Hallo Jochen,
wenn's noch interessiert, meine Meinung dazu:
Der Deep Sky Reiseatlas ist handlich und übersichtlich. Stärken: Daten zu den Objekten, in der Neuauflage zahlreiche zusätzliche Aufsuchkarten auf der Datenseite, dort höhere Grenzgröße. Gute Abstufung/Darstellung der Sternhelligkeiten. Schwächen: keine "allgemeine" Objektauswahl nach irgendeinem einheitlichen Vollständigkeitskriterium, sondern maßgeschneidert für den Deep Sky Reiseatlas. Das kann man aber auch als Vorteil sehen. DSRA und DSRF ergänzen sich hervorragend.
Star Guide: gefiel mir beim Durchblättern gar nicht. Das Kartenbild finde ich unübersichtlich, die Abstufung der Sternhelligkeiten überzeugt nicht.
Cambridge Star Atlas 2000: früher mein Übersichtsatlas in Ergänzung zur Uranometria. Bis zum Erscheinen des S&T Pocket Sky Atlas (s.u.) in dieser Funktion m.E ungeschlagen. Ich habe diesen Atlas auf einigen Reisen dabeigehabt und kam damit prima zurecht.
Sky Atlas 2000: habe ich früher mit 8,5" viel benutzt, in letzter Zeit auch wieder ab und zu mit dem ED80 bei Schnellspechtel-Einsätzen. Ich habe die laminierte Field Edition (weiße Sterne auf schwarzem Grund) und würde davon abraten. Man kann nichts mit Folienstift einzeichnen und die Oberfläche reflektiert unter Rotlicht. Trotzdem gebe ich den Atlas nicht mehr her.
Uranometria: Damit habe ich fast immer gefunden, was ich suchte. Der Datenband dazu ist gut, aber insgesamt drei Bücher mitzunehmen um komplett versorgt zu sein ist schon eine Menge Platz und Gewicht.
Last but not least, klein und fein: der Pocket Sky Atlas von Sky&Telescope. Für meinen Geschmack sehr ästhetisches und übersichtliches Kartenbild, sinnvollster mir bekannter Blattschnitt, Objekte nach definierten Vollständigkeitskriterien ausgewählt, Spiralbindung (bleibt offen liegen) und wirklich handlich. Nachteil: die Handlichkeit bedingt geringe Grenzgröße und Detailliertheit. Ich schätze diesen kleinen Atlas denn auch eher zum schnellen Nachschlagen und als Ideengeber für Schnellspechteltouren. Für den großen Dobson definitiv tzu wenig.
Für "ernsthaftes Kartieren" führt m.E kein Weg an geeigneter Software vorbei. Früher habe ich die Karten zuhause mit Guide ausgedruckt und in einen Ringordner mit Sichthüllen verpackt, heute läuft Eye&Telescope auf dem Notebook und komfortabler geht's nicht. Da hat man alle Daten mit wenigen Klicks vor sich und die Karten stimmen sehr schön mit dem Anblick im Okular überein. Für den Dobson kann ich die Karten in 10° Schritten per Mausrädchen drehen, bis es passt. Rein- und Rauszoomen auch per Mausrad. Blättern und Suchen nach anderen Karten entfällt.
Mit Software kann man die Helligkeiten der Sterne so zeigen lassen, wie man es als realistisch empfindet. Die meisten Programme bieten dazu Einstellmöglichkeiten. Es lohnt sich, mit der persönlichen Lieblingssoftware hierfür optimale Einstellungen auszutüfteln. Ich finde, dass gerade hier der Schlüssel zum Nutzen von Aufsuchkarten liegt. Man sucht sonst nach geometrischen Mustern, die aber so nicht ins Auge fallen weil die Helligkeiten uns andere Muster sehen lassen. Für Eye&Telescope habe ich während der Entwicklung verschiedene Techniken der Helligkeitsdarstellung ausprobiert. Nun kann man zwischen Scheibchen (v.a. für den Druck) und einer Art "Point Spread Function" Darstellung umschalten, bei der die Helligkeitsverteilung eines Sterns in Anlehnung an eine Normalverteilung (Gausskurve) gezeichnet wird. Das wirkt im Druck etwas flau, sieht aber am Bildschirm einfach nur gut aus.
Gruß und clear skies,
Tom