Zeiss Jena AS 100/1000

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Bocian

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Hallo,
mir wurde ein Refraktor Carl Zeiss Jena AS 100/1000 mit Sucherfernrohr zum Kauf angeboten. Das Instrument ist Baujahr 1992 und ist praktisch im neuwertigen Zustand, wie unbenutzt. Man sieht nicht eine Gebrauchsspur. Auch die Optik ist klar und sauber. Das Teleskop befindet sich in einer verschließbaren grauen Holzkiste mit folgendem Zubehör:
Okular 10-O, 16-H, Schraubokular 40-H, kurze und lange Verlängerungshülse mit Gewinde M 44x1, schraubbare Okularaufnahme für 0,965 Zoll Okulare und zweiteiliger Okularauszug mit Ringschwalbe. Dazu gehört noch eine Montierung Zeiss 1b mit elektrischer Nachführung auch im Neuzustand. Leider fehlt ein Stativ oder eine Säule. Das Instrument macht einen sehr soliden Eindruck. Alleine die Holzkiste ist eine feine Sache. Wie ist die optische Qualität einzuschätzen und welcher Preis wäre realistisch? Ist ein solches Gerät noch zeitgemäß, oder sollte man sich besser nach aktuellen Instrumenten umsehen?
Was ist die Meinung der hiesigen Zeiss-Experten?
 
Hi,

nun, ich möchte mich zwar nicht als "Zeiss-Experten" titulieren. Aber so wie sich dies liest ... bis 2500 € kann man dafür schon anlegen.
Du bekommst ein Gerät auf höchsten Qualitätsniveau und wirst sicher viel Freude dran haben.
Und wenn noch billiger .. zulangen (oder mir ne PN mit ner Mailaddi des Anbieters rüberschicken <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />)

Grüsse Hannes
 
Hallo,
den Preis würde ich auf ca. 3500,-Euro schätzen. Bei Jühlich in Bonn war vor kurzem ein gebrauchter AS 100/1000 mit Holzkiste und 1b-Montierung für 3000,-Euro im Angebot. Bezüglich der optischen Qualität kann ich nur sagen, dass bei hellen Objekten doch noch ein deutlicher blauer Farbsaum zu erkennen ist. Kannst mich bei weiteren Fragen gerne anrufen (Tel.Nr. per PN zugesandt). Hoffe ich konnte Dir ein bisschen weiter helfen.
Gruß Thomas
 
Hallo Bocian,

der Neupreis betrug 1992 6900 DM aber mit Stativ! (Quelle: Astro 92 von Zeiss)
Gut das kannst Du bei Ebay nachkaufen, ca. 100 Euro.
Wieviel Du nun dafür ausgeben möchtest ist eine Ansichtssache.
Rein vom praktischen Standpunkt als Fernrohrbenutzer betrachtet erwirbst Du eine Optik,
welche von der Geometrie her einen sichtbaren Farbfehler aufweisst.
(Den Farbfehler hat der AS bei F10)
Um ca. 2300 Euro bekommt man (noch) einen neuen Takahashi FS 102
oder gebraucht noch billiger.
Zur Zeit bietet das Fernrohrland schöne Schnäppchen an,
soweit ich weiss ist für ein etwa solches Budget (2500?)sogar ein TMB- APO mit 100 mm Öffnung drin.
Dies wäre ein weitaus besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Betrachtet man dieses Angebot als Sammler,
bekommt die Sache eine etwas andere Wertung. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gruebel.gif" alt="" />
"Zeiss is nice, but more than twice is the price...."

Mit freundlichem Gruß, Gerd
www.bksterngucker.de
Zeiss AS 130/1950 Benutzer
 
Endlich mal jemand der das Kind beim Namen nennt.
Zeiss: inzwischen reine Spekulationsobjekte.
Habe selbst erlebt wie Herr Ludes ein Zeiss Huygens Okular bei IBäh für ca 1200,- € gekauft und anschließend das Ding für etwa 1700,- € in seinen Netshop gestellt hat.
Ich bin mir auch noch sicher, er bekommt es los.
Teleskope ständig als Referenz zu benennen die gar nicht mehr produziert werden verleitet so manchen Astro Anfänger auf diese Masche reinzufallen, und Beträge für Geräte zu zahlen die es im rein praktischen Sinne nicht Wert sind.
Ich meine jetzt nicht etwa Geräte die durch ihre solide Verarbeitung und gute Optiken eben mehr kosten.
Vergleichen kannst du das ganze z.B. mit alten Autos, für den Sammler ein Muss, für denjenigen der einfach ein gutes Auto zu einem anständigen Preis braucht ziemlich Sinnlos.

Ich würde auch eher zu einem Vollapo zu diesem Preis raten.

Falls du jedoch sammeln willst, haben meine Ausführungen selbstveständlich keine Gültigkeit <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />
 
Hallo,
danke für die Auskünfte und Meinungen.
Hat das Gerät ernste Schwächen, mal vom Gewicht abgesehen?
Ist das AS 100 für die Astrofotografie geeignet und lassen sich damit sinnvoll Mond und Planeten beobachten? Wo liegen die Stärken?
Danke!
 
Hallo ,
Das AS 100/1000hat ausser dem Farbfehler (und vielleicht dem Preis?)keine grosse Schwäche.
Optik und Mechanik sind sehr solide, deutsche Wertarbeit eben.
Für Astrofotographie gibt es Alternativen die besser funktionieren, für Mond und Planeten Beobachten auch.
Siehe oben........
Ich will nun das Fernrohr nicht schlecht machen,
ich habe wie vorher schon geschrieben viele Jahre auch ein Zeiss AS Fernrohr.

Würdest Du heute für einen Mercedes 230/-8, Bj.69, neuwertig ,sehr solide, mit 109 PS und 18 L Verbrauch auf 100km,
nur ohne Räder, 15.000 Euro bezahlen?
Dann bist Du ein Liebhaber und Sammler <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/i_respekt.gif" alt="" />

Bitte!
 
Moin Bocian,

ich möchte mich den Vorrednern anschließen,

aus meiner Sicht würde ich das so zusammenfassen:

1. es handelt sich auf jeden Fall im dem Zustand um ein Sammlerstück, das für sich möglicherweise einen Wert darstellt, der deutlich über dem Nutzwert einer vergleichbaren achromatischen Optik und ebenfalls über der eines vergleichbar großen Voll-Apo's liegt;

2. die Qualität als Achromat würde ich angesichts des HErstellers nicht ernsthaft in Zweifel ziehen;

3. die Farbfehlerproblematik ist solchen Konstruktionen eigen, das hängt weder am Hersteller noch im Detail an der Qualität, es ist bei einem achromatischen Objektiv unvermeidbar;

4. Du solltest Dir ernsthaft überlegen, ob Du das optisch für den Betrag mögliche, also einen echten Voll-Apo oder einen ebenso echten Klassiker Dein eigen nennen möchtest.

Beides kann Dir zu einem sehr guten und Deinen Wünschen entsprechenden Teleskop verhelfen, das letzte Quentchen optische Qualität liegt aber beim Apo.

CS

J.
 
Hallo Jörg,

Du hast es mit Deinen Zeilen sehr gut auf den Punkt gebracht. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/Spitze.gif" alt="" />
Nur noch eine kleine Anmerkung:
der ZEISS 100/1000 ist ein Halbapo, also kein gewöhnlicher Achromat. Der bläuliche Farbsaum ist merklich, aber deutlich weniger als beim klassischen Fraunhofer.
Wer bislang nur Apos und FHs kennt, wird über diese interessante Zwischenlösung erstaunt sein...

Gruß und cs
Ralf

Unerlaubter Werbelink entfernt. CS, Alex
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Jörg,



2. die Qualität als Achromat würde ich angesichts des HErstellers nicht ernsthaft in Zweifel ziehen;

Ich empfinde die Bezeichnung eines Zeiss AS als einfachen Achromaten als problematisch. Ein AS ist eben mehr als ein einfacher Achromat, nämlich ein Halbapochromat, auf Grund der verbesserten Farbkorrektur. Er wird jedem anderen Achromaten, mit den gleichen Daten (100/1000), hinsichtlich der optischen Abbildung überlegen sein. Es gibt ja neben der Restchromasie auch noch anderen Bildfehler. Zum Beispiel hat das AS-Objektiv eine asphärische Fläche, um dem Gauss-Fehler zu korrigieren. Welcher gewöhliche Achromat (und mancher Apochromat) kann da mithalten? Ganz abgesehen von der Qualität der Verarbeitung/Politur der Linsen, der Vergütung und einer guten Fassung. Für mich ist das von August Sonnefeld entwickelte Astro-Spezial-Objektiv AS mit Sicherheit eines der genialsten Objektive überhaupt, auch wenn es nicht vollständig farbrein ist. Das AS 100/1000 mit f/10 hat das schnellste Öffnungsverhältnis von allen AS Objektiven und hat damit den deutlichsten Farbfehler. Bei meinem AS 80/1200 mit f/15 ist dagegen der Farbfehler verschwindend klein und praktisch nicht sichtbar. Den Vergleich mit einem APO braucht er nicht zu fürchten.


4. Du solltest Dir ernsthaft überlegen, ob Du das optisch für den Betrag mögliche, also einen echten Voll-Apo oder einen ebenso echten Klassiker Dein eigen nennen möchtest.

Beides kann Dir zu einem sehr guten und Deinen Wünschen entsprechenden Teleskop verhelfen, das letzte Quentchen optische Qualität liegt aber beim Apo.

Hier stimme ich Dir völlig zu, für den Preis bekommt man schon einen schönen Apo, wie z.B. einen Takahashi FS 102, und der ist dem AS 100/1000 eindeutig überlegen.
 
Hi,

ich bin mit dem Begriff "Halb-Apochromat" ein wenig auf Kriegsfuß. Ohne eine Grundsatzdebatte lostreten zu wollen:

Abbe hatte eine klare Apo-Definition. Die ist ob ihrer Radikalität zwar eine heftige Sache, aber vergleichsweise eindeutig.
Die "Halb-Apo's" könnte man mit "Geringer Farbrestfehler" klassifizieren, also als Top-End der Achromate oder als Low-End der Apochromate.
Da ich aber eher der Tendenz anhänge, die Lampen nicht zu hoch zu ziehen neige ich eher dazu, von sehr guten Achromaten zu sprechen, denn die drei Farben bringen sie nunmal nicht auf den Punkt.

Das Problem ist, daß man daraus natürlich eine Philosophie machen kann, was ich als Pragmatiker nicht gerne mache. Aus diesem Grund auch mein Hinweis, dass sich der Zeiss sicherlich als hervorragendes Gebrauchsfernrohr erweisen wird, sofern man es nicht an seine Grenzen treibt. Man muß aber einfach ehrlicher Weise eingestehen, dass für dasselbe Geld auch einer der kleinen Voll-Apo's erstanden werden kann.

Was ich mal dahingestellt sein lasse ist, ob unter praktischen Alltagsbedingungen hier der Unterschied so enorm ist.

Meine Entscheidung würde Zeiss heissen, auch ein wenig mit dem eingebauten "Hut-zieh-Mechanismus" vor den altvorderen Konstrukteuren.

CS

J.
 
Hallo

Ich hatte einen Zeiss AS 110/1650, der laut ZYGO-Protokoll von Pleiger Laseroptik einen Strehl von 0.994 hatte.
Das war ein feines Planeten und Sonneninstrument.

Von der Farbkorrektur, würde ich meinen alten AS mit f/15 als Halbapochromat bezeichnen. Den f/10 würde ich deshalb als Achromat sehen. In der Literatur wird der AS unter den Achromaten mit verbesserter Farbkorrektur gehandelt.

Ansonsten schließe ich mich den Anderen an, für dass Geld bekommt man heute einen Vollapochromaten.

Gruß Uwe
 
Hallo,
in meinen ersten 20 Astroamateurjahren war der 100/1000 von Carl Zeiss Jena mein Traumgerät, was ich mir damals leider nicht leisten konnte. Ich habe es "nur" bis zum 80/1200 geschafft. Man kann hin und her philosphieren über die Theorie einer Optik, aber selbst durchschauen und urteilen ist m. E. die bessere Variante. Ich kann nur sagen, dass die
Zeiss Jena Geräte excellent in Optik und Mechanik sind, die so leicht kein anderer Hersteller schlagen kann. Ob nun ein geringer Farbsaum noch existiert oder nicht, ob der wirklich störend ist oder nicht kann ich nicht so genau beurteilen, da meine Augen leider teilweise farbuntüchtig (nicht farbblind!) sind.
Obwohl ich nun auch mit 8 Zoll arbeite, werde ich bei Gelegenheit zu so einer Gelegenheit, die Bocian jetzt hat, zuschlagen. Es hat mit "Sammlerstück" gar nichts zu tun, sondern es ist einfach ein Spitzengerät!

Wer hier theoretische Vergleiche zwischen Achromat, Halbapo und Apo vornimmt, sollte m. E. etwas vorsichtig sein. Schaut erst mal durch ein Zeiss 100/1000 und urteilt dann!
Das musste ich los werden.

Schöne Weihnachtsfeiertage und hoffentlich mal CS

schimmi66
 
Hallo,
habe nach dem Telementor einen AS 80/1200 gekauft, und wie es halt so ist bin ich durch Zufall auch zu einem AS 100/1000 gekommen. Nach der ersten Beobachtungsnacht mit dem AS 100 war ich allerdings reichlich enttäuscht, da ich den Farbfehler als sehr störend empfand. Ich werde den AS 80/1200 auf jeden Fall nicht mehr hergeben, da er fast Apo-ähnliche Eigenschaften hat.

Gruß
Thomas
 
Hallo,

ich hatte sowohl einen Zeiss AS 100/1000 als auch diverse Vollapochromate. Auch wenn beim AS 100/1000, der ein Halbapochromat oder "verbesserter Achromat" ist, bei hellen Objekten ein schwacher violetter Saum erkennbar war, war er dennoch in der Abbildungsqualität den meisten vierzölligen Vollapochromaten überlegen (Ausnahmen: Zeiss APQ 100/1000 und TMB 100/800). Diese Aussage bezieht sich auf die Schärfe der Sternabbildungen, die Erkennbarkeit schwacher Begleiter von hellen Sternen sowie die Detailerkennbarkeit und den Kontrast auf Planetenoberflächen.

Der Grund hierfür lag zweifellos in der überragenden sphärischen Korrektur des Zeiss-Objektivs. Nach meinen dreißigjährigen Erfahrungen mit Refraktoren aller Art ist die sphärische Korrektur eines Objektivs für dessen Leistungsfähigkeit wesentlich wichtiger als die Korrektur des Farblängsfehlers. Mit anderen Worten: Ein Refraktor mit einem physikalisch bedingten (wegen der verwendeten Glassorten) moderaten Farblängsfehler, aber einer hervorragenden sphärischen Korrektur (wie der Zeiss AS 100/1000) liefert eine bessere Abbildungsqualität als ein völlig farbreiner Vollapochromat mit erheblicher sphärischer Aberration oder anderen sphärischen Bildfehlern.

Deshalb ist es auch falsch, wenn - wie es häufig in Testberichten oder Erfahrungsberichten oder Beiträgen in einschlägigen Foren geschieht - die Qualität eines Apochromaten allein oder in erster Linie danach beurteilt wird, ob noch "ein Hauch Farbe" zu sehen ist (und sei es auch nur außerhalb des Fokus!).

Für den offenbar sehr gut erhaltenen Tubus mit Optik AS 100/1000 mit Ib-Montierung ist ein Preis von EUR 3.500.- sicherlich angemessen. Hierbei handelt es sich keineswegs nur um den "Sammlerwert". Zwar entsprechen sowohl die für das Objektiv verwendeten Glassorten BK7 und KzF2 als auch die Montierung längst nicht mehr dem "Stand der Technik"; dies wird aber durch die Qualität der verwendeten Materialien und die hervorragende Verarbeitung mehr als wettgemacht.

Grüße
Ulrich
 
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