Wide-Field Beobachtungen unter Traumbedingungen

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Engl_Thomas

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Hallo Sternfreunde,

anbei mein gestriger Beobachtungsbericht:

Beobachtungen mit einem 127/820mm ordinären Fraunhofer-Refraktor aus dem Ransburgischen Sortiment:

Alle Beobachtungen erfolgten entweder mit dem 40mm Pentax Okular mit rd. 3,2° Gesichtsfeld und dem 9mm Nagler mit rd. 0,9° Gesichtsfeld. Das ganze war auf einer EQ-6 aufgesattelt. Noch einige Infos zum Beobachtungsplatz: Dieser liegt im Gschnitztal auf rd. 1200m Höhe. Die visuelle Grenzgröße lag in dieser Nacht bei 6,8mag (im Zenit) und fiel bei –30° Deklination auf rd. 6mag ab. Die Bedingungen waren sogar so gut, dass z.B. der Nordamerikanebel aber auch der Lagunennebel sehr leicht mit freiem Auge erkannt werden konnten.

Begonnen habe ich im Schwan mit dem Nordamerikanebel. Formatfüllend und sehr hell stand er im Gesichtsfeld. Es ist beinahe unmöglich alle sichtbaren Strukturen zu erfassen. Ein knapper Schwenk nach Westen und auch der Pelikan war da. Ebenfalls sehr hell, lässt sich auch seine typische Form am Okular sofort nachvollziehen. Von dort schwenkte ich das Rohr Richtung Schildwolke. Der nordwestliche Abbruch der Schildwolke ist eigentlich mit Worten kaum zu beschreiben. Tausende feinster Sternpünktchen und knapp darüber ein gigantisches Dunkelband, welches beinahe kein Sternenlicht mehr durchlässt. Weiter zu M16 und M17. Beide gleichzeitig im Gesichtsfeld. Bei M17 fällt sofort seine typische „Omegastruktur“ ins Auge. Der Adlernebel zwingt mich mal kurz zum durchatmen. Völlig plastisch schwebt er im Gesichtsfeld. Selbst mit knapp über 20facher Vergrößerung sind Details sichtbar wie ich sie eigentlich nur von guten Fotos her kenne. Mit eingeschraubten UHC Filter steigert sich das Erlebnis nochmals um ein vielfaches. Beinahe schneeweiß stehen beiden Nebel in einem enormen Sternenfeld.
Nach einer kleinen Pause ging’s weiter in Richtung Schütze, um alte Bekannte wieder mal zu treffen. Auch hier gilt: Selten so einen ästhetischen Anblick gesehen: Am oberen Gesichtsfeldrand steht der offene Sternhaufen M21. Leicht darunter versetzt der Trifidnebel, dessen Teilung auch ohne Filter ansatzweise erkannt werden konnte. Etwas östlich von diesem das sanfte glimmen des offenen Sternhaufens NGC6546, der auch überraschen groß wirkt. Wiederum etwas darunter im Gesichtsfeld thront der Lagunennebel, dessen Helligkeit schon fast blendet. Der darin eingebettete Sternhaufen scheint beinahe plastisch vorm Nebel zu schweben. Am untersten Gesichtsfeldrand erkennt man schließlich auch noch den kleinen Kugelsternhaufen NGC6544, der als eher schwaches, kreisrundes Nebelchen präsentiert. Nach Osten hin (immer noch im gleichen Gesichtsfeld) ist noch ansatzweise eine riesige Nebelregion zu erkennen, die von extrem vielen kleinen Dunkelnebel durchzogen wird.
Weiter östlich stoße ich schließlich auf die beiden Kugelsternhaufen M22 und M28. Beide natürlich gleichzeitig im Gesichtsfeld. Schaut man aber noch etwas genauer hin, sieht man auch die beiden schwächeren Begleiter NGC6642 (nördlich) und NGC6638 (südlich). Bei M22 macht ich mal eine kurze Ausnahme und beobachtete ihn mit dem 9mm Okular. Der gigantische Kugelsternhaufen zerfällt trotz nur mittlerer Öffnung in Hunderte feinster Sternpünktchen, mit immer noch nebeligen Hintergrund.

Leider machte sich zu diesem Zeitpunkt ein herannahendes Tiefdruckgebiet in Form von Wolken schon am Himmel bemerkbar. Aber ein Objekt wollte ich schon noch sehen. Also, entweder die Nebelregionen um Gamma Cyg oder der Cirrus. Ich entschied mich für letzteren und wurde nicht enttäuscht. Bewaffnet mit einem O-III Filter ein unbeschreiblicher Boahhhh..... Effekt. Der gesamte Cirrusbogen stand im Gesichtsfeld und auch die No-Name Teile in der Mitte waren sofort sichtbar. Der Nebel war wirklich beinahe an der Grenze zu einem reinweißen Anblick. Extrem war jedoch der östlich Nebelbogen der mit dem 9mm Okular in eine Vielzahl von Filamenten zerstob. Leider verhinderten die nun schon zahlreich vorhandenen Wolken eine weitere Beobachtung, aber ich war sowieso noch immer betäubt von den unglaublichen Wide-Field-Beobachtungen.

Trotzdem würde ich mir wünschen das mehr Sternfreunde die Möglichkeiten hätten, unter solchen Bedingungen, wie sie bei uns eigentlich üblich sind, zu beobachten.

schöne Grüße aus Tirol
Tom
 
Hallo Thomas,

schönen Bericht hast Du geschrieben, der aber nur ansatzweise das rüberbringt, wie es Dir vor dem Okular gegangen sein muß.

Wenn ich lese vo sanftem Glimmen bis zur blendenden Helligkeit werde ich richtig neidisch.
Hatte gestern abend so gegen 0 15 noch einen Blick (ohne Intrumente) in den Zenit geworfen, der Sommermilchstraße nachgeträumt und war einfach zu müde zum weiterträumen. Aber heute Nacht will ich hier in der Provence noch mal raus. Wetter ist noch klarer als gestern.

Vielleicht bleibt es ja so

CS
Dietmar
 
Hi Dietmar,

Stimmt, solche Beobachtungen kann man eigentlich gar nicht richtig in Worte fassen, da es eigentlich nicht nur um die Objekte geht, sondern um die Gesamtheit der Beobachtungsnacht. Und für mich, als einer, der normalerweise schwächsten Objekten am Himmel nachjagt, war diese Art der Beobachtung auch mal was ganz besonderes.

Aber heute Nacht will ich hier in der Provence noch mal raus. Wetter ist noch klarer als gestern.
siehst Du, diesmal bin ich neidisch, da Du anscheinend gutes Wetter hast. Bei uns meint die Voraussage dieses Wochenende Starkregen und Schnee bis 1500m!!!!!

Ich wünsche Dir aber für heute Nacht viel Glück, dass Du der Sommermilchstraße nicht nochmals nachträumen mußt.

Gruß
Tom
 
Hallo Thomas,

hier sagt man: "Der Mistral putzt den Himmel" Das ist wirklich so.
Es ist hier heiß, trocken aber die letzten Tage Mistral. Normalerweise schläft der Nachts ein bis zur absoluten Windstille, aber manchmal weht der auch nächtens, da kann man selbst Schwerstmontierungen nicht draußen lassen, die werden weg"gefegt"

Gestern aber war er zu Ende und heute Nacht erhoffe ich mir Windstille und sehr gutes Seeing.

Grüße in den Schnee, Brrrrrrrhhh

Dietmar
 
Re: Wide-Field Beobachtungen unter Traumbedingunge

Hallo Tom,

was für eine Beobachtung! Da sieht man wieder dunkler Himmel ist durch gar nichts zu ersetzen. Du kannst Dich glücklich schätzen solche Bedingungen zu haben. Mir war es bis jetzt erst ein paar mal vergönnt z.B. einen 7er mag Himmel zu genießen, dann ist man perplex wie einfach manche Objekte sind.
Welches Pentax hattest Du? Das Xl oder das XW?

Viele Grüsse & CS
Thomas
 
Hi Thomas,

hi - super Bericht.

Freut mich sehr, daß Dir das Gerät so gefällt, ich wünsch Dir noch viel Spaß mit dem TS Rich Field Refraktor.

Wolfi
 
Irrer Bericht-da kann man dich nur beneiden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />
da ich schon fünfmal in Kärnten und zweimal in der Schweiz
war,kann ich deine begeisterung nachfühlen
in welchen monaten ist denn die Ausbeute am höchsten?
hab auf dem ITT einmal mit refr. FH 5"f19 M 33 aufgefunden
 
Gell,

ein guter Himmel is durch nix zu ersetzen.
Denk ich mir immer, wenn ich bei 4m5-Himmel in der Suppe rumrühr...

Da sind 5" bei 6m8 besser als 8" bei 5m - faszinierend, wie bei gutem Himmel
Optiken zu Höchstform auflaufen

Ein übrigens schöner Bericht

Gruß

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
D-93073 Neutraubling

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