Hallo Roland,
vorab, ich kann zu beiden Kandidaten nichts konkretes beitragen.
Aber ich habe in den letzten drei Jahren ca. 10 Ferngläser verschiedener Formate ausprobiert und habe eine Idee, warum die Kritiken so unterschiedlich ausfallen.
Ferngläser sind extrem individuell und es ist beinahe unmöglich von den Erfahrungen einer Person auf die Eignung für eine andere Person zu schließen.
Brille, Gesichtsgeometrie, Haltung, Vorlieben, Vergleichsmöglichkeiten sind einige der Punkte, die eine Bewertung beeinflussen.
Daher finde ich es schwierig, konkrete Modelle zu empfehlen. Ein paar Anhaltspunkte vielleicht trotzdem:
Wenn das Glas für körperlich anstrengende Aktivitäten gedacht ist (Radfahren, Bergsteigen) oder oft einhändig benutzt werden soll, würde ich eher zu 6-7 facher Vergrößerung, aber nicht zu leichtem Gerät raten. Der Bildeindruck wird etwas ruhiger, das Wackeln stört weniger. 400-500g scheinen mir ein guter Kompromiss aus „Wackeldämpfung“ und Transportabilität.
So eine geringe Vergrößerung macht sich auch gut, falls das Glas oft in der Dämmerung eingesetzt werden soll. Ich habe ein richtig kompaktes 6x32, welches dank über 5mm Austrittspupille bis weit in die Dämmerung funktioniert.
Zu kleine und leichte Gläser fördern ebenfalls die Wackelei. Meine 6x15/16 muss ich sehr konzentriert ruhig halten, um etwas erkennen zu können. Dafür sind sie kleiner als eine Zigarettenschachtel.
Wenn es zwar leicht, aber nicht unbedingt kompakt sein muss, kommen auch kleine Porros in Betracht. Das federleichte Fujifilm eventum 8.21 z.B. ist als ‚reverse porro‘ immer noch sehr klein, bietet mit 8,2° ein riesiges Sehfeld bei guter Abbildung. Eine Klasse besser wäre das Nikon SE II 8x30, allerdings auch deutlich ausladender und massiv teurer.
Wenn anhand der Ansprüche dann ein paar konkrete Kandidaten feststehen, kommt man ums Probieren nicht herum.
Viel Erfolg bei der Suche und viel Spaß dann mit dem Fernglas!
Viele Grüße,
Sebastian