Wie wirkt sich Sauerstoffmangel/Höhe aus?

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AstroGerdt

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Servus Leute,

Ich bin momentan im Astrourlaub in den Alpen unterwegs.

Die Hütte, die ich gemietet habe, liegt auf 2000m Höhe, also schon ziemlich hoch. Ursprünglich komme ich aus dem Flachland, bin also nicht an die Höhe angepasst.

Soweit ich gelesen habe soll so eine Höhe für visuelle Beobachtung bereits nicht mehr ideal sein, da sich der Sauerstoffmangel ab etwa dieser Höhe als erstes bei den Augen bemerkbar macht. Stört mich aber nicht wirklich, eigentlich bin ich zum fotografieren hier und nicht zum beobachten. Meine Kameras haben ja keine Lungen ;)

Dennoch frage ich mich, wie sich der Sauerstoffmangel beim Blick in den Himmel bemerkbar macht.

Ich habe ziemlich wenig Erfahrung mit visueller Beobachtung, dementsprechend fehlt mich auch hier ein guter Vergleich. Können mir vielleicht einige mit Erfahrung ein paar Hinweise geben, wie sich das äußern kann?

CS Gerrit
 
Selbst in der Luftfahrt ist erst ab 3000m zusätzlicher Sauerstoff oder Druckkabine vorgeschrieben, also mach dir bei 2000m mal keinen Kopf, da wirst du kaum was bemerken, außer bessere Transparenz wegen weniger Staub.

LG
Olli
 
Als ich noch häufig zum Sport in die Alpen gefahren bin, haben sich bei mir bei längerem Aufenthalt um und über 2.000m Höhe regelmäßig morgendliche Kopfschmerzen eingestellt. Ja, die Höhe hat es in sich….

Nach einer eigenen, über mehrere Jahre angelegten empirischen Untersuchung zu diesem Sachverhalt hat sich jedoch zweifelsfrei ergeben, dass weniger der geringere Sauerstoffgehalt in der Luft und die daraus resultierende geringere Sauerstoffsättigung im Blut ursächlich verantwortlich für dieses morgendliche Phänomen war, sondern vielmehr der höhere Branntweingerhalt der in der Zeit zugeführten Nahrung, mit der daraus resultierenden höheren Weingeistsättigung im Blut.
Mit einer geringfügig veränderten Obstlerdosierung verschwanden die Kopfschmerzen erwartungsgemäß.

CS

Dietmar
 
Sehr gute Analyse - Polytoxikomanie... Du darfst die Übersättigung mit Nitritpökelsalzderivaten aus den Katenschinken und die Kaseinüberversorgung vom Hüttenkäse nicht vergessen.

Daneben stellen sich bei mir bei schnellem Höhenwechsel, Musterbeispiel Zugspitz-Seilbahn, Kopfschmerzen und Unwohlsein ein, die mich das eine oder anderen Mal schon fluchtartig vom Berg getrieben haben. Besteht die Möglichkeit der Akklimatisierung habe ich diese Schwierigkeiten nicht.

CS
Jörg
 
Wird halt wirklich erst ab 3000m symptomatisch relevant, sonst gäbe es ja für Piloten Vorschriften, entsprechende Maßnahmen schon vor dieser Höhe zu treffen, und das ist halt nicht der Fall.
Bei nur 2000m als Ziel pausen in 500m Schritten zu machen ist unnötig und völlig übertrieben.

LG
Olli
 
Ich habe neulich erst ab 4,500m in Ecuador was gemerkt, und ich kam vormittags direkt von Höhe Meeresspiegel...

2,000m ist nur für gaaaaanz empfindliche Leute merkbar, die normalerweise sehr tief wohnen. Außer dass Dir die Montierung etwas schwerer vorkommen wird, trotz geringerer Gravitation ;)

Viel Spaß
Ernie
 
Das Einzige, was ich als Flachlandtiroler auf 2.000m Höhe bei mir bemerke, ist, dass ich NOCH unfitter bin und mir ganz fix die Puste ausgeht. Kopfschmerzen usw. sind bei dieser Höhe ohne übermäßige Obstlerzufur noch nicht zu erwarten.
Interessant dabei: Wenn Du 1-2 Wochen auf dieser Höhe zubringst und danach wieder in flacheren Gefilden unterwegs bist, wirst Du glauben, Bäume ausreissen zu können. Leider ist dieser Effekt nach 2 Tagen wieder vorüber...

Also, viel Spaß im Astrourlaub :y: und CS, Joachim
 
Beim Wechsel von Heilbronn (rund 150-200 m) auf die Heilbronner Hütte (2320 m) merke ich die ersten ein, zwei Tage gelegentlich etwas weniger Kondition (500 Höhenmeter sinds vom Parkplatz bis zur Hütte, vielleicht geht das auch schon als Akklimatisierung durch), und dass es vor lauter Sternen schwer ist, die Orientierung zu finden. Der Himmel ist deutlich dunkler...

Also nicht gleich am ersten Tag die Montierung auf den nächsten Gipfel schleppen oder große Touren machen, wenn du normalerweise auch keinen Sport treibst, ist bestimmt kein Fehler. Wenn du nur vor Ort beobachtest, solltest du nicht viel merken.

Beste Grüße,
Alex
 
Wird halt wirklich erst ab 3000m symptomatisch relevant, sonst gäbe es ja für Piloten Vorschriften, entsprechende Maßnahmen schon vor dieser Höhe zu treffen, und das ist halt nicht der Fall.
Bei nur 2000m als Ziel pausen in 500m Schritten zu machen ist unnötig und völlig übertrieben.

LG
Olli
Moin Olli,

kann ich so nicht bestätigen, Ich war mal in Jugendjahren beim Fliegerarzt, da ich mit dem Segelfliegen anfangen wollte, seitdem weiß ich dass ich ein Problem mit dem Gleichgewichtssinn habe, den Kontakt habe ich aus anderen Gründen lange gehalten und nach einem "Beinahe-Zusammenbruch" auf dem Säntis hatte ich ihn kontaktiert, ich habe damals die Information erhalten, dass ab 1.500m Höhe manche Menschen Symptome bekommen und sich durch entsprechend langsames Aufsteigen damit arrangieren können. Oder durch passendes Verhalten, dass leider nicht mit dem kulinarischen Angebot der sich anbietenden Wartepositionen in Deckung zu bringen ist. In diese Gruppe Personen fallen vor allem Leute mit labilem Kreislauf und ähnlichen Krankheiten, ansonsten ist die Grenze wo es dann irgendwann quasi jeden trifft wie hier schon geschrieben 3000m. Wer also die Europ. Südsternwarte oder ALMA besuchen will muß Vorkehrungen treffen...

CS
Jörg
 
Hallo Alle,

ich glaube, Gerrit meint nur den Einfluss der Höhe auf die Sehfähigkeit, nicht auf Ausdauer, Kreislauf etc.

Ich habe auch schon gelesen, dass die Lichtempfindlichkeit der Netzhaut angeblich bei großer Höhe abnimmt, weil die Netzhaut nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt wird.

Ich habe mal im Himalaya auf 4000 m Höhe eine unfassbar klare Nacht erlebt. Da gab´s keinerlei Hinweise auf Einschränkungen (oder sie wurden durch den sagenhaft klaren Himmel überkompensiert). Ich denke also, das in uns zugänglichen Höhen keine merkliche Einschränkung der Sehfähigkeit existiert. Die anderen Einschränkungen (mangelnde Ausdauer, Kurzatmigkeit, etc.) gibt´s natürlich. Und eine deutliche altersbedingte Abnahme der Sehfähigkeit, weil sich die Pupillen nicht mehr so weit öffnen, wie in der Jugend.

Gruß und CS,

Olaf
 
Da scheinst du wohl tatsächlich zu einer Minderheit zu gehören, sorry für dich.

Ich war mal in Jugendjahren beim Fliegerarzt, da ich mit dem Segelfliegen anfangen wollte,
Bin selber Segelflieger ;)

habe damals die Information erhalten, dass ab 1.500m Höhe manche Menschen Symptome bekommen und sich durch entsprechend langsames Aufsteigen damit arrangieren können.
Das ist ziemlich krass, wenn ich bedenke, wie schnell man diese Höhe erreicht. Durchaus in weniger als 10 Minuten.

Oder durch passendes Verhalten, dass leider nicht mit dem kulinarischen Angebot der sich anbietenden Wartepositionen in Deckung zu bringen ist.
XD

LG
Olli
 
Hi Olli,

das betrifft mehr Menschen als man meinen soll, so ca. 5% wohl - wenn man's weiß richtet man sich danach. Vor 20 Jahren hat mich das auch weniger gestört, aber langsam zeigt einem Mutter Natur auf, wo der Hammer hängt :sneaky:

Dann wünsch' ich Dir viel Vergnügen über den Wolken!

CS
Jörg
 
Hallo zusammen,

Da hat sich ja jede Menge getan hier!

Wie zwischendrin angemerkt wurde, es geht mit nicht um konditionelle Aspekte oder Kraft, sondern ausschließlich um die Sehleistung.

Wie hier bereits angemerkt wurde, habe ich ebenfalls gelesen, dass Höhenkrankheit bereits ab 1500m auftreten kann, außer leichten Kopfschmerzen habe ich aber nicht viel gemerkt. Aber das soll hier ja nicht das Thema sein.

Gestern Nacht wurde es dann doch noch richtig transparent, sodass ich Zeit hatte mal zu gucken, wie der Himmel ist. Dabei kann ich das bestätigen, was andere ebenfalls schon geschrieven haben: auch wenn man oft liest, dass die Sehleistung in der Höhe abnimmt, hat sich das bei mir nicht störend bemerkbar gemacht. Für M33 und das Zodiakallicht mit bloßem Auge hat es gereicht :)

CS Gerrit
 
Hallo liebe Sternfreunde,

nachdem ich zufällig auf diesen Thread gestoßen bin und mich die Grundthematik auch von Berufswegen her schon lange begleitet, hier ein paar Infos/Richtigstellungen zum obigen Verlauf:

1. Das Phänomen der Höhenkrankheit bezeichnet man auch als Hypoxie. Ab welcher Höhe die ersten Symptome auftreten, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern hängt von der individuellen physiologischen Konstitution eines Menschen ab. So stellen sich zB bei Rauchern oder aber auch bei Lungenkranken die ersten Symptome deutlich früher (also tiefer) ein als bei kerngesunden Menschen.
2. Der Sauerstoffgehalt der Luft ist in 2000 oder 8000m genau der gleiche wie auf Meeresniveau. Was sich verändert ist der Sauerstoffpartialdruck der Luft, weil der Gesamtluftdruck abnimmt. Dadurch wird das Druckdiffusionsgefälle zwischen Lunge und Blut sowie zwischen Blut und Gewebe abgeschwächt und der Sauerstoff gelangt einfach nicht mehr so effektiv ins Blut und das Gewebe. Die Folge ist eine „Entsättigung“ des Blutes und zunehmend auch des Gewebes,was der Körper meist durch eine erhöhte Atem- undHerzfrequenz zu kompensieren versucht. Gleichzeitig werden bestimmte Bereiche wie das Hirn nicht mehr so gut mit Sauerstoff versorgt, was zu ersten Wahrnehmungs- oder sogar Bewusstseinsproblemen (zB Sehvermögen oder ungetriggerte Euphorie). Wird nun,zb durch körperliche Anstrengung zusätzlich Sauerstoff verbraucht, verstärken sich die Atemfrequenz und der Herzschlag sowie die anderen Symtome noch stärker. Weiter ins Detail gehe ich jetzt nicht, kann man alles im Netz nachlesen.
3.In der Luftfahrt muss zwischen Betrieb in druckbeaufschlagten Flugzeugen und Flugzeugen ohne Druckkabine unterschieden werden. In ersteren wird der Druck im Flugzeug im Steigflug bis auf eine maximale Kabinendruckhöhe reduziert, die idR voreingestellt ist und für den Durchschnittsmenschen bei keiner körperlichen Amstrengung(sitzen ja alle) gut zu vertragen ist. Hier gibt es keine Vorgaben, was die Druckhöhe angeht, es muss allerdings ein bestimmter Vorrat an Notsauerstoff für den Notfall im Flieger mitgeführt werden. Wen interessiert, wie das alles funktioniert, kann mich gern mal gesondert anschreiben. Für Flugzeuge ohne Druckkabine ist es dann tatsächlich so, dass oberhalb bestimmter Höhen Sauerstoff nicht nur mitgeführt, sondern auch zugeführt werden muss. Es geht los zwischen 12000 und 13000 Fuß bei einem Verbleib in dieser Höhe von min. 20 Minuten. Ab 13000 Fuß müssen alle Personen an Bord für die gesamte Zeit Sauerstoff erhalten,idR läuft das über einen sog. Oxymizer. Ab 18000 Fuß muss regulärer Sauerstoff aus der Flasche über eine normale Maske zugeführt werden. Viele Piloten verwenden jedoch unabhängig von diesen Regularien meist bereits in viel niedrigeren Höhen Sauerstoff, weil sie beispielsweise mit Kopfschmerzen oder Unwohlsein zu kämpfen haben, wenn sie das nicht tun. Man sieht also: Es lässt sich nicht pauschalisieren.

Ich empfehle ebenfalls eine mehrtägige Anpassung an die Höhe. Über mehrere Tage reagiert der Körper auf den verringerten Außendruck mit der Produktion von mehr roten Blutkörperchen, sodass die Aufnahmekapazität des Blutes für Sauerstoff besser wird und man leistungsfähiger wird.Machen Spitzensportler übrigens oft vor wichtigen Wettkämpfen so (nennt man Höhentraining).

So und nun genug davon.

Clear skies und viele Grüße,

Marc
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Marc,

vielen Dank für deine detaillierte Antwort, da steckt sicherlich jede Menge Erfahrung drinnen.

CS Gerrit
 
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