Weltblick = Carl Zeiss Jena?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Spechtelengel

Aktives Mitglied
Hallo Carl Zeiss Jena-Expeten,

In ebay läuft ein Angebot mit der Überschrift „Fernglas Carl-Zeiss Jena“ ohne weitere Angaben.
Auf meine (und auch anderer) Rückfrage:
"Bitte Beschreibung und Überschrift um die Modellbezeichnung ergänzen! (Beispiele: Dekarem 10x50 ,Jenoptem 7x50, Deltrintem 8x30 o.ä.) Wichtig ist auch die Aufschrift "MC" oder "multi coated" und die Seriennummer! Vielen Dank!“
kam folgende Antwort.
„Hallo, leider kann ich nicht viel mehr Angaben machen. Auf der Verpackung steht Prismen Feldstecher u. Prism Glass. Auf dem Fernglas steht 7 x 50 coated optics u. Weltblick. Eine Nummer finde ich nicht auf dem Fernglas. Ich hoffe die Angaben helfen weiter.“

Ich war hartnäckig und fragte weiter, daraufhin bekam ich folgende Antwort:
„lt. Garantieurkunde u. Gebrauchsanweisung ist es ein Carl Zeiss Jena Fernglas. Auf der Orginalverpackung steht auch Carl Zeiss Jena u. das abgebildete Bild ist identisch mit dem Fernglas. Ich habe es geschenkt bekommen u. kann nur die Informationen weitergeben die ich in der Gebrauchsanweisung lese oder auf der Verpackung ersehe. Leider kann ich Ihnen keine weiteren Informationen geben, für mich ist es keine Falschangabe, anders wäre es, wenn es sich nicht in der Orginalverpackung befinden würde.“

Weiß jemand davon, dass Carl Zeiss Jena Ferngläser ohne CZJ-Logo mit der Aufschrift „Weltblick“ vertrieben hat?
Ich weiß, dass Carl Zeiss West (Oberkochen) gegen Carl Zeiss Jena lange wegen Urheberrechte prozessiert hat und auf manchem Glas auf Jena nicht das „Carl Zeiss“ Logo draufsteht. Was mich ein wenig stutzig macht, ist das Fehlen einer Seriennummer; die war doch auf jedem CZJ- Fernglas drauf?

Weiß jemand mehr Bescheid?
 
Betrug?

Hallo nochmals,
Ich habe alle Threads hier im Forum über das Fernglas "Weltblick" gelesen. Mehrere Teilnehmer an diesem Forum (u. a. Dirk Mohlitz) haben diese Fernglas gehabt aber es steht an keiner Stelle irgend eine Verbindung zu Carl Zeiss Jena.
Alles deutet darauf hin, dass das Glas "Weltblick" nichts mit Carl Zeiss Jena zu tun hat.

Wenn das richtig ist, dass hier ein Billigfernglas in der Originalverpackung eines Carl Zeiss Jena-Glases mit Garantieschein von CZJ angeboten wird, dann finde ich es als einen besonders unverschämt dreisten Betrug!

Hier der Link zum ebay-Angebot: Fernglas, Carl-Zeiss Jena

Wie ist Eure Meinung?

Gabriel
 
Betrug!

Hallo Gabriel,

ich bin beileibe kein CZJ-Experte, aber gestatte dennoch meine
kleinen Anmerkungen:

M. E. ein Betrug. Weltblick hat nichts mit CZJ zu tun.
Ich habe hier ein solches Weltblick 7x50, eben ein typisches
60/70er Glas, ähnlich den japanischen Revuegläsern.
Nichts besonderes, qualitativ erst recht nicht im direkten Vergleich
mit einem 7x50 CZJ Binoctem, welches ich hier auch da habe.

Viele Grüsse
Thomas
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Weltblick war fast ein Jahrzehnt ein Markennahme von Quelle. Unter diesem Namen wurden vor allem japanische und russische Gläser verkauft. Aber auch Zeiss Jena war Hauslieferant von Quelle und Neckermann - sogar über mehrere Jahrzehnte. Um an Devisen heranzukommen haben die im wahrsten Sinne des Wortes alles gemacht und alles drauf gedruckt, was der westliche Versandhandel wollte. Selbst in den schlimmsten Zeiten des kalten Krieges wurden die LKWs an der "Friedensgrenze" einfach durchgewunken und die Fahrer konnten so unbehelligt eine Zeit lang sogar gute Geschäfte mit offiziellen Zeiss Jena Produkten machen. Dass jedoch auf den von Quelle/Neckermann vermarkteten Produkten der Name Carl Zeiss Jena jemals offiziell auftauchte, wäre mir neu.

Das mit dem Rechtsstreit um den Markennahmen "Carl Zeiss" ist richtig, betraf aber nur die Märkte, auf denen West und Ost offiziell auftraten. So hat Jena seine Produkte zeitweise unter dem Label "aus Jena" verkauft, aber nicht unter anderen Namen.

Gruß
Walter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Betrug!

Hallo Tom,
Vielen Dank für Deine Antwort, diese sagt alles!
Jetzt überlege ich nur noch, wie ich reagieren soll: auflaufen lassen, d. h. nach erfolgreíchem Gebot dem "Gewinner" mitteilen, dass er kein CZJ-Glas ersteigert hat und ihm dringend raten, vom Vertrag zurückzutreten oder sofort in Aktion treten. Im ersten Fall muss der Anbieter wahrscheinlich die vollen ebay-Gebühren als Lehrgeld bezahlen, auch wenn er das Glas nicht verkauft hat. Ich grübele noch.
Übrigens: wenn er jetzt hier mitliest ist auch nicht schlecht, dann wird er wahrscheinlich sein Angebot schleunigst zurückziehen.

Grübelnde Grüße,
Gabriel
 
Zitat:

auch Zeiss Jena war Hauslieferant von Quelle und Neckermann
------------------------

Hallo Walter,

ist das wirklich wahr? Nach meiner Information war die Nachfrage nach Zeiss Jena Ferngläsern so gross, dass die oft mit der Produktion nicht hinterher kamen. In den 80er Jahren musste Zeiss Jena zeitweise sogar Jenoptems in Japan nachbauen lassen (die sogenannten 'fakes', die in GB verkauft wurden), aber mit Zeiss-label, denn der war erwünscht (das Patent-Problem bestand in den USA, wo die Geräte mit dem Label 'Aus Jena' verkauft werden mussten). Dann wäre es doch Blödsinn gewesen, Geräte als 'no name' an Quelle zu verramschen, vermutlich auch noch zu einem relativ niedrigen Preis.

Auf jeden Fall liefert der Name 'Weltblick' keinen Beweis dafür, dass das Gerät von Zeiss ist, und ich würde die Finger davon lassen.

Gruss,
Holger



 
Hallo Gabriel,

leider ist das Foto auf ebay so schlecht, daß man sich kein vernünftiges Urteil bilden kann. Gehäuse, Mitteltrieb und Form der Okulare ähneln einem Binoctem, aber das trifft bei manch anderem alten Billigglas ebenfalls zu. Wenn man das Bild nimmt und etwas an Kontrast und Helligkeit spielt, fällt oben an der Knickbrücke was weißes auf. Beim originalen Binoctem steht da hin und wieder "DDR". Man müßte den Anbieter mal fragen, was dort steht und welches Sehfeld angegeben wird. Was gegen ein CZJ Fernglas spricht, das sind die Objektivtuben. Da wo die Objektivtuben ans Prismengehäuse stoßen, kann man an selbigen einen schmalen, glatten, schwarzen Ring erkennen (nicht den Gehäusedeckel sondern direkt am Objektivtubus). Das kenne ich von meinen CZJ Gläsern nicht. Die Aufschrift "coated optics" könnte der Hersteller auf Wunsch des Vertreibers aufgestempelt haben und sooooo selten ist das ja auch nicht. Ob alle von Zeiss Jena in den Westen vertickten Ferngläser die fortlaufende Seriennummer trugen, weiß ich nicht. Schau Dir mal das 12x50 Weltblick auf ebay an, das hat eine ganz andere Nummerierung. Was nun wieder sehr verdächtig ist, die Objektivtuben ähneln denen des 7x50 Fernglases. Also ich hätte zumindest leise Zweifel. Aber so genau weiß man auch nicht, welche Sonderwünsche der Westdeutschen von den Ossis in Jena erfüllt wurden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Nochmal zum Weltblick

Hallo nochmal,

da ich zufällig ein Weltblick 7x50 und ein CZJ Binoctem 7x50 da habe:
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß CZJ unter
dem Label "Weltblick" gearbeitet haben, außer CZJ hat sich wirklich
tief herabgelassen.
Das Weltblick ist ein typisches "Revueglas" einfacher Bauart, zumidest
hat es runde APs.
Mechanisch und optisch kann das Weltblick in keinster Weise dem Bincotem
das Wasser reichen.

Viele Grüsse
Thomas
 
Hallo Holger,

die Nachfrage nach Zeiss Jena Gläsern war schon groß. Der Engpass waren aber nicht Produktionskapazitäten, sondern diejenigen Rohstoffe, die auf dem Weltmarkt gekauft und bezahlt werden mußten. So war es, wie Du richtig anführst, unter den gegebenen Umständen zeitweise wirtschaftlicher, ganze Chargen in Japan fertigen zu lassen. Bei dem Deal mit den Japanern handelte es sich aber weniger um Lizenzen oder eine verlängerte Werkbank, sondern um Kompensationsgeschäfte=Tauschhandel.

Bei den für Quelle und Neckermann produzierten Gläsern konnte man auf eben diese teuren Rohstoffe verzichten (nur so war es ein Geschäft, wenn überhaupt). Diese Gläser entsprachen keineswegs den Zeiss Jena Standards, weder optisch noch mechanisch.

Und gerade deshalb wird man denke ich peinlichst darauf geachtet haben, keine Verbindung zwischen Quelle/Neckermann und anderen und den in Jena hergestellten (Fremd-)Produkten zuzulassen. Eine Rückverfolgbarkeit dieser Produkte zum Hersteller Carl Zeiss Jena hätte dem Renomee sicherlich sehr geschadet.
Ich habe übrigens über den genannten Weg eines der frühen Octarems aus der Vorserie mit Fake-Seriennummer "erworben", dass mir noch heute gute Dienste leistet.

Gruß
Walter
 
Made in Japan

Hallo zusammen,

m.W. ist das so:

Mit dem Label "Weltblick" hat ein oder oder haben mehrere japanische Hersteller (vielleicht ein heute großer Name dabei?) von den 60er bis in die 80er Jahre alle möglichen Gerätschaften versehen, die für den deutschen (evtl. auch DDR) und evtl auch andere Märkte bestimmt waren. So wurden aus Cosina-Objektiven Weltblick-Objektive etc.

Japanische Ware, auch Optik, hatte seinerzeit noch keinen oder einen schlechten Ruf. Ein deutscher Name war die Lösung.

Es gab Weltblick-Fernseher, Videorecorder, Videokameras, Fotoobjektive, Ferngläser, Teleskope (!) und einiges mehr.

In D gab's Weltblick bei Neckermann (nur hier?)

Viele Grüße
Frank
 
Re: Made in Japan

Hallo zusammen,
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten,
Zunächst eine Klarstellung: Ich bin an dem Glas nicht interessiert und würde es auf keinen Fall kaufen, erst einmal weil ich kein 7x50-Glas kaufen will und außerdem, da es sehr zweifelhaft ist, ob das Glas wirklich aus Jena stammt. Eins ist sicher: es hat bei weitem nicht die hohe Qualität der Binoctem- und Jenoptem-Gläsern.
Es ging mir vielmehr darum, unerfahrene Leute davon abzuhalten, ein Billigglas aus Fernost unter dem Namen und in der Verpackung eines Carl Zeiss Jena-Glases zu ersteigern.

Meine Frage war deshalb: handelt es sich hier um eine Täuschung, gar einen Betrug oder nicht?
Diese Frage konnte nicht eindeutig geklärt werden, deshalb kann ich nichts gegen den Anbieter in ebay bzw. für die unbedarften und blauäugigen Käufer tun, was ich eigentlich ursprünglich vor hatte.
Das einzige, was ich noch tun kann, ist an dieser Stelle alles zusammenzufassen, was über dieses Glas in diesem Thread gesagt wurde:

1.) "Weltblick" ist ein Markenname von Quelle (und vielleicht auch Neckermann?) unter dem alles mögliche verkauft wurde, vor allem fernöstliche Produkte, so ähnlich wie die Marke "Revue" bis heute ist.
2.) Tom hat beide Gläser "Weltblick" 7x50 und Carl Zeiss Jena Binoctem 7x50, die nichts miteinander zu tun haben und vor allem optisch meilenweit voneinander entfernt sind
3.) Carl Zeiss Jena hat zeitweise auch Ferngläser an Quelle geliefert, wobei nicht klar ist, ob diese Ferngläser auch die Aufschrift "Weltblick" trugen oder nicht.
4.) Wegen der Rohstoff-Knappheit sollen auch Gläser minderer Qualität das Haus Carl Zeiss Jena verlassen haben.
5.) Wenn Gläser aus den CZJ-Werken niedriger Glasqualität das Haus verließen, haben die CZJ-Werke darauf geachtet, dass kein CZJ-Logo oder "Aus Jena"-Hinweis auf den Gläsern steht
5.) Sollte das in ebay angebotene Glas tatsächlich aus Jena stammen, so ist es mit sicherheit von niedrigerer Qualität (siehe die Postings von tom1970) und in der Qualität nicht mit einem Binoctem / Jenoptem zu vergleichen.

Für mich bleiben weitere Widersprüche im ebay-Angebot:
- wenn das Glas tatsächlich in einem Karton und mit Bedienungsanleitung von Carl Zeiss Jena verpackt war, warum sieht man ein anderes Karton auf dem Bild?
- warum steht in der Beschreibung nicht, dass das Glas in der Originalverpackung geliefert wird?

Aber - es gibt auch Anbieter, die sich nicht auskennen!

Fazit: es ist nicht mit Sicherheit auszuschließen, dass das Fernglas doch von Carl Zeiss Jena stammt. Eins ist nur sicher: Das Glas ist minderwertiger Qualität und nicht mit den bekannten 7x50-Gläsern aus Jena zu vergleichen. Aber über Qualität hat der Anbieter nichts behauptet!

Zweifelnde Grüße,
Gabriel
 
Re: Made in Japan

Hallo Gabriel,

ich glaube, dass wir mit diesen Informationen der Sache schon ziemlich auf den Grund gegangen sind. Anhand Walter's Ausführungen muss man davon ausgehen, dass in Jena auch Billigferngläser montiert worden sind. Arbeitskraft war vorhanden und billig, nur Rohstoffe nicht immer. Daher haben die diese Dinger in Jena zusammengeschraubt, mit Rohmaterial von sonstwo her. Diese Ferngläser stammen dann wirklich aus Jena, haben aber, wie Du bereits gesagt hast, nichts mit den klassischen Baureihen zu tun. Der Verkäufer muss daher durchaus kein Betrüger sein. Und solange er es nicht als 'Binoctem' anbietet, kann man ihm nichts vorwerfen.

Gruss,
Holger
 
Re: Made in Japan

Hallo Frank,

bei Cosina liegst Du falsch, denn Cosina ist ein japanisches Herstellerwerk und nicht nur ein Handelsname. Hier die Historie:

1959 Gründung der Fabrik für Linsenherstellung Nikoh Co., Ltd.
1966 Produktionsbeginn von 35mm Kompaktkameras und 8mm Schmalfilmkameras
1968 Gründung der Fabrik zur Herstellung von Kameras (jetzt Firmensitz und Fabrik von Cosina).
1968 Die zusammenhängende Produktion vom Glasschmelzen über die Linsenherstellung,(Montage und Kameramontage bis zum kompletten Produkt).
1969 Produktionsbeginn der 35mm Spiegelreflexkameras
1972 Gründung von Iiyama (jetzt Iiyama Cosina Co., Ltd.)
1973 Umfirmierung in Cosina Co., Ltd.

Cosina vertreibt seine Produkte u.a. unter den Markennamen Iijama, Walimex und Cosina und produziert für Voigtländer und sicherlich viele andere.

Gruß
Walter
 
Re: Made in G.D.R.

Hallo Holger,

> Arbeitskraft war vorhanden und billig, nur Rohstoffe nicht immer.

das ist nichts neues und galt in der DDR für Elektronikprodukte genauso wie für Kaffee, Limonade oder Tütensuppen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Daraus würde ich nicht zwingend schlußfolgern:

> Daher haben die diese Dinger in Jena zusammengeschraubt, mit Rohmaterial von sonstwo her.

So schnell entstehen Gerüchte <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Es ist ebenso nicht neu, daß man in der DDR für Devisen (sprich DM) seinerzeit (vielleicht nicht alles) aber beinahe alles gemacht hätte. Ich für meinen Teil kann nicht belegen, daß man bei Zeiss Ost optische Gurken für westdeutsche Kundschaft gezüchtet hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Ich habe hin und wieder CZJ Ferngläser auf ebay gesehen, die wohl in der BRD verkauft wurden und einfach ein "M" als Aufschrift trugen. Es gibt auch hartnäckige Gerüchte, daß CZJ für Porst Ferngläser gebaut hat, die einem CZJ Original allerdings verdächtig ähnlich sahen. Man sollte in der Richtung besser mal bei Docter nachfragen. Vielleicht gibt es ja noch Mitarbeiter, die wirklich wissen, was bei Zeiss Jena produziert wurde und was nicht?

Was mich bei der Gelegenheit noch interessiert: welche Rohstoffe für ein Dekarem 10x50 mußte man denn teuer auf dem Weltmarkt einkaufen? Die Frage geht auch an Walter, von ihm stammt der Gedanke ...

Frank.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Made in G.D.R.

welche Rohstoffe für ein Dekarem 10x50 mußte man denn teuer auf dem Weltmarkt einkaufen?

-----------------------

Hallo Frank,

auch wenn das Glas von Schott vor Ort produziert werden konnte, musste dies ja nicht unbedingt die billigste Lösung gewesen sein. Vielleicht war es ja (für die angesprochenen, hypothetischen Low-End Ferngläser) einfacher, eine Ladung Rohlinge aus Japan zu importieren, plus Gehäuse, und die vorhandenen Kapazitäten zu nutzen, um die Ferngläser fertig zu stellen, anstatt herumzusitzen und auf die nächste Materiallieferung für die Dekarems zu warten.

Bewiesen ist damit nichts, und ich interpretiere auch nur Walter's Vorgaben. Gegenfrage: Wenn nicht auf diese Weise - wo sonst soll Neckermann die Jena Gläser her haben (oder hatten die jetzt doch nicht)?

Gruss,
Holger
 
Re: Made in Japan

Hallo Walter,

da hast Du mich falsch verstanden, genau das habe ich gemeint:

Cosina = japanischer Hersteller

Weltblick = Handelsname von Produkten, die unter anderem von Cosina produziert wurden. Sprich: Weltblick steht drauf, Cosina ist drin (so wie bei der Noname-Tütensuppe Maggi oder Knorr dahinterstecken kann).

Hier ein Objektiv, auf dem Hersteller und Handelsname zu finden sind:

http://www.designundphoto.de/bilder3/0148-cosina-weltbild-1750.jpg

Viele Grüße
Frank
 
Re: Made in G.D.R.

Hallo Frank,

meine Informationen habe ich aus meiner Verwandtschaft väterlicherseits. Von denen haben einige über zwanzig Jahre dort in den Bereichen Qualitätssicherung und Materialversorgung gearbeitet.

Was das im Einzelnen für Rohstoffe waren, habe ich im Moment nicht parat - ich könnte mich aber vielleicht erkundigen, mal sehn.

Aber auch ohne Insiderwissen findet man Indizien für die Probleme bei der Rohstoffbeschaffung, insbesondere bezüglich der Herstellung optischer Gläser, im schon recht umfangreichen Zeiss-Archiv.

Neben den wechselnden Themen ziehen sich folgende Schlagworte wie ein roter Faden durch sämtliche Vorlagen zu den Kombinatsleitungssitzungen, soweit ich gesehen habe von 1959 bis 1989 (ich zitiere nur auszugsweise, Beispiel 1978):

Rohstoffsicherung (Import) und Bedingungen für die Herstellung hochqualitativer optischer Gläser; Qualitätsvergleich der Rohstoffe mit Material der Fa. Schott Mainz;...Qualitätssicherung (Optisches Glas); Fertigungstechnologie (Optisches Glas); ....Rohstoff-Anforderungen für (1978)....Importvorlage optische Gläser, Vergütungs- und Hilfsrohstoffe....Importanträge USA....Importanträge BRD....Importanträge Japan....Exportvorlagen...

Man kann die Details übrigens (allerdings nicht online) einsehen.

Gruß
Walter

P.S. : Ich habe nie behauptet, dass man bei Zeiss "Gurken" zusammengebaut hätte (war ja schließlich keine LPG).


Nachtrag: den wichtigsten Punkt für unsere Diskussion hätte ich fast vor lauter Rohstoffen vergessen: bei den ebenfalls regelmäßig behandelten "Exportvorlagen" tauchen hin und wieder die Unterpunkte "Carl Zeiss Jena", "Weitere" und "Lizenzen" auf. Was sich darunter im Detail verbirgt habe ich nicht recherchiert.
Nochmals zu den Rohstoffen: hier kenne ich wie gesagt die Details noch nicht, es läßt sich aber nachlesen, dass wohl selbst die Importe aus sozialistischen Ländern entweder durch Kompensation (Tausch) oder mit "frei konvertierbarer Valuta" beglichen werden mußten.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Made in Japan

Hallo Frank,

vielen Dank für die Info. Da habe ich wohl wirklich was falsch verstanden. Dein Beispiel ist sehr interessant und deutet möglicherweise darauf hin, dass keiner der Hersteller oder Vertreiber den Namen "Weltblick" hat schützen lassen. Wenn also "Weltblick" vom einen zum anderen weitergereicht wurde oder gar gleichzeitig von mehreren Quellen benutzt wurde, werden wir wohl nie herausfinden welches "Weltblick" von welchem Hersteller stammt. Bei Deinem Beispiel ist alles klar. Es gibt aber auch eine Menge Ferngläser und Objektive, auf denen nur "Weltblick" steht und die Schriftzüge als solche unterscheiden sich auch.

Gruß
Walter
 
Re: Made in G.D.R.

Hallo Walter,

auf die Idee, im Zeiss Archiv zu stöbern, bin ich gar nicht gekommen. Ich hatte vor einiger Zeit dort mal Bildmaterial gesucht und war erstaunt, was alles archiviert ist. Wäre schon interessant zu wissen, wie man in Jena Glas geschmolzen und vergütet hat und wie die Vorratsbeschaffung so vor sich ging <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Daß in der DDR alles mögliche Mangelware war, ist ja kein Geheimnis. So würde es mich am Ende auch nicht wundern, wenn die Zutaten zu CZJ Optik in Teilen aus westlichen Quellen stammten. Obwohl in der DDR für die dort ansässige Bevölkerung vieles relativ billig war, so gehörte Optik nicht dazu. Ferngläser, Mikroskope oder Teleskope aus Jena waren für Ottonormalverbraucher kaum erschwinglich. Wenn die Herstellung bei CZJ von Importen abhängig war, dann wundert mich die damalige Preisgestaltung nicht. Im Dresdner CZJ Industrieladen stand über viele Jahre ein und derselbe AS 100/1000 auf 1b-Montierung und Glockensäule im Schaufenster und keiner wollte ihn haben. Wenn das der Markus Ludes gesehen hätte <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Re: Made in G.D.R.

> Wenn nicht auf diese Weise - wo sonst soll Neckermann die Jena Gläser her haben (oder hatten die jetzt doch nicht)?

Hallo Holger,

vielleicht hat Neckermann lizensierte CZJ Gläser in Japan eingekauft? Ich denke, hier können wir nur spekulieren. Man müßte sich mal ein paar Tage Urlaub nehmen und das Zeiss Archiv sichten. Bis dahin halte ich mich lieber an die Originale <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Re: Made in G.D.R.

Hallo Frank,

vielleicht schreibt ja mal jemand ein Buch "deutsch-deutsche Geschichte der Firma Carl Zeiss von 1945 bis 2000" ohne Beschönigungen und Weglassungen, dass diesen Namen wirklich verdient. Aber bis dahin müssen sicher noch einige Jahrzehnte ins Land gehen.

Gruß
Walter
 
Re: Made in G.D.R.

Hallo Frank,

dieses Buch kenne ich nicht. Der Autor müßte eigentlich für Authentizität bürgen, klingt jedenfalls gut. Einige andere Bücher zu dem Thema habe ich bestellt aber nach Durchsicht nicht gekauft. In verschiedenen Rezensionen habe ich immer wieder Vorbehalte gelesen, mit der Begründung, dass diese Bücher von der Carl Zeiss Stiftung oder der Carl Zeiss AG gesponsert wurden. Vorbehalte deshalb, weil die jüngste und interessanteste Zeit von etwa 1985 bis ca. 1995/2000 sehr oberflächlich und quasi wie im Galopp behandelt wird. So soll es angeblich seit Mitte der 80iger (Gorbatschow-Ära) weitreichende, gemeinsame Planungen von Zeiss Ost und West an allen staatlichen Institutionen vorbei gegeben haben, die ja offensichtlich später gescheitert sind. Sollte das nicht nur ein Gerücht sein (ich weiß es nicht), dann fände ich das hochinteressant.

Selbst habe ich damals folgendes erlebt: Im Oktober 1987 bekam die Elektromaschinenbaufirma, in der ich damals arbeitete, ganz überraschend Besuch von einer Delegation des Kombinats Robotron, die uns ganz offen und unverblümt Kooperationen für (Zitat) die Zeit danach (Zitatende) anboten. Wir haben damals nur freundlich gelächelt, wie wohl alle im Westen, die gerade zu dieser Zeit jedweden politischen Umbruch für völlig unrealistisch gehalten haben.

Ich werde mir das Buch sicher einmal anschauen. Danke für den Hinweis.

Gruß
Walter
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Made in G.D.R.

Hallo Walter,

ich habe mir den Band 3 gleich mal bestellt. Der Titel hört sich interessant an. Ob es sich lohnt, werde ich sehen, wenn das Buch da ist. Mal schauen, vielleicht finden sich ein paar Hinweise zu den von Dir angesprochenen Kooperationsbemühungen. Das Buch sollte sich zumindest einfacher lesen lassen wie das Zeiss Archiv <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.

Frank.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben