Wie Sterne perfekt ablichten?

RicoSchild

Aktives Mitglied
Hallo,

Bei meinem letzten Foto ( Sadr Region mit DNB Filter ) ist der Sadr extrem ausgebrannt und hässlich! Auch die übrigen sind nicht so wie ich es mir wünschen würde. Auch der Hintergrund ist nicht so glatt, sondern rauscht irgendwie mehr, als vorher ohne Filter.
Bei meinen früheren Fotos sind die Sterne allerdings auch nicht so wie ich es gern hätte. Die Frage ist, was mach ich falsch, bzw. was muss ich machen, damit diese nicht diese hässlichen verfärbten Ringe haben mit harten Übergängen, sondern, daß diese schön "weich" leuchten mit den richtigen Sternfarben.

Meine Aufnahmen mach ich meist mit 180 Sek. Die der Sadr Region hatten 240 Sek. pro Bild. Geht es generell nur mit separaten RGB Aufnahmen der Sterne mit entsprechend kurzen Belichtungszeiten, so daß diese nicht ausbrennen ( und mit 20-40 Minuten Gesamtbelichtung ) oder bekommt man das auch so hin?

Mein Setup: Alpha 7IV, Askar SQA55, SA GTI, Asiar mit Guiding, DNB Filter

P.S. Mein Foto von der Sadr Region ist in der Galerie ebenso von den Plejaden ( wo mir die Sterne auch nicht so wirklich gefallen )

Gruß Rico
 
Hallo Rico,

der Stern Sadr hat eine Helligkeit von etwa 2,2 mag und gehört damit zu den 100 hellsten Sternen am Nachthimmel. Bei 240 Sekunden Einzelbelichtungszeit ist es daher nicht ungewöhnlich, dass der Kern des Sterns vollständig ausbrennt. Was einmal gesättigt ist, enthält praktisch keine verwertbare Farbinformation mehr. Das lässt sich später bei der Bearbeitung auch nicht wirklich zurückholen.

Dazu kommt bei dir der DNB-Filter. Solche Dual-Narrowband-Filter sind in erster Linie für Emissionsnebel gedacht. Für natürliche Sternfarben sind sie eher ungünstig, da sie nur bestimmte Wellenlängenbereiche durchlassen. Die teilweise kräftigen bzw. unnatürlich gefärbten Höfe um helle Sterne können zusätzlich durch den Filter selbst entstehen. Gerade bei einem extrem hellen Stern wie Sadr fällt das natürlich besonders stark auf.

Wenn du schöne, natürliche Sternfarben haben möchtest, würde ich deshalb tatsächlich zusätzliche Aufnahmen ohne DNB-Filter machen und die Sterne später ersetzen bzw. mit der DNB-Aufnahme kombinieren. Dafür brauchst du auch keine besonders lange Gesamtbelichtungszeit. Bei den Sternen geht es hauptsächlich darum, genügend Signal zu bekommen, ohne die helleren Sterne zu sättigen. Es gibt nebenbei bemerkt mittlerweile auch Tools, mit denen man die Sternenfarben aus DNB-Aufnahmen rekonstruieren kann.

Ich würde bei so einem Feld beispielsweise einmal mit deutlich kürzeren Einzelbelichtungen experimentieren. Bei Sadr können selbst 30 oder 60 Sekunden bereits zu lang sein, je nach Gain und Kamera. Am besten einfach ein paar Testaufnahmen machen und kontrollieren, ab welcher Belichtungszeit der Kern von Sadr nicht mehr gesättigt ist. Für die übrigen Sterne darf man durchaus einen Kompromiss eingehen. Sadr ist hier einfach ein Extremfall.

Bei meiner damaligen Aufnahme der Region ist Sadr auch ziemlich ausgebrannt. Würde ich die Aufnahme heute entwikeln, würde ich ihn in der Bildbearbeitung noch leicht abdunkeln.

https://forum.astronomie.de/media/ic1318-der-schmetterlingsnebel-in-der-region-sadr.59563/

Was das stärkere Rauschen im Hintergrund betrifft, würde ich das dagegen nicht unmittelbar mit den Sternen bzw. deren Belichtungszeit vermischen. Ein DNB-Filter lässt nur einen relativ kleinen Teil des einfallenden Lichts durch. Dadurch kann der Hintergrund bei gleicher Gesamtbelichtungszeit zunächst deutlich signalärmer wirken als bei einer ungefilterten Aufnahme. Hier hilft vor allem entsprechend mehr Gesamtbelichtungszeit. Hier nebenbei gefragt, ist deine Alpha 7IV modifiziert? Das wäre gerade in Verbindung mit dem DNB-Filter noch interessant zu wissen.

Die harten bzw. verfärbten Ringe um die Sterne würde ich daher nicht ausschließlich als Bearbeitungsproblem ansehen. Wenn diese bereits im linearen Ausgangsmaterial vorhanden sind, können sie vom Filter bzw. von Reflexionen zwischen Filter, Kamera und Optik stammen. Das würde ich zuerst an einzelnen Rohbildern kontrollieren.

Du entwickelst Hintergrund und Sterne separat?
 
Hallo und vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Also als Zusammenfassung wäre meine zukünftige Vorgehensweise bei so einem Objekt. Mehr Integrationszeit plus zusätzliche Aufnahmen der Sterne in RGB. Letztere möglichst nicht zu lange einzeln belichten, separat als Sternmaske bearbeiten und mit den DNB aufnahmen ( natürlich sternlos bearbeitet ) zusammenfügen.

Bei meiner Aufnahme hab ich das, wie Du auch erwähnt hast, softwaremäßig versucht zu lösen.
Sternemaske erstellt und diese mit dem Siril Script DNB 2 RGB bearbeitet. Nebel dann auch separat.
Allerdings im Falle von Sadr erfolglos bzw mit diesem unschönen Ergebnis.

Dein Sadr sieht da sehr viel besser aus!

Was mich etwas irretiert, Du hast Einzelbelichtungen mit 5 Minuten gemacht.
Hattest Du da Sterne auch nochmal separat aufgenommen ( das geht aus der Beschreibung nicht hervor )?

Meine Kamera ist im übrigen nicht modifiziert, deshalb der Versuch mit einem Filter.

Beim NGC7000 hatte ich ohne Filter fotografiert und bei der Bearbeitung den Rotkanal separat hochgezogen. Für mich nicht schlechter als mit Filter. Da sind die Sterne auch nicht perfekt, aber noch besser als mit Filter.

Wid sich der Vorteil eines Filters mit entsprechend längerer Integrationszeit zeigen oder erwartet man davon generell zu viel?

Mit 5 Minuten Einzelbelichtung zu versuchen sinnvoll? Natürlich dann mit separaten RGB Sternen.

Gruß Rico
 
Hallo Rico,

in meinem Fall habe ich für die Sterne keine separaten Aufnahmen gemacht, was für mich so in Ordnung war. Eigentlich handhabe ich das in den meisten Aufnahmen von mir so, und ist für mich bisher immer akzeptabel gewesen.

Da deine Alpha 7 IV nicht astromodifiziert ist, kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Der DNB-Filter lässt gezielt Ha und OIII durch, während der serienmäßige Sperrfilter deiner Kamera wiederum einen Teil des Ha-Signals blockiert. Das ist ein bisschen so, als würdest du mit angezogener Bremse den Berg hochfahren. Es funktioniert zwar, aber du brauchst entsprechend mehr Zeit, um auf dasselbe Signal zu kommen.

Ganz nutzlos ist der DNB-Filter deshalb aber nicht. Gerade bei Emissionsnebeln wie NGC 7000 kann er den Kontrast zwischen Nebel und Hintergrund deutlich erhöhen, weil ein großer Teil des übrigen Lichts unterdrückt wird. Der Vorteil liegt also weniger darin, dass plötzlich mehr Signal auf dem Sensor landet, sondern vielmehr darin, dass das Nebelsignal gegenüber dem Hintergrund besser herausgestellt wird. Bei einer unmodifizierten Kamera kannst du diesen Vorteil aber eben nicht vollständig ausnutzen, weil dir gerade im wichtigen Ha-Bereich ein Teil der Empfindlichkeit fehlt...

Das separate Hochziehen des Rotkanals einer ungefilterten Aufnahme ist deshalb auch nicht ganz dasselbe. Damit verstärkst du neben dem Hα-Signal gleichzeitig alles andere, was im Rotkanal enthalten ist. Der DNB-Filter trennt hier normalerweise wesentlich gezielter.

Ob 5 Minuten Einzelbelichtung sinnvoll sind, würde ich dagegen nicht pauschal sagen. Länger ist nicht automatisch besser. Sobald der Himmelshintergrund ausreichend über dem Ausleserauschen liegt, bringt eine noch längere Einzelbelichtung beim späteren Stacken kaum noch einen grundsätzlichen Vorteil. Dafür steigt aber das Risiko, dass helle Sterne ausbrennen. Gerade bei Sadr würde ich deshalb eher bei 180 oder 240 Sekunden bleiben und dafür mehr Einzelaufnahmen bzw. mehr Gesamtbelichtungszeit sammeln. Ich selbst arbeite mit recht langsamen Systemen, weshalb ich oftmals bei 300 Sekunden bin, besonders bei Schmalband.
 
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