Hallo zusammen,
ich habe mich in den letzten Tagen mit Andreas beraten und wir sind uns einig, dass ich den Spiegel für ihn fertigstellen werde. Wir haben natürlich über die Schwierigkeit allgemein und auch die Bedenken gesprochen, die hier im Thread aufkamen. Wir sind uns darüber bewusst, dass es einfachere Projekte gibt.
Ich wollte gerne diesen Rohling fertigstellen, eben weil es nicht einfach ist! Mir gefällt die Herausforderung

Maschinen, Messmittel und Erfahrung sind eh vorhanden.
Wir haben auch über die Problematik des unkontrollierten Verbiegens im Teststand gesprochen. Mir persönlich wäre es auch lieber, wenn der Rohling etwas dicker wäre, einfach um messtechnisch in einer besseren Situation zu sein. Da ich schon mehrere Optiken im Verhältnisbereich 14:1-18:1 fertiggestellt habe, kann ich Kurts Bedenken hier sehr gut nachvollziehen. Aber ich möchte da unterscheiden zwischen einem anonymen Spiegel, den man einmalig nachmisst und einem Spiegel, den man über Wochen selber fertigt. Denn für letzteren entwickelt sich ein gewisses Gefühl dafür, ob es reale Probleme mit Astigmatismus gibt, oder ob wirklich nur reiner Teststandasti vorliegt, der etwas Fieses vortäuschen oder schlimmer verschleiern könnte. Vor allem, wenn man mit den großen Dünnen schon einiges an Erfahrung sammeln konnte. Um dieses Gefühl in einem bestimmten Fall zu bekommen sind einige Messungen während des Entstehungsprozesses nötig – aber es geht.
So habe ich auch schon mal bei einem schnellen Spiegel mit einem sehr großen Durchmesser-Dicken-Verhältnis
in Absprache mit dem guten Sternfreund, für den ich diesen Spiegel gemacht habe, den Astigmatismus in der Auswertung ausgeschaltet, um überhaupt Messwerte (Asti erster Ordnung eben ausgenommen!) vermitteln zu können. Es gibt ja auch noch andere Abweichungen von der Idealform, die quantifiziert werden wollen…
Ich beschrieb ihm die Problematik und schrieb auch, dass ich mir sicher bin, dass der Spiegel keinen Asti hat. Wir einigten uns darauf, dass er vor dem Verspiegeln einen Sterntest zu machen hat. Ergebnis: kein Astigmatismus feststellbar und die Abbildung entsprach dem, was durch die interferometrischen Auswertung zu erwarten war – eine schön scharfe Optik

Bitte nicht falsch verstehen, ich will hier keine Lanze brechen für „grundsätzlich Asti ausschalten“, das auf keinen Fall! Ich will damit nur sagen, dass man bei der ganzen Messerei nicht den eigentlichen Sinn dieser aus den Augen verlieren sollte – irgendwann damit einen Spiegel auch mal fertig zu bekommen, damit man mit diesem endlich beobachten kann…
Ich glaube nicht, dass es die Idee des Threadstarters war, in diesem Thread theoretisch herauszuarbeiten, ob sich sowas nach allen Regeln der Kunst sauber messen lässt. Er will einen Spiegel, mit dem er mit Spaß beobachten kann – das WIE dürfte ihm dann relativ egal sein. So habe ich ihn zumindest verstanden und deswegen werbe ich etwas dafür, die Mittel nicht vor den Zweck zu stellen.
Richtig ist sicher, dass sich Andreas Gedanken um die Spiegelzelle machen muss. Aber auch da gibt es Möglichkeiten.
Lockwood ist ein kommerzieller Anbieter. Man muss nicht nach Amerika schauen, wenn man Anbieter mit verhältnismäßig dicken Spiegeln sucht. Alluna zum Beispiel ist da im Vergleich zu den Amateuren ziemlich konservativ und das bestimmt auch aus gutem Grund, wenn dahinter eine gewisse Kalkulation steht. Trotzdem sind schon sehr viele weitaus dünnere Spiegel als die von Alluna von Amateuren erfolgreich fertiggestellt worden, einige selbst ohne die Hilfe von Interferometern. Ich glaube, hier muss man zwischen Anbietern und den verrückten Amateuren unterscheiden, denn Letztere können es sich leisten, risikofreudigere Projekte mit Potential für Rückschläge anzugehen. Ob dann ein wesentlich dickerer Spiegel mit Strehl 0,99x auch wirklich diese „Performance“ am Himmel rüberbringen kann – das entscheidet sich dann aber auch damit, wie geduldig der Besitzer bei fallenden Temperaturen in der Nacht auf ein Abflauen des Wärmetransports vor der Optik warten kann
Viele Grüße,
Daniel