Zentrale Rille im Alpental

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Ehemaliger Benutzer (7840)

Hallo Mondbeobachter,

ich höre bzw. lese immer wieder widersprüchliche Angaben, ab welcher Öffnung die zentrale Rille im Alpental eindeutig visuell nachweisbar ist.

Mir selbst ist es unter Idealbedingungen (perfektes Seeing, sehr gute Durchsicht und einwandfreie Justage der Optik) wiederholt gelungen, diese Rille mit einem Meade 8'' SCT über die gesamte Länge eindeutig an der Grenze der Auflösung visuell ab 333-facher Vergrößerung (Okular Vixen LV 6mm) nachzuweisen. Dies wurde mir jeweils von Mitbeobachtern bestätigt.

Die Rille zeigte sich jeweils beim zunehmenden Halbmond als helle, extrem feine Albedostruktur ohne Ausdehnung in Breite, also auch ohne Relief.

Wie sind eure Erfahrungen bezüglich dieser doch sehr schwierigen Formation? Ab welcher Öffnung und welcher Vergrößerung könnt ihr sie visuell sehen?

VG Christian
 
Hallo Christian,
bei der letzten Beobachtung hatte ich mir folgende Protokollnotiz gemacht "Sieht aus wie eine Landebahn bzw. Autobahn". Jetzt weiß ich nicht mehr, ob ich dabei an einen Mittelstreifen gedacht habe... ;) Bewusst nach einer Rille habe ich aber leider nicht geguckt.

Interessante Frage - und Danke für den Tipp! Mit meinem neuen 4mm Okular und 10" f5 Dobson kann ich beim nächsten Zyklus mal nachgucken. Beste Beobachtungszeit ist die Nacht vom 10. auf 11. Juni bei zunehmenden Mond.

Thomas
 
Gerade les' ich im Kosmos Mondführer: "Die Mondsonden machten auf seinem flachen Grund eine gerade verlaufende, 700m breite Rille aus." Hört sich schwierig an. Da ist die Triesnecker-Rille 4x so breit...

Thomas
 
Hallo Thomas,

vielen Dank für dein Feedback.

Ich kenne das auch so, dass die Rille erst von den Mondsonden entdeckt wurde. Es erstaunt mich, dass sie nicht schon früher aus teleskopischen Beobachtungen bekannt war, zumal es ja damals durchaus schon hochauflösende Fernrohre gab.

VG Christian
 
Hallo Christian,

Es erstaunt mich, dass sie nicht schon früher aus teleskopischen Beobachtungen bekannt war, zumal es ja damals durchaus schon hochauflösende Fernrohre gab

Ich denke schon, dass man mit den damaligen Fernrohren die Rille entdecken hätte können, aber es ist um ein Vielfaches schwieriger/unwahrscheinlicher etwas zu finden was man nicht sucht, als wenn man weiß, dass dort eine Rille ist und intensiv danach Ausschau hält.

Viele Grüße, Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ich stimme dir im Prinzip zu.

Ich habe die Rille damals jedoch nicht gesucht und auch nicht darauf geachtet, da ich es für ein Ding der unmöglichkeit hielt, sie mit 20 cm Öffnung zu erkennen. Sie war jedoch so hell im Gegensatz zur Umgebung, dass sie geradezu ins Auge gestochen ist, obwohl sie keine flächenhafte Ausdehnung in Breite hatte. Selbst die mäandrierende Struktur war im Ansatz zu sehen.

Den Anblick im Okular verglich damals zunächst mit LO-Bildern, zum zu sehen, ob es nicht ein zufälliger Helligkeits-Artefakt war.

VG Christian
 
Hallo!

In Ph. Fauth´s Buch "Unser Mond" (1936) gibt es eine detaillierte Zeichnung des Alpentales mit Rille. Ich müßte mal nachsehen, ob beschrieben ist, mit welchem Fernrohr Fauth die Rille gesehen hat.

Grüße von Michael.
 
Hallo Christian,
ich habe die Rille letzte Woche beim 5 Tage alten Mond durch den Wiener Refraktor gesehen, der eine Brennweite von 10 Meter und eine Öffnung von 67cm hat. Ich achtete sofort darauf, weil ich sie mit meinen Geräten noch nicht knacken konnte oder viellelicht nur erahnen im 10 Zoll Dobs bei 300 bis 400 facher Vergrösserung......Grüssle von Anette
 
Hallo Christian,

Zitat von copernicus:
Ich kenne das auch so, dass die Rille erst von den Mondsonden entdeckt wurde. Es erstaunt mich, dass sie nicht schon früher aus teleskopischen Beobachtungen bekannt war, zumal es ja damals durchaus schon hochauflösende Fernrohre gab.
heute wird davon ausgegangen, daß wahrscheinlich bereits Schröter um 1800 die Alpentalrille sah, jedenfalls hat Pickering diese 1891 von Chile aus gesehen - mehr bei Nigel Longshaw in "A brief history of the Alpine Valley, with a new insight based on the observations of J.H.Schroeter", in: The Lunar Observer 08/2006 (Downloadlink pdf/3MB)

Sichtungsberichte gibt es sogar mit 100mm(!)-Refraktoren:
Raffaello Lena, Piergiovanni Salimbeni, Giorgio Mengoli, Robert A. Garfinkle - "An Unusual Visual Observation of the Rima Vallis Alpes with Refractors of 10 cm Diameter Apertures", published in LSC BAA vol. 41 n.2 February 2004

Gruß+cs,
Dietmar


P.S.: Ich selber hab's bisher nie ernsthaft mit weniger als 8" versuchen können.
 
Hallo an alle,

vielen Dank für eure interessanten Beiträge. Insbesondere Dietmars Kommentar ist äusserst interessant.

VG Christian
 
Hallo Lunatics,
mir stellt sich bei einer solch möglichen Detailansicht die Frage, ob man da nicht auch locker das MOndauto der Apollomission sichten könnte? Wäre das nicht eine beliebte Fotojagt nach einem höchst einmalig historischem Objekt? Gibt es da überhaupt schon was in die Richtung?
Grüssle von Anette
 
Hallo Anette,

nein, das Mondauto könnte man erst mit etwa 100m Teleskopöffnung sehen. Eine Überschlagsrechnung zeigt das, wenn man bedenkt, dass es nur etwa zwei mal drei Meter Ausdehnung hat. Und die Rille, um die es hier geht, hat 500-1000 Meter Breite.

VG Christian
 
Moin Micha!

> Ich müßte mal nachsehen, ob beschrieben ist, mit welchem Fernrohr Fauth die Rille gesehen hat.

Fauth hat seinen Mondatlas hauptsächlich mit Hilfe des Schupmann-Medials der Sternwarte Landstuhl erstellt. Das Instrument wurde 1913 von Merz gebaut: Objektiv 38,5 cm, Brennweite 3,85 m. (Quelle: Riekher, "Fernrohre und ihre Meister", 1. Aufl. 1957)

Fauths Mondatlas war allerdings schon zu Zeiten der Erstellung veraltet, da damals natürlich schon Fotografien mit den großen US-amerik. Refraktoren gewonnen wurden. Siehe dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Fauth
 
Hallo Micha!

Ich habe noch mal nachgesehen: in Fauth´s "Mond" ist keine gesonderte Angabe zum verwendeten Fernrohr zu finden. Ich nehme aber an, daß die Zeichnung auf Beobachtungen mit dem großen Medial basiert.
Die Rille soll 1891 von Pickering entdeckt worden sein. Was der für ein Fernrohr hatte, weiß ich aber nicht. (Habe gerade gesehen, daß das etwas weiter oben schon steht...)

Grüße von Michael.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Wie weit spielt der Sonnenstand eine Rolle?
Ich denke, je flacher die Sonne einstrahlt, desto besser die Sichtbarkeit der Rille.
 
Hallo Dietmar,

da ich wie bereits beschrieben nur eine schmale, dafür aber helle Albedostruktur sah, hängt es mit Geräten bis etwa 10 Zoll Öffnung stark vom Sonnenstand ab, ob man die Rille erkennt. Hätte ich nicht gewusst, dass eine Rille im Alpental ist, hätte es von der Erscheinung im Achtzöller her auch ein positives Relief sein können.

Mit kleinen Geräten ist die Rille vermutlich nur wenige Stunden pro Lunation bei günstigem Sonnenstand entwender als helle oder dunkle Albedostruktur (im Schatten) zu sehen.

VG Christian
 
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