Welche Ausrüstung für Einsteiger bis max. 2000 € ?

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Hermann1165

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Hallo ich bin astro Anfänger und wollte wissen welches die geeignetste Ausstattung für den Anfang ist. Das Ziel liegt mehr in der Fotografie als in der Beobachtung. Canon EOS 550d hab ich schon 300mm Zoom auch. Montierung HEQ-5 + Teleskop xy oder besser Montierung EQ-6 Pro SynScan GoTo + Teleskop xy ?
Welche Teleskope sind gut ?
Gruß
Rolf
 
Hallo Rolf,

ehe Du Dich an Fotografie wagst, solltest Du die Basics in der Astronomie durch eigene Praxis kennen. Dann hast später bei der Fotografie Freude statt Frust.

Dein Budget ist ok, damit läßt sich was ordentliches anfangen. Wenn Du die EQ-6 vom Gewicht her alleine tragen und aufbauen kannst, dann nimm die. Sie bietet für fotografische Ambitionen mehr Möglichkeiten als die leichtere HEQ-5.

Gehen tut Fotografie mit beiden.

Da Du bereits eine DSLR hast, kannst Du parallel zum Einlernen in die Astronomie auch schon erste Fotos machen. Aber nicht durch ein Teleskop. Denn ohne Minimalkenntnisse ist das für einen Anfänger fast nicht zu packen.

Du solltest dazu die Kamera auf eine kurze Prismenschine setzen und sie statt eines Teleskopes auf die Montierung setzen. Oder Huckepack auf ein kleines, leichtes Teleskop. Fange mit Weitwinkelaufnahmen oder maximal einem kurzen Tele an. Zoomobjektive sind nicht so gut. Da kann sich die Brennweite während der Aufnahme verstellen. Und sie haben üblicherweise auch keine gute Qualität bei der Abbildung der Sterne in den Ecken. Festbrennweitenobjektive sind da die bessere Wahl.

Laß Dich nicht verunsichern, eine DSLR mit nem kleinen Teleobjektiv (bis 200 oder 300 mm Brennweite) schaut erstmal witzig aus auf einer Montierung der EQ5 oder EQ6 Klasse. Aber damit lassen sich bereits schöne Astro-Aufnahmen machen...

Hole Dir ein Planetariumsprogramm (z.B. Stellarium) und gebe dort mal verschiedene Brennweiten für Fotoobjektive und Deine DSLR ein und laß Dir das Gesichtsfeld über den Sternhimmel legen.

Ehe Du das erste Foto schießen kannst, mußt Du lernen, wie man die Montierung aufbaut und einnordet. Einscheinern ist noch besser. Je genauer Du die Nordrichtung und die Polhöhe einstellen kannst, desto länger kannst Du dann die Fotos belichten, ehe aus den punktförmigen Sternen "Eier" werden.

Lange Belichtungszeiten sind wichtig für Deepsky-Aufnahmen. Mit gut eingescheinerter Montierung sollten 1-2 Minuten Belichtungszeit machbar sein. Da kommt schon was auf den Chip. :) Viele Bilder von einem Motiv machen, Raw Modus verwenden, und dann Bildbearbeitung lernen. Astronomische Bildbearbeitung hat nichts mit der für Urlaubsfotos üblichen Nachbesserung zu tun. Garnix.

Astrobildbearbeitung ist richtig zeitaufwendig. Stacken, Kalibrieren, Stretchen, Gradienten beseitigen, feine Details betonen, ... Dazu brauchst verschiedene Software. Ein Teil kannst mit Freewaretools machen, aber der Rest geht eigentlich nur vernünftig mit Kaufsoftware. Das geht nochmal richtig ins Geld.

Zum Teleskop:

da kommt es darauf an, was Du beobachten und später fotografieren möchtest.

Wenn es Sonnenflecken, Mondkrater und Planeten (mit Webcam) sowie kleine Planetarische Nebel und Galaxien (mit DSLR) werden sollen, dann wäre ein langbrennweitiges Teleskop wie ein SC oder Maksutov das richtige. Sollen es eher ausgedehnte H2 Regionen werden, ist eine kurze Brennweite (Newton f=4,5 oder f=5 oder ein APO) angesagt.

Mit dem Hintergedanken an Fotografie sollte das Gewicht des Teleskopes maximal die Hälfte der angegebenen Tragfähigkeit der Montierung betragen. Denn für Fotografie durch das Teleskop kommt noch einiges an Zubehör (und somit Gewicht) dazu. Komakorrektor bei Newtons, Bildfeldebner bei Refraktoren, Off-Axis Guider oder Leitrohr/Sucher, Guidingcamera, DSLR oder CCD-Kamera samt Filterrad und Filtern, Kabelgedöhns...

Dann solltest Du auch die Himmelshelligkeit an Deinem gewünschten Beobachtungsort einschätzen können. Dunkler Landhimmel oder heller Stadthimmel? Und wie schaut es mit dem standorttypischen Seeing aus? Viel warme Abluft aus Hausheizungen oder dunklen Flächen (Hausdächer, Parkplätze), die sich tagsüber aufheizen und Nachts die Wärme abgeben (bei Beobachtungen/Fotografie aus der Stadt heraus), was für lokale Turbulenzen in der Luft sorgt oder eher laminare Luftströmungen ohne menschgemachte Störungen in freier Wildbahn?

Bist Du gewillt, eventuell längere Strecken mit dem Auto zu fahren, um einen dunklen Ort für Fotografie zu erreichen und dann jedesmal alles komplett auf dem Acker aufzubauen und nach ein paar Stunden Fotografie alles wieder abzubauen und nochmal ne lange Heimfahrt zu machen?

Bei Fotografie auf dem Acker mußt auch die Stromversorgung dafür mitführen. Die Montierung braucht Strom. Das Autoguiding für Langzeitbelichtungen ebenfalls. Dann die Kamera. Der Akku macht bei kalten Temperaturen recht schnell schlapp. Und ne Taukappenheizung ist bei feuchter Witterung auch nötig. Die braucht auch Strom. Bitte nicht die Autobatterie dafür hernehmen. Die ist nach ner längeren Fotosession leergelutscht und Dein Auto springt nicht mehr an...

Das alles will bedacht werden.

Schreib mal, was Dir konkret vorschwebt, dann kann man auch nen konkreten Vorschlag machen...
 
Ich kann Gebrauchtware empfehlen, bin immer gut damit gefahren und man bekommt die Sachen meist für 50% vom Neupreis.

Überleg dir jetzt schon, was du mit den Aufnahmen später mal machen willst ;-)
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Fee,
erst mal vielen Dank für die ausführliche und mit vielen guten Hinweisen gespickte Antwort.
Was ich konkret machen möchte ist die Krater vom Mond an dem Übergang vom Hellen zum Dunklen zu fotografieren. Am Besten auch die Schatten die die Krater werfen. Was ich auch gerne machen möchte sind die Messier Objekte zu fotografieren. Kometenbilder finde ich auch sehr schön.
Von den schönten Bildern würde ich mir dann ein Fotobuch anfertigen lassen.
Zur Himmelshelligkeit kann ich sagen dass ich das Glück habe dass bei mir zwischen 0 Uhr und 4 Uhr die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet wird.
Ich wohne am Rand eine kleinen Ortschaft mit ca. 3000 Einwohner die ca. 30 Km von Nürnberg entfernt ist.
Die meisten Beobachtungen/Fotos werde ich wahrscheinlich von meinem Garten aus machen. Vielleicht wenn es sich ergeben sollte werde ich auch mal in die Alpen fahren, aber alleine ist das nicht so mein Ding.
Was ist der Unterschied zwischen Einnorden und Einscheiern ?
Stacken, Kalibrieren, Stretchen, Gradienten beseitigen, hab schon davon gehört. Welche SW kannst du mir empfehlen.
Das mir der Brennweite während der Aufnahme verstellen ist mir schon passiert. Habe dann einfach mit zwei Klebestreifen auf den Drehmechanismus vom Zoom festgeklebt.
Welches Teleskop ist für meine Zwecke am besten geeignet ? Es soll für ein paar Jahre taugen, ich will nicht alle zwei Jahre was neuen kaufen müssen.

Gruß
Rolf

 
Hallo Peter,
ich dachte auch für den Anfang erst mal mit gebrauchten Sachen an zu fangen. Wie hast du die gebrauchten Teile vor dem Kauf geprüft ob sie ok sind? 50% ist gut, viele wollen aber deutlich mehr.
Von den schönten Bildern würde ich mir dann ein Fotobuch anfertigen lassen.

Gruß
Rolf
 
Hallo Rolf,

je nach Fotomotiv brauchst unterschiedliche Teleskope und Kameras. Ich drösel das mal für Dich auf:

Was ich konkret machen möchte ist die Krater vom Mond an dem Übergang vom Hellen zum Dunklen zu fotografieren. Am Besten auch die Schatten die die Krater werfen.

ok, das ist einfach und "günstig" zu realisieren. Da brauchst definitiv kein Autoguiding. Denn da liegen die Belichtungszeiten unter 1/50 Sekunde. Dazu würde ich Dir ein C8 oder einen 8" Newton f=5 auf der EQ-6 empfehlen. Mit Deiner DSLR könntest Einzelbilder machen. Etwas anspruchsvoller, dafür besser wäre ne DMK31AU03.AS. Damit kannst dann auch Planeten fotografieren, wenn Du das irgendwann möchtest.

Was ich auch gerne machen möchte sind die Messier Objekte zu fotografieren.

Für die brauchst Autoguiding. Also ne Guidingcam (könntest z.B. die DMK verwenden, + ein Interface (Poseidon) + Laptop mit PHD oder Guidemaster als Guidingproggy (Freeware) und einen Off-Axis-Guider oder ein Leitrohr (z.B. 8x50 Sucher), wo die Guidingcam rankommt. Und ne DSLR oder gekühlte CCD-Kamera satt der DMK in den Okularauszug. Aber net mit nem C8 (das wäre zu langbrennweitig für nen Einsteiger) sondern mit nem schnellen Newton. Z.B. ein 150/750 oder dem 200/1000. Der braucht dann aber noch nen Komakorrektor. Das ist dann mit 2000 Euro Gesamtbudget nicht mehr zu packen, wenn Du alles neu kaufst. Die Belichtungszeiten pro Einzelbild liegen da so um die 10 Minuten. Und dann 20, 30 oder 40 Einzelbilder machen...

Kometenbilder finde ich auch sehr schön.

Kometen als winzige runde Scheiben zwischen den Sternen oder Kometen mit farbenprächtigem Schweif quehr über den Himmel?

Für erstere kannst das C8 oder die Newtons und die DMK oder auch ne DSLR nehmen. Brauchst definitiv Autoguiding.

Für letztere (z. B. Hyakutake, Hale-Bopp, sowie hoffentlich Pannstarrs und ISON dieses Jahr) brauchst Fotoobjektive zwischen 35 und 200 mm. Könnte mit 2-3 Minuten Belichtungszeit ohne Autoguiding klappen.

Von den schönten Bildern würde ich mir dann ein Fotobuch anfertigen lassen.

ja, hab ich auch schon gemacht. Ist ein feines Geschenk für Freunde/Verwandte..

Zur Himmelshelligkeit kann ich sagen dass ich das Glück habe dass bei mir zwischen 0 Uhr und 4 Uhr die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet wird.
Ich wohne am Rand eine kleinen Ortschaft mit ca. 3000 Einwohner die ca. 30 Km von Nürnberg entfernt ist.

das sind prima Voraussetzungen für die Messierobjekte, Kometen und Mond. Beneidenswert. :super:

Die meisten Beobachtungen/Fotos werde ich wahrscheinlich von meinem Garten aus machen.

Dann denk ernsthaft darüber nach, ne Säule zu betonieren, auf der die Montierung dauerhaft sitzt und eventuell sogar ein Stromkabel quer durch den Garten zu verbuddeln. :)

Wie sowas geht und womit man die Montierung vor der Witterung schützen kann, dazu gibts hier genügend Beiträge...

Was ist der Unterschied zwischen Einnorden und Einscheiern ?

beim Einnorden guckst durch das Polsucherröhrle in der Stundenachse und stellst Polaris in einen dafür vorgesehenen Kreis. Zeitaufwand 2 Minuten.

Beim Einscheinern beobachtest nen Stern über längere Zeit und reduzierst durch Drehen an den Schrauben der Polhöhe und Azimut in mehreren Durchgängen den Restfehler vom Einnorden. Zeitaufwand ca. ne halbe Stunde. Auch dazu gibt es Anleitungen/Berichte.

Falls Du Dich für ne Säule entscheidest, müßtest Du diese Arbeit 1x richtig machen und hättest dann Ruh. Müßtest nur am Beobachtungsabend das Teleskop auf die Montierung setzen und kannst loslegen. :)

Wenn Du dagegen mit Stativ arbeitest, mußt jedesmal neu Einnorden und gegebenenfalls auch noch Einscheinern...

Stacken, Kalibrieren, Stretchen, Gradienten beseitigen, hab schon davon gehört. Welche SW kannst du mir empfehlen.

Mondbilder/Planeten:

Registax für Mond (Freeware), Giotto für Planeten (Freeware). Es gibt noch mehr, aber die kenne ich nicht aus eigener Erfahrung.

Messierobjekte:

Deepskystacker zum Stacken und Kalibrieren (Darkabzug, Flattdivision) von DSLR oder CCD Bildern, Freeware
Fitswork zum Stretchen, Freeware

den Rest der Bildbearbeitung je nach Anspruch dann mit Kaufprogrammen, da bin ich aber nicht kompetent, hab keine außer nem völlig veralteten PotoShop CS2.

Welches Teleskop ist für meine Zwecke am besten geeignet ? Es soll für ein paar Jahre taugen, ich will nicht alle zwei Jahre was neuen kaufen müssen.

Da gibt es leider keine Eierlegende Wollmilchsau. Siehe oben.

Als Kompromiß könntest Du den 6" Newton für Mond (Krater sind dann etwas kleiner, können aber mit Okularprojektion oder Barlow-Linse vergrößert werden), mit Okularprojektion/Barlow-Linse auch für Planeten nutzen und für Messierobjekte dann mit Komakorrektor und DSLR fotografieren. Das käme der Eierlegenden Wollmilchsau am nächsten ;)

Du mußt ja net alles auf einmal kaufen. Fang mit der ungeguideten Fotografie vom Mond an. Das geht relativ simpel, da hast schnell Erfolgserlebnisse. Und wenn Du merkst, daß Dir die Bildbearbeitung Spaß macht, dann hol Dir das Poseidon-Interface und den Komakorrektor und mach Autogeguidete Messierobjekte mit Deiner DSLR. Aufrüßten auf eine gekühlte CCD Kamera kannst dann immernoch irgendwann...
 
Hallo Fee,
vielen Dank für die ausführlichen Tipps. Dachte ich mir schon dass es keine Eierlegende Wollmilchsau gibt. Ist eigentlich klar jeder Teleskoptyp ist für eine Sache optimiert. Ich werde es wie alle anderen Einsteiger machen und erst mal mit einem Newton mit der Mondfotografie anfangen. Die Betonsäule mit dem Stromkabel habe ich mir auch schon überlegt und später ein kleines Gartenhäuschen drum herum. Holz bekomme ich ganz günstig vom Sägewerk und die nötigen Werkzeuge habe ich auch. Habe mir das C8 angesehen. Schönes Teil. Ich sehe schon 2000 € werden nicht ganz reichen für die ganze Ausrüstung.
Gruß
Rolf
 
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