Zeiss Dialyt 7x42 T* vs Leitz Trinovid 7x42

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Christian1969

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Hallo zusammen,

ich habe momentan die Möglichkeit zwei etwas ältere Schätze zu vergleichen. Das Zeiss Dialyt 7x42 mit T* Vergütung (ohne P Phasenvergütung) und das Leitz (Wetzlar) Trinovid 7x42.

Es sind beides schlanke Ferngläser aus den 70er, bzw. den 80er Jahren, die top verarbeitet sind und gut in der Hand liegen.

Beide Gläser haben eine 7 fache Vergrößerung bei 42mm Frontlinsendurchmesser, damit eine Austrittspupille von 6mm.

Beide Gläser sind damit Dämmerungstauglich und lassen sich bei 7 facher Vergrößerung ruhig und relativ verwacklungsfrei halten.

Das Zeiss hat ein Sehfeld von 150m auf 1000m, das Leitz von 140m auf 1000m.

Nun zur Praxis:

Das Sehfeld: 10m Unterschied ist nicht viel, möchte man meinen. Weit gefehlt! Das Zeiss am rechten Auge und das Leitz am linken Auge und man kommt sich vor, als hätte man ein Nagler Okular und ein normales 60° Okular im Bino... Der Unterschied ist ungewöhnlich groß. Zeiss gewinnt.

Die Schärfe: Das Zeiss ist scharf bis auf die letzten 15-20% des Sehfeldes und die Ränder sind immer noch brauchbar.
Beim Leitz verhält es sich in etwa ebenso, allerdings bezogen auf ein wesentlich kleineres Sehfeld, also auch hier: Zeiss gewinnt.

Kontrast: Beide Gläser liegen hier fast gleichauf. Meinem subjektivem Eindruck nach hat das Leitz einen geringfügig höheren Mikrokontrast.

Farbkorrektur: Das Zeiss zeigt ein ganz klein wenig mehr CA`s als das Leitz. Dennoch können es beide Gläser mit heutigen "Semi-APO`s" aufnehmen. Das Zeiss hat für meinen Geschmack eine neutralerere Farbwiedergabe als das Leitz, das ein wenig wärmer abbildet.

Transmission: Eindeutiger Sieger ist ebenfalls das Zeiss. Das Leitz ist subjektiv empfunden deutlich dunkler und läßt in der Helligkeit zum Bildrand hin nochmals nach. Das Zeiß ist über das ganze Bildfeld konstant hell.

Vergütung/Streulicht: Das Zeiss hat auf Linsen und Prismen eine dunkel-violett reflektierende T* Vergütung. Das Leitz ist zwar auch vergütet, aber vom Reflexionsgrad her nicht so wirkungsvoll. Dennoch ist das Leitz, sofern man schräg zu Sonne beobachtet (niemals in die Sonne!!!!) eigenartigerweise weniger Reflexanfällig. Hier: leichter Vorteil Leitz.

Das Leitz beinhaltet ein aufwendiges Uppendahl-Prismensystem, das Zeiss ein König-Abbe System. Das Zeiss kommt systembedingt ohne Verspiegelung aus, was meines Erachtes eine höhere Lebenserwartung des Fernglases (wir sprechen hier von Jahrzenten) nach sich ziehen dürfte.

Die Entfernungseinstellung und der Dioptrienausgleich ist beim Leitz schöner gemacht. Man hat beide Triebe während des Beobachtens mit zwei Fingern unter Kontrolle.

Mein subjektives Fazit: Zeiss gewinnt, allerdings nur aufgrund des wesentlich grösseren Gesichtsfeldes.

Eure Meinungen, Anmerkungen, oder Vergleiche mit anderen Herstellern sind herzlich willkommen.

CS Christian
 
Hallo Christian,

schöner Vergleich, Danke dafür...

Was mich ein wenig wundert ist dass das Zeiss etwas mehr CA hat, normalerweise ist das gerade eine Schwäche der Leicagläser, selbst das neue High-End Noctivid zeigt mehr CA als preislich vergleichbare Gläser (Zeiss, Swarovski)
Manche vermuten dass das ein "Nebeneffekt" der etwas wärmeren Farbabstimmung ist die bei den Leica's ja praktisch in allen Modellreihen zu finden ist.
Dafür sagt man den Leica's allgemein den höchsten Kontrast nach, dennoch können sich zu deutliche CA auch negativ an den letzten Tick fehlender Schärfe bemerkbar machen.

Ich selber habe übrigens das Zeiss Victory 7x42 T* FL, wohl eines der hellsten 42ier Gläser die je gebaut wurden, ebenfalls 150/1000m allerdings deutliche Verzeichnung und Randunschärfen, am Himmel für mich ein no-go, bei der Naturbeobachtung allerdings ein Genuss, schade das die 7x42ier langsam aus der Mode kommen.

Andreas
 
Hallo Andreas,

Danke für die Rückmeldung.

Du hast mich dabei auf das Thema Verzeichnung gebracht, das ich in meinem Vergleichstest glatt unterschlagen habe.

Das Zeiss verhält sich hier fast mustergültig. Es ist keine nennenswerte Verzeichnung festzustellen, soll heißen die Dachrinne bleibt auch zum Bildrand hin gerade.

Das Leitz verzeichnet hier ein wenig mehr, aber für mich immer noch im tolerablen Bereich.

Zu den CA`s kann ich nur auf meine subjektive Wahrnehmung verweisen. Eventuell habe ich ein sehr gutes Trinovid erwischt, oder das Zeiss hat eine mir unbekannte Vorschädigung, oder Dejustage. Ich habe nämlich aufgrund diverser Berichte im Netz auch damit gerechnet, dass das Zeiss hier besser sein müßte...

Andreas, ich kann Dir nur zustimmen dass es schade ist, dass die 7x42er nicht mehr so gefragt sind. Ich werde meine beiden Schätze jedenfalls in Ehren halten. Dir wünsche ich noch viele schöne Stunden mit Deinem wundervollen Victory...

Gruß, Christian
 
Hallo Christian,


ein schöner der Vergleich, mir machen die Dialyte und Trinovide in gutem Zustand einfach Spaß. Ein Trinovid 7x42 B habe ich vor etwa einem Jahr für einen Bekannten instandgesetzt, ein feines Glas das ich damals mit meinem 10x42 Dialyt B vergleichen konnte. Obwohl nicht ganz vergleichbar kann ich Deinen Bericht gut nachvollziehen. Mir ist gerade ein Dialyt 8x32 zugelaufen das einfach ein genial kleines Allroundglas ist und inklusive Köcher praktisch in unbenutztem Neuzustand ist. Ein Trinovid 8x30 besaß ich vor etwa drei oder vier Jahren mal, da würde der Vergleich vermutlich nicht viel anders ausfallen.


Viele Grüße Felix
 
Hallo zusammen,

hier ein kleines Update:

Nachdem ich hinsichtlich des scheinbar sehr unterschiedlichen Sehfeldes meine Verwunderung geäußert habe, hier ein Ansatz zur Erklärung:

Mir ist aufgefallen, dass beim Dialyt das Sehfeld beim fokussieren von Unendlich auf den Nahbereich scheinbar unverändert geblieben ist und beim Trinovid augenscheinlich immer größer wurde.

Beim Dialyt bewegt sich die gesamte Okulargruppe vor und und zurück, beim Trinovid bewegt sich eine Linsengruppe innerhalb des Okulares.

Der Unterschied im Sehfeld ist dann im "Nahbereich" gar nicht mehr so groß.

Der erste Schnelltest unter dem klaren Sternenhimmel brachte dann auch zutage, dass das Zeiss, eben im Unendlichfokus, viel besser zu handhaben ist, weil man einfach einen grösseren Bereich überblickt und damit dann das gesuchte Ziel schneller in die Bildmitte rücken kann.

Subjektiv hat mir die Sternabbildung beim Trinovid etwas besser gefallen, vermutlich aufgrund des leicht höheren Kontrastes.

Andromeda war bei beiden Gläsern als leicht elipsenförmiger, verwaschener Fleck auszumachen, beim Dialyt aber eindeutig heller.

Nur der Interesse halber: Hat jemand Erfahrung mit dem Optolyth Royal 7x50 (auch mit P-Vergütung produziert)?

CS Christian
 
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