Welche Farbe hat Neptun?

003sec

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Hallo zusammen,
die farblich sehr blaue Darstellung von Neptun ist ein historisches Missverständnis, das sich noch immer (vom Bettlaken im Kinderzimmer bis hin zum Schulbuch) selbst verstärkt. Die Hintergründe gibt es hier:
https://www.ox.ac.uk/news/2024-01-05-new-images-reveal-what-neptune-and-uranus-really-look-0
Der Zufall wollte es, dass ich gerade die Farbkamera am Teleskop hatte und von Neptun auf Uranus schwenken wollte. Das nahm ich doch gerne mit. Alle Einstellungen blieben exakt gleich, ich machte die Kamera nicht mal aus.

uranus-neptun-farbvergleich.jpg

Das hier sind jetzt auch nicht zwingend "echte" Farben, aber die Differenz ist echt. Neptun ist schon etwas blauer, aber keineswegs so azurblau wie oft dargestellt.
Natürlich kommt dazu noch etwas, das hier nur als Appetitanreger …VG ralf
 
Hallo Ralf, Neptun erscheint am Livebild am Monitor im 18" eindeutig schön blau, etwa "atlantic blue" wie mein ehemaliger Z3 BMW, im 24" ist er auch eindeutig blau für meine Augen.
n20260919_M.Wolle_1.jpg

Screenshot_20261009_174726_Gallery.jpg

Uranus hingegen ist blaugrün, etwa wie der Aquamarin aus Minas Gerais, sowohl visuell im 24" als auch am Monitor mit dem 18":
2026-09-08-0239_7-L_lapl5_ap1_Drizzle30.jpg

20261009_173524.jpg

CS Mike
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Ralf
Ich habe damals am Vogelsberg viel beobachtet durch ein 24zoll Teleskop.
Habe mir über jede Beobachtung Notizen gemacht.
Ein blasses blaugrün habe ich mir notiert.

Gruß Frank
 
Hallo Mike und Frank,
eine "echte" Farbe gibt es ja gar nicht, die Menschen interpretieren ja nur Wellenlängen und das z.T. sehr verschieden. Mein Blau ist dein Grün und es gibt herrliche Beispiele im Netz, wie versch. man das alles sehen kann. Von daher sind wir Teleskopbeobachter im Grunde freigesprochen. Ich weiß selbst gar nicht, wie ich Neptun im Okular empfinde, habe ihn ja nur auf dem Bildschirm gesehen. Sobald das Licht knapp wird, interpretieren wir vieles anscheinend ins Blaue.
Zu dem Paper gibt es noch eine andere Geschichte. Als Voyager an Neptun vorbeiflog, gab es eine Pressekonferenz und man konnte die Bilder live auf dem Bildschirm sehen. Damit man etwas sehen konnte, wurde der Kontrast erhöht und damit die Farbe intensiviert. Die Journalisten haben daraufhin die Bildschirme abfotografiert. Mal eben PDF aufs Handy war nicht, alles analog. Und dann wurden die Bilder von Neptun in die Welt gebracht. Ich liebe diese Geschichte, zeigt sie doch, wie unsere Welt funktioniert.


VG ralf
 
Hallo,

Es gab im Jahr 2024 hier eine Diskussion, wie die Farbe der beiden Planeten gesehen wird. Es wurde von grünlichen und bäulichen Farbtönen berichtet:


Viele Grüße
Gerd
 
Hallo zusammen,

Danke, Ralf, für diese super Gegenüberstellung!

Habe Uranus und Neptun selbst leider noch nie richtig aufgenommen mangels Nachführung/Technik, aber visuell immer wieder beobachtet über die letzten rund 25 Jahre (mit 8", 12", 14,5"...).
Mein visueller Eindruck kommt der Gegenüberstellung von Ralf oben sehr nahe, nur farblich mehr ins Blau verschoben!

Uranus erscheint visuell für mich auch deutlich bläulich - gerade bei niedrigerer Vergrößerung erscheint die kleine blaue Murmel sogar relativ hell.
Neptun dagegen sehr viel lichtschwächer, diffuser und damit farblich auch entsättigter. Manchmal war mein Eindruck, dass er gegenüber Uranus einen Tick grünlicher und eben deutlich blasser erschien, aber das könnte einfach dem Mangel an Licht geschuldet sein. Ich empfinde z.B. auch bei der Deep Sky Beobachtung lichtschwächere PNs eher ins Grün verschoben.

Wichtig und essentiell für die Vergleichbarkeit wäre natürlich auch (inbes. bei der visuellen Beobachtung), dass man die Planeten möglichst in ihrer besten Sichtbarkeit beobachtet. D.h. wenn sie eben möglichst hoch im Süden stehen. Ich sehe immer wieder Aufnahmen und auch Beobachtungsberichte mit angegeben Zeiten, wo die Planeten einfach zu niedrig standen, um optimale Bedingungen zu haben.

Was Ralfs Vergleich auch gut zeigt: Uranus erscheint in seiner Form deutlich definierter, d.h. man erkennt viel leichter die Kugelgestalt.
Neptun ist dagegen sehr diffus, die Helligkeit von der Mitte zum Rand fällt stark ab. Das ist in Ralfs Bildern gut zu sehen und so hab ich das auch visuell immer wahrgenommen.

Viele Grüße,
Peter
 
Was die visuelle Wahrnehmung der Farben von Uranus und Neptun angeht, gibt es bei mir einen gewaltigen Unterschied zwischen 24"Dobs am Stadtrand( mein Standard früher für Kometenjagd), wo das Finden der Planeten im Gesichtsfeld ein Kinderspiel wegen der deutlichen Farbe ist, im 18" in der Stadt ist das bei weitem nicht so einfach.
Beim Fotografieren gibt es bezüglich Details große Unterschiede.
Uranus Polregion ist einfach:
2023-09-17-0222_6-U-R_lapl5_ap1_Drizzle30_2.jpg


, ebenso die Monde(Ausnahme Miranda, die ist recht lichtschwach):
2026-09-08-0221_3-L_lapl5_ap4.jpg

Sehr schwierig und etwas unsicher( weil
im Moment fast kreisförmig) ist der Epsilonring, der sehr derzeit sehr leicht mit Beugungserscheinungen durch übermäßiges Schärfen verwechselt werfen kann:
2025-10-12-0123_2-L_lapl5_ap2A.jpg

Bei Neptun sollte man sich entscheiden: Entweder Neptun ohne Details mit Triton, als nettes Paar:
n20260919_M.Wolle_2.jpg




oder aber lieber Neptun alleine, mit der Hoffnung auf eine der seltenen hellen Wolken.

Beispiel 1: Das ist nur Rauschen:
2023-09-16-2235_3-U-R_lapl5_ap1_Drizzle30_4.jpg


Beispiel2: Das könnte eine echte Aufhellung sein, ist aber unsicher:
2025-09-01-0006_6-L_lapl5_ap1.jpg

Beispiel 3: Das ist ein echte Wolke( auf 7h), von anderen bestätigt, sehr selten.n20260919_M.Wolle_1.jpg

CS Mike
 
Visuell im 16" Newton, erscheint mir Neptun auch als blaues Scheibchen und Uranus eher Türkisgrün.
Die Farb Wahrnehmung hängt dabei auch von der Austrittspupille ab, ob man Monokular oder mit Binokularansatz beobachtet und wie farbrein der Imagetrain ist.
 
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