Zum Ende der laufenden Venus-Abendsichtbarkeit

astrokluegler

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Hallo Sternfreunde,

am 15. AUG wird Venus in größter östlicher Elongation stehen, Ende AUG schon wieder verschwunden sein (Untergang bei Sonnentiefe 9°). Wenn man etwas über die erreichbaren Höhen und die Sichtbarkeit innerer Planeten wissen will, ist die Neigung der Ekliptik gegenüber dem örtlichen Horizont aussagekräftiger als das Eckdatum "größte östliche Elongation" (gEEl).

Die gEEl ist ein von Erddrehung und -lage unabhängiges, planetendynamisches Phänomen und für alle irdischen Orte gleich; ihr Termin ist deshalb bequem errechen- und veröffentlichbar. Die Neigung der Ekliptik gegenüber dem örtlichen Horizont hängt von der Jahreszeit ebenso wie von der geographischen Breite des Beobachters ab; obwohl sie leistungsfähiger ist als die gEEl, sieht man sie kaum je vorberechnet und veröffentlicht, denn dazu müsste jeder Nutzer mindestens seinen Ort vorgeben.

Ich studierte, wie sich die Neigung der Ekliptik gegenüber dem Horizont (zum Zeitpunkt Sonne 8° unter Westhorizont) an anderen geographischen Breiten ändert und welche Folgen das für die Sichtbarkeit der Venus hat.

ve_gEEL_26AUG_fuenfort.JPG


Das farbige Diagramm zeigt den Sichtbarkeitsverlauf während einiger Monate an fünf Orten (Namen und Koordinaten im Bild, Kerguelen kann man wikipedieren - es gibt in diesen südlichen Breiten keine große Ortsauswahl....). Stereographische Projektion, Randkreis = Horizont (Azimutzählung N = 0°, E = 90° usw.), dazu 4 Höhenkreise.

Die Kurven stützen sich auf Punkte im Abstand von 12 Tagen zur Tageszeit Sonne 8° unter Westhorizont, der Tag der größten östlichen Elongation ist markiert. Zusätzlich sind eingezeichnet die Ekliptikneigung gegen diese fünf örtlichen Horizonte an eben diesem Tag, Sonne 8° unter Westhorizont.

A ist der Azimut, bei dem die Ekliptik den örtlicher Horizont kreuzt (Zählung N = 0°, E = 90° usw.), I ist die Neigung der Ekliptik gegen denselben in Grad. Zum Zeitpunkt der größten östlichen Elongation hat Venus eine ekliptikale Breite von -1,4°, was man in meiner Graphik eben noch gut erkennen kann.

Erst 9 Wochen nach ihrem abendlichen Verschwinden, am OKT24 wird Venus in unterer Konjunktion stehen. In diesen 9 Wochen taucht Venus in stark negative ekliptikale Breiten ab, was die Sichtbarkeit bei uns weiter erschwert bzw. verunmöglicht.

ve_uk_beta_minus6_a1.jpg

Das zweite Diagramm zeigt Elongation (Abszisse) und ekliptikale Breite (Ordinate). Die Datenbasis ist genau für die untere Konjunktion 2010OKT29. Venus verhält sich periodisch nach 8 Jahren oder 5 synodischen Umläufen, d.h. nach dieser Zeit durchläuft sie ähnliche Orte. 2026OKT24 ist 16 Jahre oder 10 synodische Umläufen nach 2010OKT29. Die Breite der Venus bei unterer Konjunktion wird heuer mit -6,5° noch etwas negativer sein als 2010OKT29, sonst wird sie aber ähnlich laufen.

Ralf
 
Hey Ralf - cooler Beitrag!
Danke dafür.

Heute Abend habe ich sie selbst beobachtet, die Schöne.
Vielleicht mache ich noch was drüber im Bereich Visuell, mal sehen (Achtung: Wortspiel! :LOL: ).

Schöne Grüße,
Urs
 
Für mich ist das ein typisches Beispiel, wo Fachliteratur oder auch Schulbücher, die sich an Leute ohne Vorkenntnisse richten, ihre Leser in die Irre führen können.

Dort gibt es die typischen Zeichnungen, wo die Planetenpositionen für die unteren Planeten thematisiert werden und es steht dabei, dass die größte östliche Elongation die günstige Position für eine Abendsichtbarkeit ist. Und das ist eben nicht einfach nur eine Vereinfachung, sondern schlicht und einfach falsch, wenn der Leser sich nicht zufällig in Äquatornähe befindet.

Man sollte mindestens darauf hinweisen, dass dass eine große Elongation nicht zwangsläufig für eine gute Sichtbarkeit sorgt und könnte dazu zwei Grafiken mit der Position der Venus über dem Horizont bei Sonnenuntergang in unseren Breiten bei einer größten östlichen Elongation einmal im August und einmal im März zeigen, um das zu veranschaulichen.

Wenn man das versäumt, bleiben die vermittelten Inhalte nutzlosen Oberflächenwissen mit physikalischen Modellvorstellungen, die in der Realität wegen der Nichtberücksichtigung des Einflusses der Schräglage der Erdachse auf den Aspekt Sichtbarkeit scheitern. Im Kontext Bildung könnte man auch sagen, das ist Beispiel dafür, wo die Autoren den Unterschied zwischen didaktischer Reduktion und didaktischen Blödsinn nicht erkannt haben.

Im Sinne der Wissenschaftsbildung finde ich wichtig, dem Leser die Grenzen eines zu einfachen Modells (hier das zweidimensionale Modell für die Planetenpositionen als Grundlage für Sichtbarkeitsprognosen) zu vermitteln. Das muss nicht zwangsläufig damit verbunden sein, auch gleich dass bessere Modell vollständig zu erklären. Oder anders ausgedrückt: Nur, weil das bessere Modell für die Zielgruppe (Schüler oder Leser) noch zu komplex ist, sollte man nicht darauf verzichten, die Schwächen des vereinfachten Modells anzusprechen.
 
Hallo Ralf ...

Gestern konnte ich hier : Standort (7.95° Ost, 50° Nord) bei brauchbaren Bedingungen auch, in der fortgeschrittenen Abenddämmerung (gegen 21:30 Uhr MESZ) etwa bei 11 bis 13 Grad über dem Westhorizont beobachten. Das war recht tief im Dunst der Atmosphäre, weshalb das Bild etwas flimmerte (Seeing). Dennoch reichte manche Bildruhe bei einer geringen Vergrößerung von 22× ( 50/200 ED Optik ) kurz aus, um die Phase auszumachen.
Gruss
Marco
 
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