Yearbock of Astronomy 2004

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joche

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Auf der Suche nach einem Jahrbuch, das in Qualitaet und Umfang in etwa dem Ahnert der achtziger und neunziger Jahre entspricht, habe ich mir das "Yearbock of Astronomy 2004 edited by Patrick Moore" zugelegt. Es wird in London herausgegeben und kostet bei amazon Euro 24,33. Fuer alle, die es interessiert, hier ein kleiner Bericht.


Erster Eindruck
Das Buch hat ein Format von etwa 13 mal 20 cm, etwas kleiner als der alte Ahnert. Es hat 301 Seiten, ist abgesehen vom (Soft)Cover durchgehend in schwarz-weiss gedruckt und enthaelt keinerlei Werbung.

Inhalt
Der "Moore" ist in drei Abschnitte geteilt. Part I ("Monthly Charts and Astronomical Phenomena", Seiten 13 - 148) begint mit einer Anzahl (etwa 50) Sternkarten, die den noerdlichen und suedlichen Sternenhimmel fuer verschiedene Jahres- und Uhrzeiten zeigen. Diese Karten enthalten etwa die gleichen Informationen wie eine durchschnittliche drehbare Sternkarte. Es geht weiter mit einigen elementaren Hinweisen zur scheinbaren Bewegung der Planeten entlang der Ekliptik, einer kleinen Tabelle mit den Zeitpunkten von Vollmond, Neumond, erstem und letztem Viertel des Jahres 2004, und einer Tabelle mit den Laengen von Sonne, Mond, Venus, Mars, Jupiter und Saturn mit Eintraegen fuer zwei Tage pro Monat. Es folgen einige sehr knappe Bemerkungen zu den Sichtbarkeiten der Sonnen- und Mondfinsternissen des Jahres, sowie zu den Elongationen und Opositionen der Planeten (insgesamt eine Seite). Dann wird es interessanter: In den anschliessenden "Monthly Notes" (immer noch Part I) werden die Sichtbarkeiten der Planeten monatlich dargstellt. Das liesst sich zB. fuer den Merkur im April so:

"MERCURY is visible as an evening object, very low in the western sky at the end of evening civil twilight in equatorial and northern temperate latitudes, though only for the first few days of the month. Its magnitude fades rapidly from +0.6 to +1.3 during this time. Mercury passes through inferior conjunction on March 17 and remains too close to the Sun for observation for the rest of the month."

und fuer den Jupiter im August so:

"JUPITER, magnitude -1.7, continues to be visible as a bright evening object low in the western sky after sunset. Observers in tropical and southern latitudes will be able to see it throughout August, but observers further north will have the period of observation curtailed, and those in the latitudes of the British Isles are unlikely to see the planet after the first few days of the month."

Zusaetzlich gibt es jeden Monat so eine Art Schwerpunktthema, zB.: "Saturn and its Satellites", "This Month's Total Eclipse of the Moon", "The Transit of Venus" oder "The Craters of Mars", jedesmal mit einigen Abbildungen und Diagrammen. Pro Monat werden insgesamt etwa 5 Seiten spendiert. Part I wird abgeschlossen mit jeweils etwa ein bis zwei Seiten zu den Themen "The Transit of Venus in 2004", "Eclipses in 2004", "Occultations in 2004", "Comets in 2004", "Minor Planets in 2004", "Meteors in 2004" und "Some Events in 2005".

Part II ("Article Section", Seiten 149 - 255) enthaelt 9 Artikel mit folgenden Ueberschriften: "Cosmic and Terrestrial Elements", "Cassini-Huygens to Saturn", "Hypernovae", Advancing Astronomical Imaging via the Internet", "The First Planetarium", "The Ashen Light of Venus", "A Short Guide to Astronomical Art", "Absolutely Nebulous" und "A History of the Transits of Venus". Einige Artikel haben aktuellen Bezug, andere sind eher grundsaetzlicher Natur. Manche schliessen mit einer Literaturliste ab.

Part III ("Miscellaneous", Seiten 257 - 301) enthaelt folgende Listen und Tabellen: "Some interesting Variable Stars", "Mira Stars: Maxima 2004", "Some Interesting Double Stars", "Some Interesting Nebulae, Clusters and Galaxies", "Our Contributors" und "Astronomical Societies in the British Isles".



Meine Meinung
Mein erster Eindruck war gut: Ein handliches Paperback, dezentes Design weit entfernt von den merkwuerdigen Farborgien aus dem Verlag Sterne und Weltraum. Die Sternkarten am Anfang sind zwar ueberfluessig fuer alle, die auch nur eine kleine drehbare Sternkarte ihr Eigen nennen, aber die "Monthly Notes" geben einen guten Ueberblick ueber die Planeten eines Monats. Die Artikel in Part II sind teilweise recht interessant, eher populaerwissenschaftlich, aber gut zu lesen. Ueberhaupt ist das Englisch fuer jemanden mit nur mittleren Kentnissen (zB. ich) kein Problem. Erst beim zweiten Durchblaettern faellt mir dann auf, das es zu den Jupitermonden keine Angaben gibt. Dann sehe ich, dass die Planeten Uranus Neptun und Pluto recht stiefmuetterlich behandelt werden, wenn ueberhaupt. Generell werden nur selten genaue Koordinaten und Zeiten angegeben. Mir wird klar: Dies ist ein Jahrbuch fuer Leute die den Himmel mit blossen Augen beobachten, und die vielleicht nur manchmal einen Feldstecher benutzen, oder ein kleines Teleskop.

Was mir fehlt
Einige Dinge, die ich mir fuer "mein" Jahrbuch wuensche, die aber im "Moore" nicht enthalten sind: Aufgangs- Untergangs- und Kulminationszeiten von Sonne und Mond fuer jeden oder zumindest fast jeden Tag. Die gleiche Angaben fuer alle Planeten fuer mindestens zwei Tage pro Monat (naja, fuer Merkur mehr, fuer Pluto vielleicht nicht ganz so oft). Koordinaten fuer die Planeten so, das ihre Positionen leicht in eine Karte zu uebertragen sind. Bahnelemente fuer alle Planeten. Angaben zu den 4 galileischen Jupitermonden, zB. in Diagrammform, aber auch Angaben zu Bedeckungen usw. Umgebungskarten fur die hellen kleinen Planeten. Physische Ephemeriden, also zB. scheinbarer Durchmesser der Planeten oder die Groesse des beleuchteten Teils.

Joche
 
Re: Yearbook of Astronomy 2004

Hallo Joachim,

toll, dass du hier so einen ausführlichen Bericht über den "Bock" schreibst! Deine Bewertung ist interessant -sowas fehlt oft bei Rezensionen.

Aus der Beschreibung (mir ist Moores Jahrbuch nicht bekannt) würde ich aber folgern, dass man mit einem "Himmelsjahr" nicht schlechter, sondern eher besser bedient ist. Freunde des Ahnerts längst versunkener Zeiten finden sich vielleicht im sehr detaillierten (und ebenfalls sachlich statt typografisch verspielt gestalteten) "Sternhimmel" wieder, der inzwischen bei Kosmos erscheint und preislich etwa auf dem Level des Moore liegt. Im Himmelsjahr findet man jedenfalls Jupitermonde <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />

Meine Meinung: man muss den neuen DIN A4-Flatterahnert ja nicht mögen, der der Moore ist wohl nach deiner Beschreibung für eine andere Zielgruppe (Einsteiger und Gelegenheitsspechtler). Also bleiben Himmelsjahr und Sternhimmel als Alternativen für ambitioniertere SternfreundInnen. Oder irgendein weiteres Jahrbuch, von dem ich nichts weiß.

Was kaufe ich? Gar kein Jahrbuch, weil mich Zeitschriften und das Web eh auf interessante Ereignisse hinweisen und alle zum Spechteln benötigten Ephemeriden und Karten genau und schnell aus dem Rechner kommen. In den letzten Jahren hatte ich noch Jahrbücher, aber dann festgestellt, dass ich sie wirklich nicht gebraucht habe. Liegt wohl daran, dass ich überwiegend Deep Sky mache <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> Andere Lieblingsobjekte, anderer Infobedarf! Und: anderer Geschmack, anderes Jahrbuch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />


Gruß,
Tom
 
Re: Yearbook of Astronomy 2004

Hallo Tom,

ja, stimmt, das haette ich noch dazuschreiben sollen: Im Himmelsjahr steht deutlich mehr drin, und wenn man den Preis bedenkt, faehrt man mit dem Himmelsjahr in der Tat viel besser. Vermutlich auch als Einsteiger.

joche
 
Was taugt die Himmelsvorschau in Zeitschriften?

Siehe dazu auch diesen Artikel.

Vielleicht nehmen sich die Macher des Ahnerts ja Ronalds Verdikt zu Herzen? Wenn das neue Layout allerdings zu hohen Absatzzahlen in den Supermärkten führt werden ernsthaftere Sternfreunde den Ahnert wohl wirklich abschreiben müssen (dazu wurde hier ausgiebig diskutiert und im Sinne "vergesst den neuen Ahnert" argumentiert) - eine Rückkehr zu den Bedürfnissen der ambitionierteren Sternfreunde muss eben nicht unbedingt auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Tragen wir's mit Fassung - es gibt ja genug Alternativen. Gedruckt oder elektrisch...

Das bringt uns aber zu einer neuen Frage: wie sehen eigentlich die Himmelsvorschauen diverser Zeitschriften aus? Sie sollten ja zumindest das allerwichtigste ordentlich rüberbringen. Vielleicht will mal jemand was dazu schreiben. Sind solche Bestandteile von Zeitschriften mit Bedacht gestaltet oder nur leiblos hingeklatscht, damit die betreffende Zeitschrift bei dieser Rubrik keine Fehlanzeige melden muss?

Ich selbst lese nur 'interstellarum' (seit der ersten Ausgabe) und bin als Autor einer bei oculum verlegten Software vielleicht nicht für jeden glaubwürdig. Mir gefällt die Himmelsvorschau in interstellarum eigentlich gut. Aber das ist auch wieder Geschmackssache und hängt davon ab, was man beobachten will!

Gruß,
Tom
 
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