Wie sieht ein wirklich dunkler Himmel aus?

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MiMeDo

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Hallo an die Freunde der dunklen Nacht!

Wie sieht ein wirklich dunkler Himmel aus? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gruebel.gif" alt="" />

Die Frage ist ernst gemeint, denn letztes Wochenende
habe ich einen Ausflug auf die Nordseite des Berges
"La Sagra" gemacht, laut "Lichtverschmutzungskarten"
eine der dunkelsten Stellen Europas. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />

Das Wetter war leider nicht optimal, <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/crazy.gif" alt="" />
etwas Dunst und Schleierbewölkung,
so dass die Grenzgrösse nur knapp an 6 mag heran kam.
M13 im Zenit war mit blossem Auge zu sehen,
M22 (eher tief stehend) nur mit sehr viel Mühe.

Was mich überrascht hat, war, dass man nach
Dunkeladaption locker die gesamte Landschaft
rundrum sehen konnte. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/ooo.gif" alt="" />

Ist das auf "Restlichtverschmutzung", "Reflexion am Dunst",
oder auf "Beleuchtung durch den Sternenhimmel" zurückzuführen?
Die hellsten "Lampen" waren Jupiter, Wega und Arktur.

Was man nicht sehen konnte waren die Wolkenstreifen,
die manchmal vorbei kamen. Sie waren nur durch
"Fehlen von Sternen" zu erkennen.

Würde mich über Antworten freuen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Sonnige <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/cool.gif" alt="" /> Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Hallo Thorsten,

ich weiß nicht was ein wirklich dunkler Himmel ist. Hier ist es immer irgendwie auch hell, dazu ein Industriebetrieb vor der Nase. Gestern Abend, nach dem Regen und bei kräftig Wind, war ich noch um 0.30 Uhr mit meinem kranken Hund ne runde raus. Da war ungefähr 4,5-5 Mag. Das war hier schon der Hit, und ich wäre sofort in die Hütte gerannt, aber der Himmel zog sich schon wieder zu als ich im Haus war.
Auf Korsika habe ich da schon anderes erlebt, aber selbst dort gibt es Lichtverschmutzung. Wahrscheinlich muß man heute tief nach Afrika, Mongolei oder auf den Ozean um wirkliche Dunkelheit zu erleben.

Gruß und CS

Joachim
 
Hi Thorsten,
ich denke Du hattest guten Himmel, wäre da nicht der Dunst gewesen.

An meinem DS Platz bemerkt man auch, wenn die Luft feucht oder dunstig ist. Dann wird sofort deutlich, dass das Rhein-Main-Gebiet noch nicht so weit weg ist, weils dessen Lichtglocke viel höher in Himmel ragt als bei trockner Luft.
Im Zenit sind dagegen die Auswirkungen bei uns geringer, was bei Dir wohl auch gewesen sein dürfte. Dafür spricht M13 mit bloßem Auge.

Ist es hier trocken und richtig mondlos, wird der Unterschied zwischen zenit und Horizont bzgl. der Himemelsqualität geringer, sprich die Horizontsicht ist hervorragend.
M13 mit bloßem Auge geht hier auch, die Milchstraße ist richtig hell und geht in ganzer Pracht bis zum Horizont. H&chi sind helle Flecken, Nordamerica ist als etwa dreieckiges Stern-/Nebelfeld hell, deutlich und klar abgegrenzt gegen den Himmel zu bestaunen. Blickweise meinte ich indirekt auch dort wo M33 steht einen leichten Schein von Wolke gesehen zu haben. Das war zumindest das beste an Himmel was ich je hatte. Damals, ohne es genau zu bestimmen, hatten wir den Himmel auf etwa 6,5 mag geschätzt.
CS
 
Interessante Frage!

Ich habe schon einige Beobachtungsplätze unter Bestbedingungen gesehen. Insbesondere auch in Spanien.

Folgendes ist dabei wie du auch bemerkt hast aufgefallen:

1. Die Landschaft kann man ohne Probleme erkennen insbesondere die Bodenbeschaffenheit. Gerade Felsformationen, die helle Gesteineschichten enthalten sind besonders einfach zu erkennen. Wenn ich abseits einer Straße beobachtete, habe ich schon öfter erschrocken als ich solche Felsen sah, da ich dachte ein Auto mit Scheinwerfer würde diese schon von weitem anleuchten und im nächsten Moment auch meine Aufnahmen.

2. Dunst bzw. hohe Luftfeuchte sind kein so großes Problem für einen dunklen Himmel, wenn es KEINE Luftverschmutzung gibt. Sogar Gegegnschein wurde bereits unter dunstigen Bedingungen an Top Standorten ohne Probleme gesehen werden (War mal glaube ich in interstellarum). Aber wenn Lichtverschmutzung auch in geringem Umfang und Dunst vorhanden sind, werden auch Top Standorte schlecht.

Meine Erfahrungen habe ich aus der Sierra Nevada. Da habe ich bis auf 2500m in der Inversionschicht gestanden, wo der Himmel auch nicht wirklich dunkel wae. Darüber allerdings auf dem Pico de Veleta (3300m) war von Luftfeuchtigkeit keine Spur mehr. Hier war der Himmel obwohl der Platz sehr nahe am anderen lag, deutlich besser. Ich habe sogar Fotos, die das sehr schön zeigen. Das habe ich zunächst nämlich für Einbildung gehalten. Auf 3300 m übernachtete ich in einer Schutzhütte. Durch das kleine Fenster fiel natürlich auch etwas "Licht" ein. Bei Aufwärmphasen konnte ich sogar Umrisse von Flaschen auf dem Tisch der Hütte erkennen, obwohl wie gesagt das Glasfenster (es waren diese Glasbausteine) die einzige "Lichtquelle" darstellte.
Die unteren Schichten der Atmosphäre sind in Spanien häufig mit Aerosolen überfrachtet. Trotzdem noch nicht so schlimm wie in Deutschland. Wenn du dir aber mal die Wetterstationsmessungen auf dem Calar Alto anschaust, hast du dort stets um die 70% Luftfeuchte. Das ist für einen perfekten Himmel mit der stets allgegenwärtigen Luftverschmutzung zu viel.

M13 kann ich von guten Standorten in Deutschland auch ohne Probleme sehen. Den besten Himmel habe ich bisher auf La Palma gesehen. Da ist der Himmel auch 30 Grad über dem Horizont so dunkel wie im Zenit, zumindest für das Auge <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> (Auf Fotos sind da schon mal kleine Gradienten zu erkennen). In bestimmten Himmelsrichtungen, z.B. im Norden richtig dunkel. Eine nochmalige Steigerung hat man, wenn die Insel unter einer geschlossen Wolkendecke liegt. Das habe ich an Fotos nachvollziehen können, die ich von Teilen der Wintermilchstraße gemacht hatte, die dort nur knapp über dem Horizont kulminieren. Visuell war ich mir damals nicht 100% sicher, habe dies aber auf der Abfahrt eindrucksvoll sehen können.

Namibia soll nochmal eine Steigerung sein. Dazu kann ich aber leider nichts sagen.

Bevor man einen richtig dunklen Hiummel nicht gesehen hat, kann man es kaum glauben, dass es ihn wirklich gibt. Ich habe mich auch schon gefragt, ob es Schätzungen gibt, wie der Nachthimmel vor Jahrhundertenm - sagen wir im Mittelalter in Mitteleuropa - aussah.

Oliva
 
Hallo Thorsten,

einen wirklich perfekt dunklen Himmel kann man mit Worten nur schwer beschreiben - man muss ihn einmal (oder besser öfter) erlebt haben. Aber Vorsicht: Es macht süchtig!

Ich hatte schon vier mal das Glück, in Namibia beobachten und fotografieren zu können. Dort kannst Du wirklich nach erfolgter Dunkeladaption die umgebende Landschaft im Licht der Sterne und vor allem im Licht des durch den Zenit gehenden Milchstraßenzentrums erkennen. Vor allem die Milchstraße ist so hell, dass man deutlich einen Schatten erkennen kann, wenn man z. B. die Hand über eine weiße Fläche hält.

Durchziehende Wolken sieht man tatsächlich nur als schwarze, sternleere Gebiete. Eine der faszinierendsten Nächte in Namibia erlebte ich einmal, als wiederholt "Schäfchenwölkchen" in streng strukturierten Gruppen durchzogen. Der ganze Himmel war von einer wabenartigen Struktur überzogen. Die Wölkchen bildeten kleine, schwarze Sternleeren, zwischen denen viel heller der Nachthimmel, die Milchstraße und die Sterne zu sehen waren. Damit war zwar in dieser Nacht für die Fotografie "Feierabend", der Anblick war aber unglaublich ästhetisch.

Besonders faszinierend finde ich auch immer wieder den Aufgang der schmalen, "auf dem Rücken" liegenden Mondsichel am hochtransparenten namibischen Himmel: Zuerst erscheint das Erdlicht am Horizont, dann tauchen die Sichelspitzen auf, die langsam zu einer Schale zusammen wachsen. Immer wieder ein sehr schönes Ende einer Beobachtungsnacht. Auch die Sterne tauchen nicht aus einer dicken Dunstschicht auf. In sehr guten Nächten (auch in Namibia gibt es hier von Tag zu Tag Unterschiede) werden sie wirklich am Osthoriont "an-" und am Westhorizont wieder "ausgeknipst".

Auch interessant: Ich habe mehrfach festgestellt, dass man wirklich den Beginn der astronomischen Morgendämmerung wahrnimmt - lange bevor bei uns zu Hause am lichtverschmutzten Himmel überhaupt ein Dämmerungseffekt feststellbar ist. Zuerst erscheint ein dünner, wirklich silberner Streifen im Osten und dann geht es auf einmal sehr schnell. Natürlich auch aufgrund der geographischen Lage mit steil stehender Ekliptik. Man erlebt die Dämmerung von Anfang an in einer Art Zeitraffer. Während es dann im Osten langsam hell wird, sieht man im Westen immer noch die Milchstraße.

Nicht zuletzt ist wohl auch die gute Sichtbarkeit des Zodiakallichts mit dem Gegenschein ein Beweis für einen perfekten Himmel. In Namibia sieht man es einige Stunden vor/nach Sonnenauf-/-untergang. Es ist so intensiv, dass in seinem Bereich nicht fotografiert werden kann.

Eine Grenzgröße in der Gegend von deutlich besser als 6,5 macht sich natürlich auch in der Erscheinung der Deep-Sky-Objekte bemerkbar. Man sieht eben viele Objekte mit bereits mit bloßem Auge und die prominenten Objekte wie z. B. M 31 haben auf einmal eine gewaltige Ausdehnung, weil eben auch die äußeren Ausläufer sichtbar sind.

Und zum Schluss: Es ist schade, dass nur so wenige Zeitgenossen in den GENUSS eines solchen perfekten Sternhimmels kommen - sonst würde manchem bewusst, welches faszinierende Naturwunder uns durch die zunehmende Lichtverschmutzung hier in Europa verloren geht.

Ich wollte hiermit einfach einmal jenseits der nüchternen Grenzgrößenbetrachtung etwas die Ästhetik eines perfekten Sternhimmels beschreiben. Ich hoffe, es ist mir zumindest ansatzweise gelungen.
 
hallo Thorsten,

in dem schönen Buch von Stephan James O'Meara "The Messier Objects" findet sich eine eingehende Beschreibung über wirklich dunklen Himmel.

Er hat auf dem Mauna Kea seine Beobachtungen bei einer fst bis 8.5! gemacht.

Er beschreibt, dass sich Besucher immer wieder wundern, dass dunkler Himmel gar nicht dunkel aussieht.

Ein deutliches Zeichen ist wohl, wie beschrieben, die helle Ausleuchtung durch die Milchstrasse.

clear skies

Wolfgang
 
Hallo Astrofäns,
wo hier gerade über den wirklich dunklen Himmel gesprochen wird, muss ich meine Erfahrungen loswerden, die ich vor ca. 25 Jahren am Fuße des Anapurna in Nepal gemacht habe: ich kam tieferschöpft mit einem Bus des Nachts aus Indien und stieg in einem nepalesichen Dorf in besagter Gegend aus. Es gab absolut keine elektrischen Lichter dort....als Himmelskundige war ich schier orientierungslos, der Himmel sah nur noch wie flüssiges Silber aus...dass jeden Moment auf die Erde niederregnet! Ich konnte kaum mir bekannte Sterne ausmachen, vor lauter Vielfalt und war eh halb tot vor Erschöpfung...am morgen wachte ich im Hotelzimmer durch komische Geräusche auf...als ich auf die Aussichtsterrasse lief um zu schauen, was da so surrt und zurrt, sah ich lauter Menschen mit Kameras....die, -dann drehte ich mich um - den in der Morgenröte getauchten Anapurna fotographierten. Solch einen Himmel habe ich niemals wieder im Leben erlebt...Gruß von Anette
 
Hallo,

ich habe sowas in der Ukraine, südlich von Winniza, erlebt.
Man sieht nicht wo man hintritt und keine Hand vor Augen!
Dort ist trockene Luft und es ist extrem mau mit Beleuchtung.


grüße
ralfi
 
Hallo Thorsten
Ich konnte in meinen Ferien einen Schwarzen Himmel Südlich von Moab erleben.

Mein Bericht mit Fotos

Die Luftfeuchtigkeit betrug übrigens laut örtlicher Wetterstation 8%! Da bleibt man auch bei 35° Celsius troken!
(Nur aussen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />)
C black S
Markus
 
Es gab absolut keine elektrischen Lichter dort....als Himmelskundige war ich schier orientierungslos, der Himmel sah nur noch wie flüssiges Silber aus...dass jeden Moment auf die Erde niederregnet!

<img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/augenruppel.gif" alt="" /> du lässt den puren Neid in mir entstehen! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
 
Hi Thorsten,

bei richtig dunklem Himmel sieht man die Landschaft noch, sofern die Milchstraße Licht gibt. Wenn sie tief steht, kann es auch in der Landschaft schon ziemlich dunkel werden. So erlebt 1989 in Norwegen auf 69° nördl. Breite "irgendwo im Nirgendwo". Auch auf Skitouren in den Alpen konnte ich nachts vor der Hütte trotz Dunkeladaption ausser über dem Schnee kaum noch was sehen. Knackeklar war's auch in Kärtnen auf der Wöllaner Nock - nicht nur der Gegenschein, sondern auch die Lichtbrücke waren zu erkennen. Auch dort war die Landschaft sehr dunkel und ich benutzte Rotlicht um über den Platz zu gehen (was ich daheim am Stammplatz nicht brauche).

Sehr eindrucksvoll war 1991 ein nächtlicher Busstopp auf der Baja California: eine prächtige NGC 253 schwebte dick und fett und sauhell im Gesichtsfeld eines bescheidenen 7*50 Fernglases. Heul, warum kann das hier nicht so sein!!

Gruß,
Tom
 
Hi,

ich habe ml auf der Südinsel Neusseeland einen echt dunklen Himmel erlebt (bei Hamner Springs). Sehr beeindruckend waren die Magellanschen Wolken, bei denen ich das Gefühl hatte, die einzelnen Sterne zählen zu können. Die Umgebung war aufgrund des Sternengetümmels über mir aber noch recht gut auszumachen.

Grüße
TWR
 
Ich war vor kurzem in österreich in einer sehr abgelegenen berggemeinde.... ihr könnt eucht gar nicht vorstellen, wie wahnsinnig viele sterne dort zu sehen waren zuerst hab ich vor lauter sternen fast Ursa Major nicht ausmachen .... *gg*.... weit und breit keine straßenlaternen.... nur sterne sterne sterne.... und wolken :-( naja ich konnte 3 wochen lang diesen himmel genießen doch hatte ich kein teleskop dabei *totschlag mich* sonder nur ein fernglas.. egal war trotzdem schön... doch bis jetzt dachte ich ich hätte zuhause einen dunklen himmel ..... naja sobald ich den führerschein hab (noch ein jahr oder so) fahr ich sowieso immer raus in irgendeinen acker ... hehe ...
lg
nEwEr
 
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