Hallo Frank,
willkommen im Forum
Ich versuch mich mal an einer Zusammenfassung Deiner Wünsche und den daraus resultierenden Möglichkeiten:
bin neu in dem Metier des Beobachtens und möchte mir nun ein gutes!!! Teleskop für Deep Sky mit auto Nachführung zulegen.
Ach ja , der Preis sollte nicht 2600€ überschreiten.
Ich wohne in einer Grosstadt, habe keinen Balkon, habe ein Auto in das viel reinpasst
Ihr habt schon richtig vermutet dass ich nicht Astro - Fotografie betreiben will
Und ich glaube das es möglich sein muss, auch fur einen Newbee wie mich ein Teleskop zu finden, welches kein Jahrelanges Studieren der Sternkarten und Fachsimpeln mit anderen Sternguckern voraussetzt!
Dann habe ich mich mit jemanden zu Gucken getroffen. Als ich sah was Er dann auspackte,war ich schon nicht mehr so erfreut über meins.
Aber dennoch hatte ich angenommen , dass mann eine Galaxie mit entsprechender Vergrösserung, sodenn sie noch sichtbar ist, schön knackig scharf sehen kann!
Kennst Du Dich am Sternhimmel aus? Findest Du an Hand der Sternbilder bzw. mit Aufsuchkarten aus einem Buch (z.B. Deepsky-Atlas, Karkoschka...) überhaupt Deepsky Objekte? Oder möchtest Du neben der automatischen Nachführung auch gleich "Goto", um das händische Suchen der Objekte zu überspringen?
DeepSky ist viel mehr als Galaxien. Dazu gehören auch
- Reflexionsnebel
- Emissionsnebel
- Dunkelnebel
- Planetarische Nebel (Überreste von "ausgebrannten" Sternen
- Supernovaexplosionen
- Kugel- und offene Sternhaufen
Um sinnvoll abschätzen zu können, welches Zubehör (Brennweite vom Okular, verschiedene Filter) man für welche Objektklasse am besten an einem bestimmten Teleskop benutz, kommst um das Lesen von Fachliteratur nicht drum rum. Das sagt Dir der Katalog vom "Goto" nämlich nicht.
Zudem mußt Du auch beim Einsatz einer "Goto-Montierung" zumindest rudimental die Sternbilder und hellsten Einzelsterne kennen, denn damit die Steuerung weiß, wohin das Teleskop guckt, muß sie zu Beginn der Beobachtungsnacht erstmal eingenordet werden sowie ein paar Referenzsterne anfahren und an denen geeicht werden, damit nachher auch das ausgewählte Objekt im Okular sichtbar wird.
Für genußvolle DeepSky Touren mit dem Teleskop brauchst als Untergrenze 8" Öffnung. Also Dobson oder Newton auf automatischer azimutaler oder parallaktischer Nachführung. Linsenteleskope mit dieser Öffnung sind bei Deinem Preisrahmen nicht drinn.
Parallaktische Nachführungen sind nur dann ein "Muß", wenn später definitiv die Fotografie dazukommen soll. An sonsten tut es auch eine (günstigere) azimutale Nachführung.
Damit ein Beobachtungsabend ein Erfolg wird, solltest Du Dir vorher ein bissy überlegen, was Du an dem Abend angucken möchtest. Du mußt z.B. beachten, welche Mondphase gerade herrscht. Hängt der Mond als helle Laterne am Himmel, werden nämlich flächige Objekte (Nebel, Galaxien) fast unsichtbar. An so einem Abend ist es sinnvoller, sich auf die Beobachtung von Sternhaufen und Doppelsterne zu konzentrieren.
Neben der Mondphase mußt Du Dir auch Gedanken darüber machen, wo Deine Zielobjekte am Himmel stehen. Je nach Jahres- und Uhrzeit stehen die ausgewählten Objekte schön hoch am Himmel oder sind sehr tief am Horizont. Gut für die Beobachtung ist es, Objekte auszusuchen, die hoch am Himmel stehen.
Flach am Horizont muß ihr Licht sehr schräg durch die dreckige, turbulente untere Luftschicht. Dadurch verlieren sie an Helligkeit und Schärfe und der Beobachtungsgenuß hält sich arg in Grenzen.
Auch diese beiden Überlegungen nimmt Dir das "Goto-System" der Nachführung nicht ab.
Du siehst, theoretische Überlegungen vor dem Spechtelabend haben ihren Sinn

...
"Schnelle" oder "Langsame" Öffnungsverhältnisse beim Teleskop:
entscheidest Du Dich für ein "schnelles" Teleskop (f=4 bis f=6), brauchst anspruchsvollere (teurere) Okulare als bei langsamen (f=8 oder f=10) Teleskopen. Vorteil der schnellen Öffnungsverhältnissen ist, daß der Tubus vom Teleskop kürzer ist (=weniger Gewicht), helleres Bild im Okular und Du brauchst keine Leiter zum Beobachten in Zenitnähe.
Das Aussehen eines Teleskopes (Größe/Länge, Volltubus oder Gitterrohrkonstruktion, durch jahrelangen Gebrauch äußerlich "zerkratzter" oder abgegriffener Lack am Tubus/Stangen) sagt überhaupt nix aus über die Qualität des Teleskopes. Weder die Qualität vom Spiegel, seine Justierung noch die inneren Werte der Okulare lassen sich vom blosen "Angucken" beurteilen.
Nur "Durchgucken" und "Vergleichen" mit verschiedenen Teleskopen macht schlau. Auch das Ausprobieren von verschiedenen Okulartypen und Filtern an ein und dem selben Teleskop beim gleichen Deepsky Objekt bringt ein "Aha-Erlebnis".
Das mußt Du vor der Kaufentscheidung in der Praxis auf einem Teleskoptreffen oder in einer Beobachtergruppe oder Sternwarte machen. Das kann Dir hier keiner abnehmen.
Zur visuellen Wahrnehmung im Okular:
es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen einem gelungenen Astrofoto und dem Anblick im Okular.
Fotografien von Doppelsternen und Sternhaufen geben einigermaßen den Eindruck mit dem Auge wieder. Aber alles, was flächig ist (alle Nebel und Galaxien) ist ein völlig anderer Seheindruck. Zuerstmal ist alles Grau vor dunkelgrauem oder fast schwarzem Hintergrund. Und dann eher so, also ob man einen Wattebausch mit den Händen in Form gezupft und dann mit hellgrauer Farbe angesprüht hat. Oder als ob mann Zigarrenrauch beobachtet. Bei den allermeisten Deepsky Objekten sind mit dem Auge nur die allerhellsten Strukturen überhaupt sichtbar. Damit man auch etwas schwächere Ausläufer dieser Objekte erkennt, muß man zuerst mal für 30 oder 40 Minuten die Augen an die Dunkelheit gewöhnen. Stichwort "Dunkeladaption". Das Sehen durch ein Teleskop muß man auch erlernen. Stichwort "indirektes Sehen". Dieses indirekte Sehen mußt Du erstmal lernen. Das dauert seine Zeit.
Bitte googel mal nach diesen beiden Begriffen...
Die Sterne und Deepsky Objekte laufen Dir nicht weg. Bitte beschäftige Dich erstmal mit den theoretischen Grundlagen, dann hast Du ein viel besseres Gefühl dafür, was ein Teleskop prinzipiell leisten kann und welche Kriterien für Deine Wünsche beim Kauf eines Teleskopes wichtig sind.
Während dieser Zeit solltest Du Sternwarten besuchen und durch deren Teleskope durchschauen und auch mehrmals in ein Planetarium gehen, um ein bissy was über die Sternbilder und ihre Sichtbarkeit im Laufe eines Jahres zu lernen.
Liebe Grüße
Fee