Hallo Walter,
ich meine auch, die wichtigsten Argumente fuer 7mm Austrittspupille haben mit der Bequemlichkeit beim Einblick zu tun. Insbesondere, wenn man schnell bewegte Objekte verfolgen muss (Fliegerabwehr, manchmal wurden bis zu 10mm Austrittspupille verwendet) oder sich selbst bewegt (auf einem rollenden Schiff), dann findet man schneller und sicherer Kontakt mit der Austrittspupille.
Fuer die Daemmerung jedoch bringt es eigentlich nicht mehr viel, wenn man von 7x42 oder 8x50 auf 7x50 wechselt. Jedenfalls nicht viel genug, um die Nachteile auszugleichen: Man braucht groessere Prismen oder verzichtet auf Sehfeld. Meistens hat ein 8x50 dasselbe reale Sehfeld wie das 7x50, und es zeigt daher dasselbe Bild, aber etwas aufgeblasen. Die staerkere Vergroesserung des 8x50 bringt oft mehr Details in der Daemmerung als man schlimmstenfalls (fuer denjenigen, der wirklich noch 7mm Pupillen hat) durch die kleinere Austrittspupille verliert. Ich behaupte daher mal, das 8x50 ist i.a. ein besseres Daemmerungsglas als das 7x50, ausser, wenn es sich bei dem 7x50 um ein Weitwinkel handelt, das die geringere Vergroesserung nutzt und in ein weites reales Sehfeld umsetzt (Beispiel: Miyauchi Binon).
Auch die 6mm Austrittspupille des 7x42 sind in kaum einer Daemmerungssituation ein Handicap gegenueber dem 7x50. Durch die kleineren Objektive verkleinert sich das Strahlenbuendel und man kann dadurch leichter weite Sehfelder realisieren, ohne riesige Prismen zu brauchen. Ein 7x40 Porro mit 60 Grad scheinbarem Sehfeld ist zwar nicht gerade kompakt, aber immer noch deutlich handlicher als ein 7x50 mit schlappen 50 Grad Sehfeld. Diese Groesse war daher im Ostblock als Militaerfernglas weit verbreitet (7x40 DF der NVA, oder das IOR-SA aus Rumaenien). Auch hier wuerde ich behaupten: Lieber ein 7x42 fuer die Nacht als ein 7x50, ausser man kann an Ort und Stelle bleiben (Hochsitz), und dann wuerde ich ohnehin eher 8x50 als 7x50 nehmen.
Insgesamt betrachte ich daher ein 7x50 eher als ein Spezialglas fuer die Seefahrer. 8x50 und 7x42 sind eigentlich nuetzlicher, selbst in der Daemmerung. Leider hat sich das 7x50 gegenueber dem 8x50 auf dem Markt durchgesetzt (Docter hat das 8x50 Nobilem abgesetzt, Zeiss sein 8x50 Porro, beide bauen aber noch das 7x50), vielleicht auch, weil sie schoen billig zu produzieren sind: Bei 50 Grad scheinbarem Sehfeld braucht man keine teuren Weitwinkelokulare. Die 7x42 tauchen eher in der 'birder community' auf und sind daher meist sehr teuere Edel-Dachkanten. Es waere kein Problem, ein ordentliches 7x42 Porro fuer 300-500 Euro zu bauen, aber das macht leider niemand. Am besten ist immer noch das Rumaenische Militaerglas IOR-SA 7x40, aber leider hat es Einzelokulareinstellung und ist natuerlich, als Militaerglas, relativ schwer.
Gruss,
Holger