Welche Lüfter für 12"SCT Umbau

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas LX50
  • Erstellungsdatum Erstellungsdatum
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

LX50

Aktives Mitglied
Hallo,

möchte meinem 12"SCT eine Lüftung verpassen. Nur welchen Lüfter soll man kaufen. Man sieht oft Anleitungen für Celestron-SCTs. aber keine Anleitung zum Umbau bei einem MEADE SCT. Ich möchte vorne seitlich an der Schmidtplatte am Tubus drei Öffnungen mit Filtern zur Belüftung anbringen und hinten am Tubus einen Lüfter 60mm? einbauen. Kann der Lüfter auch innen eingebaut werden und außen mit einem Schutzgitter und Filter versehen werden? Oder kann ein Lüfter nur von Außen befestigt werden? Ist da genug Platz? Muss ich einen schmalen Lüfter nehmen oder gehen auch 60x60x25mm? Fragen über Fragen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gruebel.gif" alt="" /> <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />
 
Hallo Marcus,

Ich habe mein 10“ SCT von Meade umgebaut. Hinter dem Hauptspiegel viel Platz für den internen Einbau der Lüfter. Wenn Du Papstlüfter verwendest, hast Du keine Vibrationen und gute Qualität sowie ruhigen Lauf. Für das Lüfterloch gibt es Filter entsprechender Größe.
Ich habe auf Potentiometer verzichtet und einen ein/aus/ein-Schalter eingebaut, mit dem ich zwei Geschwindigkeiten einstellen kann. Kann ich Dir nur empfehlen, Lüfter ein zubauen. Die Auskühlzeit hat sich extrem verkürzt.
Habe auch Fotos vom Umbau, müsste sie aber erst mailfähig machen wegen der Größe.

Gruß
Mario
 
Danke für die Infos, Fotos wären schon sehr hilfreich evtl auch eine kurze Vorgehensweise und Tipss beim Umbau auch. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />
 
Hallo Mario,

kannst die Fotos vom Umbau auch gerne hier rein stellen!

Würde mich auch interessieren.

CS

Charly
 
Hallo,
also den Umbaubericht zur Tubusoptimierung habe ich gefunden, der auch bebildert ist. Im Original eine Word-Datei mit ca. 800 kB. Ich stelle den Bericht mal hier rein und die Fotos zum Lüftereinbau in den Anhang.

Tubusoptimierung an einem 10“ Meade LX200



Wer ein SC-Teleskop hat wird sich bald über folgenden Umstand, der technologisch bedingt ist, ärgern. Wenn das Wetter es schon mal zu lässt und man am Abend zu der Entscheidung kommt, man möchte heute mal wieder die teure Ausrüstung aufbauen, schaut man auf die Uhr und fängt an zu rechnen. Aufbau ½ Stunde, Auskühlen 2-3 Stunden, Beobachtung 3-4 Stunden, Abbau wieder ½ bis ¾ Stunde, dann kommt man auf eine effektive Beobachtungszeit von gerade mal 50 %! Da redet man von spontanem Spechteln?
Da muss es doch was geben, womit man das Verhältnis verbessern kann. Die Auskühlzeit muss runter! Im Internet gibt es einige Beschreibungen für eine Tubusoptimierung am SC, leider beschreiben diese fast alle einen SC-Tubus von Celestron. Man sieht den Unterschied erst, wenn man versucht den Tubus von der Spiegelzelle zu lösen. Es geht nicht, ohne etwas zu zerbeulen oder zu zerkratzen. Also verwerft den Gedanken, den Tubus von der Spiegelzelle zu trennen. Außerdem muss man dann unter Umständen die axiale Lage der beiden Elemente wieder zu einander justieren.

Bevor es losgeht, sollten folgende Dinge vorhanden sein:

Zeit, viel Zeit!
2 Ventilatoren (Papst) 50x50
2 Filter(Papst) 60x60
1 Schalter on-off-on 1pol Umschalter
1 Widerstand 62 Ohm (Vorwiderstand für Lüfter)
1 Widerstand
1 LED 5 oder 3 mm mit Fassung
1 Chinchbuchse
1 Stück Styropor mit Alubeschichtung
1 Bogen Velours-Folie Dec-Fix
1 Fett
und Werkzeuge
1 Bimetall-Dosenbohrer entsprechender Größe
Handbohrmaschine mit regelbarer Geschwindigkeit
diverse Metallbohrer
Rundfeile (zum Entgraten)
Lineal
Körner
Reißnadel
Mess-Schieber
Lötzeug

Demontage:

Der Tubus bleibt in der Gabel und wird leicht schräg nach oben gestellt. Zuerst werden wir die Schmidtplatte ausbauen. Dazu lösen wir die 8 Inbusschrauben, die den Ring und damit die Schmidtplatte halten. Nachdem der Ring entfernt wurde, können wir nun die Korkstückchen sehen, die die Schmidtplatte zentrieren und eine Markierung, die die Position der Schmidtplatte im Tubus definiert. Man kann jetzt prüfen, ob die Schmidtplatte locker im Tubus sitzt, indem man die Sekundärspiegelfassung hin und her schiebt. Um ein paar Zehntel dürfte das sicher gehen. Ist die Schmidtplatte lose, hält man den Sekundärspiegel fest und neigt den Tubus nach unten. Die Schmidtplatte fällt einem jetzt in die Hand. Jetzt stellt man das teure Teil mit dem Sekundärspiegel nach unten an einen sicheren Ort und deckt ihn mit Folie ab. Das war der erste knifflige Teil. Wenn sich der Herzschlag wieder normalisiert hat, dann können wir uns an den Ausbau des Hauptspiegels machen. Der Tubus wird jetzt leicht nach unten geneigt. Am Ende des Blendrohrs befindet sich ein Federring, der Verhindern soll, dass der Hauptspiegel unkontrolliert auf die Schmidtplatte schlägt, wenn das Forusiergestänge aus irgendeinem Grund am Hauptspiegel ausgehangen ist. Wenn man jetzt mit den Fingernägeln diesen Federring an einem Ende rauspult, kann man ihn problemlos entfernen. Nicht zu stark daran zerren, damit er seine Form und Spannung behält. Sollte er Euch jetzt aus der Hand fallen, dann fällt er nicht auf den Spiegel. Jetzt neigen wir den Tubus nach oben, sodass der Spiegel mit seinem Gewicht nach unten in die Spiegelzelle drückt. 45 Grad reichen, weil wir nun die Fokussierung ausbauen müssen. Dazu lösen wir die Inbusschraube des Fokussierknopfes und drehen diesen von der Spindel. Danach entfernen wir die Schrauben der Fokussierspindelplatte. Jetzt rutscht der Spiegel etwas nach unten und liegt auf. Jetzt können wir das Fokussiergestänge seitlich aushängen.
Nun gut aufpassen! Das Führungsrohr am Hauptspiegel gut festhalten und langsam nach oben ziehen. Wenn er frei ist, dann muss er vorsichtig im Tubus geneigt werden, damit er dann hochkant durch die zwei Nuten an der Schmidtplattenhalterung geführt werden kann. Lasst den Spiegel lieber an seiner Rückseite an der Nut entlang schleifen als an seiner Vorderseite! Wenn das geschafft ist wird er an einem sicheren Ort, wie die Schmidtplatte, abgestellt und mit Folie abgedeckt.
Jetzt, wo alle empfindlichen Teile aus dem Tubus entfernt wurden, können wir richtig loslegen.

Der Lüftereinbau:

Ich werde hier nicht mit Maßen arbeiten, da es eine allgemeine Beschreibung werden soll.
Die Lüfter sind bei mir diagonal angeordnet und werden von innen angebaut. Der Haupt-spiegel hat immer genügend Abstand zu den Lüftern.
Für die großen Bohrungen habe ich Bimetalldosenbohrer verwendet. Der Tubus wird mit der Öffnung nach unten gekippt und arretiert. Wenn man das Zentrum des Lüfters an der Spiegelzelle angerissen hat, bohrt man erst mal mit einem 3mm-Bohrer vor. Der Bimetallbohrer wird in eine Handbohrmaschine eingespannt und auf niedrige Geschwindigkeit eingestellt. Nun den Zentrierbohrer ansetzen und langsam durchbohren. Wenn der Dosenbohrer die Spiegelzelle erreicht hat, wird mit sanftem Druck weitergebohrt, bis man durch ist.
Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Bohrung1.JPG

Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Bohrung2.JPG

Das Alu ist sehr weich und es entsteht ein kurzer, konfettiartiger Span. Also nicht zu sehr drücken, sonst frisst der Bohrer! Wenn die Bohrungen fertig sind wird entgratet.

Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Bohrung3.JPG


Die Lüfter auf die Spiegelzelle legen und die Befestigungen anreißen. Bohren und Gewinde schneiden. Das Gleiche passiert mit den Filtern.
Dazu kommt dann noch die Bohrung für die Chinchbuchse der Stromversorgung, der LED und des Schalters. Ich empfehle alles außerhalb des Tubus zu verdrahten, da ein hantieren und löten selbst in einem 10“ Tubus ein Unding sind. Zumal man außerhalb alles schon ausprobieren kann. Beim Einbau ist darauf zu achten, dass ein Lüfter in den Tubus bläst und der andere aus dem Tubus saugt.

Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-L%FCfter.JPG

Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Filter.JPG

Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-fertig.JPG


Durch die zwei Geschwindigkeiten kann der Lüfter auch beim Beobachten auf kleiner Leistung weiterlaufen, ohne dass es zu Vibrationen kommt. Die Auskühlzeit geht auf eine halbe Stunde zurück! Das ist doch was.

Wenn man schon mal den Tubus ausgeräumt hat kann man ihn auch gleich isolieren und mit Dec-Fix-Velours-Folie auskleiden. Damit kommen wir zum zweiten Teil der Optimierung.

Für die Isolierung habe ich alubeschichtetes Styropor verwendet, wie man es hinter die Heizkörper klebt.
[Bild] Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Folie1.JPG [/Bild]

Um die Isolierung im Tubus zu befestigen, habe ich eine wieder lösbare Variante gesucht und doppelseitiges Klebeband verwendet. Drei Streifen, die um 120° versetzt längs zum Tubus verklebt werden, reichen vollkommen.
Die Velours-Folie wird ausgerollt, zurechtgeschnitten und anschließend mit einer Fusselrolle intensiv abgerollt. Dabei kann schon eine ganze Rolle draufgehen. Lieber einmal mehr als zu wenig, wer will schon die Fasern auf den Hauptspiegel haben?
Wenn man damit fertig ist, zieht man die Schutzfolie ein kleines Stück ab und setzt sie parallel zur Achse des Tubus an und streicht sie gleichmäßig längs an, wobei die Schutzfolie immer ein Stückchen mehr abgezogen wird. Wenn man einmal rum ist, lässt man ein Stück überlappen und schneidet an einem Lineal mit einer Rasierklinge in der Mitte der Überlappung. So bekommt man eine saubere Naht. Das war harte Arbeit und der Erfolg wird uns Recht geben.
[Bild] Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Folie2.JPG [/Bild]

Zusammenbau:

Auf dem Blendrohr befindet sich Fett, für die Spiegelführung. An diesem kleben bestimmt Späne und Staub von unserer Aktion. Das wird mit Spiritus entfernt und nach dem Trocknen neu gefettet. Jetzt kommt die Frage „Welches Fett soll man den nehmen?“. Ich habe im Forum gelesen und gelesen. Vakuumfett, Silikon oder, oder. Ich habe mir gedacht, dass Armaturenfett, das für Lebensmittel zugelassen ist, so verkehrt nicht sein kann. Es gibt keine Stoffe an die Umwelt ab, ist ungiftig und hat bis in die Minusgrade gleich bleibende Viskosität. Also dieses Fett besorgt und mit dem Finger mäßig dünn auftragen. Der Hauptspiegel läuft auf einer Passung! Da ist weniger als 0,05 mm Luft. Und genau deswegen muss man beim Spiegeleinbau aufpassen und ganz sanft den Spiegel ansetzen. Mit leichtem Drehen findet man besser den Punkt, wo der Spiegel geschmeidig auf das Blendrohr gleitet.
Man lässt den Spiegel ganz sanft in der Spiegelzelle aufsetzen. Der Tubus wird geneigt, und der Spiegel leicht angehoben und so lange gedreht, bis der Zapfen für den Fokussiertrieb über der Bohrung sichtbar wird. Jetzt kann der Fokussiertrieb eingehangen werden und die Flanschplatte wieder an den Tubus geschraubt werden. Der Fokussierknopf wird wieder aufgeschraubt, aber nicht zu stramm, und mit der Inbusschraube arretiert. Danach wird die Schmidtplatte wieder eingesetzt und zwar so, dass die Markierungen zusammen fallen. Den Ring wieder einsetzen und mit mäßigem Druck die Schrauben anziehen, damit keine Spannungen in die Schmidtplatte kommen. Fertig!
[Bild] Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Ende1.JPG [/Bild]

[Bild] Link zur Grafik: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/attachment_upload/521090-Ende2.JPG [/Bild]
Erfahrungen:

Die Ventilatoren sind der volle Erfolg. Die Auskühlzeit hat sich extrem verkürzt. Die zwei Geschwindigkeiten reichen vollends aus. Vibrationen habe ich beim Beobachten nicht feststellen können. Beim Fokault-Test sind natürlich Luftverwirbelungen im Tubus an den Beugungsringen festzustellen. Es empfiehlt sich beim Beobachten die Ventilatoren aus zu schalten. In den Beobachtungspausen reicht es völlig die kleine Geschwindigkeit laufen zu lassen.
Der Wechsel des Fettes der Hauptspiegelführung hat sich auch ausgezahlt. Das Shifting ist wesentlich geringer geworden. Ganz bekommt man es ohnehin nicht weg. Da ich an meinem SC einen motorisierten Okularauszug TFC-S von Optec betreibe, interessiert mich das Rest-shifting wenig. Das Fett ist jedenfalls optimal.

So liebe Astrokollegen, das mit dem Bilder Upload war ja eine sche... Arbeit. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smirk.gif" alt="" /> Gehts nicht einfacher?? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/mauer.gif" alt="" /> Fragen beantworte ich gerne.
Viel Erfolg bei den Arbeiten
Gruß
Mario
 
Hallo Mario,

ein Meadener schreibt: Vielen Dank!

CS

Charly
 
Hi,

super Bericht. Ich denke das er mir gute Dienste leisten wird. Bei meinem 12" SCT ist das Shifting fast nicht vorhanden. Hoffe ich verschlimmbesser es nicht nach dem Umbau. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben