Zeiss Newton 110/1100

Hallo,
da hast Du ja eine sehr seltene Montierung erwischt, meinen Glückwunsch!
Interessant ist der von Ralf hier eingestellte Ausschnitt aus der Preisliste. Der Preis ist ja dort in DM-West aufgeführt. Das würde meine These stützen, daß die Zeiss-Jena Astroabteilung doch ein guter Devisenbringer war. Was haben eigentlich damals die Japanfernrohre im Westen gekostet?

C.S. Frank
Hallo Frank, Danke für die Glückwünsche, ja es ist die seltene 1A Montierung und zwar jenes Modell mit der Motorisierung, den Motor dafür hab ich glücklicherweise auch mitbekommen. Was seinerzeit die Japanfernrohre gekostet haben kann ich nicht wirklich sagen, ich habe ein Tasco 20TE aus den 70zigern (108/1600), dieses hatte laut dem Händler wo ich es erworben hatte einen EK von 9000 Mark.

Viele Grüße
Ernst-Christian
 
Hallo Ernst Christian,
ich habe eine Montierung I, diese hat eine Gegengewichtsstange mit einer Länge von ca. 450mm, sonst hatten diese Montierungen ja eine kürzere Gegengewichtsstange von wohl 170mm. Die Lange Gegengewichtsstange macht eigentlich keinen Sinn, da sie in der Länge nicht ausreichend steif ist, wenn das Gewicht nach außen geschoben wird. Die lange Gegengewichtsstange scheint original zu sein, zumindest deutet die vorhandene Patina auf ein hohes Alter hin. Hast Du eine Ahnung, ob diese lange Gegengewichtsstange tatsächlich original mal so gebaut worden ist, und wofür diese gedacht war? Ein Sammler hatte mal die Vermutung geäußert, daß die ursprünglich für einen frühen Cassegrain 150/2250 war.
C.S. Frank
 
Hallo Frank,

Also soviel ich weiß hatten die frühen Zeiss Cassegrain 150/2250 Teleskope auch die kürzere Gegengewichtsstange, vielleicht stammt deine von einem alten AS110/1650 ?

Viele Grüße
Ernst-Christian
 

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Hallo Ernst-Christian,
danke für das Bild, das ist eindeutig. Gab es den AS 110/1650 als Komplettfernrohr auch nach dem Krieg?
Es könnte auch sein, daß meine Gegengewichtsstange nicht aus der original Zeiss-Produktion stammt. Viele Zeiss-Mitarbeiter hatten sich Astrogeräte gebastelt. Wie man mir damals erzählt hatte, wurden solche Basteleien vor Biermann wohl auch im gewissen Rahmen unterstützt (was ja auch vernünftig wäre, Mitarbeiter die sich auch hobbymäßig in Richtung ihres Berufes beschäftigen arbeiten mit Interesse, wenn diese dann die Möglichkeit haben, außerhalb der Arbeitszeit gegen Materialkostenerstattung was zu basteln, beugt das auch den in der Sowjetzone üblichen Privatpfusch vor), die Gegengewichtsstange sieht jedenfalls professionell hergestellt aus.

C.S. Frank
 
Hallo Frank,

Ja, kann durchaus sein, dass deine Gegengewichtsstange im Werk hergestellt wurde.
Ich habe ein einziges mal ein komplettes AS110 aus der Nachkriegszeit gesehen, die Optik war in einem sehr ähnlichen Tubus wie vom AS100/1000 aus den 60ziger Jahre verbaut, natürlich länger und etwas mehr Durchmesser. Seriennummer war auf der Prismenschiene eingraviert, wenn ich mich richtig erinnere und es hatte auch den typischen Zeiss Sucher und den selben Okularauszug wie man ihn vom AS 80 oder AS100 kennt, vielleicht war es ja auch eine Sonderbestellung.

Viele Grüße
Ernst-Christian
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Ernst-Christian,
die Zeiss-Astroproduktion war ja keine Massenproduktion. In den 50-ern und 60-ern wurden da auch Sonderbestellungen bearbeitet. In einer Jenaer Rundschau wird z.B. beschrieben, wie Zeiss einen 120mm Astrograph aus vorhandenen Teilen für Treptow gebaut hat.
Die Zeiss Montierung I und die in den 60-er Jahren gebaute einfache parallaktische Montierung (eine erstaunlich steife Montierung!!!) hatten eigentlich zu kurze Gegengewichtsstangen. Die waren wahrscheinlich nur für die gelieferten Geräte gedacht. Das Konzept universeller Montierungen wurde wohl nicht verfolgt, obwohl dafür bei den Sternfreunden in der Zone Bedarf bestand (wie schon geschrieben, es wurde viel gebastelt). Die Ib hatte dann ja auch eine längere Gegengewichtsstange. Wie mir damals erzählt würde (ich war in den 80-ern kurz bei Zeiss, habe da zwar auch in die Sterne geguckt, aber aus Zeitgründen nicht so intensiv), wurde die Ib vor allem für den Mak 150 entwickelt.
War schon eine interessante Zeit. Unser heutiger Wohlstand dürfte zum größten Teil aus der Wissenschafts- und Technikbegeisterung der damaligen Zeit stammen. Es ist gut, daß es Sammler gibt, die die Produkte aus dieser Zeit bewahren. Ich sammle Zeiss-Fernrohre nicht intensiv, bin als leidenschaftlicher Selbstbauer aber technisch sehr interessiert.

C.S. Frank
 
Hallo liebe Sternfreunde,

Ich habe ja seinerzeit geschrieben, ich berichte euch weiter, wenn es Neuigkeiten vom Newton 110 bzw. von der Montierung gibt.
Mein lieber Freund Andreas Berger (Astrogeräte Berger) hat mir mit einer unglaublicher Geduld und Perfektion die alte 1A Montierung neu restauriert.
Im Zuge dessen hat er einen Teil der leider gebrochen war, neu konstruiert und gebaut. :)
Letzten Freitag kam das Paket mit der Montierung bei mir an und ich bin einfach nur begeistert, Vielen, vielen Dank Andreas, ich habe eine riesige Freude !!

Viele Grüße,
Ernst-Christian

Zeiss1AmountXdefect.jpg
Zeiss1Adefect-1.JPG
Zeiss1A-1X.JPG
Zeiss1A-X.JPG
 
Hallo zusammen,

ein echtes Schmuckstück!
Am Anfang des Threads fiel mir auf dem Foto des Teleskopes eine Ausbuchtung am Tubus auf, die dem Okularauszug genau gegenüber liegt.
Hier mit einem Pfeil markiert:

zeissnewton110_2.jpg


Der Zweck ist nicht ganz klar. Ist der Diagonalspiegel eventuell an einer Strebe befestigt, die mit einer Halteplatte an der markierten Stelle des Tubus angeschraubt wird? Die zwei schwarzen Punkte könnten Schraubenköpfe sein.
Oder hat die Ausbuchtung einen anderen Zweck?


Viele Grüße,
Guntram
 
Der Zweck ist nicht ganz klar. Ist der Diagonalspiegel eventuell an einer Strebe befestigt, die mit einer Halteplatte an der markierten Stelle des Tubus angeschraubt wird? Die zwei schwarzen Punkte könnten Schraubenköpfe sein.
Oder hat die Ausbuchtung einen anderen Zweck?
Hallo zusammen,

hier ist original kein Diagonalspiegel verbaut, sondern stattdessen ein 90°-Prisma zur Lichtablenkung Richtung Okular. Eine sehr außergewöhnliche Konstruktion von Zeiss. Daher würde mich das "Innenleben" des oberen Tubus sehr interessieren.
 
Hallo,

ah, ein Prisma! Sehr gut. Höhere Reflexion als ein Diagonalspiegel, keine Korrosionsempfindlichkeit. Bei f/10 spielen die Bildfehler des Prismas keine Rolle mehr, anders als bei "schnelleren" Newton- Teleskopen.
 
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