Zeiss Victory FL 32er gesehen?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

chipsy

Aktives Mitglied
Hat schon jemand die neuen Zeiss 8x32 bzw. 10x32 Victory FL gesehen? Die sollten laut Zeiss Dezember 2004 erscheinen. Scheinen als Universalgläser höchst interessant.
Gibt es schon erste Erfahrungsberichte?
 
Hallo chipsy,

ich habe mir beide Gläser während einer Zeiss Präsentation kurz vor Weihnachten bei meinem Fotohändler angeschaut und das 10x32 liegt inzwischen auch "offiziell" im Schaufenster. Vor einigen Tagen habe ich mir dann nochmal das 10x32 gegriffen und in aller Ruhe mit Ultravid und Trinovid verglichen. Mein persönliches Fazit: ich würde das 10x32 Ultravid nehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig ...

Ich halte beide Zeiss Gläser optisch momentan für das beste, was man kaufen kann. Allerdings ist der Unterschied zu den Ultravid Modellen nicht so groß, daß ich ihn als kaufentscheidend einstufen würde. Die Zeiss Gläser sind nach meiner ganz persönlichen Meinung weniger mit Farbsäumen zum Bildfeldrand geplagt und in der Dämmerung scheint mir das Zeiss einen Tick heller zu sein (was natürlich auch pure Einbildung sein kann). Bei Tag sehe ich in der Bildhelligkeit keinen Unterschied und beide Gläser sind brillant, sauscharf und ich wüsste echt nicht, was man hier noch verbessern soll. Wichtiger als die feinen Differenzen in der Optik sind aus meiner Sicht die Punkte Handling und Einblickverhalten. Beim Handling sind Victory FL und Ultravid gleich gut, sie liegen angenehm in der Hand und lassen sich ohne Probleme bedienen. Bei der Gängigkeit des Mitteltriebs hat Zeiss die Nase vorn, das Ultravid läuft nicht so weich. Das Trinovid fällt bei mir inzwischen durch: zu klobig und ein gutes Stück schwerer wie das Ultravid.

Beim Einblickverhalten ist mir das Ultravid sympathischer wie das Zeiss. Das kann verschiedene Ursachen haben: die Konstruktion der Okulare, der AP Abstand, Form und Größe der Augenmuscheln, die Form des eigenen Gesichts, etc. Genau kann ich die Gründe nicht benennen, jedenfalls komme ich mit dem Ultravid besser klar. Das Fernglas wird einmal vor die Augen gehalten und das Bild steht. Beim Zeiss war ich immer am rumprobieren, optimal war der Einblick nie. Ich halte das aber für eine individuelle Geschichte und hier kommt man ums praktische Ausprobieren nicht herum. Es kann gut sein, daß andere Leute genau zum entgegengesetzten Ergebnis kommen.

Unterm Strich sind die Unterschiede in der Optik zwischen den 32mm Gläsern von Leica und Zeiss nicht so groß, daß ich aufgrund dessen eins der Gläser favorisieren würde. Auch die 5m mehr Sehfeld beim 8x32 Victory FL sind nicht so groß, daß ich deshalb nun unbedingt zum Zeiss greifen würde. Inzwischen steht das 10x32 Ultravid auf meinem heimlichen Wunschzettel für Zeiten, wo ich mal zu Geld komme. Der Grund für diese Wahl liegt nicht in den eher kleinen Differenzen bei der optischen Leistung sondern allein in dem für mich besseren Einblickverhalten. Ein Punkt kommt natürlich noch hinzu, das Leica Fernglas macht einfach einen gediegeneren und wertigeren Eindruck ...

Frank.
 
Hm, soweit ich richtig informiert bin, beträgt der Austrittspupillenabstand beim Ultravid 13,5 bzw. 13,0mm (10x bzw. 8x) und bei den Victory Fl satte 16mm. Ein 8x32 Trinovid, das wohl dasselbe Einblickverhalten wie das Ultravid aufweisen dürfte, war für meine Gesichtsform inkl. Brille schon fast zu knapp bemessen.

Kann man deine Erfahrung bzgl. des komfortableren Einblicks beim Ultravid noch näher spezifizieren? Liegt es an der Form des Fernglases oder an der unterschiedlichen Optik? Der Austrittspupillenabstand ist ja beim Ultravid sogar knapper.
 
Mein Fehler, ich habe mich nicht klar ausgedrückt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />. Was ich geschrieben habe, gilt für die Nutzung ohne Brille. Ich habe zwar eine auf der Nase, beobachte aber meist ohne. Mit Brille mußte ich bei beiden Gläsern (ich rede jetzt vom 10x32) ziemlich dicht an die Okulare rücken, um das volle Sehfeld erfassen zu können. Das Zeiss schien mir da etwas komfortabler, insofern könnte der größere AP Abstand für Dich von Vorteil sein.

> Hm, soweit ich richtig informiert bin, beträgt der Austrittspupillenabstand beim Ultravid 13,5 bzw. 13,0mm (10x bzw. 8x) und bei den Victory Fl satte 16mm.

Wie Walter E. Schön hier schon mehrmals angemerkt hat, gibt es wohl keine verbindliche Definition, wie der AP Abstand gemessen wird. Vom letzten Linsenscheitel? Vom Fassungsrand? Vom Ende der voll eingefahrenen Augenmuschel? Wenn ich nicht weiß, wie der Hersteller seinen AP Abstand definiert, kann ich mit den Katalogangaben leider wenig anfangen und zum direkten Vergleich taugen sie auch nicht. Also auch hier gilt wie so oft: selbst ausprobieren. Allerdings scheint nach meinem Eindruck an dem größeren AP Abstand bei Zeiss was dran zu sein. Ob der Unterschied nun 2,5 bzw. 3mm beträgt, vermag ich auch nicht zu sagen.

> Kann man deine Erfahrung bzgl. des komfortableren Einblicks beim Ultravid noch näher spezifizieren?

Wie gesagt, diese Einschätzung gilt nur für die Nutzung ohne Brille. Beim Zeiss kommt hinzu, daß die zwei äußeren Raststellungen der Augenmuscheln einmal zu weit und einmal zu knapp für meine optimale Einblickposition ohne Brille angelegt sind und daß der Abstand dazwischen etwas zu groß geraten ist. Beim Leica passte es einfach besser. Ob die Okulare selbst einen Beitrag zum (für mich) perfekten Einblickverhalten leisten, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich würde es zumindest nicht ausschließen.

Ich hoffe, daß ich mich jetzt präziser ausgedrückt habe. Da die angesprochenen Punkte aber individuell recht unterschiedlich bewertet werden, kommst Du ums selbertesten eh nicht herum.

Frank.
 
Eine verbindliche Definition für die Messung des AP-Abstands gibt es sicher nicht. Jeder Hersteller ist frei in der Wahl seiner Messmethoden.

Allerdings gibt es zwei Normen, in denen Messmethoden definiert sind: ISO 14490-1 (noch im letzten Entwurfs-Stadium - deutsche Übersetzung in DIN ISO 14490-1) und ISO 14490-3 (auch noch Entwurf; speziell für Zielfernrohre). Wer auf www.beuth.de ins Suchfeld "iso 14490" eingibt, erhält eine Liste von relevanten Normen für Ferngläser (u.a.). Den Inhalt leider nur nach Bezahlung...

In ISO 14490-1 wird der Luftabstand zwischen dem letzten Linsenscheitel und der Austrittspupille (Bild der Eintrittspupille) gemessen. Die Fassungsränder oder Augenmuscheln zählen nicht.

ISO 14490-3 beschreibt eine Messmethode, die etwas anders funktioniert als die obige. Hier werden im Labor am äußersten Rand des Sehfelds links und rechts zwei Lichtquellen positioniert. Dabei erhält man zwei Randbündel, die sich in der Nähe der obigen Austrittspupille kreuzen, aber i.d.R. nicht ganz genau dort (Stichworte Pupillenaberration, Einblickverhalten). Wieder wird der Luftabstand zwischen dem letzten Linsenscheitel und der Kreuzungsposition gemessen.

Wie das so mit Normen ist, man kann sie anwenden, man muss aber nicht. Sie sind also nicht verbindlich. Wenn man sich als Hersteller allerdings auf eine Norm beruft, dann sollte man auch die darin angegebene Messmethode korrekt anwenden.

Weitere relevante Normen für Ferngläser sind übrigens
ISO 14132 (Vokabular, Fachbegriffsdefinitionen)
ISO 14133 (Anforderungen für "einfache" und "highend"-Ferngläser)
und die anderen Teile von ISO 14490.
 
Hallo Infinity,

besten Dank für die Info! Der Abstand zwischen letztem Linsenscheitel und Lage der AP wäre ja auch irgendwie die sinnvollste Definition. Ob sich die Hersteller daran halten, bleibt wohl offen.

> ISO 14133 (Anforderungen für "einfache" und "highend"-Ferngläser)

Die würde mich glatt interessieren. Wenn wieder mal ein Händler mit einem neuen Highend-Fernglas aus China kommt, könnte man das prüfen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
AP, was ist das?

Frage an @ Experten.

Ich habe das immer so verstanden, daß aus einem Fernglas (Teleskop, ...) ein afokales Lichtbündel austritt, welches von der Optik des Auges zum reellen Bild auf der Netzhaut gebündelt wird. Müßte der Abstand der AP dann nicht die Entfernung zur Fernrohroptik sein, aus der man die Feldblende gerade noch erfasst? Eine anders definierte Lage etwa im Sinn einer realen Bildebene kann es doch nicht geben.

Gruß hanno
 
Re: AP, was ist das?

Hallo Hanno,

die AP ist das vom Okular entworfene Bild der EP, also i.d.R. der Objektivöffnung. Befindet sich die menschliche Pupille dort an der AP, so gelangt unter Vernachlässigung der Lichtverluste durch Reflexion und Absorption im Inneren des Teleskops das ins Objektiv eintretende Licht auch ins Auge.

Die AP hat direkt nichts mit dem Blickfeld zu tun, das von der Feldblende begrenzt wird. Sie wird normalerweise nach unendlich abgebildet. Wenn allerdings vom Ort der AP die Feldblende sichtbar sein soll, so erfordert dies einen Mindestdurchmesser der Okularlinsen, während der Ort der AP selbst von der Bauweise, der Linsenanordnung des Okulares abhängt.

Beste Grüße, Herbert
 
Re: AP, was ist das?

Hallo Herbert,

Danke für die Aufklärung auf. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Bzgl. Seeliger geben ich noch eine weitere Antwort, da meine momentane nicht gabz stimmig ist.

Gruß hanno
 
Die ISO 14133 beschreibt die zulässigen Abweichungen der Grundgrößen wie Eintrittspupille, Vergrößerung usw. von den Prospektangaben des Herstellers.

Die highend-Toleranzen sind natürlich enger gefasst als die für einfache Ferngläser, z.B. auch die für die binokulare Justierung, damit man mit highend-Ferngläsern auch nach Stunden noch keinen Knoten in die Augen kriegt wie mit manchen 15 Euro-Gläsern nach drei Minuten.

Grüße
Infinity
 
An Frank Schäfer

"Die Zeiss Gläser sind nach meiner ganz persönlichen Meinung weniger mit Farbsäumen zum Bildfeldrand geplagt und in der Dämmerung scheint mir das Zeiss einen Tick heller zu sein (was natürlich auch pure Einbildung sein kann)."


Wie du vieleicht gesehen hast, interessiere ich mich auch für Ultravid und FL Gläser(siehe 10x42 oder 10x32). Leider bin ich erst heute über diesen Thread hier gestolpert.
Ich frage mich, ob ein 32er für Vogelbeobachtungen im Schatten und der frühen Dämmerung genügt, und ob sich dann noch Details erkennen lassen. Offenbar hast du die Gläser in der Dämmerung ausprobiert. Kannst du mir hierzu etwas aus deinen Erfahrungen heraus sagen, bzw. würdest du mir doch eher ein 42er empfehlen? Wäre das für gelegentliche Reisen zu schwer?

Gruß

Andreas
 
10x32 vs. 10x42

Hallo Andreas,

ich fürchte, hier werde ich Dir nichts schlaues sagen können. Um die Frage nach der Dämmerungstauglichkeit für einen bestimmten Zweck zu beantworten, kommt man ums ausprobieren nicht herum. Das ist erstmal fakt. Da können Dir die Leute noch so viel raten, entscheiden mußt Du allein und nur Du kennst die örtlichen Gegebenheiten. "Vogelbeobachtungen im Schatten und der frühen Dämmerung" ist immer noch eine recht breit gefasste Szenerie, neben Entfernung zum Objekt und zu erkennenden Details spielt auch der Bewölkungsgrad eine Rolle und es gibt bestimmt noch mehr Faktoren, die man berücksichtigen sollte. Da hilft nur eins: Du mußt einen Fotoladen finden, der wenigstens je ein 10x32 und 10x42 von einem der Top Hersteller im Schaufenster hat. Dann gehst Du nach Sonnenuntergang hin, suchst Dir eine Szene, die Deinen Erfordernissen einigermaßen entspricht, und guckst Dir die Augen solange aus dem Kopf, bis die Entscheidung gefallen ist. Ein vernünftiger Fotohändler mit Blick auf eventuelle Einnahmen wird Dich das Glas auch mal vor der Tür testen lassen. Notfalls gibst Du ihm den Personalausweis oder Deine Frau als Pfand <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> ...

Ob man sich für Zeiss, Leica oder Nikon entscheidet, wird wohl an anderen Eigenschaften festzumachen sein. Die optischen Unterschiede zwischen Zeiss FL und Leica Ultravid sehe ich in erster Linie bei den verbleibenden Farbfehlern abseits der Bildmitte und erst dann bei der Bildhelligkeit. Bei mir bleibt der Eindruck, daß die Zeiss Gläser einen Tick heller und farbreiner sind. Die Unterschiede bei der Transmission sind aber auch in der Dämmerung keinesfalls so groß, daß sie eine Entscheidung zwischen 32 und 42mm Öffnung überflüssig machen. Erst wenn klar ist, welche Öffnung die geeignetere ist, würde ich mich um Gewicht, Maße und Ergonomie kümmern. Dann geht es auch um die Frage, welche Firma Dein Geld bekommt <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Die Entscheidung ist wirklich nicht leicht und ich kann Dir das nachfühlen. Am Ende kann ich Dir nur sagen, wie ich mich inzwischen entschieden habe. Es ist doch ein Zeiss geworden ...

In letzter Zeit habe ich eine Menge verkauft und habe meinem Fotohändler auch was in Zahlung gegeben. Mitgenommen habe ich das 10x32 Victory FL. Ich habe mich für das 32'er entschieden, weil es sich durch nur noch sehr geringe Farbfehler auszeichnet, weil es deutlich kompakter wie ein 10x42 ist, weil Zeiss beim Überhub nicht so knausrig wie Leica ist und - was für Dich wichtiger ist - weil ich mich damit auf Tagbeobachtungen beschränke. Ich wollte ein wirklich gutes Glas mit kompakten Abmessungen für Wanderungen, Urlaub und Reisen. Würden bei mir Beobachtungen in der Dämmerung auf dem Plan stehen, dann hätte ich sicher zum 10x42 gegriffen. Ich kaufe ungern ein Fernglas, was quasi "auf Kante genäht" ist. Damit meine ich, ohne gewisse Reserven würde ich so eine Entscheidung nicht treffen. Ich hätte für ausschließliche Tagbeobachtungen auch ein 10x25 nehmen können. Aber eben genau aus diesem Grund habe ich es nicht getan. Bei bewölktem Himmel kann einem 10x25 durchaus das Licht ausgehen und die 32mm Öffnung gibt mir genug Reserven für ungünstige Verhältnisse. Ähnlich würde ich das bei Dämmerungsbeobachtungen sehen. Auch hier können die Lichtverhältnisse wechseln und mit etwas mehr Öffnung steht man nicht so schnell im Dunkeln.

Wie immer: lange Rede, kurzer Sinn. Überlege Dir in Ruhe, ob Dir die Reserven einer größeren Optik das mehr an Gewicht und Packmaßen wert sind. Vom Gewicht her kann man auch ein 42'er Glas gut zum Wandern mitnehmen und mir persönlich wäre es nicht zu schwer. Ich habe über viele Jahre die alten Zeiss Jena Porrogläser mit einem Kilo Lebendgewicht genutzt und die waren mir auch nicht zu schwer. Lieber trage ich etwas mehr durch die Gegend, habe dafür aber ein Fernglas mit den nötigen Reserven, wenn's für den anvisierten Einsatzzweck von den Sichtbedingungen auch mal eng wird. Persönlich beschränke ich mich mit dem 10x32 im wesentlichen auf Tagbeobachtungen, wobei es übrigens auch bei Astro eine sehr gute Figur macht (Machholz war bei eher mäßigem Himmel vor der Stadt sehr gut zu sehen). Ist Dir das Victory 10x42 FL zu groß, dann wird es vielleicht ein Leica oder Nikon 10x42. Wie Walter schon geschrieben hat, mit keinem der Top Modelle dieser Hersteller machst Du einen Fehler. Wichtiger wie die feinen Unterschiede in der optischen Leistung sind Ergonomie und das eigene Gefühl, wenn man das Teil in den Händen hält.

Frank.
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben