Wochenend und Lichterschein

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captain_cdr

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So!

Irgendwie hat es mich immer gestört, daß die ganzen schönen Beobachtungen, die ich mache, ein paar Tage später wieder verloren sind. Das einzige Mittel dagegen: Das Gesehene irgendwie festhalten. Und deshalb habe ich jetzt mal meinen ersten Beobachtungsbericht geschrieben... ich war erstaunt, wieviel Arbeit das doch ist.

CS, Gernot

Beobachtungsbericht 20.-21.9.2003

Ort: Taubenberg (890m)

Zeit: 20:00 - 2:30

Gerät: Celestron Astro Newton 200/1000 auf HEQ-5

Grenzhelligkeit: ca. 5.5mag, Seeing 5/10

Der Himmel war alles andere als berühmt, am Taubenberg hatten wir in
letzter Zeit wesentlich besseres erlebt. Enorm viel Dunst hellte den
Himmel nicht unbeträchtlich auf und sorgte in Horizontnähe für eine
erbärmliche Durchsicht und in Richtung Südost für eine ordentliche
Lichtglocke und machte somit einen gesamten Himmelsabschnitt
unbrauchbar. Dafür war die Gesellschaft der Mitspechtler an diesem Abend
angenehmer als die Nacht zuvor. Und es war warm, nicht mehr so eiskalt wie
zwei Wochen davor. Die Luft roch gut nach Sommer und Bergen und es gab die
ganze Nacht durch ein kostenloses Kuhglockenkonzert. Allein dafür hätte sich
der Weg schon gelohnt.

Kurz nachdem wir begonnen hatten, kam ein Mann mit zwei Kindern
vorbeigefahren, denen er mal den Mars zeigen wollte. Natürlich war die
Detailauflösung um diese Uhrzeit noch nicht berauschend. Als Dreingabe
gab's noch M31, danach mußten die Kleinen ins Bett...

Die folgende Auflistung ist nicht ganz in chronologischer Reihenfolge,
wir sprangen auch übel von einem Eck des Himmels zum nächsten. Unsere
Tour begann im Sagittarius, da der ja nicht mehr lange zu sehen ist.

M69, M70: Im Horizontdunst kaum zu erkennen, Auflösung nicht möglich,
aufsuchen alleine schwierig genug.

M28: Etwas einfacher als M69/70, trotzdem nicht aufgelöst.

M9: Höher am Himmel als die anderen Haufen, leicht zu finden,
ansatzweise aufgelöst.

M8, M20: Gab's schon mal deutlich besser. Dreiteilung des Nebels zwar
deutlich sichtbar, der Kontrast ließ aber zu wünschen übrig.

M17: Steht deutlich höher am Himmel als M20. Das erste wirklich
befriedigende Objekt des Abends. Der O-III Filter ist sein Geld mal
wieder mehr als wert.

M13: Nach den Enttäuschungen in Sagittarius und Ophiuchus wollte ich
mir auch mal einen klar auflösbaren Sternhaufen anschauen, und M13
stand hinreichend weit im Zenit. Wir wurden nicht enttäuscht.

NGC 7635 (Bubble-Nebel), M52: Das nächste Objekt des Abends sollte ein
nicht ganz üblicher Nebel sein, der Bubble-Nebel. Nichtallzu hell,
aber zur Zeit hinreichend weit im Zenit stehend. Zum Aufsuchen stellte
ich als erstes M52 in der Cassiopeia ein, dieser offene Haufen ist
leicht genug zu finden. Von dort aus ging es nach Koordinaten des
Nebels nach Südwest. Hmm, schwierig. Ein wenig kontrastreicher Fleck
zeigt sich im O-III-Filter. Nun gut, visuell ist halt nicht gleich
fotographisch. Den nächsten Nebel, NGC 7023 konnten wir trotz
wesentlich höherer Gesamthelligkeit nicht auffinden, der Himmel gab's einfach
nicht her.

NGC 654,633 und NGC 457: Der sogenannte Eulenhaufen war unser nächstes
Ziel. Mehr aus Versehen bin ich auf der Suche nach diesem Objekt bei dem Paar
NGC 654/633 gelandet. Naja, die sind auch schön anzusehen. Dann aber weiter zu
NGC 457. Klasse! Die Eulenform ist wunderbar zu erkennen und die beiden
leuchtenden "Augen" setzen dem ganzen die Krone auf.

NGC 687, 669, Stock 2: H und chi Persei sind ja ein Standardobjekt, wir
verwendeten den Doppelhaufen diesmal als Ausgangspunkt für die Suche nach
Stock 2, dem Muskelmännchen. Die Identifikation dieses Haufens erwies sich als
nicht einfach vor dem Milchstraßenhintergrund. Grandios allerdings der
Anblick, als wir später nochmal mit dem 2-Zoll Okular h und chi einstellten.

NGC 7331, Stephan's Quintett: NGC 7331 ist über das Pegasus-Quadrat
schnell gefunden. Der kärgliche Anblick im Okular hat nicht viel
gemeinsam mit den 10D-Photos im Bilder-Forum. Bei höherer Vergrößerung
sieh sie fast aus wie eine Edge-on Galaxie, unterhalb des Kerns ist ein
Staubband erkennbar. Die Suche nach Stephan's Quintett ist eher
frustrierend... nach langer Suche mit Hilfe der Aufsuchkarten im
Stoyan sind seeeeeehr, sehr matt die zwei hellsten Galaxien zu
erkennen, dabei muß man noch aufpassen, daß man sich nach
minutenlanger Betrachtung nicht einfach weitere Galaxien
dazuphantasiert. Mit dem Achtzöller sollte doch mehr drin sein, aber
anscheinend nicht bei diesem Himmel.

eps Lyrae, 36 And: Kurzzeitig trat etwas Ratlosigkeit zutage, was man
denn mit diesem Himmel anfangen sollte. Galaxien schauen war wohl eher
nicht. Da hab ich mich mal kurz meiner heimlichen Passion gewidmet:
Doppelsterne trennen. Mit dem Newton ist das Trennen von Doppelsternen
oft schwieriger als mit deutlich kleineren Refraktoren und die
Leistung am Doppelstern ist ein guter Indikator für den
Kollimationszustand. Epsilon Lyrae als Objekt zum Warmmachen zerfiel
problemlos in seine vier Bestandteile, 36 And mit 0,9-1,0
Bogensekunden Abstand ließ sich ebenfalls ohne weiteres
auflösen. Lange kann ich das Spiel allerdings nicht treiben, mit
meinem Faible für Doppelsterne stehe ich ziemlich alleine da.

M45: Seit ein paar Wochen eins meiner Lieblingsobjekte, ob mit bloßem Auge
oder mit dem Teleskop. Ich hatte mir vorgenommen, mir endlich mal wieder die
Mühe zu machen, das 2-Zoll WW-Okular einzusetzen. Die Pleiaden wirken im
8-Zöller wesentlich brillanter als in meinen kleineren Geräten, die größere
Öffnung läßt die Hauptsterne wesentlich schöner hervorleuchten. Leider ist das
Blickfeld mit den 1,25-Zoll Okularen nicht groß genug, um den gesamten Haufen
betrachten zu können. Aber mit 2 Zoll kann ich mich gar nicht sattsehen an der
ganzen Herrlichkeit!

Melotte 25: Nach der Pracht der Pleiaden fallen die Hyaden natürlich stark ab.

NGC 6992: Wo das 2-Zoll Okular gerade schon mal drin war (mit allem
Balancier-Ärger), konnte ich mir ein Paar Standard-Objekte nicht
verkneifen. Also ab in den Schwan... den Cirrus-Nebel finde ich fast blind und
WOW! Man merkt doch den Unterschied zwischen vier und acht Zoll
Öffnung. Während der Cirrus-Nebel im Vierzöller ohne Filter nur sehr schwer zu
erkennen ist, zeigt er hier schon eine ganze Menge an Struktur. Phänomenal
wirkt der Anblick aber eigentlich erst durch das Weitwinkel-Gesichtsfeld vor
der Sommer-Milchstraße.

NGC 7000: Der Nordamerikanebel ist speziell wegen seiner Flächigkeit kein
einfaches Objekt ohne Filter. Im 2"-32mm zwar problemlos auszumachen, im
Richfielder mit O-III Filter wirkt er aber ungleich besser.

M39, Barnard 168: Über M39 als Wegmarke geht es von Deneb weiter
Richtung Lacerta, die Dunkelzigarre ist mit der Kombination
8"-Newton/2"-Okular sehr gut zu beobachten, der Achtzöller gibt
genügend Licht, so daß der Dunkelnebel sich gut von der hellen
Milchstraße abhebt, das 2"-Okular ermöglicht das benötigte große
Gesichtsfeld. Der Kokonnebel wollte sich aber beim besten Willen
nicht finden lassen.

Collinder 399: Der Kleiderbügelhaufen war im 8x50-Sucher am besten
auszumachen, besser noch als im 2"-Okular.

M31, M32, M110: Wo wir grad dabei sind... der Andromeda-Nebel ist immer
schön anzuschauen, aber auch bei längerem Hinsehen ist keine Struktur
auszumachen. Geht das visuell überhaupt?

M33: Unter den Umständen nichts Besonderes zu erwarten.

M27: Wieder mal ein Standard, aber deswegen nicht weniger schön.

NGC 253, 288: Als der Bauch des Walfisches aus dem Dunst auftauchte,
machte ich mich mal auf die Suche nach der Sculptor-Galaxie. Das
Sterndreieck aus dem Karkoschka ist schnell gefunden, und von da ist
es nicht mehr weit bis NGC 253. Die Galaxie zeigt nichts Besonderes,
genausowenig wie der Kugelsternhaufen NGC288. Immerhin konnte man die
beiden überhaupt finden, was bei NGC 247 leider nicht der Fall war.

M36, M38: Mit dem Fortschreiten des Jahres tauchen wieder andere
Sternbilder im Osten auf... da schaut man doch mal wieder bei alten
Bekannten vorbei, wie hier im Fuhrmann. Die Zeit der offenen Haufen
kommt.

NGC 147, 185: Zwei kleine Begleitglaxien von M31, die wir nach der
Caldwell-Card suchten. Beide recht schwach, NGC 185 ließ sich etwas
einfacher auffinden.

Saturn: Der einige Zeit vermißte Planet ist ja inzwischen wieder recht schön
zu beobachten. Allerdings war die Luft nicht so gut wie Anfang September. Bei
250-fach war Schluß, der A-Ring verschwand zeitweise völlig in den
Turbulenzen. Schön waren die Wolkenbänder zu sehen. Was freu ich mich auf
Jupiter!

M1: Gegen später in der Nacht wurde der gesamte Stier sichtbar. Nach Pleiaden
und Hyaden wollte ich auch noch den Krabbennebel beobachten. Leider war
inzwischen der Mond aufgegangen und strahlte aus ziemlicher Nähe, der Kontrast
von M1 litt stark. Andere Gelegenheiten werden kommen.

M42: Tja, der Winter kommt, Orion wird wieder sichtbar. Dummerweise ging das
Schwertgehänge genau über oben beschriebener Lichtglocke auf, auch wenn die
spät in der Nacht nicht mehr so stark leuchtete. Trotzdem dämpfte die
Kombination aus Licht und Dunst den Kontrast stark ab.

Mond: Es wurde schon etwas später, die Freundin wurde schon langsam unruhig
und wollte heim. Okay, sie hatte trotz schlechter Gesundheit lange
durchgehalten. So ganz konnte ich mich aber nicht losreißen. Wenn der Mond
schon den Himmel überstrahlt, dann kann man ihn auch mal eines Blickes
würdigen. Mein Blick fiel auf Plato und erfreute sich an den wunderbar
kontrastreichen Schatten, die die Berge das Kraterrandes auf den glatten
Kraterboden warfen. Mehr als 250-fach war allerdings auch hier nicht drin, da
das Flimmern der Luft sonst zu stark störte.

Dann war's aber gut. Noch einmal die gute Luft eingesogen, dann das
Teleskop abgebaut und heimgedüst. Zuhause angekommen ließen wir (bei laufender
SpaceNight) den Abend nochmal Revue passieren und notierten die beobachteten
Objekte. Jetzt kauf ich mir endlich mal ein Beobachtungsbuch!


 
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