welches Fernglas für Taghimmel-Beobachtungen?

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Tobias_K

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Hallo,

ich suche ein (Allround-)Fernglas, das sich insbesondere auch zum Aufsuchen von Planeten und hellen Sternen am Taghimmel und in der Dämmerung eignet. Es kommt mir vor allem auf hohen Kontrast, Transmission, Streulicht-/Reflexunterdrückung und Schärfe in der Bildmitte an. Randschärfe und Gesichtsfelddurchmesser sind mir nicht ganz so wichtig. Eine farbneutrale Wiedergabe wäre ebenfalls wünschenswert.
Es sollte möglichst kompakt und leicht sein (Dachkant), so dass man auch länger damit freihändig suchen kann ohne zu ermüden.
Ich denke Durchmesser von 32-42 mm sind sinnvoll. Am Tage ist die Pupille ja eher klein.
Was die Vergrößerung angeht: Eine höhere Vergrößerung (10x-12x) verbessert zwar den Kontrast von Punktquellen zum Himmelshintergrund, andererseits ist das Glas dann schwerer ruhig zu halten. Ich finde das schon bei meinem 10x50-Porro-Glas nicht einfach.
Brillenträger bin ich übrigens nicht.

Preisrahmen: ca. 250-500 Euro.


bin gespannt auf Eure Kommentare,

CS,

Tobias
 
Hallo,

"Freihändig" und "Suchen" wird nur begrenzt erfolgreich sein, wenn es um die schwächeren Sterne / Objekte geht. Da musst du genau wissen, wo die sind und genau dort hinschaun, sonst fallen Sie dir einfach nicht auf, auch wenn sie im Gesichtsfeld sind.

Exakte Fokussierung, die auch bei völlig unstrukturierten blauen Flächen erhalten bleibt, Streulichtvermeidung am Auge aus allen Richtungen, ggf. Abblenden des Objektivs für bessere Schärfe/Kontrast, lange Taukappe zur Streulichtvermeidung vorne, möglichst hohe Vergrößerung, das wären so meine Ansätze. 45° oder 90° Winkeleinblick wird dann auch notwendig werden. Ob Filtereinsatz visuell was bringt?

Und genau wissen wo das Zeugt steht, also irgendeine Art von Montierung oder zumindest Peilhilfe.

Grüße,
Martin
 
Hallo Martin,

danke für deine Tipps!
Mir ist klar geworden, dass sich manche meiner Anforderungen widersprechen, wie "freihändig"/"geringes Gewicht" und "hohe Vergrößerung". Das Fernglas soll aber insbesondere dann zum Einsatz kommen, wenn ich kein Stativ mitnehmen kann.
Da ich nur ein Fernglas plane anzuschaffen, sollte es kein "Exot" sein, sondern eher ein Allrounder, wobei mir halt Kontrast und Mittenschärfe besonders wichtig sind.
Nach allem was ich bisher so gelesen habe und testen konnte, glaube ich, dass ein 8x42 Dachkantglas für mich das richtige wäre.
Also: Was ist das "beste" 8x42-Dachkantglas, das man für (max.) 500 EUR bekommen kann?

zum Beispiel:

viele Grüße,

Tobias






 
Hallo Tobias,

die von dir gelisteten Gläsern unterscheiden sich z.T. beträchtlich in ihren Gesichtsfeldern, ohne dass sich das in ihren Gewichten proportional widerspiegeln würde.
So weist das Bushnell-Glas bemerkenswerte 140m/1km auf, wie man sie sonst nur von 8x42-Porros kennt - und das bei bloß 635g! Rein von diesen beiden Aspekten her betrachtet schiene die Wahl klar, selbst wenn das Glas nicht gerade randscharf wäre (anzunehmen).
Einzig das Docter-Glas bietet mit 131m/1km auch noch ein großes Gesichtsfeld, bei allerdings 810g, was die Beobachtungsdauer schon einschränken dürfte.
Die anderen Gläser zeigen zum Teil einen nur sehr kleinen Bildausschnitt und nur das Nikon Monarch (610g) ist dabei noch etwas leichter als das Bushnell (allerdings mit Tunnelblick).
Dies nur mal in Hinblick auf die technischen Daten.
Großes Gesichtsfeld scheint mir fürs Aufsuchen wichtig zu sein, niedriges Gewicht verlängert die ununterbrochene Einsatzzeit.
Allenfalls das Steiner-Glas könnte dem Bushnell Konkurrenz machen, sollte es sich als optisch besser erweisen.

CS
Herbert
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Herbert,

danke für deine Antwort. Ich habe jetzt mal das Bushnell-, Steiner- und Vixen-Fernglas bestellt. Ich werde berichten, sobald ich sie getestet habe.

CS,

Tobias
 
Hallo,

ich habe die drei Ferngläser getestet:

- Bushnell Legend Ultra HD 8x42
- Steiner Sky Hawk Pro 8x42
- Vixen Apex Pro 8x42 DCF

Verarbeitung: Von allen dreien macht das Vixen äußerlich den hochwertigsten Eindruck. Die Fokussierung läuft sanft und spielfrei. Das Steiner wirkt sehr robust und eher für den "rauhen" Einsatz konzipiert. Es riecht etwas nach Gummi. Die Fokussierung läuft zwar nicht ganz so geschmeidig wie beim Vixen, ist aber spielfrei. Das Bushnell wirkt mit seinem dünnen Kunststoffüberzug etwas billig und die Fokussierung ist leider nicht spielfrei. Es hat auch den stärksten (Kunststoff-)Geruch.

Gesichtsfeld: Das Bushnell verfügt mit 140m/1000m über das größte Gesichtsfeld, gefolgt vom Steiner (122/1000) und dem Vixen (113/1000). Beim Vixen empfinde ich den Rand schon als etwas einengend, nicht mehr beim Steiner.

Farbeindruck: Das Bushnell besitzt aufgrund des speziellen ED-Glases die beste Farbkorrektur. Bei den anderen beiden kann man Farbsäume an starken hell/dunkel-Kontrasten erkennen. Ich habe sie jedoch nicht als störend empfunden. Das Bushnell-Bild hat aber im Gegensatz zu den anderen beiden einen leichten Rotstich. Das Vixen liefert die natürlichste und "lebendigste" Farbwiedergabe, dicht gefolgt vom Steiner.

Kontrast/Transmission: Besten Kontrast liefert das Vixen. Bei hellen Objekten in der Bildmitte (Laterne) sieht man beim Steiner Strahlen in vertikaler Richtung. Die Ursache ist Beugung an einer schlecht reflektierenden Dachkante: leuchtet man mit einem Laserpointer von hinten durch das Fernglas, sieht man eine dünne dunkle Linie, die den 8x aufgeweiteten Strahl zerteilt. Die Gesamttransmission wird aber dadurch nicht merklich verschlechtert. Im Gegenteil, das Steiner besitzt sogar von allen dreien im Roten die höchste Transmission von 81%, gemessen mit einem roten Laserpointer (ca. 630 nm), die anderen jeweils nur 76%. Im Grünen (532 nm) haben das Vixen und das Steiner jeweils 82% Transmission, das Bushnell 78%.

Schärfe/Auflösung: Das Steiner liefert die schärfsten Bilder. Beobachtet wurde eine Testtafel in ca. 30 m Entfernung und weiter entfernte Kirchturmspitzen. Auch Sterne machen im Steiner einen "Tick" nadelfeineren Eindruck als im Vixen, was bei diesem Test letztlich nicht überzeugen konnte. Beim Bushnell fiel schon das Fokussieren aufgrund der schlechteren Mechanik schwerer.

Fazit: Alle drei Gläser haben ihre speziellen Stärken und Schwächen. Das Bushnell ist das leichteste und liefert nahezu apochromatische Bilder. Allerdings ist es nicht ganz farbneutral und besitzt eine geringere Transmission. Auch die billigere Verarbeitung hat mich nicht überzeugt.
Das Vixen wirkt am hochwertigsten, ist kontrastreich und farbneutral aber der letzte "Schärfetick" fehlt und das Gesichtsfeld dürfte nicht noch kleiner ausfallen.
Das Steiner war für mich trotz der gröberen "Haptik" und gewisser Beugungseffekte der beste Kompromiss, letztlich war die Schärfe ausschlaggebend.

clear skies,

Tobias

 
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