Wie beurteile ich die Qualität eines Hauptspiegels?

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Hallo, es stimmt schon, daß der Fokuspunkt bei guten Spiegeln gut definiert ist, aber das hängt natürlich auch vom Öffnungsverhältnis und von der Mechanik des Okularauszuges ab.
CS Mike
 
Hallo!
Ich bin auch neu hier. Lese eure Beiträge mit großem Interesse, weil ich dieses hier von @observatory kaufen will: https://forum.astronomie.de/attachments/img_8598-jpeg.338179/
Werde es bald mal live ansehen können. Ich hab Glück: observatory ist Fachmann und ich traue da seinem Urteil voll und ganz (zudem sehr freundlich).

Bei mir sind Spiegelset und Hersteller bekannt:
Martini mir Coulter Pyrex-Spiegel. (12,5 Zoll; f/6)

Mich interessiert, ob jemand Erfahrungen mit Coulter hat? Was sind eure Erfahrungen mit Stärken und Schwächen?

Grüße
Sebastian
 
Hallo zusammen,
hier vielleicht noch ein paar Anmerkungen zum Thema Sterntest, Seeingbeurteilung und Auskühlverhalten.

Nicht wenige Sternfreunde glauben sie sehen das "Athmosphärische Seeing" wenn sie einen Sterntest durchführen, jedoch habe ich es schon oft erlebt, dass Sternfreunde auf die wabernde Grenzschicht eines noch nicht ausgekühlten Hauptspiegels blicken.

Hier mal ein fiktives Beispiel mit dem Durchschnittsgradient von ca. 9°C und einem Standard 12“ Newton Spiegel mit 38mm Dicke.

Angenommen wird dabei wie bei den Profis, dass ab ca. 1-1,5°C Temperaturunterschied vom Spiegel zur Luft, sich keine nennenswerten Luftschlieren mehr ausbilden.

Stellt man also diesen 12“ von Zimmertemperatur 20°C in eine 12°C kalte Nacht und die Lufttemperatur fällt dann im Laufe der Nacht auf ca. 3°C, so braucht dieser 12“ Spiegel ca. 3-3,5h um sich anzupassen.

Mit einem entsprechend dimensionierten saugenden Lüfter von ca. 120mm könnte man die Auskühlzeit auf ca. 45min. verkürzen.

Am effektivsten wären seitliche Lüfter, welche die Grenzschicht laminar über der Spiegeloberfläche wegsaugen würden, dann kann man quasi sofort die volle Leistung abrufen.

Vorkühlen bringt zwar auch schon Besserung, jedoch hat man auch hier durch die Massenträgheit des Spiegels den Gradienten von 9°C zu überwinden (12°C zu 3°C), was immer noch mehr als 2h dauern würde bis sich der Spiegelträger der Lufttemperatur angenähert hätte.

Bedenkt man also diese Auskühlzeiten von 3-3,5h, oder die 2-2,5h, beginnend vielleicht um 20:00-21:00 Uhr, ist man schon bei ca. 24:00 Uhr angelangt, wo man eigentlich erst Sterntest und Seeingbeurteilungen vornehmen kann, erst dann kann der 12“ sein volles Potential auch zeigen.

Ein weiterer Aspekt der für die Beobachtungspraxis eine Rolle spielt, sind die Auf- und Untergangszeiten der Objekte.
Stehen z.B. die Objekte zum Beginn der Dämmerung/Nacht schon weit im Westen/Horizont, hat man schlicht und ergreifend keine Zeit mehr für eine langwierige Temperaturanpassung.

Also, entweder muss man warten oder matschige Bilder ansehen, oder Lüfter einbauen ;)

Das unterschiedliche Aussehen von Seeing habe ich mal versucht exemplarisch mit Hilfe von Aberrator zu visualisieren.

Seeing richtig einschätzen.jpg

Das wesentliche Merkmal dabei ist, dass aussehen der defokussierten Fresnelringe eines Sterns.
Grenzschicht und Tubusseeing sind wie auf dem mittleren Bild zu sehen, langsame oder schnell wabernde Luftkeile die helle Knoten bilden.

Lokales Seeing, also aufsteigende warme Luft von Gebäuden, betonierten Flächen usw. ist richtungsgebunden von unten nach oben, dabei ist es recht einfach herauszufinden wo unten und oben im Bild ist, wenn man seine Hand in den Strahlengang vor die Öffnung hält.

Das "Atmosphärische Seeing" sieht meist wie ein Jetstream aus, welches wie Bindfäden durch das Bild zieht.

Dann gibt es noch das Beobachter Seeing wie z.B. hier zu sehen ist

Hier ist ein cooles "Excel Tool" zu finden, damit könnt ihr eure Auskühlzeiten selber ausrechnen.
LG
 
Mit dem "Einrasten" beim Scharfstellen ... hängt das auch vom Seeing ab? Oder ist das so eine Sache, die auch bei schlechtem Seeing zu beobachten ist? (Danke noch mal für die Bilder zur Unterscheidung von schlechtem Seeing und nicht ausgekühltem Spiegel.)
 
# Guckerling, ja hängt auch vom Seeing ab, die Wellenfrontfehler addieren sich, darum kann man mit einem Top Spiegel auch bei mittelgutem Seeing Dinge auflösen, die mit einem schlechteren Spiegel bestenfalls bei Top seeing zu sehen sind.
CS Mike
 
Das unterschiedliche Aussehen von Seeing habe ich mal versucht exemplarisch mit Hilfe von Aberrator zu visualisieren.
Also meine Scheibchen sehen in der Realität nicht annähernd so aus wie simuliert.

OK, am ehesten passt das Spiegel noch zu war Bild, aber der Tubus lagert in der kühlen Garage.

Gestern Nacht habe ich vor dem ISS Überflug am Polarstern scharfgestellt und musste dann doch mal intra und extrafokal nachsehen.
Tubus war ausgekühlt aber das Seeing unglaublich schlecht. Und dementsptrechend katastrophal sahen auch die Scheibchen aus.
Auffällig: Extrafokal nicht ganz so schlimm. Das sah sowas von gar nicht gleich aus.:mad:
Anscheinend wird das Seeing intrafokal mehr abgebildet. Da hätte man Fehler hineininterpretieren können ...
Dennoch waren in dem Gewaber immer noch Beugungsringe sichtbar.
Ich habe bewusst kein Avi aufgenommen, da ich mich da ja nicht mehr reinsteigern möchte.

Also bei mir überwiegt eigentlich fast immer das atmosphärische Seeing. Deswegen kann ich auch nicht am Stern justieren.
Da muss ich den Spiegel schon extrem verstellen um da was zu erkennen.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger
Also meine Scheibchen sehen in der Realität nicht annähernd so aus wie simuliert.
Ja, jede Simulation hat mehr oder weniger ihre Schwächen, man braucht immer ein gewisses Abstraktionsvermögen um daraus die wesentlichen Informationen heraus lesen zu können.

OK, am ehesten passt das Spiegel noch zu war Bild, aber der Tubus lagert in der kühlen Garage
Das mach ich auch so, jedoch brauche ich trotzdem noch Anpassungszeit.
In der Garage habe ich je nach Jahreszeit gerade im Sommer z.T. höhere Temperaturen als im Wohnraum, da besser isoliert.
Und im Winter bin ich mit der Garage meist 4-5°C über der Außentemperatur.
Hinstellen und loslegen ist je nach Öffnung also nicht möglich, ich sehe immer die Grenzschicht.
Ein Temperaturgefälle (Gradient) hat man immer und daher braucht man auch immer Anpassungszeit, da hilft auch Vorkühlen nur bedingt etwas, selbst mit Zerodur als Spiegelträger bildet sich eine Grenzschicht über dem Spiegel.
Daher haben meine Newton alle Lüfter.

Gestern Nacht habe ich vor dem ISS Überflug am Polarstern scharfgestellt und musste dann doch mal intra und extrafokal nachsehen.
Tubus war ausgekühlt aber das Seeing unglaublich schlecht. Und dementsptrechend katastrophal sahen auch die Scheibchen aus.
Bei mir hatte ich gestern einen Gradienten von ca. 16°C, am Tag 29°C und heute früh habe ich 13-14°C abgelesen.
Das ist schon extrem, da kommt die Atmosphäre nicht zur Ruhe und das Teleskop läuft der ganzen Nacht hinterher.
Ohne Lüfter geht da garnichts und selbst mit Lüfter ist da kein Blumentopf zu gewinnen.

Deswegen kann ich auch nicht am Stern justieren.
Da muss ich den Spiegel schon extrem verstellen um da was zu erkennen.
Ich justiere bei defokussierten Stern auf den Fangspiegelschatten, bei möglichst hoher Vergrößerung.
Dabei versuche ich das Prozedere immer näher am Fokus durchzuführen.

LG
 
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