Hartwig
Aktives Mitglied
Moin Astrogemeinde!
"Besser wird's nicht" hatte Armin als ABC-Alarm gemailt. Und tatsächlich war die Nacht wirklich klasse, noch um einiges besser als die letzte Aschberg-Session mit Armin (TAL 2 M, 6" Kutter, 8" Planeten-Dobs), Urlauber Ulli und Michael (6" Dobs, Tal 1, 80/400 Refraktor). Dazu kam diesmal noch Katrin (Newton 114/900), so dass wieder einmal ein kleiner Teleskopwald auf dem Aschberg wuchs. Ach ja - ich vergaß, dass mein kränkelnder Wagen außerdem mit einem 10" Dobs und drei Refraktoren beladen war: 120/1000 und 102/500 mit 70/300 als Sucher.
Das Didgeridoo erklang diesmal nur kurz; dafür spielten Armin und Ulli hingebungsvoll mit Stir-Rohren rum (habe ich das richtig verstanden?). Mir war die Zeit diesmal für akustische Experimente zu kostbar. Die eine Stunde volle Dunkelheit, mit der wir uns hier begnügen müssen, wollte ich für optische Genüsse verwenden: Milchstraße, Schildwolke und M 24 traten deutlich hervor; M 31, M 13, h und chi waren ganz leicht auszumachen.
Meine Beobachtungen begannen gegen 23.45 MESZ mit M 107. Der KS war nur knapp zu erwischen, bevor er unterging. Im 30er Widescan erschien er immerhin als ziemlich großer Nebelfleck. Die Kugelhaufen in Oph waren mir bisher immer entgangen; diesmal wollte ich zumindest einige drankriegen.
M 9 war der nächste. Er war im 30er sehr deutlich, im 9er Nagler zwar etwas unscharf (ganz kollimiert war der Dobs nicht), aber deutlich aufgelöst.
M 14 erschien im 9er erst diffus, aber bei genauerem Hinsehen blinkten erst einige Einzelsterne durch, dann erschien er plötzlich ganz aufgelöst.
M 8 und M 20 sind bei uns eine ganz seltene Gelegenheit, weil sie fast immer im Horizontdunst bleiben. Die Anderen waren bei diesen Objekten etwas schneller. Für mich waren sie kurz vor dem Untergang nur noch wischiwaschi - das ITV 2001 bleibt in diesem Punkt unübertroffen.
M 28 - ebenfalls kurz vor dem Untergehen - blieb im 9er etwas diffus, war aber aufgelöst.
M 22 war wenig kontrastreich in der Rendsburger Lichtglocke, erschien im 30er körnig, im 9er aufgelöst und heller.
M 25 kam mir nicht sehr spektakulär vor, aber die Einzelsterne waren ziemlich hell.
Mit M 17 kam ich endlich aus dem Horizontdunst heraus. ER war ohne Filter natürlich ganz deutlich und recht gut konturiert. Im 20er Nagler mit UHC tauchten plötzlich feine Außengebiete auf. Mit O III formte das kurze Ende fast eine Schlinge: Endlich zeigte der Nebel seine Omega-Form.
M 16 zeigt mit UHC und mit O III deutlich die Adler-Form. Ohjne Filter, wie bei Karkoschka angegeben, war nur der Sternhaufen zu sehen, aber der enthält eine sehr schöne Kette schwacher Sterne, die sich wirklich lohnt.
Zwischendrin haben wir mit dem 11x80 Bino den Himmel durchgemustert und waren begeistert: Ohne Probleme war NGC 6992, die hellere Hälfte des Cirrusnebels zu sehen (ohne Filter!), und auch NGC 7000 konnte ich erkennen, vom bildfeldfüllenden M 31 ganz zu schweigen.
Den Andromedanebel habe ich dann auch im Zehnzöller eingestellt. M 31 sprengte das Gesichtsfeld. Es waren ohne weiteres Strukturen zu sehen, und mit etwas mehr Zeitaufwand wäre noch viel mehr daraus geworden. M 110 schien ganz leicht strukturiert, die Spiralform war wohl eher Einbildung.
M 33 sah im 30er Widescan gerade eben spiralig aus. Später hatte ich ihn mit Michael gemeinsam im kurzen Vierzöller. Da war die Spirale im 30er und im 20er Nagler nicht zweifelsfrei zu sehen. Im Zehnzöller war sie mit dem 20er deutlicher zu sehen, und ganz klar waren auch mehrere einzelne Sterne zu erkennen. Für die braucht man allerdings keinen Zehnzöller: Michael hatte sie in einem kleineren Gerät auch ohne weiteres gefunden.
M 57 habe ich bei den letzten Beobachtungen regelmäßig übergangen. Diesmal hatte ich ihn erstmals im Zehnzöller. Deutlich war er bei jeder Vergrößerung, aber erst im 9er Nagler war der Innenbereich richtig schön dunkel.
Wo wir gerade mal in der Gegend waren: Auf zum Nordamerikanebel NGC 7000. Die Durchsicht war fantastisch; er war auch ohne Filter zu erkennen. Aber erst mit UHC und mit O III waren die Konturen wirklich deutlich, dann sogar absolut unübersehbar. Der Golf von Mexiko war sehr dunkel. Florida dagegen ungewohnt blass - das konnte ich sonst immer zuerst identifizieren. Auch der Pelikannebel IC 5067 war ganz klar zu erkennen. Im Vierzöller passten sogar beide locker gleichzeitig ins Bild, ein immer wieder toller Anblick!
Wenn das Stichwort "Cirrusnebel" fällt, eilt Armin immer ziemlich schnell herbei, während ich sogar im Stockdunkeln sehen kann, wie Michael die Augen verdreht. Diesmal konnte er aber auch nicht widerstehen. Schon ohne Filter zeigte der Zehnzöller den Bogen von NGC 6960 neben 52 Cygni. Der Sturmvogel NGC 6992 war klar flächig und sturkturiert. Die inneren teile des Nebels konnte ich auch schon erahnen. Mit UHC kamen feine Filamente bis ins Zentrum zum Vorschein. Mit O III erschienen sie ganz deutlich: Viele kleine, flächige Nebel, die sich bis zur Mitte des Nebels hinzogen. Auch der schwächere Bogen links von 52 Cygni ist großflächig und zeigt viele feine Filamente.
Und was war mit Mars? Die Anderen hatten ihn schon in praktisch allen Geräten durchprobiert; allerdings stand er noch ziemlich tief und kam mir nicht sehr kontrastreich vor (dafür blendend hall, was wohl zusammenhängt). Ich habe ihn bei jeder Vergößerung durchprobiert. Der Zehnzöller ist nun leider gar kein Planetengerät, und ich kriege Planetenbilder bei stärkerer Vergrößerung (im 9er Nagler) sowieso nie ganz zur Deckung. Schade; denn die Dunkelgebiete schienen in dem Geflimmer Ziemlich kräftig hervorzutreten. So war es auch bei niedrigen Vergrößerungen (30er Widescan und 40er UWA) in den beiden Refraktoren (den 70er Suchen kann man hier echt nicht mitzählen). Im 18er, 12,5er und 6 er Ortho erschien das Bild recht ruhig, ganz ordentliches Seeing. Aber trotzdem war nicht mehr zu sehen als die inzwischen ziemlich kleine Polkappe mit einem dunklen Rand, der aufgehellte Rand und ein Dunkelgebiet, das sich schräg über die Planetenscheibe zog und sich am linken Rand etwas verdichtete.
Das hatte ich im Prinzip bereits im Zweieinhalbzöller klar erkennen können. Woran das wohl liegt? Ist der Planet zu hell? Ist ein "echter" Fraunhofer mit f/15 den Allround-Geräten einfach prinzipiell überlegen, d.h. vermatscht der Farbfehler einiges? Bin mal gespannt, was der 20-cm-Schaer-Refraktor der Kieler Ostufer-Sternwarte zeigt, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Und mein im Entstehen begriffener "kleiner" Planeten-Dobson. Ich baue gerade meinen 20 Jahre alten Sechszöller um. First light heute Abend?
Ganz zum Schluss kam noch kurz Saturn dran, da scharrte Michael schon mit den Hufen - es war fast viertel vor fünf. O.k., Ring, Schatten, Cassiniteilung und Titan waren zu sehen. Alles noch da, aber der Planet ist noch ziemlich klein.
Grüße von Hartwig
Hartwig.Janus@t-online.de
"Besser wird's nicht" hatte Armin als ABC-Alarm gemailt. Und tatsächlich war die Nacht wirklich klasse, noch um einiges besser als die letzte Aschberg-Session mit Armin (TAL 2 M, 6" Kutter, 8" Planeten-Dobs), Urlauber Ulli und Michael (6" Dobs, Tal 1, 80/400 Refraktor). Dazu kam diesmal noch Katrin (Newton 114/900), so dass wieder einmal ein kleiner Teleskopwald auf dem Aschberg wuchs. Ach ja - ich vergaß, dass mein kränkelnder Wagen außerdem mit einem 10" Dobs und drei Refraktoren beladen war: 120/1000 und 102/500 mit 70/300 als Sucher.
Das Didgeridoo erklang diesmal nur kurz; dafür spielten Armin und Ulli hingebungsvoll mit Stir-Rohren rum (habe ich das richtig verstanden?). Mir war die Zeit diesmal für akustische Experimente zu kostbar. Die eine Stunde volle Dunkelheit, mit der wir uns hier begnügen müssen, wollte ich für optische Genüsse verwenden: Milchstraße, Schildwolke und M 24 traten deutlich hervor; M 31, M 13, h und chi waren ganz leicht auszumachen.
Meine Beobachtungen begannen gegen 23.45 MESZ mit M 107. Der KS war nur knapp zu erwischen, bevor er unterging. Im 30er Widescan erschien er immerhin als ziemlich großer Nebelfleck. Die Kugelhaufen in Oph waren mir bisher immer entgangen; diesmal wollte ich zumindest einige drankriegen.
M 9 war der nächste. Er war im 30er sehr deutlich, im 9er Nagler zwar etwas unscharf (ganz kollimiert war der Dobs nicht), aber deutlich aufgelöst.
M 14 erschien im 9er erst diffus, aber bei genauerem Hinsehen blinkten erst einige Einzelsterne durch, dann erschien er plötzlich ganz aufgelöst.
M 8 und M 20 sind bei uns eine ganz seltene Gelegenheit, weil sie fast immer im Horizontdunst bleiben. Die Anderen waren bei diesen Objekten etwas schneller. Für mich waren sie kurz vor dem Untergang nur noch wischiwaschi - das ITV 2001 bleibt in diesem Punkt unübertroffen.
M 28 - ebenfalls kurz vor dem Untergehen - blieb im 9er etwas diffus, war aber aufgelöst.
M 22 war wenig kontrastreich in der Rendsburger Lichtglocke, erschien im 30er körnig, im 9er aufgelöst und heller.
M 25 kam mir nicht sehr spektakulär vor, aber die Einzelsterne waren ziemlich hell.
Mit M 17 kam ich endlich aus dem Horizontdunst heraus. ER war ohne Filter natürlich ganz deutlich und recht gut konturiert. Im 20er Nagler mit UHC tauchten plötzlich feine Außengebiete auf. Mit O III formte das kurze Ende fast eine Schlinge: Endlich zeigte der Nebel seine Omega-Form.
M 16 zeigt mit UHC und mit O III deutlich die Adler-Form. Ohjne Filter, wie bei Karkoschka angegeben, war nur der Sternhaufen zu sehen, aber der enthält eine sehr schöne Kette schwacher Sterne, die sich wirklich lohnt.
Zwischendrin haben wir mit dem 11x80 Bino den Himmel durchgemustert und waren begeistert: Ohne Probleme war NGC 6992, die hellere Hälfte des Cirrusnebels zu sehen (ohne Filter!), und auch NGC 7000 konnte ich erkennen, vom bildfeldfüllenden M 31 ganz zu schweigen.
Den Andromedanebel habe ich dann auch im Zehnzöller eingestellt. M 31 sprengte das Gesichtsfeld. Es waren ohne weiteres Strukturen zu sehen, und mit etwas mehr Zeitaufwand wäre noch viel mehr daraus geworden. M 110 schien ganz leicht strukturiert, die Spiralform war wohl eher Einbildung.
M 33 sah im 30er Widescan gerade eben spiralig aus. Später hatte ich ihn mit Michael gemeinsam im kurzen Vierzöller. Da war die Spirale im 30er und im 20er Nagler nicht zweifelsfrei zu sehen. Im Zehnzöller war sie mit dem 20er deutlicher zu sehen, und ganz klar waren auch mehrere einzelne Sterne zu erkennen. Für die braucht man allerdings keinen Zehnzöller: Michael hatte sie in einem kleineren Gerät auch ohne weiteres gefunden.
M 57 habe ich bei den letzten Beobachtungen regelmäßig übergangen. Diesmal hatte ich ihn erstmals im Zehnzöller. Deutlich war er bei jeder Vergrößerung, aber erst im 9er Nagler war der Innenbereich richtig schön dunkel.
Wo wir gerade mal in der Gegend waren: Auf zum Nordamerikanebel NGC 7000. Die Durchsicht war fantastisch; er war auch ohne Filter zu erkennen. Aber erst mit UHC und mit O III waren die Konturen wirklich deutlich, dann sogar absolut unübersehbar. Der Golf von Mexiko war sehr dunkel. Florida dagegen ungewohnt blass - das konnte ich sonst immer zuerst identifizieren. Auch der Pelikannebel IC 5067 war ganz klar zu erkennen. Im Vierzöller passten sogar beide locker gleichzeitig ins Bild, ein immer wieder toller Anblick!
Wenn das Stichwort "Cirrusnebel" fällt, eilt Armin immer ziemlich schnell herbei, während ich sogar im Stockdunkeln sehen kann, wie Michael die Augen verdreht. Diesmal konnte er aber auch nicht widerstehen. Schon ohne Filter zeigte der Zehnzöller den Bogen von NGC 6960 neben 52 Cygni. Der Sturmvogel NGC 6992 war klar flächig und sturkturiert. Die inneren teile des Nebels konnte ich auch schon erahnen. Mit UHC kamen feine Filamente bis ins Zentrum zum Vorschein. Mit O III erschienen sie ganz deutlich: Viele kleine, flächige Nebel, die sich bis zur Mitte des Nebels hinzogen. Auch der schwächere Bogen links von 52 Cygni ist großflächig und zeigt viele feine Filamente.
Und was war mit Mars? Die Anderen hatten ihn schon in praktisch allen Geräten durchprobiert; allerdings stand er noch ziemlich tief und kam mir nicht sehr kontrastreich vor (dafür blendend hall, was wohl zusammenhängt). Ich habe ihn bei jeder Vergößerung durchprobiert. Der Zehnzöller ist nun leider gar kein Planetengerät, und ich kriege Planetenbilder bei stärkerer Vergrößerung (im 9er Nagler) sowieso nie ganz zur Deckung. Schade; denn die Dunkelgebiete schienen in dem Geflimmer Ziemlich kräftig hervorzutreten. So war es auch bei niedrigen Vergrößerungen (30er Widescan und 40er UWA) in den beiden Refraktoren (den 70er Suchen kann man hier echt nicht mitzählen). Im 18er, 12,5er und 6 er Ortho erschien das Bild recht ruhig, ganz ordentliches Seeing. Aber trotzdem war nicht mehr zu sehen als die inzwischen ziemlich kleine Polkappe mit einem dunklen Rand, der aufgehellte Rand und ein Dunkelgebiet, das sich schräg über die Planetenscheibe zog und sich am linken Rand etwas verdichtete.
Das hatte ich im Prinzip bereits im Zweieinhalbzöller klar erkennen können. Woran das wohl liegt? Ist der Planet zu hell? Ist ein "echter" Fraunhofer mit f/15 den Allround-Geräten einfach prinzipiell überlegen, d.h. vermatscht der Farbfehler einiges? Bin mal gespannt, was der 20-cm-Schaer-Refraktor der Kieler Ostufer-Sternwarte zeigt, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Und mein im Entstehen begriffener "kleiner" Planeten-Dobson. Ich baue gerade meinen 20 Jahre alten Sechszöller um. First light heute Abend?
Ganz zum Schluss kam noch kurz Saturn dran, da scharrte Michael schon mit den Hufen - es war fast viertel vor fünf. O.k., Ring, Schatten, Cassiniteilung und Titan waren zu sehen. Alles noch da, aber der Planet ist noch ziemlich klein.
Grüße von Hartwig
Hartwig.Janus@t-online.de