norbert
Aktives Mitglied
Zeit: Sonntag, 22.6.2003, 22.20 – 2.00 MESZ
Bedingungen: mittleres Seeing, etwa 5m0, wolkenlos
Ort: Schloßberg in Wildon, Südsteiermark
Gerät: 8“ f/6 Dobson namens „TAL3“
Okulare: 25mm TAL-König (=48x), 18mm Bertele(=67x), TS-Zoom 22-7,4mm (= bis 162x), 2xBarlow (B2T)
Ein Astrokollege in meinem Ort hatte sich bereiterklärt, mir bei einem Startest zu helfen. Das Ergebnis nur kurz genannt: Der Spiegel hat keinerlei grobe Fehler, keinerlei Astigmatismus, und die Korrektur der Parabel dürfte zufriedenstellend sein – jedenfalls bin ich jetzt - nach ersten Zweifeln – beruhigt.
Objekte: M5, M10, M12, M107, M14, M9, M11; M28, M22; M51/NGC 5195, M101; NGC 7000 / IC 5067; Mars
Als erstes durchkämmte ich Schlange und Schlangenträger (lauter Erstsichtungen mit dem GSO!):
Mit Telrad, Krakoschka und einem Stück durchsichtiger Folie, auf die die drei Telradkreise aufgemalt sind, war alles flott zu finden, zur Not mit einer kurzen Rasenmähersuche (ich bin zu faul zum Starhoppen, das wird erst bei schwierigeren Objekten nötig):
M5: Der war schon im TAL1 schön, mit 8“ ist er jetzt atemberaubend. 48X/67x: sehr hell, sehr groß, sehr locker im Halo und gut aufgelöst; starke Kernverdichtung westlich der Mitte. Bei indirektem Sehen wirkt der Kern enorm hell und dicht, wie ein weißer Fleck.
162x: hier wird das sehr dichte Zentrum besonders gut sichtbar, hinter vielen aufgelösten Sternen ist es immer noch hell-weiß – das ist jedenflalls einer der schönsten KS am Himmel!
M12: 48x/67x: weit kleiner als M5, kein Kern zu sehen, auch indirekt nicht. Wirkt recht kompakt ...
162x: ... und sieht hier aus wie ein sehr dichter OH! Für einen KS dagegen ist M12 relativ locker und offen (letztes Jahr im TAL1 war das auch der Sternhaufen, der von allen beobachteten am besten aufzulösen war, sagen meine Unterlagen).
M10: 48x: Ein diffuser, relativ kleiner Fleck, umgeben von mehreren Vordergrundsternen. Eins Spur kleiner als M12, aber deutlich weniger hell
67x: etwas zerklüfteter Nebel, aus dem schon einige Sternchen herausleuchten
162x: immer noch nebelig, recht flächig verteilt, unregelmäßige Form. Bei direktem Sehen ohne zentrals Verdichtung, indirekt wird dann ein (schwacher) Kern sichtbar.
M14: Bei 48x ein sehr verwaschener kreisrunder Fleck, bei 67x immer noch. Und auch bei 162x immer noch ein runder, grauer, diffuser Fleck, der aber zumindest bei indirektem Sehen etwas krümelig wird
M107: bei 48x neblig-diffus.Weit schwächer als zuvor M14. Bei 67x ist dann eine zentrale Verdichtung zu erkennen. Weiter hochvergrößern brachte keine Verbesserung mehr.
M9: Bei 48x: klein (etwa gleich wie M107), aber hell im Vergleich zu M107. Im Bertele wurde das Bild dunkler und damit ästhetischer, aber nicht detailreicher. Zoom bei 100x: da wird's schön langsam ein KS
162x: immer noch in der Hauptsache grau-diffus mit zentraler Verdichtung.
Der nach Karkoschka "ähnliche KS" 1° Nordost wäre mir nicht aufgefallen, ich habe ihn allerdings auch nicht gesucht.
Nun versuchte ich etwas "tiefer" zu blicken und machte im aufgehellten, scheinbar sternenleeren Himmel knapp über den Bäumen der angrenzenden Hügel auf Entdeckungsreise (Objekte finden und dann identifizieren ist auch irgendwie lustiger und "mehr Astronomie" als das Aufsuchen schon vorbeschriebener Objekte, oder?). Dort muß jedenfalls irgendwo der Schütze sein ...
... und ich fand einen kleinen KS mit gut sichtbarer zentraler Verdichtung. Im gleichen Gesichtsfeld des 25mm-Okulars (58° Eigengesichtsfeld, also 1,2° wahres GF) leuchtete ein sehr heller Stern...
... und ein gutes Stück rechts davon glaubte ich zuerst, einen sehr großen und dichten OH gefunden zu haben! Dieser war auch bei 162x noch sehr gut zu beobachten, eine hohe Sternenanzahl auf großem Feld, rund, ohne Zentralkonzentration – aber trotzdem war es kein OH, sondern ein KS! Eine markante, helle Sternen-Vierergruppe neben dem Sternhaufen war im Karkoschka schnell gefunden, und so die beiden KS identifiziert: der große M22, der kleine M28 (der helle Stern daneben war demnach Kaus Borealis, ? Sgr).
Ich kann es nicht lassen, ein Galaxienpärchen immer und immer wieder zu probieren, ob ...
M51/NGC 5195: jjja, um den einen der beiden deutlichst sichtbaren Kerne wirkt der Halo irgendwie sprialig bei indirektem Sehen, für mehr hilft nur ein paar Zoll Öffnung mehr oder ein >6m-Himmel, lieber letzteres ...
Und wenn ich schon in der großen Bärin bin, an ein Objekt dort habe ich mich bis jetzt noch nicht herangetraut:
M101: Es geht ja! Bei 48x ein sehr großer, grauer, diffuser Fleck, bei 67x bilde ich mir ein, auch einen Kern zu sehen.
Mittlerweile war es so spät geworden, dass Adler und Schild hinter dem Schlossberg wieder zum Vorschein kamen. Wieder Zeit für eine 8"-Erstsichtung!:
M11: schon bei 48x völlig aufgelöst, kugelig/unregelmäßige Form (den Eindruck eines Dreieckes, den ich im TAL 1 hatte und der auch im Karkoschka steht, hatte ich nicht mehr), der 8m-Stern am Rand des Haufens. Vor allem bei höherer Vergrößerung zeigt sich die seltsame, zerklüftete Form des Sternhaufens; ich kann unmöglich glauben, das die Sterne hier wirklich so strukturiert sind. Ich tippe auf mehrere breite Bänder dunkler Materie, die sich wie ein breites Netz vor den Sternhaufen legen und ihn teilweise abdecken. Vielleicht weiss wer von euch genaueres ...
Und nachdem Johannes neben mir in der Kuppel die meiste Zeit damit beschäftigt ist, ein schönes Bild von einem prominenten Objekt der Nacht aufzunehmen, nehme ich mir dieses auch visuell vor:
NGC 7000 (Nordamerikanebel): Im König ohne Filter konnte ich nichts entdecken; mit UHC-Filter
ist der Nebel dagegen recht gut zu sehen, am besten der Golf von Mexico und die Mexico-Region. Er ist wirklich seehr groß, jetzt wäre ein 2"-Filter schön!
IC 5067 (Peliokannebel): den konnte ich selbst mit UHC nur gerade einmal so erkennen als grauen, schwachen, flächigen Fleck.
Jetzt war es bereits 1.30, ich pakcte zusammen und verabschiedete mich. Zuhause angekommen, leuchtete mir allerdings so ein rotes helles Sternlein ganz ruhig entgegen, darum stellte ich den Dob daheim im Garten gleich wieder auf, Zoom hinein, angepeilt und ...
voila: der erste Marsanblick seit zwei Jahren. Bei 162fach wabert die schon recht große rote Scheibe noch ordentlich, aber oben strahlt hellweiß und unübersehbar die Polkappe herunter, und etwa in Äquatorgegend war eine dunkle, längliche, unregelmäßige Struktur zu sehen. Meine ersten Details auf dem Mars!
Ich räumte zufrieden nach dieser langen, überraschenden und sehr erfolgreichen Beobachtungsnacht ab und ab ins Bett.
Bedingungen: mittleres Seeing, etwa 5m0, wolkenlos
Ort: Schloßberg in Wildon, Südsteiermark
Gerät: 8“ f/6 Dobson namens „TAL3“
Okulare: 25mm TAL-König (=48x), 18mm Bertele(=67x), TS-Zoom 22-7,4mm (= bis 162x), 2xBarlow (B2T)
Ein Astrokollege in meinem Ort hatte sich bereiterklärt, mir bei einem Startest zu helfen. Das Ergebnis nur kurz genannt: Der Spiegel hat keinerlei grobe Fehler, keinerlei Astigmatismus, und die Korrektur der Parabel dürfte zufriedenstellend sein – jedenfalls bin ich jetzt - nach ersten Zweifeln – beruhigt.
Objekte: M5, M10, M12, M107, M14, M9, M11; M28, M22; M51/NGC 5195, M101; NGC 7000 / IC 5067; Mars
Als erstes durchkämmte ich Schlange und Schlangenträger (lauter Erstsichtungen mit dem GSO!):
Mit Telrad, Krakoschka und einem Stück durchsichtiger Folie, auf die die drei Telradkreise aufgemalt sind, war alles flott zu finden, zur Not mit einer kurzen Rasenmähersuche (ich bin zu faul zum Starhoppen, das wird erst bei schwierigeren Objekten nötig):
M5: Der war schon im TAL1 schön, mit 8“ ist er jetzt atemberaubend. 48X/67x: sehr hell, sehr groß, sehr locker im Halo und gut aufgelöst; starke Kernverdichtung westlich der Mitte. Bei indirektem Sehen wirkt der Kern enorm hell und dicht, wie ein weißer Fleck.
162x: hier wird das sehr dichte Zentrum besonders gut sichtbar, hinter vielen aufgelösten Sternen ist es immer noch hell-weiß – das ist jedenflalls einer der schönsten KS am Himmel!
M12: 48x/67x: weit kleiner als M5, kein Kern zu sehen, auch indirekt nicht. Wirkt recht kompakt ...
162x: ... und sieht hier aus wie ein sehr dichter OH! Für einen KS dagegen ist M12 relativ locker und offen (letztes Jahr im TAL1 war das auch der Sternhaufen, der von allen beobachteten am besten aufzulösen war, sagen meine Unterlagen).
M10: 48x: Ein diffuser, relativ kleiner Fleck, umgeben von mehreren Vordergrundsternen. Eins Spur kleiner als M12, aber deutlich weniger hell
67x: etwas zerklüfteter Nebel, aus dem schon einige Sternchen herausleuchten
162x: immer noch nebelig, recht flächig verteilt, unregelmäßige Form. Bei direktem Sehen ohne zentrals Verdichtung, indirekt wird dann ein (schwacher) Kern sichtbar.
M14: Bei 48x ein sehr verwaschener kreisrunder Fleck, bei 67x immer noch. Und auch bei 162x immer noch ein runder, grauer, diffuser Fleck, der aber zumindest bei indirektem Sehen etwas krümelig wird
M107: bei 48x neblig-diffus.Weit schwächer als zuvor M14. Bei 67x ist dann eine zentrale Verdichtung zu erkennen. Weiter hochvergrößern brachte keine Verbesserung mehr.
M9: Bei 48x: klein (etwa gleich wie M107), aber hell im Vergleich zu M107. Im Bertele wurde das Bild dunkler und damit ästhetischer, aber nicht detailreicher. Zoom bei 100x: da wird's schön langsam ein KS
162x: immer noch in der Hauptsache grau-diffus mit zentraler Verdichtung.
Der nach Karkoschka "ähnliche KS" 1° Nordost wäre mir nicht aufgefallen, ich habe ihn allerdings auch nicht gesucht.
Nun versuchte ich etwas "tiefer" zu blicken und machte im aufgehellten, scheinbar sternenleeren Himmel knapp über den Bäumen der angrenzenden Hügel auf Entdeckungsreise (Objekte finden und dann identifizieren ist auch irgendwie lustiger und "mehr Astronomie" als das Aufsuchen schon vorbeschriebener Objekte, oder?). Dort muß jedenfalls irgendwo der Schütze sein ...
... und ich fand einen kleinen KS mit gut sichtbarer zentraler Verdichtung. Im gleichen Gesichtsfeld des 25mm-Okulars (58° Eigengesichtsfeld, also 1,2° wahres GF) leuchtete ein sehr heller Stern...
... und ein gutes Stück rechts davon glaubte ich zuerst, einen sehr großen und dichten OH gefunden zu haben! Dieser war auch bei 162x noch sehr gut zu beobachten, eine hohe Sternenanzahl auf großem Feld, rund, ohne Zentralkonzentration – aber trotzdem war es kein OH, sondern ein KS! Eine markante, helle Sternen-Vierergruppe neben dem Sternhaufen war im Karkoschka schnell gefunden, und so die beiden KS identifiziert: der große M22, der kleine M28 (der helle Stern daneben war demnach Kaus Borealis, ? Sgr).
Ich kann es nicht lassen, ein Galaxienpärchen immer und immer wieder zu probieren, ob ...
M51/NGC 5195: jjja, um den einen der beiden deutlichst sichtbaren Kerne wirkt der Halo irgendwie sprialig bei indirektem Sehen, für mehr hilft nur ein paar Zoll Öffnung mehr oder ein >6m-Himmel, lieber letzteres ...
Und wenn ich schon in der großen Bärin bin, an ein Objekt dort habe ich mich bis jetzt noch nicht herangetraut:
M101: Es geht ja! Bei 48x ein sehr großer, grauer, diffuser Fleck, bei 67x bilde ich mir ein, auch einen Kern zu sehen.
Mittlerweile war es so spät geworden, dass Adler und Schild hinter dem Schlossberg wieder zum Vorschein kamen. Wieder Zeit für eine 8"-Erstsichtung!:
M11: schon bei 48x völlig aufgelöst, kugelig/unregelmäßige Form (den Eindruck eines Dreieckes, den ich im TAL 1 hatte und der auch im Karkoschka steht, hatte ich nicht mehr), der 8m-Stern am Rand des Haufens. Vor allem bei höherer Vergrößerung zeigt sich die seltsame, zerklüftete Form des Sternhaufens; ich kann unmöglich glauben, das die Sterne hier wirklich so strukturiert sind. Ich tippe auf mehrere breite Bänder dunkler Materie, die sich wie ein breites Netz vor den Sternhaufen legen und ihn teilweise abdecken. Vielleicht weiss wer von euch genaueres ...
Und nachdem Johannes neben mir in der Kuppel die meiste Zeit damit beschäftigt ist, ein schönes Bild von einem prominenten Objekt der Nacht aufzunehmen, nehme ich mir dieses auch visuell vor:
NGC 7000 (Nordamerikanebel): Im König ohne Filter konnte ich nichts entdecken; mit UHC-Filter
ist der Nebel dagegen recht gut zu sehen, am besten der Golf von Mexico und die Mexico-Region. Er ist wirklich seehr groß, jetzt wäre ein 2"-Filter schön!
IC 5067 (Peliokannebel): den konnte ich selbst mit UHC nur gerade einmal so erkennen als grauen, schwachen, flächigen Fleck.
Jetzt war es bereits 1.30, ich pakcte zusammen und verabschiedete mich. Zuhause angekommen, leuchtete mir allerdings so ein rotes helles Sternlein ganz ruhig entgegen, darum stellte ich den Dob daheim im Garten gleich wieder auf, Zoom hinein, angepeilt und ...
voila: der erste Marsanblick seit zwei Jahren. Bei 162fach wabert die schon recht große rote Scheibe noch ordentlich, aber oben strahlt hellweiß und unübersehbar die Polkappe herunter, und etwa in Äquatorgegend war eine dunkle, längliche, unregelmäßige Struktur zu sehen. Meine ersten Details auf dem Mars!
Ich räumte zufrieden nach dieser langen, überraschenden und sehr erfolgreichen Beobachtungsnacht ab und ab ins Bett.