Zeitgeist

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Hallo Thomas,

tja, genau das ist doch der Punkt: Wenn man die Beratung gewerblich macht, dann entwickelt sich folgende Problematik für beide Seiten:

1. Die Beratung kann bewusst zugunsten bestimmter Händler ausfallen. Selbst wenn der Kunde mit dem Gerät zufrieden ist, bleibt das moralische Problem und bei genauem Hinsehen die Gewissheit, dass der Kunde dann mehr Geld für die gleiche Leistung ausgegeben haben muss - sonst lohnt es ja nicht, das zu tun.

2. Die Beratung kann trotz ehrlichem Bemühen schiefgehen. Das kann mal am Berater liegen, mal am Kunden und die Gründe sind vielfältig. Fragt sich nur: Wenn man es gewerblich macht, wer haftet dafür, wo will man die Grenzen ziehen? Gewaltiger Unfrieden ist vorprogrammiert, weil der vermeintlich fehlberatene Käufer dann doch nicht "einklagbar deutlich" fehlberaten wurde, oder der Berater bekommt trotz ehrlichem Bemühen vom Kadi den Holzhammer über den Kopf gezogen. Das kann auch existenzbedrohend teuer werden.

Es gibt da eben keine heile Welt mehr. Das, was im alten Jahrtausend eine "heilere Welt" möglich machte, nämlich die wirkliche Kundenbindung, scheint heute Kunden wie Händlern durch die Finger geronnen zu sein.
Keiner kann sich davon freisprechen, daran seinen Anteil zu haben, allerdings differenziere ich insofern, als der professionelle Händler das verführende Marketing professionell betreibt, während der Kunde allzu oft dem ausgeliefert ist, ohne sich z.B. durch solides Fachwissen vom Marketing-Jubel distanzieren zu können.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Herr Vehrenberg,

Briefe oder Emails kann man nicht einfach veröffentlichen,
das sollte ihnen ebenfalls klar und selbstverständlich sein.

Wenn dem Betreiber keine Einverständniserklärung des Urhebers vorliegt
riskiert er sehr viel wenn er die Mail trotzdem stehen läßt.

Garantieren kann ihnen der Betreiber daß die Information nicht
weitergegeben wird. Ebenfalls schönes Wochenende wünscht ihnen

Karsten
 
Hi Sven,

nimm beispielsweise die Unternehmensberater ... hast einen von denen (Grossen) schon mal vorm Kadi gesehen?

Selbst wenn die nur absoluten Quark "empfehlen" und gar die "beratene" Company nach Ausführung der angeratenen Massnahmen den Bach runter geht ... die Verträge der Berater sind so "dicht", wie das Vakuum in manch derer Köpfe ;)

Als "Anlageberater" schauts da schon etwas "übler" aus ... es sei denn, man hat die entsprechenden "Ausschluss"-Verträge mit seinen Mandanten. Immer da, wo konkret zu einem Produkt "beraten" wird, wirds kritisch ...

Das Blöde an der üblichen Händlerberatung eines "Frischlings" ist ja, dass der sich alles aufschwatzen lassen kann - und trotzdem noch ein gutes Gefühl dabei hat (siehe das Post vom Kollegen weiter oben) ... und warum wird oft "Schrott" angedreht? Manchmal vom Händler wirklich nur zu kurz gedacht - an den kurzfristigen Profit, denn die Ladenhüter haben ja auch des Händlers Kohle verzehrt. Langfristiges - wie z.B. Kundenbindung per gutem Service - ist out - nicht zuletzt, weil entweder der Kunde drauf pfeift, oder der Service von einem zum anderen Händler kaum unterscheidbar ist - Kundenbindung heisst heute "Preisbindung" ... anders lassen sich die nicht mehr "anleinen" ;)

Vielleicht sollte es allen zumindest a bisserl informierten Einsteigern eine "Warnung" sein, wenn Astro-Händler in ihrem Sortiment die hier schon an zig Stellen verrissenen "Komplettpakete für Einsteiger" anbieten a la "Big Boss Megastar Alliance" oder wie das Geraffel sonst noch so heisst ... da sollten beim Kaufwilligen schon mal die roten Alarmglöcken leuchten :biggrin:

Vielleicht überlegen sich auch mal die betroffenen Händler, ob sie sich einen Gefallen damit tun, wenn sie solche "Minderware" anbieten - sei es im Laden oder in der Bucht (wo sich die Leute noch etwas leichter "verführen" lassen) ...

Ich war ja auch zunächst von so 'nem Teil angetan ... bin aber dann gottseidank noch euch Intensivberatern ;) hier in die Arme gelaufen :super:


 
Hallo auch Herr Vehrenberg,

ich finde es auch schade das Ihr ursprünglicher Beitrag gelöscht wurde. Zensur in einer Demokratie ist nicht sehr gut und in dem Fall war es ja so keine komplette Mail sondern nur ein Teil des Textes als Zitat aus dieser Mail.

Wie auch immer, so fehlt dieser Diskussion das Wesentliche- der Text auf den sich alles bezieht fehlt nun, bedauernswert.

Mein Respekt auch Ihnen gegenüber, auch das sie solch einen Beitrag setzen und zur Diskussion bringen.

Mit besten Grüßen

Stefan Hastreiter
 
Hallo Herr Vehrenberg,

da kann ich nicht anders:

"Zeitgeist 22.7.89 in der Fa. Dr. Vehrenberg KG, Düsseldorf" -
-> Bestellung vom 13.4.88 C14 Compustar, 38.000 DM
-> u.a.mitbestellt ein "Sucher 16X70, Zusatzkosten DM 560.-"

-> Bei Geräteabholung 22.7.89: "Die Gabelmontierung lässt keinen Sucher dieser Größe zu, durch die vorgenommene Montierungsbohrung kann es vorkommen, dass feinste Teile des Bohrabriebs in den Tubus gedreht wurden. Das lässt sich leider nicht vermeiden...."
-> Ausgleich für den nun angebrachten Sucher 8X50 : eine
Taukappe, die sich später dann als passend für C11 rausstellte....

-> Ach ja, und der "Bohrrückstand" ist natürlich immer noch vorhanden.

So ist mir der "Zeitgeist von heute" zwar nicht unbedingt
symphatisch, aber lieber....

[Da dieser Vorgang zwischen Ihnen und mir im letzten Jahr
erörtert wurde, erlaube ich mir, diesen Vergleich auch mal öffentlich zu machen]

Schönes Wochenende
Hans-Malte Krebs

 
Hallo Herr Krebs,
ich erinnere mich leider nur noch vage an den Vorgang, ist ja nun fast zwanzig Jahre her. Ich glaube, es waren die ersten computergesteuerten Teleskope überhaupt. Leider kann ich aus der Erinnerung nicht mehr sagen, ob der von Ihnen erwähnte Sucher als Zubehörteil zu diesem Gerät angeboten wurde. Ich glaube eher nicht und deswegen mussten neue Bohrlöcher für den Halter in die Tubusfassung gebohrt werden, wobei dann Bohrstaub in das Tubusinnere gefallen ist. Warum wir die Schmidtplatte dann nicht entfernt und den Staub entfernt haben, wie das in vielen anderen Fällen ja geschehen ist, wenn z.B. der Hauptspiegel verschmutzt war oder aus anderen Gründen gereinigt werden musste, kann ich heute nicht mehr sagen. An die Geschichte mit der Taukappe kann ich mich leider nicht mehr erinnern, kann mir aber nicht vorstellen, dass wir diese nicht ausgetauscht haben. Es waren, glaube ich, noch die riesigen Taukappen
aus einem sperrholzartigen Material. Wenn das so war, wie von Ihnen geschildert, haben wir damals nicht richtig reagiert. Sicherlich ein Fehler, der auch uns damals ab und zu passiert ist.Einen Bezug zu meinem Thema Zeitgeist sehe ich aber nicht unbedingt.

Eine Frage noch. Was ist eigentlich aus dem C14 geworden, ist es noch im Einsatz? Von diesem Gerät sind, soweit ich mich erinnere, durch uns damals nur 3 - 4 Exemplare verkauft worden.


Mit freundlichem Gruß
Hans Vehrenberg


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Herr Vehrenberg,

Sie haben Recht, zurückliegende fast 20 Jahre sind nun mal
zu lange her..., es sollte aber nur zur Erläuterung dienen....

Zum Zeitgeist: ich denke schon, dass die übermächtige Stellung "der Händler", denen ja nur durch jahrelange, mühsamste Anstrengungen der Verbraucherverbände (und auch nur per Gericht) eine Gleichstellung mit dem Käufer abgerungen werden konnte, letztlich zum "Geiz - ist - toll - Zeitalter" geführt haben.
Insofern ist mein Beispiel dazu exemplarisch.

[Dass ich die C11 Taukappe immer noch hier liegen habe ist möglicherweise nicht Fa. Vehrenbergs "Unwillen zum Umtausch" geschuldet, vielmehr gab es damals weder E-Mail noch den portofreien Umtausch bei Fehllieferung. Es war so eben alles auch noch extrem umständlich und aufwändig.
Also erneut ein Hoch auf den heutigen Zeitgeist !]

Jetzt aber Ihnen ein wirklich schönes Wochenende
Hans-Malte Krebs

PS: Das C14 erfüllt nun - nach langer Odyssee und fast
nicht lösbarem "Y2K-Problem" jene Träume, denen wir hier alle nachgehen.

 
Zeitgeist hin oder her - teuer ist das Anlegen eines Astro-*entfernt*s allemale. Trotz Globalisierung und 'Preisverfall'. Wer ein gutes Teleskop hat, besitzt in der Regel auch eine oder mehrere Kameras und den obligatorischen Computer. Das Zubehör für diese zusammengehörenden Komponenten ist schweineteuer. Man denke an eine simple, nicht mal besonders aufwendig verarbeitete Transportkiste für ein Teleskop. 100 Euro dafür sind nicht ungewöhnlich. Das waren mal 200 DM - schon vergessen? Im Baumarkt gibt es die wesentlich billiger.

Übrigens werden Leute, die sich ein billiges Teleskop kaufen und dann feststellen, dass sie gerne beobachten nach einem besseren Instrument streben. Wer mit einem 200 Euro-Kompletteleskop anfängt, ahnt nicht, welche Kosten folgen können. Irgendwann liegen dann schöne Lupen, pardon - ich meine Okulare, die einzeln um 200 Euro kosten nebem einem Bino, dessen Anschaffungspreis im Familienkreis verschwiegen wird, im Okularkoffer.



Tom

 
... das Y2K Problem, also die Umstellung im Jahre 2000, war
vorhersehbar und laut Celestron damals bei Einführung der Compustar-Teleskope aber problemlos lösbar. Eher wohl damals ein zusätzliche Verkaufsargument, da ja bis zur Jahrhundertwende noch mehr als 10 Jahre Zeit waren und man sich damit noch nicht beschäftigte. Da wir aber 2000 die Celestron-Vertretung nicht mehr hatten, kann ich nicht sagen, wie das Problem gelöst wurde oder ob jeder sich selbst überlassen wurde.
Mit freundlichem Gruß
Hans Vehrenberg
 
Hallo Malte,

hm... hatte nicht Celestron USA selbst zwischendrin den Besitzer gewechselt?
Bei einem Jahr-2000-Problem wirst aber auch Du zugeben müssen, dass ein Generalimporteur hilflos sein muss, wenn vom Hersteller die Software nicht gepatcht wird. Es sei denn natürlich, in den USA wäre der Patch vorhanden und vom neuen Generalimporteur nicht mehr an alte Kunden verkauft worden.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Sven,

hm, hm .....
Also: Celestron war 1999/2000 immer noch "in alter Hand".
Aber: der Typ "Compustar" wich einem neuen Modell, das
alte hatte so wenig Käufer (na, bei dem Preis!), dass
es keine Patches gab, jedenfalls nicht bei Celestron.

Sehr bezeichnend für den "Zeitgeist" war allerdings, dass
private Interessengruppen in den USA um 2001 einen eigenen
Softwarebaustein mit den entsprechenden Parametern ent-
wickelten und zum ungefähren Selbstkostenpreis abgaben.

Hier in Good Old Germany hatte inzwischen der neue
"Generalimporteur" nur das neue SC im Angebot und schrieb mir lapidar: "sorry, aber vielleicht gibt's im Internet Hilfestellung".
Übrigens - der neue Generalimporteur war/ist Baader....

Da bin ich allerdings der Meinung, dass der neue Generalimporteur nicht hilflos gewesen wäre. Der alte übrigens auch nicht....

Soweit zum Zeitgeist....

CS für alle
Malte
 
Hallo Malte,

nicht hilflos, ein neues Eprom zu besorgen, das stimmt, aber hilflos, es selbst zu entwickeln. Sicher stellt sich auch die Frage, ob ein Generalimporteur das Eprom mit selbst gepatchter Software hätte verkaufen dürfen. Da stellen sich ja zwei rechtliche Fragen:
1. Ist der Verkauf der gepatchten Software auf dem Eprom urheberrechtlich in Ordnung? Celestron selbst müsste zustimmen , aber die Autoren des Patches ebenfalls.
2. Wie ließe sich das ggf. mit Garantieansprüchen vereinen? Es gibt Hersteller, die gegenüber solcher "Fremd-Software" kategorisch alle Leistungen einstellen. Zwar für gewöhnlich völlig unbegründet und aus reinem Profitinteresse, aber das hat Celestron ja nunmal dank Europa-Preisschutz schon...

Ich habe also ein gewisses Verständnis für die Schwierigkeiten eines Generealimporteurs, der in solchen Sachen vom Hersteller hängengelassen wird.
Ich persönlich würde dieses Verhalten aber bei jeder Gelegenheit dem Hersteller auf's Butterbrot schmieren. Schließlich haben solche Dummheiten ja bei Celestron eine gewisse Tradition: Die kleine Goto-Montierung ist doch lange Jahre mit schlechter Firmware verhökert worden, und eine Update-Möglichkeit auf die verbesserte Version ist dem Vernehmen nach nicht zu bekommen, weil das Gerät keinen PC-Anschluss hat. Im Prinzip also exakt das gleiche Problem.

Clear Skies
Sven
 
....genau Sven, das meine ich auch mit: der Generalimporteur wäre nicht hilflos gewesen!
Er hätte Celestron genau dies entsprechend "auf's Butterbrot schmieren" MÜSSEN.
Natürlich stimme ich Dir in der ganzen "Juristerei" zu. Nur - sein Geld verdient der Generalimporteur mit uns, seinen Kunden. Da hat man in den USA, nicht nur bei Celestron, immer Verständnis und HANDELT.

Nur - der Generalimporteur sollte es halt auch WOLLEN....

Malte

 
Dieser Thread entwickelt sich fast wie ein schiefgelaufenes Familientreffen. "Vor zwanzig Jahren hast du dies ..., vor 27 Jahren das .... gemacht. Du hättest ... , Du hast dich nie entschuldigt. ... Blabla ..." Olle Kamellen eben, die nie gerade zu biegen sind und abgehakt werden sollten.


Tom
 
Hallo Tommy,

tut mir leid, aber wenn Dein ...
Zitat von tommy_nawratil:
hallo Herr Vehrenberg,
erst mal Respekt vor ihrer Lebensleistung, sie haben zum Aufschwung der Amateurszene viel beigetragen. Ich habe auch ihr "Handbuch der Sternbilder" in meiner Bibliothek, und es fristet beileibe kein Regaldasein.
... sonst keiner korrigiert: Bist Du Dir ganz sicher, daß Du nicht (Dr.jur.) Hans Vehrenberg sen. (*06. März 1910 in Emden; †02. August 1991 in Düsseldorf) meinst, "Zeitgeist" hin oder her? Das "Handbuch der Sternbilder" ist 1973 schon in der zweiten Auflage erschienen, soweit ich mich erinnere - da war ich z.B. 15 ...

Gruß+cs,
Dietmar
 
Das ist natürlich richtig. Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken, das Handbuch der Sternbilder wurde zusammen mit Herrn Blank von meinem Vater herausgegeben. Es hat leider immer wieder Irritationen gegeben, da wir denselben Vornamen hatten bzw. haben.

Warum sollte man nicht Dinge, die sich vor längerer Zeit abgespielt haben, mal wiedr auffrischen. Das gehört doch irgendwie dazu und ermöglicht doch auch Vergleiche mit der heutigen Zeit und hier im besonderen mit der Entwicklung der Geräte. Das Compustar von Celestron war ja, meiner Meinung nach, das erste computergesteuerte Teleskop, das auch für Amateure einigermaßen erschwinglich war. Es gab ja
neben der 14" auch die 8" Version.

Mit freundlichen Grüßen
Hans Vehrenberg
 
Hallo Tom,
natürlich wollte ich nicht Deine Familiengeschichte aufrühren :) und lesen will ja auch gelernt sein, da geht es ja nicht nur um eine Aneinanderreihung von Buchstaben!
Ich versuchte, aus meiner Sicht einen Baustein unseres Hobbys, der vielleicht auch hier zur Entwicklung des bedauerten "Zeitgeistes" beigetragen haben könnte, einzufügen.
Das, was leider möglicherweise zu kurz kam, war, dass "die Firma Dr. Vehrenberg" trotzdem auch für mich d a s M a ß schlechthin war.
(wäre ich sonst von Berlin aus ins ferne Düsseldorf
gepilgert?)
Nochmal: Dein mögliches Familientrauma wollte ich nicht auffrischen, meine aber, dass wir aus vergangenen Zeiten lernen können.
Uns allen, Dir aber besonders klaren Himmel,
Malte
 
Hallo Malte, sorg dich nicht, von einem Familientrauma kann absolut keine Rede sein. Die Tatsache, dass ich kein C14 nebst vernünftigem Standpunkt habe, wiegt viel schwerer.


Tom
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben