Gelöschte Mitglieder 487
Hallo zusammen.
Nun ist es auch bei mir wieder soweit – ich habe von Do auf Fr mal wieder eine Tour auf den Berg unternehmen können. Ziel mit meinem 12"er war der Nebengipfel vom Wendelstein. Auf knapp 1800 m Höhe. Für neue Photos war ich zu faul – aber nochmal ein älteres Bild zum Eindruck, wie es dort ausschaut:
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/ffda3b-1376698436.jpg
Klar, der Mond würde noch eine Weile stören, aber gute zwei Stunden deepsky und ein wenig Mond im voraus – das passt doch! Also in Anbetracht des Wetters fix Urlaub genommen und um 15 Uhr in den Zug mit meinem Rucksack und dem 12“er gesprungen. Die letzte Bergbahn geht schließlich 17 Uhr...
Wie üblich wurde ich vom Bergbahn-Bediensteten am Schalter mit einem säuerlichen „Was wollen Sie denn da jetzt noch oben?“ begrüßt. Auf meine fröhliche Antwort „Sterneguckn!“ kam wenig bis keine Resonanz, eeejaaal! Das war mir im Prinzip Schnuppe wenn nicht sogar Sternschnuppe. Wie gewohnt war ich der einzige in der Gondel, die vom Gipfel runter war proppenvoll. Herrlich – ist schon exklusiv, allein da hoch und runter zu gondeln während die andren immer wie eingepfercht sich gegenseitig vollschwitzen. Apropos. Zunächst stand erst mal wieder ein kleiner Aufstieg an: Ich habe mal wieder selbst den Kopf geschüttelt mit Blick auf die Geschichte, aber wie schon mal gesagt: „Man macht ja sonst keinen Sport!“ ;-)
Zeit genug war ja, so ging das Gebuckel von 100 (?) Höhenmetern recht einfach vom Fuß. Es ist einfach toll, so viel Zeit zum Aufbauen und Einstimmen zu haben. Das ist das Glück im Unglück, dass man wegen der letzten Bergbahn so früh los muss. Gegen 20/21 Uhr sollte der Mond kulminieren. Gegen 18 Uhr nahm ich erst mal ein paar Brote zu mir und baute laaangsam auf. Immer mit Blick in die Bergkulisse und den Sonnenuntergang beobachtend. Ich beobachtete eine Gemse, die keine 100 Meter von mir entfernt es sich am Fuß des Wendelsteins zwischen den Latschen gemütlich machte. Nicht ohne mich vorher ausgiebig beäugt zu haben, aber ließ sich dann nicht weiter stören.
Stolz wie Oskar ob meiner tollen Justage und in der Hoffnung, dass diese hält, legte ich mit dem Mond los. Mit 8er Ethos und 4,7er Ethos wird einem am Mond schlichtweg nicht zu langweilig, sodass ich bis gegen 23 Uhr unseren Trabanten bestaunte: die Apenninen, Kopernikus, Plato(?), feine Rillen, wo ich mich immer frage, wie eine Rille sich über verschiedene Strukturen hinweg erstrecken kann. Das Seeing war nicht so supertoll, sodass ich am Abend meist bei dem 8 mm blieb, aber zwischendurch lohnte auch ein Blick mit 340fach. Bei gutem Seeing habe ich schon mal mit dem 2,5er Nagler draufgehalten. Geht auch! Aber mit 110 Grad des Ethos SX einfach wirklich wie der blick aus einer Raumkapsel. Ich warte noch drauf, dass ein 2,7er Ethos auf den Markt kommt...
So verstrich die Zeit und auf einmal bemerkte ich ein Sternchen auf der lichtabgewandten Seite – Nanu! Offenbar fand soeben eine Bedeckung ihr Ende. Habs heut gecheckt – tatsächlich: kurz vor 23 Uhr endete die Bedeckung eines 6mag-Sternchens. Immer wieder schön, solche Überraschungen. Der Mond verschwand hinter dem Wendelstein. Zeit, sich einen zweiten Snack zu gönnen: ein Brot mit Gurke und die Tüte Haribo Colorado waren dran. Was nun bis zum Monduntergang? NOVA! Dazu brauchts keinen vollständig dunklen Himmel. Nur eine Karte. Eigentlich hatte ich mich geärgert, mein Fernglas vergessen zu haben. Aber dieses war auch nicht nötig. Ich habe mir die Stelle in einer Karte eingezeichnet und mit dem Wissen um die 6 mag war die Nova freiäugig sofort lokalisiert. WOW! Ich stellte fest: etwas schwächer als 29 Vul (um 0m3 mag hab ich geschätzt) und um den gleichen Betrag heller als 16 Sge. Am Ende der Nacht kam es mir vor, als wäre die Nova nun nahezu gleich hell wie 29 Vul.Ich dachte ich hätte mich getäuscht...Aber im Nachbarthread/board wurde dies bestätigt. Wahnsinn. Hab ich noch nie erlebt. Was für ein Auftakt der Beobachtungsnacht!
Ich vertrat mir die Beine, eine Gemse stieß Warnrufe und ich ein paar sie hoffentlich beruhigende Worte aus. Ich zog mich im Mondlicht wieder zu meiner Beobachtungskanzel zurück und ließ ihr ihren Frieden.
Als der Mond nun verschwindet, ist es Zeit, die Bedingungen unter die Lupe zu nehmen.
Bereits von Anfang an war vor der Dämmerung alles etwas diesig – keine Überraschung, da 80% Luftfeuchte selbst auf dem Berg prognostiziert. Mir war klar, eine Bombennacht wird es wohl nicht, aber sie musste einfach genutzt werden. Es waren um die 9-10 Grad angesagt. Anfangs war es wolkenlos, später zogen teils Schleierwolken durch. Auf dem Plan standen ein paar planetarische Nebel, da hoffte ich eh mehr auf gutes Seeing als Transparenz. Aber die Nacht sollte phasenweise beides bedienen... Teils hochalpiner stockdunkler Himmel zwischen den Schleierwolken, gegen Morgen ein Spitzenseeing. Allerdings war es sehr feucht, sodass die Isomatte zum Wasserbett wurde.
Zunächst stand ein OC auf dem Zettel, der Offene Haufen in der Leier, auf welchen wir aufmerksam gemacht wurden in einem Nachbarthema. Einer der ältesten offenen Haufen mit diversen Besonderheiten, den ich unbedingt probieren wollte. Sehr leicht zu finden zeigte NGC 6791 mit um die 9mag erst mal einen großen Schmadder. Einzelsterne konnte ich nicht direkt dingfest machen, aber es war zu erkennen, dass es ein Sternhaufen sein muss. Mit dem 26er Nagler nahm dieser Haufen schon gut Raum ein, wirklich ein großer aber auch dichter Haufen, welcher gerade deshalb auch reizvoll ist. Ein außergewöhnliches Objekt seiner Klasse! Selbst mit dem 8er Ethos konnte ich Einzelsterne nicht deutlich erkennen. Wahrscheinlich also alles schwächer als die 16 mag bei den Einzelsternen schätze ich. Aber das ist so ins Blaue geschossen.
Nahe bei der aktuellen Nova befindet sich der PN NGC 6905. Mit dem 26er Nagler noch in einem Sehfeld zusammen: witzig, zwei verschiedene Objekte aus dem Ende des Entwicklungszyklus eines Sterns in einem Sehfeld. Die Nova selbst, mit dem Wissen um was es sich handelt, übt im Okular eine besondere Faszination aus. Wirklich ein heller strahlender Stern inmitten vom Dunkel bzw. schwächeren Sternen. Noch nie habe ich einen Stern mit einem derartigen schwer zu beschreibenden Gefühl im Teleskop betrachtet.
Der planetarische Nebel war überraschend interessant. Ich bildete mir eine Art Teilung in zwei Hälften ein, der Zentralstern war einfach sichtbar. Ein helles Exemplar seiner Klasse mit einigem an Struktur. Nach Recherche stellte ich fest, dass es sogar ein bekannter Nebel der „Blue Flash Nebulae“ ist. Muss ich nochmal ran bei Gelegenheit. In jedem Fall ein sehr schönes Objekt. Ich hatte noch weitere PN probiert, aber die meisten nicht gefunden, ich habe auch keinen Filter. Einer hat aber doch geklappt: NGC 7048 im Schwan, welcher etwas irregulär anmutete für mich – länglich und ohne Struktur. Aber die längliche Struktur war offenbar nur Einbildung wegen dem direkt anliegenden Stern. Bilder zeigen den klassischen runden Anblick. Jedenfalls ein reizvolles Objekt durch die sternreiche Umgebung. Der Himmel war zum Zeitpunkt der Beobachtung sehr transparent, der Himmel im Oku war schwarz.
Die Milchstraße war gut strukturiert, die Berge, welche anfangs noch im Dunst hingen, begannen sich dunkel und klar vom Himmel abzuheben. Es wurde ein stetiger Wechsel von diesig hier, übelst transparent dort... Leider war fast immer da, wo ich gerade ein Objekt anvisieren wollte, ein Schleier unterwegs. So musste ich meine Objektliste um ein paar Standards erweitern. Z. B. Den Hantelnebel. Also dieser fette Brocken mit Ohren ist im 8err Ethos schon fast irreal. Man schwebt vor einer riesig fetten „Bommel“ mit Zentralstern und fragt sich, warum können nicht alle Objekte so sein. Ich glaube, ich probiere mich mal in einer Nacht an einer Zeichnung. Den Zirrusnebel gab es ohne Filter einfach zu sehen, Sturmvogel und Knochenhand gleichermaßen. Den Sichelnebel (Crescent) hatte ich auch erstmals probiert, meine auch, ein C gesehen zu haben.
Es standen eigentlich so Sachen auf der Liste wie GM 1-29 (siehe Bericht von Nico: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/1025165/GM_1_29_Neues_vom_Exotenjager#Post1025165, bin aber mangels geeigneter Karten gescheitert. Auf dem Weg dahin kommt man unweigerlich an NGC 7023, dem Irisnebel im Cepheus vorbei. Das Teil sieht so zerschmaddert aus um den hellen Bereich drumrum, dass ich meinte, das Okular wäre beschlagen oder eine Wolke wäre dazwischen. Blick auf Oku und gen Himmel: Nichts dergleichen! Um den deutlich illuminierten Teil findet man auf Photos einiges an Staubwolken und genau diese zeigten sich hier im Okular! Ein wirklich großer Nebelkomplex, welcher sich im Kontrast zum umgebenden klaren Raum weiter verfolgen lässt, als man vielleicht denkt.
Mit dem Bubblenebel NGC 7635 in Cassiopeia kam ich auch nicht so recht klar in der Lokalisierung, wenn ich richtig war, zeigte sich nur ein schwacher Halo um einen Stern. Aus Protest peilte ich ein paar Kugelhaufen an. M 53 z. b. Hatte ich noch nie in meinem 12er gesehen (im 4er schon). Ein toller Anblick einfach. So versuchte ich mich an Palomar 11, einem Kugelhaufen, bin aber kläglich gescheitert – nix gefunden. So ging es mir mit einigen Objekten diese Nacht. Aber ich bin trotzdem zufrieden mit ein paar neuen Objekten im Gepäck, wundervollen Anblicken alter Bekannter. Und: einem Jupiter bis kurz vor 6 Uhr morgens, welcher diverse Ovale in stehender Luft zeigte, welche sich innerhalb der Beoachtungszeit sichtbar fortbewegten, in gelb-orangetönen einer anderen Welt. Den Dob habe ich auf die Holzplattform (siehe Bild) gestellt, während ich unten stand, sodass die Einblickhöhe perfekt war. An anderer Stelle stehen Wandererbänke und ein großer Tisch, auf den ich am Abend zwecks Mondbeobachubg schon das Scope gehieft habe zwecks Einblickhöhe. Schon ein witziger Platz zum Sternegucken. Da steht sogar eine Betonsäule mit herausragendem Gewinde, wer weiß...
Zum Morgen baute ich in Ruhe ab, erste Gondel runter ging erst 9.15 Uhr. Auf einer der Holzbänke sitzend genossee ich die ersten Sonnenstrahlen – ein seltenes Vergnügen nach einer Beobachtungsnacht. Sonst haut man immer gleich ab mit der Dämmerung... Wieder ein Vorteil des Sterneguckens auf dem Berg, wo man verkehrstechnisch zum Sonnenaufgang gezwungen ist ;-) In der Morgensonne entledigte ich mich recht schnell der Baumwollunterhose, Mütze und des Fleecepullis, die nach hinten raus doch brauchbar und nötig waren. Es war an diesem Morgen wärmer als am Abend zuvor, kurze Hose war angesagt.
Auf dem sich schlängelnden Weg vom Gipfel zur Bergstation kam ich durch eine Gruppe von ca. 40 Alpendohlen durch, die links und rechts wie oben unten den Weg säumten. Alle total ruhig, nur teilweise weghüpfend und aufflatternd. Das erinnerte mich stark an Hitchcocks „Die Vögel“...
Die Fahrt hinunter war ich bis auf den Bediensteten der Wendelsteinbahn wieder allein in der Gondel, gewohntes Bild der entgegenkommenden Gondel: proppenvoll. Der Kollege in der Gondel begann sogar nach einer Weile interessiert nach meiner Unternehmung zu fragen, sodass ein netter kleiner Plausch entstand. Fast geschockt war ich, als er fast kennerhaft fragte, was ich denn so schaute:„Spiralnebel und sowas?“. Also auch wenn die Frage kam, „ist es nicht zu kalt mit kurzer Hose in der Nacht?" besteht noch Hoffnung beim Bergbahnpersonal ;-)
CS
Norman
Nun ist es auch bei mir wieder soweit – ich habe von Do auf Fr mal wieder eine Tour auf den Berg unternehmen können. Ziel mit meinem 12"er war der Nebengipfel vom Wendelstein. Auf knapp 1800 m Höhe. Für neue Photos war ich zu faul – aber nochmal ein älteres Bild zum Eindruck, wie es dort ausschaut:
Link zur Grafik: http://www.bilder-upload.eu/thumb/ffda3b-1376698436.jpg
Klar, der Mond würde noch eine Weile stören, aber gute zwei Stunden deepsky und ein wenig Mond im voraus – das passt doch! Also in Anbetracht des Wetters fix Urlaub genommen und um 15 Uhr in den Zug mit meinem Rucksack und dem 12“er gesprungen. Die letzte Bergbahn geht schließlich 17 Uhr...
Wie üblich wurde ich vom Bergbahn-Bediensteten am Schalter mit einem säuerlichen „Was wollen Sie denn da jetzt noch oben?“ begrüßt. Auf meine fröhliche Antwort „Sterneguckn!“ kam wenig bis keine Resonanz, eeejaaal! Das war mir im Prinzip Schnuppe wenn nicht sogar Sternschnuppe. Wie gewohnt war ich der einzige in der Gondel, die vom Gipfel runter war proppenvoll. Herrlich – ist schon exklusiv, allein da hoch und runter zu gondeln während die andren immer wie eingepfercht sich gegenseitig vollschwitzen. Apropos. Zunächst stand erst mal wieder ein kleiner Aufstieg an: Ich habe mal wieder selbst den Kopf geschüttelt mit Blick auf die Geschichte, aber wie schon mal gesagt: „Man macht ja sonst keinen Sport!“ ;-)
Zeit genug war ja, so ging das Gebuckel von 100 (?) Höhenmetern recht einfach vom Fuß. Es ist einfach toll, so viel Zeit zum Aufbauen und Einstimmen zu haben. Das ist das Glück im Unglück, dass man wegen der letzten Bergbahn so früh los muss. Gegen 20/21 Uhr sollte der Mond kulminieren. Gegen 18 Uhr nahm ich erst mal ein paar Brote zu mir und baute laaangsam auf. Immer mit Blick in die Bergkulisse und den Sonnenuntergang beobachtend. Ich beobachtete eine Gemse, die keine 100 Meter von mir entfernt es sich am Fuß des Wendelsteins zwischen den Latschen gemütlich machte. Nicht ohne mich vorher ausgiebig beäugt zu haben, aber ließ sich dann nicht weiter stören.
Stolz wie Oskar ob meiner tollen Justage und in der Hoffnung, dass diese hält, legte ich mit dem Mond los. Mit 8er Ethos und 4,7er Ethos wird einem am Mond schlichtweg nicht zu langweilig, sodass ich bis gegen 23 Uhr unseren Trabanten bestaunte: die Apenninen, Kopernikus, Plato(?), feine Rillen, wo ich mich immer frage, wie eine Rille sich über verschiedene Strukturen hinweg erstrecken kann. Das Seeing war nicht so supertoll, sodass ich am Abend meist bei dem 8 mm blieb, aber zwischendurch lohnte auch ein Blick mit 340fach. Bei gutem Seeing habe ich schon mal mit dem 2,5er Nagler draufgehalten. Geht auch! Aber mit 110 Grad des Ethos SX einfach wirklich wie der blick aus einer Raumkapsel. Ich warte noch drauf, dass ein 2,7er Ethos auf den Markt kommt...
So verstrich die Zeit und auf einmal bemerkte ich ein Sternchen auf der lichtabgewandten Seite – Nanu! Offenbar fand soeben eine Bedeckung ihr Ende. Habs heut gecheckt – tatsächlich: kurz vor 23 Uhr endete die Bedeckung eines 6mag-Sternchens. Immer wieder schön, solche Überraschungen. Der Mond verschwand hinter dem Wendelstein. Zeit, sich einen zweiten Snack zu gönnen: ein Brot mit Gurke und die Tüte Haribo Colorado waren dran. Was nun bis zum Monduntergang? NOVA! Dazu brauchts keinen vollständig dunklen Himmel. Nur eine Karte. Eigentlich hatte ich mich geärgert, mein Fernglas vergessen zu haben. Aber dieses war auch nicht nötig. Ich habe mir die Stelle in einer Karte eingezeichnet und mit dem Wissen um die 6 mag war die Nova freiäugig sofort lokalisiert. WOW! Ich stellte fest: etwas schwächer als 29 Vul (um 0m3 mag hab ich geschätzt) und um den gleichen Betrag heller als 16 Sge. Am Ende der Nacht kam es mir vor, als wäre die Nova nun nahezu gleich hell wie 29 Vul.Ich dachte ich hätte mich getäuscht...Aber im Nachbarthread/board wurde dies bestätigt. Wahnsinn. Hab ich noch nie erlebt. Was für ein Auftakt der Beobachtungsnacht!
Ich vertrat mir die Beine, eine Gemse stieß Warnrufe und ich ein paar sie hoffentlich beruhigende Worte aus. Ich zog mich im Mondlicht wieder zu meiner Beobachtungskanzel zurück und ließ ihr ihren Frieden.
Als der Mond nun verschwindet, ist es Zeit, die Bedingungen unter die Lupe zu nehmen.
Bereits von Anfang an war vor der Dämmerung alles etwas diesig – keine Überraschung, da 80% Luftfeuchte selbst auf dem Berg prognostiziert. Mir war klar, eine Bombennacht wird es wohl nicht, aber sie musste einfach genutzt werden. Es waren um die 9-10 Grad angesagt. Anfangs war es wolkenlos, später zogen teils Schleierwolken durch. Auf dem Plan standen ein paar planetarische Nebel, da hoffte ich eh mehr auf gutes Seeing als Transparenz. Aber die Nacht sollte phasenweise beides bedienen... Teils hochalpiner stockdunkler Himmel zwischen den Schleierwolken, gegen Morgen ein Spitzenseeing. Allerdings war es sehr feucht, sodass die Isomatte zum Wasserbett wurde.
Zunächst stand ein OC auf dem Zettel, der Offene Haufen in der Leier, auf welchen wir aufmerksam gemacht wurden in einem Nachbarthema. Einer der ältesten offenen Haufen mit diversen Besonderheiten, den ich unbedingt probieren wollte. Sehr leicht zu finden zeigte NGC 6791 mit um die 9mag erst mal einen großen Schmadder. Einzelsterne konnte ich nicht direkt dingfest machen, aber es war zu erkennen, dass es ein Sternhaufen sein muss. Mit dem 26er Nagler nahm dieser Haufen schon gut Raum ein, wirklich ein großer aber auch dichter Haufen, welcher gerade deshalb auch reizvoll ist. Ein außergewöhnliches Objekt seiner Klasse! Selbst mit dem 8er Ethos konnte ich Einzelsterne nicht deutlich erkennen. Wahrscheinlich also alles schwächer als die 16 mag bei den Einzelsternen schätze ich. Aber das ist so ins Blaue geschossen.
Nahe bei der aktuellen Nova befindet sich der PN NGC 6905. Mit dem 26er Nagler noch in einem Sehfeld zusammen: witzig, zwei verschiedene Objekte aus dem Ende des Entwicklungszyklus eines Sterns in einem Sehfeld. Die Nova selbst, mit dem Wissen um was es sich handelt, übt im Okular eine besondere Faszination aus. Wirklich ein heller strahlender Stern inmitten vom Dunkel bzw. schwächeren Sternen. Noch nie habe ich einen Stern mit einem derartigen schwer zu beschreibenden Gefühl im Teleskop betrachtet.
Der planetarische Nebel war überraschend interessant. Ich bildete mir eine Art Teilung in zwei Hälften ein, der Zentralstern war einfach sichtbar. Ein helles Exemplar seiner Klasse mit einigem an Struktur. Nach Recherche stellte ich fest, dass es sogar ein bekannter Nebel der „Blue Flash Nebulae“ ist. Muss ich nochmal ran bei Gelegenheit. In jedem Fall ein sehr schönes Objekt. Ich hatte noch weitere PN probiert, aber die meisten nicht gefunden, ich habe auch keinen Filter. Einer hat aber doch geklappt: NGC 7048 im Schwan, welcher etwas irregulär anmutete für mich – länglich und ohne Struktur. Aber die längliche Struktur war offenbar nur Einbildung wegen dem direkt anliegenden Stern. Bilder zeigen den klassischen runden Anblick. Jedenfalls ein reizvolles Objekt durch die sternreiche Umgebung. Der Himmel war zum Zeitpunkt der Beobachtung sehr transparent, der Himmel im Oku war schwarz.
Die Milchstraße war gut strukturiert, die Berge, welche anfangs noch im Dunst hingen, begannen sich dunkel und klar vom Himmel abzuheben. Es wurde ein stetiger Wechsel von diesig hier, übelst transparent dort... Leider war fast immer da, wo ich gerade ein Objekt anvisieren wollte, ein Schleier unterwegs. So musste ich meine Objektliste um ein paar Standards erweitern. Z. B. Den Hantelnebel. Also dieser fette Brocken mit Ohren ist im 8err Ethos schon fast irreal. Man schwebt vor einer riesig fetten „Bommel“ mit Zentralstern und fragt sich, warum können nicht alle Objekte so sein. Ich glaube, ich probiere mich mal in einer Nacht an einer Zeichnung. Den Zirrusnebel gab es ohne Filter einfach zu sehen, Sturmvogel und Knochenhand gleichermaßen. Den Sichelnebel (Crescent) hatte ich auch erstmals probiert, meine auch, ein C gesehen zu haben.
Es standen eigentlich so Sachen auf der Liste wie GM 1-29 (siehe Bericht von Nico: http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/1025165/GM_1_29_Neues_vom_Exotenjager#Post1025165, bin aber mangels geeigneter Karten gescheitert. Auf dem Weg dahin kommt man unweigerlich an NGC 7023, dem Irisnebel im Cepheus vorbei. Das Teil sieht so zerschmaddert aus um den hellen Bereich drumrum, dass ich meinte, das Okular wäre beschlagen oder eine Wolke wäre dazwischen. Blick auf Oku und gen Himmel: Nichts dergleichen! Um den deutlich illuminierten Teil findet man auf Photos einiges an Staubwolken und genau diese zeigten sich hier im Okular! Ein wirklich großer Nebelkomplex, welcher sich im Kontrast zum umgebenden klaren Raum weiter verfolgen lässt, als man vielleicht denkt.
Mit dem Bubblenebel NGC 7635 in Cassiopeia kam ich auch nicht so recht klar in der Lokalisierung, wenn ich richtig war, zeigte sich nur ein schwacher Halo um einen Stern. Aus Protest peilte ich ein paar Kugelhaufen an. M 53 z. b. Hatte ich noch nie in meinem 12er gesehen (im 4er schon). Ein toller Anblick einfach. So versuchte ich mich an Palomar 11, einem Kugelhaufen, bin aber kläglich gescheitert – nix gefunden. So ging es mir mit einigen Objekten diese Nacht. Aber ich bin trotzdem zufrieden mit ein paar neuen Objekten im Gepäck, wundervollen Anblicken alter Bekannter. Und: einem Jupiter bis kurz vor 6 Uhr morgens, welcher diverse Ovale in stehender Luft zeigte, welche sich innerhalb der Beoachtungszeit sichtbar fortbewegten, in gelb-orangetönen einer anderen Welt. Den Dob habe ich auf die Holzplattform (siehe Bild) gestellt, während ich unten stand, sodass die Einblickhöhe perfekt war. An anderer Stelle stehen Wandererbänke und ein großer Tisch, auf den ich am Abend zwecks Mondbeobachubg schon das Scope gehieft habe zwecks Einblickhöhe. Schon ein witziger Platz zum Sternegucken. Da steht sogar eine Betonsäule mit herausragendem Gewinde, wer weiß...
Zum Morgen baute ich in Ruhe ab, erste Gondel runter ging erst 9.15 Uhr. Auf einer der Holzbänke sitzend genossee ich die ersten Sonnenstrahlen – ein seltenes Vergnügen nach einer Beobachtungsnacht. Sonst haut man immer gleich ab mit der Dämmerung... Wieder ein Vorteil des Sterneguckens auf dem Berg, wo man verkehrstechnisch zum Sonnenaufgang gezwungen ist ;-) In der Morgensonne entledigte ich mich recht schnell der Baumwollunterhose, Mütze und des Fleecepullis, die nach hinten raus doch brauchbar und nötig waren. Es war an diesem Morgen wärmer als am Abend zuvor, kurze Hose war angesagt.
Auf dem sich schlängelnden Weg vom Gipfel zur Bergstation kam ich durch eine Gruppe von ca. 40 Alpendohlen durch, die links und rechts wie oben unten den Weg säumten. Alle total ruhig, nur teilweise weghüpfend und aufflatternd. Das erinnerte mich stark an Hitchcocks „Die Vögel“...
Die Fahrt hinunter war ich bis auf den Bediensteten der Wendelsteinbahn wieder allein in der Gondel, gewohntes Bild der entgegenkommenden Gondel: proppenvoll. Der Kollege in der Gondel begann sogar nach einer Weile interessiert nach meiner Unternehmung zu fragen, sodass ein netter kleiner Plausch entstand. Fast geschockt war ich, als er fast kennerhaft fragte, was ich denn so schaute:„Spiralnebel und sowas?“. Also auch wenn die Frage kam, „ist es nicht zu kalt mit kurzer Hose in der Nacht?" besteht noch Hoffnung beim Bergbahnpersonal ;-)
CS
Norman
Zuletzt bearbeitet: