Wofür eignet sich das Bresser Venus?

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sw77

Grüß Euch!
Vor Jahren bekam ich einmal ein Teleskop von Bresser
http://www.optik-zentrum.de/BRvenus.html
Spiegel 76mm, Brennweite 700mm, Vergr. 35 bis 175 fach.
Nun steht in einem Artikel von astronomie.de, dass der Mars jetzt sogar mit Einsteigerteleskopen von 60 mm Öffnung Oberflächendetails zu bieten hat. Nun, versuchte ich es - Ergebnis heller Punkt.
Was darf man sich von diesem Teleskop erwarten?

Gruß
Stefan



Betreff geändert vom Boardmaster
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin Stefan,

die Aussage mit 60mm Durchmesser stützt sich meist auf Refraktoren, bei denen keine Fangspiegelobstruktion zuschlägt, was aber bei klassischen Reflektoren der Fall ist.
Auf gut Deutsch: weniger Öffnung, aber etwas mehr Schärfe.
Grundsätzlich dürfte mit dem Bresser Venus (AKA Tchibo-Röhre) aber trotzdem einiges am Mars "drin" sein. Was erkennbar ist, hängt allerdings leider von drei entscheidenden Faktoren ab (Lichtverschmutzung ist bei den nahen Planeten aufgrund ihrer Helligkeit nicht ganz so dramatisch):

- Seeing, dh. wie doll wabert denn der Mars vor sich hin?
Am gestrigen Abend war hier auch mit einem 8" SC-Teleskop fast nichts zu sehen, da Wolkenschleier und Luftunruhe das Bild verwischten.

- Güte der Okulare - bisweilen geht bei extrem billigen Okularen zuviel Schärfe durch minderwertige Linsen verloren, insbesondere bei den in diesem Preissegment häufig beigelegten Plastiklinsen. Ist dann noch mittelprächtiges Seeing, wird's problematisch. Aber schon recht preigünstige vergütete Okulare vom Typ Kellner (mit Glaslinsen) bringen gute Ergebnisse.

- Gewöhnung der Augen: der Marspunkt ist relativ klein, und Strukturen darauf zu erkennen bedarf einiger Übung. Auch hier hilft manchmal das indirekte Sehen: nicht mitten auf die Scheibe gucken, sondern etwas in Richtung Rand, dann nimmt man dunkle Gebiete (prägnant meist Syrtis Maior und Sinus Sabeus) und auch die südliche Polkappe (im Teleskop "oben") war.

Grundsätzlich ist am Venus nix auszusetzen, die Verarbeitung des Tubus und die Güte des Spiegels sind im allgemeinen absolut ok. Ich habe selbst noch so ein Fernrohr, das ich gerne mit auf Reisen nehme.

Sollte das Wetter wieder mitspielen, werde ich mal mein Tchiboskop hernehmen und mal schauen, was am Mars so machbar ist.
 
Hallo,

es gibt so viele Einflußfaktoren, dass es meist kaum am Teleskop liegt dass man als Unerfahrener wenig sieht.

1. Vergößerung wird oft zu hoch gewählt.
Die sinnvolle maximale Vergrößerung beträgt etwa Vmax = 2 x Öffnung [in mm].
Mein erstes Teleskop war auch ein 76/700 Reflektor. Das beiliegende 4mm Okular konnte man eigentlich wegschmeisen. War nie einzusetzen. Immer verwaschene Bilder. 175fache Vergrößerung ist bei deinem Teleskop einfach geschwindelt. Selbst Vmax ist nur unter guten Bedingungen einzusetzten.

2. Seeing
"Tubusseeing"
Das Teleskop muss ausgekühlt sein, sonst verschlechtert die vom Spiegel aufsteigende Luft das Bild zu Matsch. Am besten 1/2Std. vor der Beobachtung ins Freie Stellen.
"Atmosphärisches seeing"
Abwarten bis der Mars eine ausreichende Höhe über dem Horizont erreicht hat. Die großräumige Luftunruhe läßt die Sterne im Okular tanzen und der Mars wabbert. Details sind dann nicht zu erkennen. Vor 23.30 macht es meiner Meinung nach im Moment gar keinen Sinn. Am besten so gegen 2.00h nachts beobachten.

3. Beobachtungserfahrung
Astronomisches Sehen will gelernt sein. Man braucht etwas Übung um viele Details zu erkennen. Auch wenn man auf den ersten Blick kaum was erkennt: etspannt und geduldig abwarten und lange beobachten. Auf Momente ruhiger Luft warten. Es wird bei mir manchmal nach einer einer halben Std. noch besser. Man sieht immer mehr. Mehrere Abende hintereinander beobachten. Das von gestern versuchen wiederzufinden und dann plötzlich noch was neues usw.

4. Justierung
Um gute Bidler zu liefern muss ein Newtonreflektor immer gut justiert sein. D.h. die optischen achsen von Hauptspiegel und Fangspiegel müssen überinstimmen. Dass sorgt anfangs oft für etwas Angst davor, etwas kaputtzumachen usw., ist aber eigentlich nicht schwer. Anleitungen gibts zu hauf. (Suchfunktion hier im Forum bemühen. Board Bedienung und Pflege, Suchwort "Justierung").

5. Stabiler Untrerbau
Die Minimal-Montierungen dieser Teleskope und das lächerliche Stativ sind meist nicht sehr braucgbar. Wenn alles bei jeder Berührung oder bei Wind ständig wackelt wie ein Kuhschwanz, sind auch keine entspannten Beobachtungen möglich.
Vielleicht bis du ja bastlerisch geshickt und kannst einige Änderungen vornehmen, die die Sache stabiler machen. Z.B. aus kräftigen Holzlatten ein besseres Stativ bauen, auf dass du dann die vorhandene Gabelmontierung setzt.

Das war das was mir jetzt so auf Anhieb einfällt. Wahrscheinlich gibts noch mehr zu beachten. Wenn wirklich alles stimmt, dann sind vielleicht mit deinem Teleskop Details wahrnehmbar. Allzugroß sollten deine Erwartungen aber nicht sein. Wenn du mehr sehen willst muss es schon eine größere Öffnung sein. (ab 114mm aufwärts).

Informiere dich hier im Forum über die genannten Punkte in dem du einfach ein bisschen rumstöberst und ne Weile mitliest oder weitere Fragen stellst und versuche dann das beste aus deiner Mini-Kanone rauszuholen.
Berichte von deinen Erfolgen!



 
Für den Mars!

Hallo!

Tjaaaa, also, ich habe auch ein Bresser Venus. Unter anderem.

Das Problem an diesem Teleskop ist viel weniger der Spiegel mit seinen 76mm Durchmesser, sondern vielmehr das Zubehör.
Das Stativ ist nur stabil, wenn man die Beine nicht ausfährt (sonst wackelt es sehr), und die mitgelieferten Okulare sind meistens Müll (bei mir war das so).

Kombiniert man das Teleskop allerdings mit ein paar vernünftigen Okularen, so zeigt es gute Bilder.
Das ist ja ein f/9,2 System, hat also einen kleinen Fangspiegel, was wiederrum ein kontrastreiches Bild am Planeten liefert.
Das ist jedenfalls mein Eindruck.

Was die 175fache Vergrößerung angeht: Die maximale sinnvolle Vergrößerung liegt (pi mal Daumen) bei der doppelten Öffung in Millimetern.
Bei 152fach wäre also Schluss, ab da gibt´s nur noch Matsche.

Ich habe den Mars in meinem 200/1000er-Newton beobachtet, und bei 167-fach war Schluss, mehr ging einfach wegen der Luftunruhe nicht.
Bei 111-fach konnte ich aber sehr gut einzelne Strukturen sehen, und das heißt für Dich, dass Du das auch kannst.
Mit einem 6mm oder 9mm-Okular kannst Du auch mit dem Mars die Venus, äh: mit dem Venus den Mars beobachten, die Polkappen kann man schön sehen, und die dunklen Bereiche auch.

Lass Dich nicht entmutigen, und warte bis 0.00h oder besser noch länger, bis der Mars sich aus dem Dunst über dem Horizont herausgearbeitet hat. Vorher hat das keinen Sinn.
Aber dann zeigt auch das Venus nette Bilder.

Das Venus kann aber noch mehr, ich habe damit schon einige Sternhaufen (M13, h und chi im Perseus), M31 (Andromeda) gesehen.
Besonders als Reiseteleskop ist es geeignet.


Grüße
Thomas




 
Moin Stefan!

Am Planeten geht der 76er Newton (auch Tchibo-Torpedo genannt) gut im
Bereich von 100-150fach, je nach Luftbeschaffenheit. Ich beobachte mit
dieser Teleskopgröße schon seit Ende 1997 und da waren natürlich so
einige Planeten drin. Vor ein paar Wochen schon, als Mars noch gar nicht
so groß war wie jetzt, sah ich mit meinem umgebauten 76/500 mm-Newton
gut die Polkappe, den dunklen Saum drumherum und Details auf der Planeten-
scheibe, so daß es zur Identifizierung der Merkmale anhand einer Marskarte
durchaus reichte.
Probleme bei diesen Teleskopen machen immer die mitgelieferten Okulare. Wenn
der Tchibo dann keinen Anschluß für die heute üblichen 1,25"-Okulare besitzt,
wird's schwierig. Die migelieferten Okulare mit 24,5 mm-Steckmaß sind durchweg
schlecht und neue zu bekommen, kostet meist mehr als das gesamte Teleskop.
Mein Tip: Mach' das Beste draus, warte auf gute Sicht bei Mars und nimm' Dir
Zeit bei der Beobachtung.

BTW: Über meine Heimatseite kommst Du ans Tchibo-FAQ. Da steht eine Menge zu
diesem Teleskop drin.
 
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