sprechen wäre noch sehr schmeichelhaft...

Auch deine Meinung daß man mit zwei Okularbrennweiten auskommt kann ich nachvollziehen, solange das Spechtelgerät noch als (Groß-)Fernglas durchgeht,manche Riesen-Binos haben halt von der Auslegung her sehr viel Potential was max. Vergrößerung angeht,da können(!!) auch mehr Okulare Sinn machen...ich benutze eigentlich nur die beiden Extreme für 10x und 23x, die Okus für 17x sind "überflüssig".Allerdings ist dann der Sprung schon deutlich größer als zwischen 16x und 22x.

Die 8mm AP sind tatsächlich "ein wenig" overkill, aber das Einblickverhalten dieser Okus ist sowas von genial,absolutes Genußspechteln bis zum Morgengrauen...wenn man sich an alter Technik erfreuen kann ein doppelter Spaß.

Viele Grüße + CS Felix

 
Hallo zusammen!

Auch wir bei Fujinon werden natürlich immer wieder einmal auf das Thema Wechselokulare für unsere Großferngläser angesprochen. Es läge ja schon nahe, die Auflösung der 150mm-Optiken eben auch mit z.B. 60x oder mehr verwenden zu wollen.
Dabei gilt es aber folgendes zu bedenken:
- unserer Großferngläser sind druckwasserdicht, Fremdokulare nicht. Genau das erwartet aber die Mehrzahl der Anwender von unserem Produkt
- viele 1 1/4"-Okulare auf dem Markt sind nicht besonders gut zentriert. Man kann dies leicht selber nachvollziehen, wenn man sie innerhalb der Okularhülse rotiert und dann erkennt, wie das Bild wandert. Selbst wenn Fujinon nun im Reklamationsfall bestätigen würde, dass ein Großfernglas korrekt kollimiert wäre (was sich bei uns fotografisch dokumentieren lässt), würde das mancher Anwender nicht akzeptieren, weil er doch etwas anderes sieht. In meiner Zeit bei Vehrenberg und Vixen Europe war genau das ein gängiges Problem mit dem Vixen BT125 - was mit ziemlicher Sicherheit längst nicht immer auf das Fernglas zurückzuführen war. Die Kollegen von Vixen Europe werden bestätigen können, wie simpel dieses Fernglas kollimierbar ist, aber es hat trotzdem immer wieder einmal Probleme gegeben, die oft von den Okularen ausgegangen sein dürften.
- Beim 25x150 ist der Backfocus ab Werk selbst für extrem weit nach innen fokussierende TeleVue-Nagler- oder -Radian-Okulare nicht ausreichend, dann wird man auch gerade mit anderen gängigen Okularen erst recht nicht in den Fokus bekommen. Durch eine Veränderung der Objektivposition kann man dieses Problem umgehen, aber eben auch nicht innerhalb bestimmter Grenzen, andernfalls gibt es neue Probleme mit der Anordnung der Tubusinnenblenden.
Trotzdem ist das Thema Wechselokulare bei Fujinon noch nicht ganz durch. Wir haben mit dem 25x150 ED D/N ja schon ein Glas im Programm, dass mit Wechselokularen ausgestattet ist: Wie alle unsere sog. "Day-Night"-Ferngläser kann man dabei zwischen den Tagokularen und Nachtsichtokularen mit integriertem Bildverstärker wechseln, daneben gibt es auch speziell für diese Gläser 40x-Wechselokulare. Für den Okularmechanismus verwenden wir ein spezielles Bajonettsystem, dass eben auch Wasserdichtigkeit gewährleistet. Mit diesen Ferngläsern und unseren eigenen Okularen ist die Parallelität kein Thema. Weil aber das 25x150 ED D/N wie alle unsere Nachtsichtbinokulare nur für Behördeneinsatz oder spezielle professionelle Anwender gedacht ist, sind die Stückzahlen der hierfür modifizierten 40x-Okulare nicht riesig groß - dadurch entsteht ein heftiger Aufpreis, den der Astronomiemarkt im Moment absolut nicht tolerieren würde.
Wie schon oben gesagt - ich bin trotzdem mit dem Thema nicht durch, je nach Rückmeldung aus anderen Märkten lassen sich womöglich doch annehmbare Stückzahlen realisieren, die dann auch vernünftige Preise für eine Standardversion des 25x150 mit 40x-Okularen zulassen. Denkt man dabei z.B. an Naturbeobachter, dann wird aber auch schnell klar, dass mehr als 50x oder gar 60x für die Tagbeobachtung fast sinnlos sind.
Schaun mer mal...

Stefan Korth







 
Zitat von Deister:
Nun gab es zu diesem großen Miyauchi noch eine Zwischenstufung, das 26er Okular. Diese Abstufung lag mir zu nahe am 20er und ich habe diese bis Heute noch nicht vermisst.
Hallo Paul,
weil Du sie noch nie benutzt hast, vermute ich.
Die 26-fach Okulare haben das gleiche tatsächliche Gesichtsfeld, wie die 20-fach Okulare. Damit ist der Anblick der Objekte im 26-fach wesentlich ästhetischer weil weitwinkliger, ich habe die 20-fach Okulare danach nie wieder benutzt!
 
Ich glaube das ist auch der entscheidende Punkt bei meinem kleinen Miyauchi: Das 22x ist weitwinkliger als das 15x - ergo sieht man "mehr" und auch noch größer. Wenn man also eine oder zwei möglichst gut "optimierte" Vergrößerungen hat, dann ist das besser, als eine breite Palette verfügbarer Möglichkeiten, die aber nur in den seltensten Fällen wirklich passend sind.

Sehr interessant auch die Ausführungen zu Fujinon, vielen Dank!

Alternativ bleibt ja immer noch ein Doppelrefraktor, der wieder ganz andere Vor- und Nachteile hat.

Gruß
Adson
 
Hallo allerseits!
Tja, die Alternative sind dann halt mehrere FGs, z.B. habe ich lange mein 10x50 freihändig mit einem 20x80 auf Stativ kombiniert - und dann aus purer Neugier geschaut, was ich noch im 8x30 erkenne. Und dann überlegt, ob ich nicht mit 7mm AP evtl. mehr sehe und das 7x50 rausgekramt usw.

Tja...
 
Hallo Kay,

das kenne ich irgendwo her ... ;)

Das schlimme daran ist: Jedes Glas hat seine Berechtigung. Ich kann inzwischen nicht mal mehr sagen, welches Glas mir das wichtigste wäre, wenn ich nur eins behalten dürfte. Derzeit tendiere ich dazu, dann wenigstens ein Tag- und ein Nachtglas auszuhandeln :)

Manche Ferngläser sind für 2 Vergrößerungen "gut", sicher könnte man ein 10x50 auch auf 20x50 "aufbohren" (habe ich 1987 mit einem Dekarem gemacht, aber nur als monokulare Lösung mit Nachvergrößerungsokular). Das wird dann ggf. schon grenzwertig. Dann soch lieber ein 20 x 80 dazu kaufen, zumal heute die Preise für ein solches Glas immerhin überschaubar sind.

Derzeit verwende ich für den schnellen Blick nach oben meist das Canon 12x36IS II - es bietet bei 3 mm AP ein sehr gutes Bild und hat das Stativ schon eingebaut. Für Genuss-Spechteln nehme ich sehr gern das 10x50 Fujinon (auf Einbeinstativ) und dann natürlich immer sehr gern das Miyauchi 22x60. Ich hatte damals lange überlegt, ob das 77er Miyauchi evtl. "besser" wäre. Mein Blick damals meinte, das 60er hätte eine bessere Optik. Aber das ist sehr subjektiv, letztlich ist es vor allem sehr schön klein und handlich. Man kann es auf nahezu jedem beliebigen Fotostativ nutzen und das Bild ist ein ästhetischer Genuss. Eigentlich ist das das Einzige, was mir bei meinen Beobachtungen wichtig ist. Für den Familien-Urlaub mit nicht zu viel Platz im Auto (2 Kinder) ergänze ich das Miyauchi mit einem 80mm Spektiv und einem Manfrotto-Stativ, welches auch für die DSLR bei Tagaufnahmen gut verwendet werden kann. In der Beschränkung zeigt sich der Meister ;)

Gruß
Adson

Bekennender Genuss-Beobachter
 
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