Hallo Frank,

Heul!!!
So langsam verliere ich die Lust am Sterne gucken.
Sehe ich denn irgendwas durch ein Teleskop bei DSO's?
Ich kann verstehen, daß Du grad völlig entsetzt bist. Nein, so grauslich ist das Sternegucken nicht. :Trost:
Ich merke aber an Deiner Reaktion, daß Du immernoch etwas falsche Vorstellungen von Deepsky hast.
Mit Deepsky bezeichnen wir Hobbyastronomen alles, was weiter draußen ist als die Planeten und Kometen.
Das wären also:
- Nebelgebiete (Orionnebel, Kalifornianebel, Nordamerikanebel...)
- Supernovaüberreste
- Galaxien
- Planetarische Nebel
- offene und Kugelsternhaufen
- farbig unterschiedliche Doppelsterne
Bei diesen Objektgruppen gibt es "einfache" (= relativ helle) und "schwierige" (= sehr lichtschwache) Kandidaten.
Das Sehen durch ein Teleskop muß man erstmal bewußt lernen. Denn im Alltag schauen wir bei hellem Licht mit zwei Augen (Stereo) und reagieren auf Farbe und Bewegung. Das hat sich durch die Evolution in viele Millionen Jahren so ergeben (damit wir vor gefährlichen Tieren, die sich uns nähern und uns auffressen wollen flüchten können)...
Wenn wir durch ein Teleskop gucken, dann benutzen wir nur ein Auge. Und es ist soooo dunkel, daß die Farbrezeptoren (Zäpfchen) in unseren Augen garnix zu sehen bekommen. Das verwirrt unser Hirn erstmal. Denn es erwartet auf Grund unserer Alltagserfahrung "Input" von den Farbrezeptoren und ignoriert erstmal zum größten Teil das, was von den "Schwarzweiß Rezeptoren" (Stäbchen) kommt.
Wenn ein unbedarfter Mensch zum ersten Mal in seinem Leben durch ein Teleskop guckt, dann sieht er bei einer (hellen) Galaxie nur den hellen Kern und etwa 10 oder 15 Sterne drumrum. Läßt sich der Mensch aber Zeit am Okular, dann werden es zuerst mehr Sterne. Und langsam (über mehrere Minuten!!!) schält sich dann auch eine Struktur bei der Galaxie heraus. Er erkennt den Umriß der Galaxie (Scheibe, Elypse, Spindel) immer besser. Und wenn man ihm dann sagt, daß er mal ganz bewußt ein paar mm am hellen Kern der Galaxie "vorbeischielen" soll, kommt auf einmal nochmal deutlich mehr hervor.
Dieses "Vorbeischielen" nennen wir
indirektes Sehen.
Physikalisch wird dabei das Licht nicht mehr in die Sehgrube im Auge gelenkt, sondern auf einen Punkt der Netzhaut, der daneben liegt. In der Sehgrube haben wir hauptsächlich Zäpfchen (Farbsehen), daneben sitzen die schwarzweis sehenden Stäbchen. Daher sieht man beim indirekten Sehen mehr als beim direkten "Draufstarren" auf das lichtschwache Objekt.
Nicht alle Galaxien haben Spiralarme, Sternentstehungsgebiete und Staubbänder, die Du von den Fotografien kennst und die vermutlich einen großen Teil Deiner Fazination ausmachen.
Relativ einfach und für einen Anfänger erkennbare Strukturen findest Du bei der Andromedagalaxie, mit 10 Zoll Öffnung auch ansatzweise bei M51. Die anderen Spiralgalaxien erfordrn Übung im indirekten Sehen.
Alle Galaxien erfordern richtig dunklen Himmel. Wenn Du in einer Stadt wohnst, oder wenn der Mond (und sei es nur eine Sichel!) am Himmel steht, dann verschwinden die Details sofort in der Hintergrundhelligkeit des Himmels.
Für mich macht ein großer Teil der Faszination beim Beobachten von Galaxien das Wissen aus,
was ich da eigentlich beobachte.
Die sind so weit weg von uns, daß das Licht von denen losgeflogen ist, als es die Menschheit als aufrecht gehende und bewußt handelnde Spezies noch garnicht gab. Das diffuse Fleckle im Teleskop setzt sich aus Abermillionen Sonnen wie unserer eigenen zusammen. Dort könnte auch ein Wesen auf einem Planeten stehen, in den Nachthimmel gucken und sich fragen, ob "da draußen" noch jemand in den Himmel guckt...
Galaxienbeobachtung ist anspruchsvoll und erst mit langjähriger Beobachtungserfahrung kann man das so richtig würdigen.
Für einen Anfänger ist die Beobachtung von Planetarischen Nebeln (Hantelnebel, Ringnebel in der Leier...) ein interessantes und erfolgbringendes Ziel. Natürlich siehst Du auch diese Nebel nur in schwarzweis. Aber da kannst Du wirklich Strukturen erkennen. Und wenn Du einen UHC oder OIII Filter verwendest, kannst den Kontrast dieser Nebel zum Himmelshintergrund deutlich verbessern.
Faszinierende Objekte sind Sternentstehungsgebiete wie Lagunennebel, Triffidnebel oder auch der Orionnebel. Da erkennt auch ein noch ungeübter Beobachter kleine Diamanten (Sterne) eingebettet in zarte graue Rauchschleier (Nebelgebiete) vor schwarzem Samt (dem Himmelshintergrund).
Das ist im Okular ein atemberaubender Anblick.
Du guckst zu, wie neue Sterne aus Gas und Staub entstehen. Leider dauert die Geburt von Sternen viel länger als ein Menschenleben, Du wirst also keine "Veränderung", keinen plötzlich neu aufleuchtenden Stern beobachten können. Aber du spickelst der kosmischen Evolution über die Schulter bei "der Arbeit".
Sehr einfache Deepsky Objekte für einen Frischling in unserem Hobby sind Sternhaufen. Die sind hell und Du erkennst sogar Farben. Denn die Sterne haben unterschiedliche Oberflächentemperaturen und somit auch unterschiedliche Farben.
Ich hoffe, ich hab mit meiner Schilderung Deine Vorstellungen davon, was man als visueller Beobachter bei Deepsky Objekten im Okular sehen kann, etwas korrigiert.
Das von Dir angepeilte Teleskop zeigt Dir zusätzlich zu diesen Deepsky-Objekten natürlich auch die näheren Objekte. Also Mond (bei jeder Phase und Vergrößerung ein Hochgenuß, sofern die Luft ruhig ist!), die Planeten und auch Kometen.
Der Mond ist für einen Anfänger das einfachste Objekt. Schwieriger (weil viel kleiner, mann muß sie erstmal finden

... ) sind die Planeten. Wenn Du etwas Übung im Dobsonschubsen hast, wirst an denen aber mit der passenden Vergrößerung und den entsprechenden Okularen auch viele faszinierende Details und sogar etwas Pastellfarbe sehen.
Kometen sind ähnlich kritisch wie die Galaxien bei der Beobachtung. Das sind im Teleskop einfach winzige, geisterhafte Nebelfleckles. Da macht für mich die erkennbare Bewegung dieser Objekte (von Nacht zu Nacht) vor dem Hintergrund der Sterne die Faszination aus...
Fazit:
Wenn Du Dich von den einfachen zu den schwieriger zu beobachtenden Objekten am Himmel vorantastest, wirst viele Jahre Spaß am Hobby haben. :Trost:
CS
Fee