Sagen wir's mal so: im Vergleich zur gesamten Konkurrenz in der Klasse Gesichtsfeld > 10° bietet das Trinovid 6x24, sofern man ein sauberes Exemplar erwischt, eine einmalige Mischung aus haptischer Freude und Beobachtungsgenuß.
Absolute Randschärfe gibt es nur bei wenige Spezialgläser, die mit großem Aufwand und Kosten mit genau dem Ziel konstruiert wurden. Praktisch alle Gläser haben einen Schärfeverlauf zum Rand hin. Wie dieser Verlauf sich gestaltet, und wie der scharfe Sweet Spot im Mittenbereich sich darstellt, ist eins der Merkmale die darüber entscheiden, ob man Freude an einem Glas hat - und wieder einmal eins, dass nicht im Datenblatt steht sondern nur durch Probieren erkundet werden kann.
Der Schärfeverlauf ist auch keine Schwäche, sondern kommt bei guten Tagesgläsern daher, dass das Schärfefeld mit Absicht gekrümmt ist damit nahe Objekte am Feldrand hin gleichzeitig scharf sein können während ferne Objekte in Feldmitte scharf sind. Diese Gestaltung der Feldkrümmung ist teilweise ein Merkmal bestimmter Marken. Z.B. sind viele Zeiss-West-Gläser so gestaltet, dass optimale Schärfe in der Mitte erzielt wird, gefolgt von schöner Schärfe über 2/3 des Feldes, gefolgt von einem gleitenden Übergang zu weniger Randschärfe am Rand des Feldes in Verbindung mit relativ grossem scheinbarem Gesichtsfeld.
Tagsüber kann es regelrecht nachteilig sein, wenn das Glas ein flaches Schärfefeld hat. Nachts ist es nett, aber nur bei engen scheinbaren Feldern - die Du offenbar eh nicht willst - wirklich wichtig. Oder wenn Du ein Fernglas aufs Stativ schnallst und genau auf den Rand schaust, wird Randschärfe am Nachthimmel wichtig. Aber dann hört es auf ein Fernglas zu sein und ist ein kleines Doppelteleskop und Du hast mehr davon, wenn Du ein marginal größeres Monoteleskop mit freier Vergrößerungswahl aufstellst.
Christopher