Welche Klebmasse fixiert die Fernglasprismen?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Stan

Neues Mitglied
Hallo Fernglasfreunde,

längere Zeit lese ich bei Euch im Forum mit und habe viel erfahren, danke! Jedoch für eine Frage, die mich jetzt beschäftigt, habe ich noch nichts gefunden, auch sonst im ganzen Internet nicht:

Wüsste jemand, mit welcher Klebmasse die Prismen der vielen Ferngläser (zusätzlich zum Spannbügel) fixiert werden? Es dürfte ein unelasticher, nicht aggresiver Klebstoff oder Kitt sein, welcher die Glasprismen zu dem Metallgehäuse in der justierten Lage mit einem gräulichen Klecks fixiert, der auch ziemlich spröde ist.

Nach einer neuen Justage würde ich gern diese zusätzliche Fixierung anwenden, kenne mich jedoch nicht mit Klebstoffen und Kitten entsprechend aus.

Ich bedanke mich für jede Info oder Empfehlung.

Mit Gruss,

Stan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Stan,
ich habe schon mehrere alte Ferngläser auseinandergenommen und einige wenige auch wieder zusammengekriegt. Klebemassen habe ich an dieser Stelle noch nicht gefunden. Ich finde dort immer kleine graue Metallplättchen unterschiedlicher Dicke, die meines Wissens eine Art Grobkollimation darstellen, die Feinkollimation geschieht dann über den Exzenterring am Objektiv (oder über Madenschrauben).
Die Metallbügel, die die Prismen halten, drücken ja doch mit großer Kraft auf die Prismen, ich hätte da keine Bedenken, dass sich da was löst.

mfG
Micha
 
Hallo Stan,

die von Dir erwähnte Klebemasse / Kit kenne ich nicht, von was für einen Fernglastyp/Hersteller redest Du? Ich habe bisher diverse Japanferngläser aus den 70er/80er Jahren zerlegt, überholt, bebastelt aber diesen Kit bisher nicht gesehen. Ich kenne zwei Methoden die Prismen zu fixieren:

1.) Die Prismen sitzen mit einer Schiebepassung recht genau in einer Aussparung und können wenn überhaupt nur wenige hundertstel mm verrutschen, vermutlich nur bei recht harten Stößen oder wenn das FG runterfällt.

2.) Die Prismen sitzen in einer "zu großen" Aussfräsung an deren Kante mit einem Stempel das Alu an mehreren Stellen so verformt wird das die Prismen zwischen den entstehenden "Nasen" fixiert werden ohne verklemmt zu sein.

Bei den Objektiven gibt es zwei Varianten der Justageringe:

2.) Nur EIN Excenterring der verdreht werden kann, also nur ein "kreisen" des Objektives UM einen Punkt ermöglicht bis es halbwegs passt...

2.) Es sitzen zwei Excenterringe ineinander die miteinander/gegeneinander verdreht werden können so das innerhalb einer kleinen Kreisfläche jede Stellung der Objektive möglich ist. Diese Objektivfassung ermöglicht mit etwas Geduld eine perfekte Justage, ein scharf gestellter Stern einseitig sitzt absolut mittig im entsprechenden Beugungsscheibchen des LEICHT defokussiertem Stern auf der anderen Seite.

Du könntest evtl. einen Glaser fragen ob er Dir etwas Kit gibt...

Viele Grüße Felix
 
Hallo Stan,

benutz doch einfach Silikonkautschuk, wie er u.a. zum Dichten in Küchen und Badezimmern, oder beim Zusammenfügen der Glasscheiben von Aquarien verwendet wird.

Das Zeug ist hochelastisch und entsprechend unkritisch in der Anwendung. Du kannst natürlich auch verschiedene Epoxyd-Kleber verwenden, aber da kommt es dann sehr auf die Details an und ich würde deshalb davon abraten.

Kannst natürlich auch nachlesen, worauf die Fachleute achten, z.B. google mal nach dem Buch "Opto-Mechanical Systems Design" von Paul R. Yoder, Jr., und schau auf Seite 387 (Chapter 7.6 - Mounting prisms by bonding).

Mit freundlichen Grüßen,
Peter



 
Hallo Peter,

besser KEIN Silikon! Die Essigsäure kann Vergütungen zerstören, und zwar gründlich. Wenn dann "Spiegelkleber", gibts beim Glaser und ist chemisch recht neutral, auch die Versilberungen auf der Rückseite von normalen Spiegeln nicht an.


Viele Grüße Felix
 
Bei meinem Lidl ist auch sowas drin. Ich hab Heißkleber zum Fixieren genommen, hab aber dabei das Glas geschrottet. Auf die Planflächen die du siehst darf nichts draufkommen, das hast du sofort im Bild. Ich hab de Heißkleber zwar einfach wieder abbekommen, aber es blieben leichte Rückstände da. Naja, das Glas hat jetzt mein Junge zum Spielen ;)
 
Öhhmm, da fehlt'n Wort......,greift auch die Versilberungen auf der Rückseite von normalen Spiegeln nicht an. :mauer: :pfeif:

Viele Grüße Felix
 
Danke für alle Antworten!

Die von mir erwähnte Kitt-Masse ist z. B. bei den älteren japanischen Revue-Ferngläsern zu finden, gerade gestern hatte ich eins (8x40, 9°) auf gehabt, oder bei den neueren chineschichen Ferngläsern, wie mein Ansco 10x50 (war auch vorgestern auf). Sie ist völlig unelastisch, jedoch nicht so spröde, wie ich vielleicht angenommen habe. Sie bricht beim Klopfen aber doch ziemlich schnell weg. Sie fixiert das Prisma meiner Meinung nach vor allem gegen das Verdrehen, ob schon durch Erschütterung oder sogar im Verlauf des Kollimierens mit den bekannten Schräubchen, wodurch sonst das Bild in der betroffenen Hälfte schnell schief wird.

Fixiert mit Heisskleber habe ich auch schon gefunden.

Mein Anlass zu fragen war, dass einige von meinen justierten Ferngläsern doch ziemlich schnell wieder dejustiert wurden, z. B. das erwähnte Revue 8x40, welches ich im Auto ein Paar Wochen mitfuhr, oder mein chineschisches 15x70 für astronomische Zwecke, auch schon nach einer Autofahrt.

So möchte ich die Prismen doch fixieren, jedoch nicht vorschnell etwas benutzen, was vielleicht das Glas, die Beschichtung oder die Augen angreift.

 
Hallo,

Dieser Kleber wurde vor einigen Jahrzehnten von einigen japanischen Herstellern zur Sicherung der Prismen zusätzlich zu den Klemmbügeln eingesetzt. Ein winziger Klecks davon wurde nach Einbau und Justage der Prismen an der Prismenauflagekante platziert. Heute wird der Kleber nicht mehr verwendet.

Es handelt sich um eine Klebemasse ähnlich wie Pattex. Er fließt nicht und tropft nicht, zieht keine Fäden und füllt keine Spalten. Er trocknet elastisch und fängt dadurch Stoßbelastungen ab, welche im Extremfall zum Verschieben der Prismen führen können.
Die Elastizität geht jedoch mit den Jahren verloren. Man braucht zudem wohl einen speziellen Applikator, mit dem man den Kleber im engen Prismengehäuse fein dosieren und punktgenau applizieren kann. Gelangt Kleber auf die reflektierenden Prismenflächen, ist er kaum rückstandsfrei zu entfernen.

Fallen Ferngläser hart, können beim Aufschlag die Prismen verrutschen oder sogar splittern. Bei Ferngläsern, wo die Prismen mit Kleber gesichert waren, habe ich sowas noch nie beobachtet. Bei Gläsern ohne Klebersicherung findet man nach Stürzen Ausbrüche in den Prismenkanten bzw. Muschelbrüche in den Auflageflächen. Bei alten Gläsern findet man für kaputte Prismen kaum Ersatz. Daher macht der präventive Einsatz eines Klebers Sinn.


Grüße,

Günther
 
Hallo!

Schönen Dank für die Ausführungen.

Dass der Kleber erst elastisch war, hätte ich nicht angenommen, da ich ihn so bis jetzt nicht vorgefunden habe und geglaubt hätte, dass gerade eine starre Fixierung geplant war. Danke für den Tipp, so muss ich mich nicht auf solche Klebemassen beschränken, meistens sind die Kleber ja tatsächlich elastisch und ich war schon so weit, dass ich mit Zement und Kachelkleber experimentieren wollte.

Wenn Pattex, welcher genau? "Nichts hält so wie Pattex", das kommt mir jedoch für die Prismen etwas zu stark vor, so ein fixiertes Prisma liesse sich doch nicht so leicht frei machen, wie es mir bisweilen gelingt.

Auch, wenn Pattex, sind da keine Lösungsmittel oder Ähnliches drin, die sich ungünstig auf das Gerät oder das menschliche Auge auswirken?

Mit Gruss

Stan
 
Hallo Stan,

die Prismen wurden mit dem Kleber nicht eingeklebt, sondern nach dem Justieren gesichert.
Die Funktion ist ähnlich wie beim Schraubensicherungslack. Den brachte man auch nur an, um sicherzugehen, dass sich eine Schraube nicht von selber löst. Mit dem Schraubendreher bekam man die Schraube aber trotz Sicherungslack problemlos ausgedreht.

Den Kleber hat man wohl deshalb verwendet, weil er nicht fließt, wie das z. B. bei Lacken der Fall wäre.
Man hat den Kleber wohl auch nicht sehr lange verwendet, wohl weil man die Erfahrung machte, dass er mit der Zeit seine elastischen Eigenschaften verlor. Er kam bald aus der Mode.

Die Lösungsmittel verdunsten innerhalb von Tagen. Die Endfestigkeit wird nach wenigen Tagen erreicht. Bis die Geräte in den Verkauf kamen, waren die Lösungsmittel abgedunstet.
Solange musste man abwarten. Vielleicht war das auch ein Grund, warum der Kleber aus der Mode kam.

Grüße,

Günther
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben