Welche Belichtungszeit für Milchstraßenfoto?

wus55

Mitglied
Wir werden in Kürze nach Südafrika fliegen um Kapstadt und die Garderoute zu erleben. Hauptsächlich interessiert uns Landschaft und Natur, aber wenn ich schon in so südliche Gefielde reise möchte ich auch mal ein Foto von der Milchstraße machen. Ich habe das schon mal in der weißen Wüste in Ägypten versucht, hatte damals aber kein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv, und auch die Kamera war nicht ausgesprochen hochempfindlich. Deswegen sind die Fotos ziemlich verrauscht und entsprechend unansehnlich.

Jetzt habe ich eine Vollformatkamera und ein 14mm 1:1.8 das wohl recht gut für Astrofotografie geeignet sein soll (kaum Koma). Die Montierung werde ich für diese Reise zu Hause lassen (zu schwer, dadurch würde das Mitnehmen im Flugzeug zu teuer), ein stabiles Stativ habe ich aber dabei. Jetzt frage ich mich - und hiermit euch :) - wie kurz die Belichtungszeit sein muss um sicher zu vermeiden dass Sterne als Striche - und seien es auch nur kurze - abgebildet werden.Sie sollten während der Verschluss offen ist weniger als 1 Pixelweiter wandern.

Gibt's da eine Faustformel o.ä.?

Die Kamera hat 42 Megapixel, der Standort an der Südküste von Afrika wo ich denke einen Ort ohne viel Lichtverschmutzung zu finden liegt bei ca. 34° Süd und 22° Ost.
 
Hallo!

Wenn ich das richtig rechne, dürfte deine Kamera bei 42 MPx, Vollformat und einem Seitenverhältnis von 3:2 eine Pixelgröße von zirka 4,5um haben.
Der Himmel rotiert in zirka 24 Stunden um 360 Grad, d.h. 15"/s. Bei einer Brennweite von 14mm ergibt sich eine Pixelscale von 66"/Px.
Nach dieser überschlägigen Rechnung würde also ein Stern in zirka 4,5s um einen Pixel weiter wandern. Dies gilt für den Himmelsäquator, in höheren Breiten reduziert sich diese Drift nach einer Cosinusfunktion.
Ich glaube kaum, das du die Anforderungen so eng setzen musst. Teste mal mit 10 Sekunden und schau dir das Ergebnis an. Ich würde auf jeden Fall viele Aufnahmen in unmittelbarer Folge machen und diese dann stacken. Das würde das Rauschen deutlich reduzieren.

Ich wünsche dir einen schönen Aufenthalt in Südafrika und viel Erfolg bei der Milchstraßenfotografie.
Gern darfst du dein Ergebnis dann hier vorstellen.

CS Dietmar
 
Danke für die schnelle Antwort! Toll, Deine Bildergalerie!

Welche einfach zu verstehende und zu bedienende Stacking Software kannst Du einem nicht all zu computer-affinen Fotografen - mir :) - empfehlen?

Was mir auch noch nicht klar ist: wie soll ich belichten? Das Bild wird ja überwiegend schwarz, soll ich also einfach 2, 3, 4 oder sogar 5 Blenden unterbelichten? Natürlich werde ich etwas rumprobieren, aber da ich voraussichtlich nur 1 Nacht an einem dunklen Ort sein werde und man die Bilder auf dem Kameramonitor oder auch im elektronischen Sucher nicht wirklich gut beurteilen kann bin ich mir keineswegs sicher dass ich mit rumprobieren die optimale Belichtung finden werde.

Gibt es für die Belichtung auch irgend eine Faustformel?
 
Zuletzt bearbeitet:
Stelle deine Kamera auf jeden Fall auf manuelle Belichtung ein und fotografiere im RAW-Format! Den Autofokus abschalten und bei hoher Vergrößerung der Bildvorschau auf dem Display manuell an einem sehr hellen Stern oder einer entfernten Lichtquelle scharfstellen (du kannst auch bei Tage an einem weit entfernten Objekt scharfstellen und den Fokusring in dieser Stellung fixieren). Die Blende am Objektiv möglichst weit geöffnet. Ich weiss nicht, wie gut dein 14er in den Ecken abbildet, eventuell müsstest du 1 oder gar 2 Steps schließen, um gute Sternabbildungen in den Ecken zu erhalten. Ich würde dir, wenn noch möglich, einen Test unter heimischen Himmel empfehlen. ISO kannst du ruhig recht hoch einstellen, die modernen Kameras sind schon sehr rauscharm und das Stacking reduziert das Rauschen noch zusätzlich. Das Bild wird auf gar keinen Fall nur schwarz sein, im Gegenteil, der Himmelshintergrund wird/sollte schon deutlich im Histogramm sichtbar werden.
Was die Stackingsoftware angeht, bin ich nicht ganz auf dem aktuellen Stand bzgl. Freeware.
Mir fällt da Siril oder der Deepskystacker ein.

CS Dietmar
 
Was mir auch noch nicht klar ist: wie soll ich belichten? Das Bild wird ja überwiegend schwarz, soll ich also einfach 2, 3, 4 oder sogar 5 Blenden unterbelichten?

Verabschiede dich für Astrofotografie, was eine Milchstraßenaufnahme ja ist, von den in der Taglichtfotografie üblichen Verfahrensweisen in Punkto Blende und Histogramm, insbesondere durch die Limitierung der Belichtungszeit bei nicht nachgeführten Aufnahmen.

Im Prinzip gleichst du das durch das Kombinieren mehrerer Aufnahmen (Stacken) aus.

Auch, was ja der übliche Reflex ist, mit der ISO Zahl nicht zu hoch gehen, da dass zu Lasten des Dynamikumfangs geht und mehr Rauschen produziert. Eher bei 400-800 aufnehmen.

DeepskyStaxker ist relativ einfach.

Grüße,
Alex
 
Jetzt hat Alex zeitgleich geantwortet!
Ich bin mit seiner Empfehlung uneingeschränkt einig. ISO 400-800 ist ein guter Startwert. Je nach Kameramodell ist vielleicht auch ISO 1600 noch machbar.

CS Dietmar
 
Hallo allerseits,

was das hier ja empfohlene Stacking von vielen relativ kurzbelichteten Aufnahmen betrifft, hatte ich vor drei Jahren das Problem, dass die Sterne in den aufeinander folgenden Subs nicht einfach nur infolge der Erdrotation bei feststehenden Kamera gleichmäßig verschoben waren, sondern wegen der doch erheblichen Verzeichnung des Objektivs bei so kurzen Brennweiten von Frame zu Frame ungleichmäßig stark wanderten, was das Stacking dann prompt scheitern ließ. Versuche, die Verzeichnung des Objektivs vor dem Stacking der Frames über Photoshop herauszurechnen, waren auch nicht erfolgreich und lieferten nur vermatschte Resultate.

Kamera: Canon EOS 6d Mark II, Vollformat
ISO 3200, 30 Sek. pro Frame, 13 Aufnahmen über 7 Min.
Objektiv: Samyang 14 mm f2.8, abgeblended auf f4
Aufnahme am 15. Sep. 2023 ab 00:44 in Südfrankreich

Ich zeig hier mal das erste und das letzte Frame der Serie über einen Zeitraum von 7 Minuten in komprimierter JPG-Version:

IMG_4255.jpg

IMG_4267.jpg

Offensichtlich stimmte der manuell eingestellte Fokus nicht ganz. Aber davon abgesehen gelang es mir nicht, die Subs vernünftig zu stacken, wobei ich vermute, dass es an der Verzeichnung des Weitwinkelobjektivs lag.

Gibt's dagegen ein praktisches Rezept?

Gruß, Peter
 
Hallo Peter,

das Problem liegt sicherlich an der Stackingsoftware, bzw. den Einstellungen darin.
Ich verwende schon seit vielen Jahren den Astropixelprocessor und habe damit einmal deine beiden Bilder gestackt. Es gab keinerlei Probleme, bis auf die Tatsache, das die Aufnahmen doch sehr weit aus dem idealen Fokus sind.

Die Software sollte in der Lage sein, Objektivverzerrungen auszugleichen. Solche Effekte treten selbst bei nachgeführten Aufnahmen auf, wenn man sehr nahe am Horizont fotografiert und sich während der Aufnahmesession schon die atmosphärische Refraktion bemerkbar macht.

CS Dietmar
 
Hallo Dietmar, vielen Dank für dein Feedback und die konstruktive Hilfe. Dann werde ich es nochmal mit dem Astropixelprocessor versuchen!

Mit freundlichen Grüßen,

Peter
 
Hallo Peter,

im Astropixelprocessor gibt es im Reiter "Registrieren" die Option "Dynamic Distortion Correction". Diese Funktion gleicht Bildfeldwölbung, Verzerrungen usw. aus.

CS Dietmar
 
Servus,
mit der ollen 6d geht deutlich mehr, habe im Herbst die Heimatgalaxie fotografiert, alle Daten stehen auch in dem Text des blauen Nachbarforums:


CS und viel Spaß
Gottfried
 
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