Hallo Rolf,
also bei Widefield-Teleskopen und wenn es um wirklich kleine Geräte geht, finde ich ja auch die modernen EDs attraktiv, aber:
Im Gegensatz zu einem Newton hat er keine Fangspinne und somit mehr "echte Öffnung".
Meine Güte, ist dass ein unmöglicher Spruch! Öffnung bezogen auf Durchmesser und Auflösung geht dem Newton weder durch Fangspiegelspinne noch durch Mittenabschattung verloren. Die bleibt also echt. Und über Kontrastdurchmesser kann man sich zwar unterhalten, aber wenn man dazu einen echten Ratschlag zur Entscheidungsfindung geben will, sollte das wohl anders ausschauen. Zumal bei kompakten Geräten andere Dinge zählen.
Wenn man aber mit dem Refraktor gleich den Achromaten anspricht, wie Du es mit dem Farbfehler tust, dann ist es Augenwischerei so zu tun, als wäre der Farbfehler zwar schlecht, aber Fangspiegel und Spinne würden ja Öffnung reduzieren. Der Farbfehler langt ordentlich hin und kostet mächtig Kontrast. Dass es bei schnellen Achromaten mehr ist, als bei moderatem Fangspiegel beim Newton ist schon öfters gezeigt worden.
Was von Enthe kommt finde ich bislang überhaupt nicht zielführend.
Wenn ich mal zusammenfassen darf: Ein 114/900 hat schon eine ordentliche Leistung und der 127er Mak hat kaum mehr an Öffnung. Der ist nur kompakter. Ob der Elektronikkram soviel mehr an Bedienkomfort bietet? Ich bezweifle das immer wieder. Jedenfalls für ein lächerliches halbes Zoll Öffnung einen solchen finanziellen Aufwand zu betreiben ist wenig sinnvoll.
Und wie sieht es mit der Kompaktheit aus?
Nun, der Mak ist kompakt. Aber es ist auch ein Gerät mit langer Brennweite, kleinem Öffnungsverhältnis. Damit kann man sich Mond und Planeten anschauen - dazu brauche ich aber keinen dunklen Urlaubshimmel, die sehe ich von einem Standort daheim mit lokal günstigem Seeing ("Wiese") auch gut. Dafür nun ein so teures Gerät? Und ist das Ding wirklich so kompakt? Wie wird es denn aufgestellt? Auch mit einem Stativ?
Ein wirkliches Kompaktgerät das unterwegs auch Deepsky und ggf. mehr zeigt wäre ein kleiner Refraktor, am liebsten ein ED - leider teuer, auf einem sehr stabilen Fotostativ das anstelle der üblichen Neiger eine azimutale Montierung wie eine Giro-Mini oder ähnliche "Nachbauten" trägt.
Aber so ein Gerät in kompakt hat dann eher 80mm Öffnung, 100mm sind so kaum noch montierbar. Also ist da wieder kein Fortschritt zu erwarten.
Nun kann ich ja lustig alles an Vorschlägen auseinandernehmen und selber keine Lösung haben. Ist aber nicht so. Wäre Transport kein Thema, würde ich ja auf den Standard 8" Dobson setzen. Aber da Transport gefragt ist, meine ich, dass es ein 6" Newton sein sollte. Das kann der übliche 150/750 sein. Dazu eine Rockerbox, die kompakt ist. Da gibt es ja die "Rockerbox Alpha". Auf dem folgend verlinkten Bild steckt ein 150/900 Newton drin. Wenn der nicht kompakt genug ist, dann kann der 150/750 der wesentliche Schritt sein.
http://www.vangestel.de/astrozoom/images/simplelists/neu/rb_alpha_transport_gro_.jpg
Die Entscheidung zwischen 150/750 und 150/900 will überlegt sein. Der längere Newton ist weniger Kritisch bezüglich Okularen und Justage, zeigt aber die größeren Himmelsausschnitte. Will man das Gerät mit niedrigem Hocker ("Angelkiepe") benutzen, macht das Plus an Einblickhöhe des 150/900 aber auf jeden Fall viel aus. Für den 150/750 braucht man auf jeden Fall einen Sockel ("Bierkiste"). Auf jeden Fall sollte man ein solches Gerät mit 2" Okularanschluss wählen, es sei denn man will unbedingt eine besonders gute Leistung bei der Planeten- und Mondbeobachtung. Aber dies zwingt einen ohnehin mehr zum 150/900 und außerdem ist ein Planetenteleskop in Kompakt immer auch ein bezüglich der Leistung (etwas) eingeschränktes Gerät. Alles eine Frage der Konsequenz.
Optisch jedenfalls sind beide Varianten dem 127er Mak und dem 114er Newton deutlich überlegen und sie bieten eben auch für den Urlaub unter gutem Himmel große Gesichtsfelder und helle Bilder um die Mindestvergrößerung herum. Beim 127er Mak ist die Minimalvergrößerung praktisch nicht erreichbar und man steigt gleich im mittleren Vergrößerungsbereich ein. Allein dadurch macht schon das Suchen keinen Spaß und durch die faktische Begrenzung auf 1,25" Okulare bzw. den Effekt, dass nur wenig mehr Himmelsausschnitt in 2" Okularen nutzbar ist, weil deren Feld nicht voll beleuchtet wird, ist die Sucherei nochmals eingeschränkt. Große Objekte wirken so auch gar nicht.
Meiner Meinung nach sollte man also besser schauen, wie man einen vielseitigeren Newton, der mit f/6 ja auch angenehm unkritisch in vielerlei Hinsicht ist, transportabel bekommt. Im Budget ist das drin. Lediglich der Elektronikkram fällt flach. Aber da im Budget eigentlich auch Geld für ein nettes (wenn auch bei weitem nicht High-End) Übersichtsokular ist, kann man ein völlig neues Such-Erfolgs-Erlebnis erwarten. Da lässt man die Elektronik in der hintersten Ecke des Gedächtnis zurück.
Clear Skies
Sven