Hallo Christian und herzlich Willkommen im Forum,
Du willst also mit rund 250-300 Euro einsteigen, dann sehn wir mal...
Was braucht der Einsteiger? Es sollte meines Erachtens eine Optik im Budget sein, die in allen Vergrößerungsbereichen gut und nachhaltig freudvoll nutzbar ist. Also a) geringe Vergrößerung und große Felder, b) mittlere Vergrößerung und c) hohe Vergrößerungen. Zusätzlich zum Budget für das Teleskop sind diese Bereiche okularseitig abzudecken.
Damit die Okulare überhaupt ins Budget passen, muß auf einfachere (preiswertere) Designs zurückgegriffen werden, daher würde ich allzu schnelle Teleskope (f/4, f/5; Verhältnis von Öffnung zu Brennweite) eher ausschließen.
Die vorgeschlagenen 114/900 oder 130/1000 würden mit etwa f/8 diese Bedingung erfülllen. Allerdings auch ein Dobson etwa 200/1200 (f/6).
Wenn ich mir die Werbung des 130/1000 so ansehe, habe ich einige andere Einschätzungen als der Text dem unbedarften Leser glauben machen will. Das ist aber in allen Bereichen in der Werbung so üblich. Oft fragen Neueinsteiger im perönlichen Gespräch dann nach einer Einschätzung durch bewanderte Sternfreunde. Diese kann ich gern mal hier abgeben:
Im ersten Satz wird eine brillante Newton-Optik mit dem Produkt (130/1000) in Verbindung gebracht. Dies ließe sich über Nachfragen präziser erfassen:
1. Ist es ein parabolischer Hauptspiegel oder nur eine Sphäre. (Wäre es ein sphärischer, käme der bei perfekter Form und perfektem Fangspiegel auf 82% Strehl - gerade so eben beugungsbegrenzt. Ein perfekter parabolischer hätte 100% Strehl. Das ist das Licht, welches durch die Geometrie an die Stelle der Abbildung geht, wo es hinsoll und nicht irgendwo sonst hin.) Ist es ein parabolischer, dann dürfte wohl alles in Ordnung sein. Wenn nicht, würde ich bei dem Preis für das Gesamtpaket von Abstrichen im Hochvergrößerungsbereich ausgehen, die für mich letztlich die Bedingung für ein nachhaltig freudvoll und universal bzgl. Vergrößerung nutzbares Einsteigergerät nicht mehr erfüllen. Auf jeden Fall nachfragen, ob der Hauptspiegel parabolisch ist. Ist er das nicht, sind auch die im Text folgenden Passagen (scharf, naturgetreu) entsprechend einzuschätzen. Wie bereits gesagt: das ist in der Werbung ja nichts neues.
2. "Wesentlich mehr Licht als ein 114mm-Teleskop". Definitionsfrage von "wesentlich". (130²/114²=1,300...) Für die logarhythmische Empfindlichkeitskurve des Auges bezogen auf punktförmige Lichtquellen würde ich das eher als "deutlich unwesentlich" erachten. Für flächenhafte Quellen (Nebel, Mond, Planeten in Hochvergrößerung, Galaxien) ist sowieso die Austrittspupillengröße und die Hintergrundhelligkeit (Lichtverschmutzungsgrad) entscheidend. Da sind beide Teleskope (114/900 und 130/1000) mit ihrem 1,25"-Okularauszug mehr oder weniger auf 32 (40) mm-Plössls festgelegt, die gerade mal 4-5 mm AP liefern. Meist ist das auch ausreichend, wenngleich am 200/1200-Dobson mit seinem 2"-Okularauszug auch mit geeignetem 2"-Oku 6 mm AP und Weitwinkligkeit zugleich möglich sind. Das ist dann in meinem Empfinden eben nicht "ausreichend" sondern "spitze". Bei der dann geringen Vergrößerung zeigt sich dann: 1. Eintauch-Effekt (WW), 2. große Objekte passen ins Bildfeld (Plejaden, Sternfelder, große Nebel), 3. Rockerbox sehr stabil und einfach, 4. bei der geringen Vergrößerung sehr seltenes Nachschubsen. Laaaange genießen.
Zu Stativ und Montierung kann ich nichts sagen, da ich sie nicht kenne. Bei dem sehr günstigen Preis für das Gesamptpaket würde ich wohl an Deiner Stelle mit erfahrenen Kollegen mal zu einem Händler fahren und mir das an Ort und Stelle ansehen. Da kann man schnell mal testen, wie lange das schwingt und ob auch alle wesentlichen Abmessungen passen (ordentliche Rohrdurchmesser, Verbindungsstücke aus Metall etc.). Vielleicht schreibt uns aber auch noch jemand über seine Erfahrungen mit der Montierung.
3 Plössl-Okulare klingt gut. Super-Plössl klänge besser (i. d. R. bessere Verarbeitung, Innenschwärzung, Linsenkanten, Multi-Coating aller Flächen, als 32er volles 1,25"-Feld). Optimierte Brennweiten wären noch besser: m. E. auf jeden Fall 32 mm für volles Feld. Für etwa 15 mm würde man wohl eventuell schon gern ein preiswertes WW haben wollen, oder eine gute Barlow. Auch kurzbrennweitig sind WW beliebt. Ich würde mir - NACHDEM - ich mich für ein Teleskop entschieden hätte, die Okularfrage nochmal ganz klar stellen und mich hier im Forum umhören/hier posten. Ich finde in der Regel, daß es lohnt, die Paketangebote - eigentlich gänzlich - abzuändern.
Mit dem Sucher kann man leben, viele mögen Peilhilfen lieber, wäre auch zu überlegen, ob das Paket sich abändern ließe. Am besten mal ausprobieren.
Die LED-Taschenlampe ist sicher schlau, allerdings kann man sowas auch bei Plus als Stirnlampe oder zur Not ein LED-Fahrradrücklicht nehmen.
Prinzipiell gibt es bei Aktionen/Messen (ATT: 13.05. in Essen) sehr günstige Gelegenheiten. Die rund 4 Prozent des durchgestrichenen Preises in der Produktinformation des 130/1000 kommen mir da eher etwas belächelnswert vor.
Noch etwas Allgemeines: Die heute häufigen Einsteiger-Dobsons 200/1200 haben - so weit ich mich umhören konnte bei einigen Sternfreunden, habe auch selbst einen, und so weit ich hier schon reichlich gelesen habe: sowohl 2"-OAZ für große Felder in Weitwinkligkeit als auch parabolische Hauptspiegel (ggfs. nachfragen!) für wirklich nachhaltig freudvolle Hochvergrößerung. Mit f/6 sind sie relativ justageunkritisch, okularunkritisch (also gehen günstige Designs) und wirklich universell einsetzbar. Die Rockerbox dürfte die preiswerteste Montierung überhaupt sein. Gegenüber einem parallaktischen Newton ist man auch gewichtsmäßig bzw. Auto-beladungs-gänge-mäßig gleich auf: Dobs und Rockerbox gegen Newtontubus mit Schellen, Stativ, Gegengewichte mit Stange, Montierungskopf. Fraglos bieten heutige Dobsons die meiste Optik für investiertes Geld - wenn der Einsteiger sich im Niederpreisbereich befindet. Auch ist zu bedenken, daß Dobsons leicht noch getuned werden können (wenngleich sie auch ungetuned schon hohe Leistung bieten). Ein 200/1200-Dobson wird in der Zukunft eher von einem Reisegerät ergänzt. Ein kleiner Newton wird da eher durch eine große Öffnung ersetzt und ein Reisegerät wäre weiterhin fällig, wenn gewünscht. Des Dobsons Rockerbox kann für nichts anderes genutzt werden, ist dafür aber auch sehr sehr niederpreisig, des günstigen kleinen Einsteiger-Newtons Montierung kann höchstens noch kleinere Geräte aufnehmen, bei jeder in Richtung größer kommenden Ergänzung ist eine weitere fällig.
Dobsons können auch motorisiert werden: a) Dob-Drive (rechts-links und hoch-runter) als Produkt oder im Selbstbau, oder b) sogar EQ-Platform, auf die er gestellt wird (ebenfalls als Produkt oder im Selbstbau). Mit irgendeiner dieser Motorisierungsarten ist auch Web-Cam-Fotografie an Mond oder Planeten möglich. Das Nachgeschubse ist definitv vorbei.
Interessant wären noch einige Eckdaten Deiner Bedingungen:
- motorisiert mobil?, Himmelsqualität (Lichtverschmutzungsgrad)?
- Balkon/Garten (Sichtrichtungen, Breite)?
- Vorerfahrungen?
Ganz allgemein noch der Ratschlag, sich Sternfreunden in der Nähe anzuschließen und sich mit diesen unter dem bestirnten Himmel zu treffen, austauschen und durch deren Geräte schauen. Kontaktmöglichkeiten sind a) hier im Treffpunktforum, b) Messen/Teleskoptreffen c) Sternwarten/Vereine in der Nähe (GAD-Link links oben auf der astronomie.de-Portalseite) oder d) über das ebenfalls dortige Astromailfreundschafts-Portal.
Ich wünsche Dir eine besonnene Auswahl, schnell positive Kontakte zu Sternfreunden, klare Himmel und Top-Bedingungen,
Matthias Müller.