Woher kommen die -iden?

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dasgem

Aktives Mitglied
Hallo,

kaum habe ich gelernt, was Kulmination ist, habe ich auch schon wieder eine neue Frage <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Und zwar: Woher stammen die Sternschnuppenschwärme wie Leoniden, Perseiden usw.?
Ich vermute, dass sie ihren Namen wohl von dem Sternbild haben, in dem wir sie bei ihrem Einschlag sehen und nicht etwa weil sie tatsächlich den weiten Weg von diesen fernen Sternen zu uns geschafft haben.

Aber wieso kommen wir überhaupt jedes Jahr wieder in den Genuss uns pro Stunde bis zu 100 mal etwas wünschen zu dürfen?
Gehen diese Trümmerstücke wie Ringe um die Sonne und wir "fliegen" mit der Erde jedes Jahr einmal hindurch? Oder sind es eher Wolken die selber um die Sonne kreisen - und wir begegnen ihnen nur zufällig in so regelmäßigen Abständen?

Und woher kommen diese Brocken ursprünglich?
Wie kann man außerdem so genau bestimmen, wann ein Strom sein Maximum erreicht?

Und nochwas fällt mir dazu ein - auch wenn es nichts mit den Strömen zu tun hat: Ich habe schon öfters gehört/gelesen, dass auch größere Klumpen manchmal in der Atmosphäre verglühen, die wesentlich heller und länger zu sehen sind als "gewöhnliche" Sternschnuppen, oder dass man sogar sehen kann wie sie zerbrechen.
Wie oft kommt so etwas vor und gibt es da vielleicht im Internet Aufzeichnungen von? Ich würde das gerne einmal sehen.

Ich bin mal wieder gespannt und freue mich auf Antworten!

Gruß
gem

P.S.: Ist für solche Fragen dieses Forum eigentlich das richtige? Oder bei welchem Thema müsste ich solche Einträge unterbringen?
 
hi gem,
wenn man die Spuren der Sternschnuppen eines Schwarms zurückverfolgt, sieht man, dass sie alle aus einem Punkt zu kommen scheinen, dem Radianten. Det Schwarm hat seinen Namen einfach von dem Sternbild, in dem der Radiant liegt. Die Staubteilchen stammen soweit ich weiß hauptsächlich von Kometen, so dass sich auf der ganzen Kometenbahn Bröckchen befinden, durch die die
Erde jedes jahr zur selben Zeit fliegt, wenn sie die Kometenbahn kreuzt. Allerdings kann auch auch mal zu besonders starker Aktivität eines Stroms komen, wie in den letzten Jahren bei den Leoniden. Dass kommt daher, dass der Verursacherkomet immer dann, wenn er der Sonne besonders nahe kommt, am meisten Staub ausstößt, der dann mit etwa der selben Umlaufzeit wie der Komet als "Wolke" treibt. Durch so eine Wolke fliegt die Erde nicht jedes Jahr, weil die Wolke sich ja am Schnittpunkt mit der Erdbahn befinden muss. Bei den Leoniden kommt das alle 33 Jahre vor, die nächsten 2 mal fällt allerdings aus, so dass erst in 100 jahren wieder ein Feuerwerk mit 10.000 pro Stunde zu erwarten ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
Gruß Tobias
 
> Ich vermute, dass sie ihren Namen wohl von dem Sternbild haben, in dem wir sie bei ihrem Einschlag sehen
> und nicht etwa weil sie tatsächlich den weiten Weg von diesen fernen Sternen zu uns geschafft haben.

Jedenfalls kommen sie nicht von jenen Sternen...

Du wirst sie in der Regel aber auch nicht in dem Sternbild sehen, von dem sie ihren Namen haben. Wenn
du genügend viele zu einem bestimmten Strom gehörende Sternschnuppen beobachtest und ihre jeweiligen
Bahnen rückwärts verlängerst, dann schneiden sich diese Linien ziemlich genau in einem Punkt, dem sog.
Radianten. Der Strom ist dann nach dem Sternbild benannt, in dem der Radiant liegt. Die einzelnen Schnuppen,
die du dazu beobachtet hast, hast du dabei irgendwo am Himmel gesehen.

Daß z.B. die Perseiden aus Richtung Perseus zu kommen scheinen, heißt noch nicht mal, daß sie tatsächlich
aus dieser Richtung kommend die Erde treffen. Stell dir vor, du fährst mit 50 km/h auf einer geraden Straße
dahin und es herrscht Schneetreiben mit 50 km/h von links aus der Richtung senkrecht zur Straße.
Für dich scheint es so, als kämen alle Schneeflocken aus einer Richtung 45° links von der Straße, da sich
ja deine Fahrgeschwindigkeit und die Geschwindigkeit der Schneeflocken überlagern. Liegt in dieser schein-
baren Richtung zufällig Kleinhunzelsdorf, dann würde man die Schneeflocken die Kleinhunzelsdorfiden nennen,
obwohl sie ja in Wirklichkeit aus einer Richtung 90° senkrecht zur Straße kommen, und dort liegt Großhunzelsdorf.


> Aber wieso kommen wir überhaupt jedes Jahr wieder in den Genuss uns pro Stunde bis zu 100 mal etwas wünschen
> zu dürfen?
> Gehen diese Trümmerstücke wie Ringe um die Sonne und wir "fliegen" mit der Erde jedes Jahr einmal hindurch?

Diese Staubteilchen sind 'Abfall' von Kometen und verteilen sich im Laufe der Zeit entlang der Kometebahn. Einige
solcher Kometenbahnen kreuzen die Erdbahn oder kommen ihr zumindest sehr nahe. Wenn die Erde diesen
Bahnabschnitt passiert, triift sie auf viele dieser Staubteilchen. Und das wiederholt sich eben Jahr für Jahr.

...
> Und woher kommen diese Brocken ursprünglich?

Die zu Strömen gehörigen Staubteilchen wurden von Kometen verstreut. Es gibt auch Staubteilchen, die nicht zu
Strömen gehören und einfach so durchs Sonnensystem vagabundieren, bis sie vielleicht mal zufällig auf die Erde
treffen. Die kommen dann aus irgendwelchen zufälligen Richtungen und heißen 'sporadische' Sternschnuppen.

> Wie kann man außerdem so genau bestimmen, wann ein Strom sein Maximum erreicht?

Kann man nicht immer. Aber manchmal gibt es in den Staubströmen entlang einer Kometenbahn Verdichtungen.
Wenn die Erde eine solche durchquert, gibt es besonders viele Sternschnuppen. Wenn eine solche Verdichtung
eine Umlaufzeit auf der Kometenbahn hat, die fast genau ein ganzzahliges Vielfaches der Umlaufdauer der
Erde ist, dann treffen beide nach soundsoviel Umläufen wieder aufeinander (z.B. ein Staubwolkenumlauf =
47 Erdumläufe). Wenn das oft genug passiert und genügend detaillierte historische Beobachtungen vor-
liegen, kann man gewissermaßen die Staubwolke abtasten, weil die Erde immer durch etwas unterschiedliche
Teile der Staubwolke fliegt - je nachdem, wie die Umlaufzeiten gerade zusammenpassen und wie die Staub-
wolke evtl. beim Umlauf durch andere Planeten etwas abgelenkt wurde. Mit der Zeit hat man dann eine unge-
fähre Vorstellung von der Staubverteilung in der Wolke und kann einegermaßen genau vorhersagen, durch
welchen Teil der Wolke wir wann fliegen werden und mit wievielen Sternschnuppen diesmal zu rechnen ist.

Tschau,
Thomas
 
Daher kommen sie also!

Hallo Thomas und Tobias und vielen Dank für Eure Antworten!

Mit dem Radianten habe ich nun schon mein zweites neues Wort gelernt und gleich dazu verstanden was es heißt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
Und mit meinen Vermutungen über Ringe und Wolken hatte ich ja dann - wenn ich Euch richtig verstanden habe - sogar ein bisschen Recht. Da Kometen ja auch (wenn auch sehr weitläufig) um die Sonne kreisen und sich ihre "Rückstände" auf ihrer Bahn verteilen, bilden sie ja folglich auch einen Kreis. Und auf diesem Kreis gibts dann noch die Wolken, nämlich Verdichtungen. Soweit richtig? Prima. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Eine neue Frage zu Tobias' Antwort habe ich aber noch: danach kreuzt die Erde eigentlich alle 33 Jahre eine Wolke auf der Leonidenstaubbahn - aber wieso fallen die nächsten beiden Male aus?

Und eine Frage ist ja auch noch offen geblieben: Woher kommen die großen, manchmal zerbrechenden Schnuppen? Sind das einfach nur größere Brocken auf den Kometenbahnen?
Und wie schon gesagt - das mal auf einer Aufzeichnung zu sehen wär schon toll.

Danke aber schonmal für meine Wissenserweiterung <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Gruß
gem
 
Re: Daher kommen sie also!

> Und auf diesem Kreis gibts dann noch die Wolken, nämlich Verdichtungen. Soweit richtig? Prima.

Prima. Eine schematische Darstellung solcher Wolken gibts hier:
http://www.jostjahn.de/leoniden/vorhersage.html

...
> danach kreuzt die Erde eigentlich alle 33 Jahre eine Wolke auf der Leonidenstaubbahn - aber wieso fallen die
> nächsten beiden Male aus?

Vermutlich entweder ungünstiges Timing (Erde schon vorbei oder noch nicht da, wenn die Hauptwolken durch-
ziehen) oder Störungen durch die Planeten, die die Lage der Wolkenbahnen vorübergehend zu unseren Ungunsten
verändern.
http://www.astronews.com/news/artikel/2002/11/0211-011.shtml

> Woher kommen die großen, manchmal zerbrechenden Schnuppen? Sind das einfach nur größere Brocken auf den
> Kometenbahnen?

Zum Teil ja, zum Teil sind es auch einfach kleine Überbleibsel von der Entstehung des Sonnensystems oder bei
Kollisionen von Asteroiden untereinander abgeplatzte Brösel.

> Und wie schon gesagt - das mal auf einer Aufzeichnung zu sehen wär schon toll.

Filme wirds eher wenig geben, aber vielleicht hilft dir einer der Links hier weiter:
http://aipsoe.aip.de/~rend/met-allg-d.html#05

Tschau,
Thomas
 
Wow

Hallo Thomas, es ist ja immer wieder beeindruckend wie schnell du antwortest, da komme ich mit meinen Fragen ja gar nicht hinterher. Und dieses mal gabs ja sogar noch drei Extraportionen mit Lesematerial <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Soll heißen: danke für die links. Besonders spannend fand ich den zweiten über den Versuch der Erforschung der Leoniden. Da fühle ich mich doch gleich viel besser, jetzt wo ich weiß, dass meine Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Dass es so schwer zu erforschen und vorherzusagen ist, hätte ich aber auch nicht vermutet. Dann hoffe ich mal, dass uns die Leoniden vielleicht doch schon früher als berechnet nochmal überraschen, am Besten auch mit wie in dem link beschriebener minutenlanger Sichtbarkeit und zu 40 pro Sekunde!

Aber jetzt werde ich mir erstmal noch den dritten link vornehmen und schauen was sich dort noch alles findet.

Vielen Dank jedenfalls mal wieder für den lehrreichen Beitrag,

Gruß
gem
 
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